Der erste war geboren in Augsburg anno 1708. Sein gottesfürchtiger Vater war dort Vorsteher einer Armenanstalt, kam jedoch im Jahr 1719 als Hausmeister an das Waisenhaus zu Stuttgart. Der junge Sohn war schon in Augsburg durch einen frommen Hauslehrer ganz im Geiste Franckes unterrichtet worden und fand auch in Stuttgart Lehrer, welche sich nicht schämten, mit ihren Schülern auf den Knien zu beten.
Beckh schrieb später: „Als uns unser erster alter Präzeptor um die Weihnachtszeit einmal sehr beweglich zuredete, dass wir doch auf unsere Knie niederfallen und den lieben Heiland um ein anderes Herz bitten sollten, uns auch zugleich sagte, er wolle uns in 14 Tagen wieder fragen, ob wirs getan haben, so weinten wir fast alle zusammen, und diese Ermahnung ging mir so nach, dass ichs, wie ungern ich auch nach dem Fleisch daran kam, doch endlich wagte, mich in meine Kammer schlich, vor dem Tisch niederkniete und beten wollte. Ich konnte aber nichts tun als weinen, inzwischen war es mir dabei so wohl, dass ichs nicht aussprechen kann.“
In der Klosterschule zu Denkendorf, wo er 3 Jahre lang die Unterweisung Bengels genoss, hatte er Gelegenheit, jene ersten Jugendeindrücke in sich immer wieder erneuern zu lassen. Als er aber in die höhere Klosterschule vorrückte, da wurde es anders. „Zu Maulbronn,“ schreibt er, „ließ ich mich durch den Strom der Ärgernisse mit hinreißen, so dass ich mich über dieselbigen Jugendsünden mein Lebtage beugen muss. Doch zog ich den Vorteil daraus, dass ich hernach als Zuchthausprediger mit Sündern Geduld haben und Gelindigkeit beweisen lernte. Gott wollte mich zwar auf einen andern Sinn bringen und strafte mich über einer Sünde, die ich in meiner zarteren Jugend begangen hatte, an einem Tage, da sich diese Versündigung eben jährte. Ich dachte nachgehends daran und demütigte mich zwar, aber nur wie Ahab“ (1 Kön. 21, 27 ff).
Nach ein paar Jahren wurde Beckh in das Stift zu Tübingen aufgenommen, um Theologie zu studieren. „Dort fing ich wieder ein ehrbares Leben an, hatte aber nur die Absicht dabei, mich bei meinen Herren Professoren in Gunst zu setzen. Gott suchte mich wieder durch ein zweimonatliches Fieber, wovon ich auch die Ursache wusste, warum es gerade zwei Monate währen musste. Allein ich war auch da noch unverständig und merkte nicht auf Gott und Seine Stimme. Einmal fühlte ich etwas bei meinem Abschied von meinen Eltern, da ich aus der Vakanz nach Tübingen reiste. Denn da redete mir mein seliger Vater, der viel für seine Kinder betete, beweglich zu und stellte mir vor, wie er bei alle dem, dass meine Herren Professoren mit mir zufrieden seien und dass ich schön predigen könnte, doch nicht mit mir zufrieden sei, denn ich habe eben kein Leben aus Gott. Ich musste ihm aus Überzeugung rechtgeben, fing an zu weinen und nahm mit Tränen Abschied, betete auch unterwegs. Als ich aber nach Tübingen kam, stieß ein einziges Wörtlein eines Kameraden den ganzen angefangenen Grund wieder um. Und so ging ich denn wieder ein paar Jahre in meiner Ehrbarkeit fort, predigte immer fleißig und ernstlich von Buße und Glauben, Gesetz und Evangelium und verließ mich auf meine große Kunst. Ich suchte auch keine Seele zu erbauen, sondern nur das Lob eines guten Predigers davon zu tragen.“
