Friedrich der Weise

Friedrich der Weise

Friedrich der Weise.

Dem Herzog Ernst von Sachsen, einem jener beiden Prinzen, die als Knaben so merkwürdiger Weise geraubt und befreit wurden, dem Stifter der sächsischen Ernestinischen Linie, ward am 14. Januar 1463 von seiner Gemahlin Elisabeth von Baiern ein Sohn geboren, der ihm 1486 in der Regierung seiner Landestheile, wie in der Kurwürde folgte. Friedrich hieß er, und sein besonnenes und friedsames, aber doch gleichmäßiges und festes Regiment, die Klarheit über das, was er konnte und wollte, hat ihm den Ehrennamen des Weisen eingetragen. Sein Verhalten in den mehr als staatsmännische Klugheit erfordernden großen Händeln, in die ihn Gott geführt, seine Stellung zu Luther und dem beginnenden Werke der Reformation, straft wenigstens das ehrende Zeugniß der vaterländischen Geschichte nicht Lügen. Und sollte bei manchem seiner Schritte auch etwas von berechnender Klugheit und Menschenfurcht zu spüren sein, nun so tritt doch um so klarer die göttliche Weisheit an’s Licht, welche dem berufnen Reformator einen Fürsten zur Seite stellte, der Gamaliels Rath folgend mehr zusah, als drein griff, zur gewaltsamen Unterdrückung der Wahrheit und des Wahrheitzeugen sich um keinen Preis bewegen ließ, aber auch nicht mit seinem weltlichen Arm ausrichten wollte, was allein durch die Macht des göttlichen Wortes geschehen konnte und sollte. „So viel als ich vermag“ war Friedrichs Wahlspruch, fürwahr, der Wahlspruch eines Weisen, und daß er demselben auch wirklich nachgelebt hat, über das Maaß seiner Erkenntniß und Kraft niemals hinausgegangen ist, achten wir als seinen besten Ruhm. Er hat gethan, was er konnte.

Von Friedrichs löblichem und friedlichem Regiment, das er in schöner Eintracht mit seinem jüngeren Bruder Johann (der Beständige zubenannt), welchem zu lieb er auch ehelos blieb, führte, und von seinem Ansehn im deutschen Reich, welches sich am meisten bei der Kaiserwahl im Jahre 1519 zeigte, ist in den Büchern deutscher Geschichte allenthalben zu lesen. Wir wollen hier nur etliche Züge seiner christlichen Regententugenden anschauen, um dann seine innere und äußere Stellung zur Reformation in’s Auge zu fassen.

Es war ihm ein Ernst mit seiner Regentenpflicht. An der Wand seines Schlafzimmers stand das homerische Wort geschrieben: „Einem, der für Land und Leute zu wachen hat, steht nicht zu, die ganze Nacht zu schlafen.“ Und darunter: „Dir ist dein Sparta zugetheilt worden, das schmücke.“ Darum begehrte er auch der Kaiserkrone nicht, die man ihm anbot. Luthers Schrift: „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ war ihm so wichtig, daß er sie besonders abschreiben und einbinden ließ, „damit er auch möchte sehen, was sein Stand sei vor Gott.“ Sein Regiment war ihm ein gottbefohlen Amt: „Lieber Thun – sprach er zu dem Ritter Friedrich von Thun, als dieser Urlaub von ihm begehrte – du siehst, daß Regieren ein schwer Ding ist, und ich bedarf dazu geschickter Leute, ich kann deiner nicht entbehren. Wiewohl es dein Alter nicht länger ertragen will, daß du zu Hofe seist, so mußt du doch Geduld haben, gleichwie ich auch muß geduldig sein. Denn wenn ich es nicht thun will und du auch nicht, wer will’s denn thun? Darum kann ich dich nicht von mir lassen.“ Doch gab er sich seinen Räthen nicht in die Hand: er hörte ihren Rath und that gleichwohl das Widerspiel, doch mit solcher Vernunft, daß sie nicht dawider reden konnten.

