Bechthold Haller

Ein apostolischer Mann fordert uns im Briefe an die Hebräer (C. 13, V. 7.) auf: „Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben, welcher Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach“! Gilt dies einem Jeden von uns in Bezug auf die, von denen er das Wort des Heils und der seligmachenden Wahrheit in seiner Jugend vernommen, halten wir vor Allem denjenigen zeitlebens hoch und wert, der uns den Weg zu Christo gezeigt und den Samen des Glaubens ins kindliche Herz gepflanzt, verrät in der Regel wenigstens unsere Gleichgültigkeit gegen die Person, dass uns auch die Sache mehr oder weniger gleichgültig geworden, wie sollte es sich denn nicht auch einer Gemeinde, einem Volke geziemen, das Andenken an ihre Lehrer zu erneuern, durch deren Mühe und Arbeit ihnen die köstlichste aller Gaben, die Erkenntnis des lebendigen Gottes aus seinem Wort und das lautere Evangelium seiner Gnade in Christo entweder zuerst oder in gereinigter Gestalt wieder verkündigt worden ist. Mir will es jedenfalls so vorkommen, als lasse sich ein Geschlecht von Undank gegen Gott und Menschen nicht ganz freisprechen, wenn es seine höchsten Güter hinnimmt und genießt, ohne zu fragen, wie, durch wen, und auf welche Art sind wir dazu gekommen, und auf der andern Seite muss ja wohl die Betrachtung der Kämpfe, die es gekostet, der wunderbaren Wege, wie der Herr seine Sache gefördert, nicht wenig dazu beitragen, uns jene Güter noch viel teurer zu machen, und unseren Glauben zu stärken, wozu ja auch das Anschauen des Wandels, der Schicksale, des Glaubens und Endes der Diener Gottes so ganz vorzüglich geeignet ist. Euch, die ihr die Geschichte der Kirche in vergangenen Zeiten eurer Beschäftigung und Aufmerksamkeit nicht unwert achtet, möchte ich daher heute das Leben eines Mannes in kurzen Zügen vormalen, der zwar unter den Streitern und Zeugen der Reformation nicht besonders hervorragte, der in seinen Augen vielmehr zu den letzten gehörte, durch den jedoch gerade in seiner Schwachheit Großes an uns getan worden; es ist der Hauptbegründer der evangelischreformirten Kirche in unserer Vaterstadt((Bern)) und in unserem näheren Vaterlande, Berchtold Haller, welcher der erste das unter dem Scheffel verborgene Licht des Evangeliums hier in unserer Münsterkirche wieder auf den Leuchter gestellt, und als treuer Lehrer, Seelsorger und Hirte unserer Münstergemeinde unter viel Beschwerde und Anfechtung bis an sein Lebensende gedient hat.

B. Haller wurde 1492 in dem Dorfe Aldingen in Schwaben von unbemittelten Eltern geboren und genoss den ersten Unterricht in der nahegelegenen, mit der Schweiz eng verbündeten Reichsstadt Rottweil, wo er den Michael Roth oder Rubellus zum Lehrer hatte. Später besuchte er die damals berühmte Schule zu Pforzheim unter Peter Simmler, und lernte dort neben andern Mitschülern den etwas älteren Ph. Melanchton, Luthers späteren Gehilfen im Reformationswerke, kennen, der ihm auch nachher in beständiger Freundschaft verbunden blieb. Da er sich dem Kirchendienste widmen wollte, ging er nach Köln am Rhein und setzte auf dieser Hochschule, die großen Namen und Zulauf hatte, seine Studien fort, nicht mit großem Gewinn, wie er in der Folge mit Schmerzen erkannte, da die daselbst herrschende Lehrweise höchstens auf Übung des Verstandes durch spitzfindige Fragen, aber keineswegs auf Erkenntnis des Einen, was Not tut, gerichtet war. Nach Rottweil zurückgekehrt, versah er eine Zeitlang das Amt eines Unterlehrers, wünschte jedoch an der Hochschule zu Freiburg im Breisgau sich weiter auszubilden; ein Gönner und Freund hatte ihm bereits einen Freiplatz daselbst verschafft; allein in Gottes Rate war es anders beschlossen. Sein Lehrer, M. Roth, der unterdessen Lehrer in Bern geworden, hatte ihn als seinen Gehilfen, freilich mit bloß 30 Rappen Gehalt, dahin gerufen; die Dankbarkeit überwog, das gegebene Wort konnte und wollte er nicht brechen.

