Polycarpus, Bischof von Smyrna.

Polycarpus, Bischof von Smyrna.

Polycarpus ist eine der ehrwürdigsten Erscheinungen des christlichen Alterthums: es vereinigt sich vieles, ihm unter den hervorragenden Männern noch eine auszeichnende Stelle zu geben. Zuerst die Zeit und der Ort seines Auftretens. Es ist das Zeitalter an der Grenze des apostolischen: ihm selbst war vergönnt zu den Füßen des Johannes zu sitzen, und unter denen, die also bevorzugt waren, ist er der einzige, von dessen persönlichem Verhältniß zu dem Apostel Kunde überliefert ist. Und es ist das Land, Kleinasien, welches in diesem Zeitalter, dem zweiten Jahrhundert, als der bewegteste Schauplatz des christlichen Lebens und durch zahlreiche Kirchenlehrer eine leitende Stellung einnahm: es fehlte nicht an großen Irrthümern, aber es trafen die Geister auf einander, und an diesem Kampf hat auch Polycarp Antheil. Dazu kommt seine christliche Persönlichkeit und die Vollendung im Märtyrertode: worüber ein kostbares Document erhalten ist, dem aus jenen Jahrhunderten nichts gleiches an die Seite zu setzen ist. Sonst ist nur dürftige Kunde überliefert; aber manche bruchstückliche Aeußerungen von ihm und über ihn, in Zusammenhang gebracht, dienen das Bild zu vervollständigen.

Polycarpus ward, wie es scheint, zu Ende des achten oder Anfang des neunten Jahrzehends im ersten Jahrhundert geboren. Seine Jugend trifft in die letzte Generation derer, die den Herrn gesehen hatten: auch hatte er nach dem Zeugniß des Irenäus Umgang mit vielen von solchen und er genoß selbst den Unterricht der Apostel. Namentlich ist er ein Schüler des Apostels Johannes: sei es daß er auf dessen apostolischen Reisen, in der eigenen Heimath, wir wissen nicht wo, ihn kennen gelernt, oder daß er auf dessen apostolischem Sitz, zu Ephesus ihm nahe gekommen ist: vielleicht daß beides statt gefunden.

Wie seine christliche Unterweisung durch Apostel, so erhielt er durch sie auch seinen Beruf als verordneter Bischof der Gemeinde von Smyrna. Unter diesen Aposteln ist ohne Zweifel Johannes begriffen, auf den seine Einsetzung auch ausdrücklich zurückgeführt wird. Uebrigens ist der Name nach dem allgemeinen Ausdruck von „Augenzeugen und Dienern des Herrn“ zu verstehen, wie sie bei dieser Wahl genannt werden: das heißt überhaupt unmittelbare Jünger des Herrn, dergleichen Aristion und der Presbyter Johannes waren; nicht aber nothwendig Apostel im engern Sinn. Denn die Einsetzung Polycarps zum Bischof von Smyrna kann frühestens in die Zeit kurz vor dem Ende des Johannes fallen.

Die Gemeinde zu Smyrna, dem johanneischen Kreise angehörend, war neben der ephesinischen die bedeutendste. Ihre Stiftung liegt für uns im Dunkel. Sie muß aber nach der Zeit des Paulus erfolgt sein, denn als der Apostel an die Philipper schrieb um das Jahr 62, bestand zu Smyrna noch keine Gemeinde (wie Polycarp selbst andeutet); doch auch einige Zeit vor der Abfassung der Apocalypse: also um die Mitte des siebenten Jahrzehends, sei es von paulinischen Gemeinden aus, sei es durch den Apostel Johannes. Eine Andeutung des frühesten Zustandes der Gemeinde gibt der zweite apocalyptische Brief. Sie war damals arm und bedrängt, aber reich an That und Hoffnung: Mitglieder des nur noch so genannten Volkes Gottes hatten auch hier ihre Schmähungen ausgegossen; neue Verfolgungen, Todesgefahren standen bevor. Aber die Zeit der Noth sollte nur kurz sein: der im Kampf erprobten Treue wird droben die Krone des Lebens verheißen. So erscheint diese Gemeinde dem Leser fleckenlos, weder ihr Wandel, noch ihr Glaube fordert den Tadel heraus; nur Lob und Ermahnung wird ihr gespendet. Man hat angenommen, daß der Engel der Gemeinde zu Smyrna, dem dieser Brief überschrieben ist, Polycarp sei. Da aber die Apocalypse vor der Zerstörung Jerusalems geschrieben ist, so kann von ihm hier nicht die Rede sein.