Den Lügnern war er besonders feind. Das Recht wußte er ohne Rechtsbüchergelehrsamkeit zu treffen. Er hatte übrigens manche Kenntnisse, um die sich die damaligen Fürsten nicht kümmerten, liebte die Wissenschaften, ehrte die Gelehrten, führte die Sprüche der Alten gern im Munde. Dagegen befahl er, daß im Reichskammergericht zu Speier, dem er eine Zeitlang vorstand, alle Verhandlungen in deutscher Sprache geführt würden, denn das Recht soll, wie Gottes Wort, dem Volke nicht in fremder Zunge gegeben werden. Er schrieb ungern Steuern aus (doch mußte ihm einst Luther wegen einer beschwerlichen Steuer Vorstellungen machen), hatte die armen Leute lieb und vermerkte es ungnädig, wenn die Herren vom Adel sie beschwerten. Wenn er sammelte, sammelte er nicht für sich, sondern für sein Land, darum hinterließ er einen großen Schatz und Vorrath, obwohl er an Bauten und sonst viel wendete, denn er war ein guter Haushalter und rechnete seinen Amtleuten scharf nach. Besonders hochangesehen ist er um seiner Friedensliebe willen. In seinem Lande, unter seiner Regierung kam keine Fehde auf. „Er konnte viel verdauen und ihm selbst steuern – sagt Luther von ihm – ob er gleich von Natur zornig war, aber er hielt an sich.“ Und dieß war nicht Furchtsamkeit und unritterlicher Sinn, denn er pflegte wohl zu sagen, wenn man seiner Geduld den Trotzigen gegenüber sich verwunderte: „Ich will nicht anheben, muß ich aber kriegen, so sollst du sehen, das Aufhören soll bei mir stehn;“ sondern das Leben seiner Unterthanen stand ihm hoch im Preis. Als ihm in seinen Streitigkeiten mit der Stadt Erfurt die Nachricht gebracht wurde, er brauche keine zehn Mann an Erfurt zu wagen, fragte er den Ueberbringer: „Wollt ihr einer der Zehn seyn?“ und als dieser mit den Achseln zuckte, fuhr er fort: „So ist einem jeden sein Leben lieb, und wüßte ich zehn Erfurte zu bekommen, so wollte ich nicht einen Mann daran wenden. Ihr rathet für meine Unterthanen nicht wohl!“