Als der junge, schüchterne, 21jährige Fremdling zu Pfingsten 1513 hier in unsere Stadt einzog, da dachte wohl kein Mensch, am wenigsten er selber, welch ein wichtiges Werk seiner warte. In Bern sah es damals gar finster aus; das Volk zu Stadt und Land war fromm, aber ungebildet, roh und abergläubisch, verwildert in beständigen Kriegsdiensten, die nebst den Pensionen des Auslandes Üppigkeit, Genusssucht und Laster aller Art unter hoch und niedrig zur Folge hatten. Nicht besser stand es mit den Geistlichen und Seelenhirten, auf deren Wort man blindlings traute. Hatten ja doch die Predigermönche bei der jetzigen französischen Kirche mit dem armen Schneidergesellen Feher durch angebliche Geister- und Heiligenerscheinungen, Wunder und dergleichen zur Ehre ihres Ordens ein so frevelhaftes, lästerliches und verbrecherisches Spiel getrieben, dass vier von ihnen im Jahre 1509 zur Strafe auf der Schwellenmatte verbrannt wurden; fand es sich doch noch im Jahre 1518, dass die Bruderschaft der heiligen Anna mit dem Schädel derselben, den sie mit großen Kosten und Gepränge zur Ausschmückung ihres Altars im Münster von Lyon hatte kommen lassen, gröblich betrogen worden war. Wissen wir doch, wie der Ablasskrämer Bernh. Samson gerade hier aufs Unverschämteste und mit unbegreiflichem Erfolge seine Ware feilbot. Wurden auch Einzelne stutzig, so waren doch alle diese Erfahrungen noch keineswegs im Stande, dem Volke oder der Regierung die Augen zu öffnen; auch die Predigten des Karthäuser Mönchs Franz Kolb taten es nicht, so gewaltig er wider die Laster eiferte; er kannte eben noch nicht den wahren Grund, auf den Alles gebaut werden muss, das Evangelium von Christo, und fand sich durch die Unwirksamkeit seines Predigens schon vor Hallers Ankunft bewogen, die Stadt zu verlassen.

Durch seine Sanftmut, seine Bescheidenheit, sein angenehmes Betragen und seinen beredten Mund erwarb sich Haller bald Zutrauen und Liebe. Er wurde Caplan der Pfisternzunft, nachher Helfer des Chorherrn Dr. Th. Wyttenbach, den wir als Lehrer Zwinglis kennen; wie dieser, so wurde auch er ohne Zweifel zuerst durch Wyttenbach aufs Evangelium, als auf die rechte Glaubens- und Lebensquelle, hingewiesen. Als dieser 1520 Bern verließ, und in seiner Vaterstadt Biel Pfarrer wurde, erhielt Haller, bereits als Prediger am Münster angestellt, auch seine Chorherrenpfründe. Nicht stürmisch und neuerungssüchtig war sein Auftreten, er traute sich selber keineswegs, ging nur langsam und vorsichtig zu Werke, predigte erst über die von Alters her vorgeschriebenen Texte, bis er dann auch zur Erklärung der 10 Gebote und des Evangeliums Matthäus überging. Darin wurde er von seinem Amtsgenossen Dr. Seb. Meyer unterstützt. Teils aus eigener Gemütsanlage und richtigem Takte, teils auf den Rat Zwinglis, den er bald kennen lernte, glaubte er der Wahrheit besser Eingang zu verschaffen, wenn er sie mit aller Sanftmut und Bescheidenheit lehrte, als wenn er durch heftiges Drängen und Treiben den Argwohn und trotzigen Sinn der Berner herausforderte. Es fehlte ihm auch nicht an Freunden unter den Geringen und Vornehmen, die immer hellere Blicke taten in das Verderben der Kirche und in die reinere Lehre; – so der Stadtarzt Val. Anshelm von Rottweil, der Venner N. Manuel, der schon 1522 seine zwei Fastnachtspiele gegen die Missbräuche und groben Laster der päpstlichen Geistlichkeit an der Kreuzgasse aufführen ließ, so auch manche Glieder der Familien May, von Stein und von Wattenwyl. Aber auch Widerspruch und Feindschaft erhob sich gegen ihn, wie gegen Alle, die Gott und ihrem Gewissen mehr als den Menschen dienen; man schalt ihn Ketzer, Verführer und Irrlehrer, und schon war er nahe daran, zu weichen und mit Th. Wyttenbach nach Basel zu gehen, woran er jedoch durch Zwinglis Mahn- und Trostbriefe verhindert wurde. Der Bischof von Lausanne, unter dem Bern stand, forderte seine Auslieferung, um ihn zu bestrafen; allein er verteidigte sich vor dem Rat so gut aus der Bibel, dass man ihn nicht herausgab, und vor gewaltsamer Entführung, die man mit ihm vorhatte, schützten und warnten ihn seine Freunde, namentlich auch die Steinhauergesellen, die den Anschlag des Nachts in ihrer Werkhütte beim Münster gehört hatten.