So ging es fort bis Dezember 1733. Da endlich gelang es dem Herrn, ihn zu sich zu ziehen. Er wollte nämlich zum heiligen Abendmahl gehen. Der bekannte Professor Weismann hielt die Beichtrede über Hebr. 10, 31: Schrecklich ist es in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Er redete davon, was das Leben Gottes für ein großes Leben sei, nicht nur wenn Er es in der Gnade, sondern auch wenn Er es in Seinem Zorn beweise. Da brach dem jungen Beckh das Herz und in die Augen stiegen Tränen auf. Er suchte dieselben zu verbergen, da er sich vor seinen Kameraden noch schämte. Als er aber dann in die Vorbereitungspredigt kam, welche der Repetent Köstlin (der nachmalige Senior in Esslingen) hielt, da dachte er doch, er wolle, während er sonst nur um die Predigtkunst zu lernen, auf die Predigten acht gegeben hatte, nun diesmal zur Erbauung seiner Seele acht geben. Köstlin sprach über die Worte: „unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ und wiederholte mehrmals, die Menschen könnten also alle ihre Versuchungen wohl überwinden, sie sagen zwar sie können nicht, aber sie sollten lieber sagen: wir wollen eben nicht, wir wollen eben nicht. Als Köstlin so redete, da stieß es Beckh so ins Herz, dass er den Tränen freien Lauf lassen musste. Nach der Kirche machte er sich in die Einsamkeit, schüttete sein Herz vor Gott aus, bekannte ihm seine Sünden und bat sie ihm mit stillem Flehen ab. Es wollten zwar auch wieder Zweifel kommen z. B. ob ers auch hinausbringen werde, allein Gott trieb ihn in die Enge, es sei nicht die Frage, ob er könne, sondern nur, ob er wolle. Da ergab er sich endlich Gott ganz. So kamen die Gebete und Vorstellungen seines frommen Vaters und die gründliche Unterweisung seines Lehrers Bengel zu ihrer Frucht.
Schon 1734 erhielt er einen Ruf an das Zucht- und Armenhaus zu Frankfurt am Main. Hier kam er mit Christen in Berührung, welche auf inneres Leben drangen, aber dabei die äußerlichen Heilsanstalten gering schätzten, und obgleich er hinsichtlich der Innigkeit seines Lebens durch den Umgang mit ihnen gefördert wurde, geriet er doch auch in ein gesetzliches Treiben und in separatistische Anschauungen hinein. Da wurde er eben zu rechter Zeit von seiner vaterländischen Behörde zurückberufen um als Prediger am Zucht- und Waisenhaus zu Ludwigsburg der heimatlichen Kirche zu dienen (1736). Er folgte dem Ruf, und die separatistischen Bedenken, welche zuerst sein Herz noch beunruhigten, schwanden allmählich. Länger machte ihm sein gesetzliches Wesen zu schaffen. Er wollte auf allerlei Weise eine Gerechtigkeit aus dem Gesetz aufrichten; allein es ging ihm „wie einem Vögelein, das sich auf den höchsten Gipfel eines Baumes gesetzt, dem aber das Ästlein bricht, wie das hernach auf den nächsten Ast fliegt, und wenn derselbe auch bricht, nach und nach immer weiter herabkommt, und endlich wie lange es sich gesperrt, ganz herab muss.“
„Ich hatte vom Evangelium fast gar keinen Aufschluss, und predigte selbst über die Leidensgeschichte gesetzlich. Endlich aber schloss mir Gott durch die Evangelien, die ich oft gern anders gedreht hätte, aber nicht drehen konnte, das Evangelium von Christo auf. Da speidelte ein evangelisches Zeugnis das andere, wie ein Speidel (Keil) den andern ein, dass ich nicht mehr ungläubig sein konnte, sondern wie ich vorher in dem Gefängnis des Gesetzes lag, weil ich unter die Sünde und den Unglauben verschlossen war, so war ich nachher mit dem Evangelio von der großen Gnade Gottes in Christo gegen die Sünder so ummauert, dass mein Unglaube kein Loch durchbohren konnte, sondern ich mich dem Evangelio gefangen geben musste.“
Sein neues Amt führte er mit demütigem, gebeugtem und liebendem Sinn, der nicht vergaß, aus welcher Sündennot ihn selber die Gnade errettet hatte, und der nun gern aus seinem Waisenhaus einen rechten Gottesgarten gemacht hätte.