Dieß war der Fürst, an dessen redlichem Herzen und gelassenem Muthe alle arglistigen und gewaltthätigen Versuche, die beginnende Reformation im Keime zu ersticken, scheiterten. Wie kam es dazu? wie kam es, daß Friedrich so ganz andere Wege ging, als sein Nachbar und Vetter Herzog Georg? Es ist wahr, er war ein wahrhaft frommer Mann und Luthers evangelische Predigt kam den Bedürfnissen seines Herzens entgegen, aber er mußte gleich diesem vieles daran geben, davon er früher hochgehalten, und es für Schaden rechnen, um Christum zu gewinnen; denn seine Frömmigkeit, obgleich durchaus redlich, trug ganz das Gepräge seiner Zeit. „Aus sunder Innigkeit und Andacht“ machte er 1493 eine Fahrt nach Jerusalem und richtete vor deren Antritt „zu seiner Seelen Trost“ wohlthätige Stiftungen für arme Studirende auf. In seinem Geleit war ein Herzog von Baiern, ein Graf von Anhalt, viele Edelleute, auch der Maler Lucas Kranach und der gelehrte Martin Pollich von Melrichstadt. Am heiligen Grabe ließ er sich von Friedrich von Schaumburg zum Ritter schlagen. Dort im heiligen Lande fand auch seine Vorliebe für das Ansammeln von Reliquien reichliche Nahrung, und von dieser Reise her datirt sich besonders die reiche Sammlung, welche er, durch Ankäufe in allen Ländern vermehrt, in der von ihm erbauten Stifts- oder Allerheiligenkirche zu Wittenberg aufrichtete, deren einzelne Nummern die Summe von 5005 erreichten und bei deren Ausstellung jedem Anwesenden ein auf 1443 Jahr zu berechnender Ablaß zufloß. Dieses Stift lag aber auch dem Kurfürsten, der auf „Kirchen, Zierden, Heiligthum und Wallfahrten“ überhaupt so viel hielt, ganz besonders am Herzen, er zierte es mit Kleinodien, Ornaten und Heiligthümern, daß es ihm 200,000 Gulden gekostet haben soll; die Zahl der Personen des Stifts brachte er auf 80, nahe an 10,000 Messen wurden Jahr aus Jahr ein dort gelesen, der Verbrauch an Wachs stieg auf 36,000 Pfund. Und dieses ganze mühsam und mit so vielen Kosten zusammengebrachte Werk mußte Friedrich später als ein vergebliches erkennen und sich gefallen lassen, daß Luther das Stift um der dort noch länger fortbestehenden Stillmesse willen ein Bethaven nannte. Das mußte ein schweres Opfer sein, einen harten Kampf kosten. Zwar finden sich neben diesen Proben abergläubischer Frömmigkeit auch früher schon bei Friedrich Beweise, daß er Auge und Herz hatte für die lautere, evangelische Wahrheit. So wurde z. B. Luther ganz für ihn eingenommen durch einen Ausspruch, von dem Staupitz erzählt hatte: daß ihn nämlich die Predigten, welche aus Spitzfündigkeiten und Menschensatzungen beständen, sehr kalt ließen und unkräftig erschienen, weil sich nichts so Spitzfündiges aufbringen lasse, was nicht durch eine andere Spitzfindigkeit widerlegt werden könne. Die heilige Schrift allein sei es, die ohn all‘ unser Zuthun solch‘ eine Majestät und Kraft habe, daß sie bald alle Disputirkünste überwinde und uns zwinge zu bekennen: So hat nie ein Mensch geredet, hier ist Gottes Finger, denn sie redet gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten. Friedrich umgab sich auch mit Männern, an denen eine geläuterte Erkenntniß und wahre Herzensfrömmigkeit zu spüren war. Bei der Stiftung der Universität Wittenberg im J. 1502, an die er sein Bestes wendete und die er in genauen Zusammenhang mit der Stiftskirche setzte, nahm er den vorerwähnten Dr. Pollich, der schon in Leipzig der scholastischen Lehrweise Widerpart gehalten hatte, und den Dr. Staupitz, den geistlichen Vater Luthers, zu Hülfe, und wie dieser es war, der im J. 1509 Luthern der jungen Universität zuführte, so erkannte jener alsbald mit prophetischem Blicke an ihm den zukünftigen Reformator. Der Kurfürst aber hatte auch nicht entfernt daran gedacht, welch‘ eine neue Lehre von seiner an einem so armseligen Ort errichteten Universität ausgehn würde, als er bei deren Stiftung in der Confirmationsurkunde erklärte, er werde sammt allen umwohnenden Völkern sich dahin wenden als an ein Orakel, „so daß, wenn wir voll Zweifels gekommen, nach empfangenem Bescheid unserer Sache gewiß uns wieder entfernen.“ Als Luther durch seine Thesen über den Ablaß einen Funken hinwarf, an dem sich ein so gewaltig Feuer entzündete, wußte er selbst nicht was er that, Gott hatte es ihm geheißen und kein Mensch, am allerwenigsten der rücksichtsvolle Kurfürst von Sachsen, der übrigens Luthern persönlich immer ferne blieb, nur einmal ihn gesehn, nie mit ihm gesprochen hat. Mit Besorgniß sah er der Sache zu, fürchtend es möchten weitere Unruhen daraus entstehn, aber zu Gewaltmaaßregeln ließ er sich nicht bewegen, er that, was andere fromme Leute auch thaten, er gab Gott nach, las was geschrieben wurde, mit Fleiß, und wollte, was er als wahr erkannt hatte, nicht unterdrücken helfen. Von da ab kam der gottesfürchtige Kurfürst in den schweren Kampf, daß er von Außen immer mehr gedrängt wurde, die Sache zu dämpfen, und in demselben Maaße innerlich von deren Wahrheit und Gerechtigkeit überzeugt wurde. Insbesondere thaten Luthers Lehr- und Trostschriften seinem heilsbedürftigen Herzen überaus wohl. Unmöglich konnte ein so gottesfürchtiger Mann offenbar wider Gott streiten, aber die Sorge um den bedrohten gemeinen Frieden lag ihm doch auch hart an. Daher jenes zurückhaltende und behutsame Verhalten, welches leicht wie Schwäche aussehn kann. Nicht oft genug konnte er in seinen öffentlichen Schriften wiederholen, wie er sich noch nie unterstanden, Dr. Luthers Lehre und Schriften mit seinem Ansehn zu fördern oder zu vertheidigen, aber er pflegte auch hinzuzufügen, daß er ihn nicht unverhört und unüberwiesen überantworten könne, und daß seine Lehre von vielen Gelehrten und Verständigen für gottselig und christlich gehalten werde. Gegen Vertrautere ließ er sich wohl noch etwas weiter heraus, aber doch ging ihm Luther viel zu schnell vorwärts, als daß er gleich folgen konnte: hätte es in seiner Macht gestanden, so hätte er Luthers Lauf wohl gemäßigt, und einmal war es nahe daran, nicht daß er Luthern preis gab, wohl aber daß er ihn anderswo eine Zuflucht suchen ließ. Doch es blieb und auf des Cardinal Cajetan unziemliche Insinuationen gab der Kurfürst eine mannhafte Antwort, wie sie sein gutes Gewissen und ein ihm wohlanstehender deutscher Fürstenstolz ihm dictirte. Inzwischen änderten sich nicht blos die äußern Umstände in etwas, sondern Friedrich hatte auch schon zuviel von der Süßigkeit des Evangeliums geschmeckt, als daß des zweiten päpstlichen Legaten Miltiz glatte Worte und das hohe päpstliche Gunst- und Ehrengeschenk der geweiheten Rose ihn hätten umstimmen können.