Indessen nahm die Entzweiung im Glauben, und was man Neuerung nannte, so überhand, dass die Regierung ihr Einhalt tun wollte. Sie befahl am 15. Juni 1523, die Prediger sollten allein das heilige Evangelium und die Lehre Gottes und was sie durch die Schrift beweisen könnten, frei, offen und unverborgen verkünden, und sich allen denselben ungemäßen Disputationen, sie seien nun von Luther oder Andern, enthalten. Es war eigentlich von den Gegnern wider Haller und seine Lehre gemünzt, den man als Anhänger Luthers bezeichnete; aber der Herr fing sie in ihrer eigenen List, und die Prediger fuhren umso mutiger fort, das Wort der Schrift und nur dieses vorzutragen, da sie nun selbst das Gesetz für sich hatten. Die Gegenpartei wurde dadurch nur umso mehr erbittert, die altgläubigen Kantone drangen stets eifriger in die Berner, der falschen Lehre, dem bösen ketzerischen Handel bei ihnen zu steuern, der zuletzt der Regierung und dem gemeinen Wesen verderblich sein werde; auch die Wiedertäufer, die sich schon damals eindrängten und Alles umzustürzen drohten, machten viele rückgängig und misstrauisch; es wurden nun eine Reihe von Gegenmandaten erlassen, die, ohne das erste gerade aufzuheben, doch seine Kraft und Wirkung mehr und mehr beschränkten und die alten schriftwidrigen Satzungen und Übungen in Religionssachen aufrecht halten sollten. Wegen einer Äußerung seiner Frau gegen die Anrufung der Jungfrau Maria verlor Val. Anshelm seine halbe Besoldung und verließ Bern im Unmute, der Pfarrer Joh. Haller zu Amsoldingen, der sich verehelicht hatte, wurde deshalb vom Bischof von Lausanne vertrieben; ein Gespräch Berchtolds und seiner Freunde mit den Nonnen in der Insel wurde ihnen so übel gedeutet, dass man sie auf Leib und Leben anklagte, und dass sie kaum der Strafe der Verbannung entgingen; ja es kam so weit, dass der letzte seiner Mitarbeiter, Seb. Meyer, der im Barfüßerkloster, der jetzigen Kantons- und Hochschule, für das Evangelium ebenso heftig, wie sein Gegner Hans Heim in der Dominikanerkirche dawider predigte, zugleich mit diesem fortgeschickt wurde.

Einsam stand nun Haller da, die ganze Hoffnung der Zukunft, die ganze Last und Aufgabe, dem Evangelium bei uns zum Siege zu verhelfen, ruhte auf ihm, und er schien der Mann keineswegs, um es kräftig hinauszuführen. Aber der Herr bewies sich mächtig in dem Schwachen und seine Kraft hatte in den Anfechtungen zugenommen. Im Jahr 1526 beschlossen die katholischen Kantone, nach dem Vorgang Zürichs, aber nicht zur Erforschung der Wahrheit, sondern ausdrücklich wider Zwingli und seine, wie es hieß, verführerische Lehre ein Religionsgespräch in Baden zu veranstalten. Auch Bern wurde eingeladen, und eine Gesandtschaft erschien daselbst, die es soweit brachte, dass von der Regierung und den versammelten Ausschüssen ein der Reformation ganz ungünstiges Mandat den 21. Mai beschworen wurde. Haller sollte mit Peter Kunz von Erlenbach nach Baden gehen, um von seiner Lehre wie vor einem Gerichte Rede und Antwort zu geben; er ging, ob er wohl wusste, dass Alles gegen ihn sein würde; er verteidigte sich mit dem einzigen Joh. Oekolampad von Basel – denn Zwingli war wegen gewisser Lebensgefahr nicht gekommen – so bescheiden und so tapfer gegen seine stolzen und höhnischen Widersacher, dass, obwohl diese sich laut den Sieg zuschrieben, er doch die Achtung manches Biedermannes mit sich nahm. Zu Hause sollte er nun auch Bericht geben und sich erklären, warum er seit Monaten nicht mehr Messe gelesen; auch das tat er einfältig und aufrichtig, er könne nicht, denn es sei wider seine Überzeugung, dass Christus im Abendmahl geopfert werde; lieber wolle er auch das Land meiden, als dass seinetwegen Streit und Zertrennung im Rate und in der Bürgerschaft entstehen. Man entzog ihm nun die Chorherrenstelle, aber behielt ihn doch ferner bei als Prediger.