Er schreibt 1735 an Bengel: „Ich kann in der Tat Gott nicht genug danken für das viele Gute, das ich nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch im Praktischen und Asketischen durch gute Erinnerungen und sonst auf andere viele Weise von Ihnen gelernt. Und was wünschte ich, als dass ich solchen Schatz behalten und nicht zu Maulbronn durch unordentliches Leben, da ich ohne Gott gelebt, wieder verloren hätte. Ich muss meine eigene Schande zu Gottes Ehre bekennen. Doch Gott dem Erbarmenden sei Ehre und Ruhm, dass er mich in Sünden erstorbenes Menschenkind herumholen wollte. Und ach, wie gottlos bin ich noch, ich schuldige täglich wider meinen lieben Gott und meinen Heiland Jesum, und dennoch überschüttet Er mich arme Missgeburt mit einer Gnade nach der andern, sowohl im Geistlichen als im Leiblichen. – O, was ist es für eine süße Herzensfreude, diesen Gott kennen zu lernen und mit einem gesammelten Gemüt in der Einsamkeit der Seele zu betrachten. Wie oft, wie oft klingt mir nicht noch jetzt Ihr Abschiedswort, das Sie nach dem Abendgebet Samstag zum Adieu allemal hinterließen, Ihr colligite animas! (sammelt die Gemüter!) in den Ohren! Damals verstund ich es nicht, jetzt weiß ich es aber, was es ist. Ich sehe es nicht nur als eine Pflicht, sondern als eine süße Glückseligkeit an; wenn ich meine Seele sammle aus dem Umkreis dieses weltlichen Zirkels in das neue Zentrum, so ist mir wohl, nur das muss ich bedauern, dass, da ich jetzt wohl weiß, was es heiße, es doch nicht tue, wie ich soll. Ich kann nicht sagen: „ich sammle immer meine Seele,“ sondern der Befehl bleibt immer noch: sammle, sammle! Doch weil ich auch dies nicht einmal tun kann, so mache ich voll Vertrauen einen Befehl an Gott und meinen Heiland und spreche: Sammle Du, sammle Du meine Seele, und sie wird gesammelt sein. Mein Jesus vertrete (wie Er es auch redlich und stündlich tut) Ihre Stelle und rufe mir durch Seinen Geist zu: Sammle deine Seele! und dieser rufe wieder zu Ihm in mir: Sammle du sie! so bin ich glückselig. Preisen Sie Gott mit mir und so Sie in der Nacht aufwachen, so fangen Sie, wie Sie einmal zu Wangen taten, da Sie mit meinem Vater in einem Zimmer lagen, wegen meiner ein „Herr Gott dich loben wir!“ an. Vergessen Sie aber auch der Fürbitte nicht, dass Gott mich je mehr und mehr treuer in Seinem Werk und zu meinem wichtigen Amt tüchtig machen wolle. Beten Sie aber für mich (ich kann nichts davor, ich werde immer unverschämter), so beten Sie auch für meine lieben Waisenkinder, dass Gott ihnen doch eine rechte Furcht vor Ihm und eine herzliche Liebe zu Ihm in das Herz flößen wolle. Ach, wie schön wäre es, wenn mein Waisenhaus ein Pflanzgarten schöner Gott wohlgefälliger Pflanzen wäre. Helfen Sie mit mir unsern Gott und den Vater unseres Herrn Jesu Christi bitten, doch das dinge ich mir aus, dass Sie nicht für mich beten, Sie beten denn auch zugleich für meine lieben Kindlein und Kinder. Ich lasse mich nicht von ihnen trennen.“
44 Jahre lang arbeitete Beckh in der Stille auf seinem unansehnlichen Posten, aber er hatte viele Frucht. Ein Zeugnis davon ist die Anhänglichkeit, welche er von seinen Waisenkindern und Züchtlingen erfahren durfte, als er anno 1746 an einem hitzigen Fieber schwer erkrankte. Sie flehten so ernstlich um seine Erhaltung, dass Beckh, als er genas, die zuversichtliche Überzeugung hatte, sie haben ihn aus dem Tode herausgebetet. Auch bei vielen, die nicht zu seiner eigentlichen Gemeinde gehörten, war er ein Geruch des Lebens. So verdankte ihm Brastberger während seines Bekehrungskampfes viel Beistand und Förderung. Am 31. Dezember 1780 ging der Knecht ein zu seines Herrn Freude.
Als treue Mitarbeiter standen ihm seine Waisenschulmeister zur Seite, zuerst Johann Michael Krauß, der 19 Jahre lang am Waisenhaus mit Segen wirkte und 1755 in einem Alter von erst 42 Jahren starb, und dann der noch bekannter gewordene Israel Hartmann, welcher 51 Jahre lang am Waisenhause stand und von welchem Lavater sagte, wenn jetzt Christus als Mensch unter uns wandelte, so würde er ihn zum Apostel wählen.