Unter vielen Verhandlungen kam Luthers Sache endlich trotz des bereits gesprochnen päpstlichen Banns vor den Reichstag. Da hatte freilich der Kurfürst seine heimliche Freude daran, wie wohl der Pater Dr. Martinus redete vor Kaiser und Reichsständen, aber er war ihm doch „viel zu kühne,“ und ihn gegen des Kaisers Urtheil und Acht öffentlich zu schützen, erlaubte ihm sein Unterthanengewissen nicht. Aber eine heimliche Zuflucht auf der Wartburg konnte er ihm bereiten, sich daselbst eine Zeit zu enthalten. Daß Luther nicht länger dort blieb, daran waren die von Carlstadt erregten Wittenberger Unruhen und Melanchthons Rathlosigkeit Schuld. Aber obwohl es die Wittenberger dem Kurfürsten „zu wunderlich und mancherlei“ machten, daß er fürchtete „es würden soviel Secten daraus werden, daß männiglich irre darüber würde und Niemand wüßte, wer Koch oder Kellner wäre;“ so war er doch so weit gekommen, daß auch dieß ihn nicht mehr irre machen konnte. So demüthig als muthig erklärte er: „Das ist ein großer Handel und den ich als ein Laie nicht verstehe. Nun hat mein lieber Gott meinem Bruder und mir eine ziemliche Armuth gegeben. Wenn ich nun die Sachen verstünde, ehe ich wollte mit Wissen wider Gott handeln, ehe wollt ich einen Stab in meine Hand nehmen und davon gehn.“ Und als Luther von der Wartburg aus dem Kurfürsten Glück wünschte, daß Gott ihm, den er so lange Jahre nach Heiligthum in alle Länder habe bewerben lassen, jetzt ein ganzes Kreuz mit Nägeln, Speeren und Geißeln ohn alle Kost und Mühe zugeschickt habe; so antwortete der Kurfürst, daß, wenn er wüßte, daß solches das rechte Kreuz und Heiligthum von Gott sei, er kein Entsetzen davor trüge, weil Gott gesagt habe, sein Joch wäre süß und seine Bürde leicht. Er wolle, wenn er recht eigentlich und gründlich wüßte, was in dem Willen Gottes recht und gut wäre, für seine Person gern Alles darob leiden und dulden. Nur daß auch andere Leute sollten in Schaden und Beschwerung kommen würde ihm sehr beschwerlich fallen und darum wolle er nicht, daß Luther jetzt schon nach Wittenberg komme. Aber Luther kam doch und zeigte seine Abreise dem Kurfürsten in dem bekannten Briefe an, dessen Glaubenssinn und Heldenmuth so oft bewundert worden ist. Aber auf gerechter Wage wiegt kaum weniger schwer die ruhige Ergebenheit des gewissenhaften Fürsten, der sich in einem schweren Gedränge zwischen seiner Lehenstreue und Regentenpflicht einerseits und zwischen seiner Liebe zur erkannten Wahrheit andererseits befand. Doch die Versuchung ward dem treuen Manne nicht schwerer gemacht, als er sie tragen konnte. Die Sachen gingen ihren beschiedenen Weg weiter, wie wir wissen.