Indessen, da menschlicher Weise fast Alles verloren schien, nahte der Herr mit seiner Hilfe dem treuen und vielgeprüften Streiter; die Aussichten fingen allmählig an besser zu werden. Man wünschte in Bern, eine der Nachschriften des Gesprächs von Baden zu erhalten, um mit eigenen Augen zu sehen, wie es in Wahrheit dabei hergegangen; dies wurde wiederholt abgeschlagen. Auch der gebieterische Ton, die Anmaßungen, die die katholischen Orte sich gegen Bern erlaubten, riefen eine Missstimmung hervor, welche Haller und seiner Sache zu Gute kommen musste. Man erlaubte ihm, den von früher her bekannten Franz Kolb, Anfangs auf eigene Kosten, als Gehilfen im Predigtamte anzunehmen. Bei einer Ratserneuerung zu Ostern 1527 wurden mehrere Gegner des Evangeliums durch ebenso entschiedene Anhänger desselben ersetzt. Indessen wirkte der Sauerteig des göttlichen Wortes im Stillen immer mächtiger und allgemeiner; der neue Wein drohte die alten Schläuche zu sprengen, die neuen Lappen das alte Kleid zu zerreißen, von allen Seiten verlangte man Abstellung bald dieser, bald jener Missbräuche und doch standen dem die früheren Mandate entgegen. Um aus dieser Unklarheit und schwankenden Unsicherheit einmal ganz und für immer herauszukommen, beschloss endlich die Regierung am 7. November 1527, ein öffentliches Religionsgespräch hier in Bern selbst abhalten zu lassen. Trotz der Weigerung der vier schweizerischen Bischöfe, der römisch gesinnten Kantone und mancher katholischen Gelehrten, dabei zu erscheinen, trotz der Abmahnung König Karls V. selbst ging es vor sich. Zwingli erschien dabei mit mehr als 100 Predigern aus Deutschland und der östlichen Schweiz; alle Geistlichen des Bernbiets waren anwesend. Haller eröffnete das Gespräch am 7. Januar 1528 in der Franziskanerkirche, dem jetzigen Schulgebäude; es dauerte 19 ganze Tage unter vier Präsidenten, die Verhandlungen wurden von geschworenen Schreibern sorgfältig ausgeschrieben; am 26. Januar endlich erklärte Joachim von Watt, von St. Gallen, die zehn Schlussreden seien aus heiliger göttlicher Schrift siegreich erhalten und verfochten und ermahnte die Regierung, das Werk der Glaubens- und Kirchenherstellung männlich und tapfer an die Hand zu nehmen, und Haller schloss mit herzlicher Danksagung an Alle, die zu der wichtigen und heiligen Sache mitgeholfen.

Mit dem Reformationsmandate, welches gleich darauf erschien, war es nun freilich noch lange nicht getan. Wohl mochte Haller Gott aus tiefster Seele danken, dass er seine fast verloren geglaubte Arbeit so herrlich zu Ende geführt und gesegnet; aber die Durchführung bis ins Einzelne kostete dem kränklichen Mann noch unsägliche Mühe und die letzten Jahre seines Lebens. Er musste in Kirchen, Schul- und Armensachen das Beste tun, im Chorgericht sitzen, für Prediger sorgen, die Gemeinden sogar zweimal im Jahre besuchen, dazu mehrmals in der Woche selbst predigen. Großen Kummer verursachte ihm der Widerstand an vielen Orten, die Empörung im Oberland, das laue Wesen der Regierung, der unglückliche Religionskrieg, von dem er so dringend abgeraten, die Heftigkeit seiner Amtsbrüder Kolb und Megander, die dazu antrieben, endlich der Tod seines Freundes Zwingli und der für die Ausbreitung des Evangeliums so nachteilige Religionsfriede; mit den Wiedertäufern hatte er beständig zu kämpfen und wollte doch nicht, dass man eine andere Gewalt und ein anderes Schwert als das des Wortes gegen sie gebrauche. Im Jahre 1530 wurde er nach Solothurn berufen, wo ein Teil der Bürgerschaft und die meisten Landgemeinden für die Reformation gestimmt waren; die Zwietracht, die Bemühungen und der Sieg der alten Kantone vereitelten hier den Erfolg seiner Arbeit. Desto größere Freude war es ihm, dass auf der Synode oder Versammlung der Geistlichen im Januar 1532, es dem eben anwesenden W. F. Capito von Straßburg gelang, zwischen der Regierung und seinen heftigen Mitpredigern Frieden zu stiften und zugleich eine treffliche, wahrhaft evangelische Kirchenordnung zu Stande zu bringen. Immer mehr nahmen jedoch seine Beschwerden, seine Fettigkeit und Engbrüstigkeit zu; gleichwohl studierte er eifrig und fuhr fort zu predigen, denn er fühlte, dass er es bald nicht mehr tun könne. Das letzte Mal stand Haller auf unserer Kanzel am Tage vor dem Auszug des bernischen Heeres zur Rettung des bedrängten und glaubensverwandten Genf, da forderte er noch Alle auf zu christlicher Tapferkeit und Treue gegen das Wort Gottes. Am 26. Februar 1536 rief der Herr seinen müden Knecht, wenn schon erst 44 Jahre alt, zu sich in die ewige Freude.

Ja wohl verdient er es, dass wir auch auf ihn den Spruch anwenden: Gedenkt an eure Lehrer! Ohne ihn, wer weiß, ob wir auch hier beisammen wären, ob wir hier in diesem Gotteshause das liebe, heilige und lautere Gotteswort zu hören bekämen, ob wir uns fort und fort erbauen und stärken könnten an dem, was unseres Herzens Trost und unseres Fußes Leuchte ist. Schauen wir aber auch an seinen Wandel, vor allem seine christliche Friedfertigkeit und demütige Liebe, durch die er größeres ausgerichtet, als der brennendste Zorneseifer je vermocht hätte; gewiss an ihm erwies sich die Wahrheit der Rede Christi: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen! Selig die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen! Wie viel seliger wären wir, wenn wir diesem Sinne unseres göttlichen und unseres menschlichen Lehrers nachstrebten; wie viel Gutes an den Unsern, in unserer engeren und weiteren Umgebung brächten wir mit Geduld zu Stande, was fleischlicher Eifer mehr verdirbt als zu Stande bringt. Endlich folgen wir noch seiner Glaubenstreue, die er uns mit seinem letzten Worte empfohlen. Ich meine nicht nur die treue Benutzung des von ihm sauer erstrittenen Glaubensschatzes und Gotteswortes, die sich jeder allerwege zur Pflicht machen soll; ich meine noch etwas Anderes, auch sein Werk, die Verbreitung unseres allerheiligsten Glaubens, die Bewahrung der Kinder unseres Volkes in der Erkenntnis, die zum Heil und zum Leben führt. Es ist ein Werk unter uns im Gange, ganz nach dem Sinne unseres Haller; das möchte ich in seinem Namen eurer Teilnahme und Aufmerksamkeit empfehlen, die Sorge für das geistliche Wohl derer, die zerstreut unter Andersgläubigen wohnen und des evangelischen Unterrichtes für sich oder ihre Kinder entbehren((Protestantisch-kirchlicher Hilfsverein.)). Ihr wisst, ein Verein christlicher Frauen hat sich soeben zusammengetan, um diesem Glaubenswerke, das Not leidet, zu Hilfe zu kommen; möge ihr Aufruf willige und freudige Herzen finden; möge Gott, der uns reich gemacht hat an allerlei Erkenntnis und Gnade, uns bei vollen Tafeln nicht vergessen lassen, was wir ihm, was wir unseren geistlichen armen Brüdern, was wir dem Andenken derer, die uns das segenvolle Evangelium wiedergebracht und in die Hände gegeben, schuldig sind. Der Herr schenke hierzu seinen göttlichen Segen.