So kam das Jahr 1525 herbei und mit ihm der unselige Bauernaufstand. Friedrichs Regiment hatte an diesem Unglück ebensowenig Schuld als Luthers Lehre. Er war den Seinen immer ein milder Herr gewesen und sagte es frei heraus, daß man den armen Leuten zu solchem Aufruhr Ursach gegeben, sonderlich mit Verbietung des Worts Gottes, und er ermahnte noch seinen in den Kampf ziehenden Bruder, vorsichtig und nachgiebig zu Werke zu gehen. Er selbst lag damals schon auf seinem letzten Lager auf seinem Jagdschloß in Lochau: in die Nähe des Sterbenden kam der Kampf nicht, der Kurkreis blieb fast unberührt vom Aufruhr. Doch stellte er sich ernstlich die Gefahr vor, daß die Bauern Herr werden möchten, ohne jedoch davor zu erschrecken, denn ohne Gottes Willen werde es nicht geschehn. Es war der 5. Mai. Keiner seiner Verwandten war um ihn, nur seine Diener. Er sprach zu ihnen: „Lieben Kindlein, habe ich Einen von euch beleidiget, so bitte ich ihn, mir es um Gottes willen zu vergeben, wir Fürsten thun den armen Leuten mancherlei, das nicht taugt.“ Hierauf empfing er aus den Händen seines gewöhnlichen Beichtvaters, des Pfarrers von Herzberg, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt. Sein Secretair und Hofprediger Spalatin, mit dem er Tags zuvor noch über wichtige Dinge lange gesprochen hatte, hatte ihm eine Trostschrift zurückgelassen, die las er und wollte sie abermals lesen, als Spalatin hinzukam und sie zu Ende las. Dann machte er sein Testament, seine Kräfte sanken und er rief aus: „Ich kann nimmer.“ Er schlief so sanft ein, daß sein Arzt, Heinrich Stromer, ausrief: „Er war ein Sohn des Friedens und in Frieden ist er gestorben.“ Das waren auch Luthers Gedanken bei der Kunde von seinem Tode: „Es stehet sich an, – sprach er – als habe ihn Gott weggerückt, wie den König Josia, daß er solches Uebel in der Welt nicht sehe, weil er sein Lebelang ein friedsam, still, ruhig Regiment geführet hat, daß er billig Friederich geheißen.“ In der Schloßkirche zu Wittenberg, wo auch Luthers Gebeine ruhen, ward er begraben: neben lateinischen ertönten deutsche Gesänge an seinem Grabe. Dort sehen wir noch die edlen Züge in dem trefflichen Bildnisse, das Peter Vischer ihm gegossen: er hält wie im Leben das Reichsschwert fest in den Händen und über ihm steht der Wahlspruch, auf den jene drei großen sächsischen Fürsten sich stützten: Verbum Dei manet in aeternum. (Gottes Wort bleibt ewig.)

M. Meurer in Callenberg.

Die Zeugen der Wahrheit
Dritter Band
Piper, Ferdinand (Herausgeber)
Verlag von Bernhard Tauchnitz
Leipzig 1874

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