Von der frühern Zeit der bischöflichen Verwaltung Polycarps ist keine Nachricht überliefert. Doch findet sich an glaubwürdigem Ort eine in alter und neuer Zeit viel gefeierte Erzählung von der Rettung eines Jünglings durch Johannes, dessen Sorge und Aufsicht der Apostel dem Bischof einer benachbarten Stadt auf die Seele gelegt hatte. Man hat an Polycarp gedacht. Allein Clemens, der den Vorgang berichtet, nennt die Stadt nicht; erst weit später wird Smyrna angegeben. Wenn nun auch für diese Stadt die Nähe von Ephesus spricht, so bleibt doch außerdem ungewiß, ob der ungenannte Bischof grade Polycarp gewesen oder nicht vielmehr einer seiner Vorgänger. – Es ist aber überliefert, daß er Briefe an die benachbarten Gemeinden sandte zur Befestigung des Glaubens, auch an einzelne Personen zur Warnung und Ermunterung. Ein solcher Brief aus der früheren Zeit, gerichtet an die Gemeinde zu Philippi und von dieser hervorgerufen, ist noch vorhanden. Der Verfasser lehnt sich an Aussprüche des Evangeliums so wie der Apostel Paulus, Petrus und Johannes. Aber er läßt eine selbständige Ueberzeugung durchscheinen. Ausgehend von der Wurzel und der Frucht des Glaubens, faßt er damit zusammen die Liebe, welche vorangeht und die nachfolgende Hoffnung, deren ewigen Inhalt er besonders hervorhebt: Auferstehung, Gericht und seliges Leben. Wenn wir dem Herrn, sagt er, in dieser Welt gefallen, werden wir auch die zukünftige erlangen; wenn wir seiner würdig leben, werden wir mit ihm regieren. So geht zugleich ein ernster, sittlicher Zug durch den Brief: er ermahnt dem Herrn zu dienen in Furcht, seiner Geduld nachzufolgen, einen guten Wandel unter den Heiden zu führen, und wendet sich im Einzelnen an alle Stände des Hauses und der Kirche. Der besondere Irrthum aber, dem er die von Anbeginn überlieferte Lehre entgegenstellt, ist die Leugnung Christi, daß er in’s Fleisch gekommen, so wie die Leugnung der Auferstehung und des Gerichts. Und das Laster, vor dem er besonders warnt, die Habsucht: er beklagt den Fall eines Presbyters und seiner Frau (wie es scheint, Veruntreuung von Gemeindegeldern), wünscht ihnen wahre Buße und ermahnt die Gemeinde, die Verirrten zurückzuführen.

Ein Zeichen des hohen Alterthums des Briefes liegt darin, daß im Clerus nur Presbyteren und Diaconen unterschieden werden; ein bestimmtes Zeitmerkmal in der Erwähnung des Ignatius, dessen Geduld er mit Augen gesehen habe, und von dessen seligem Heimgang er überzeugt sei. Zugleich übersendet er ihnen dessen Briefe und erbittet nähere Nachricht über ihn und seine Gefährten (was keineswegs mit dem ersten in Widerspruch ist). Das weiset auf die Zeit bald nach dem Tode des Ignatius hin (der nach den Alten in das Jahr 106, nach neuerer Aufstellung in das Jahr 115 trifft). Aber wegen dieses Zusammenhangs wirkt der Zweifel, der an die Briefe und den Ausgang des Ignatius sich heftet, auch hier ein: daß man (wenn nicht den ganzen Brief) die auf Ignatius bezüglichen Stellen für unächt erklärt hat. Noch andere Stellen haben Bedenken erregt, deren Ausscheidung dem Briefe mehr Einheit und Klarheit geben soll. Es ist wahr, es kommen einige Uebertreibungen und Unterbrechungen vor((Bedenklich ist mir auch die Aufforderung Cap. 5: den Presbyteren und Diaconen sich unterzuordnen, wie Gott und Christo; die wohl im Geschmack des Ignatius ist, aber dem Polycarp weniger ähnlich sieht.)). Uebrigens aber hat der Brief das Gepräge innerer Wahrheit; und er ist im Ganzen durch älteste Zeugnisse geschützt.

Die erste und bedeutendste Thätigkeit eines apostolischen Mannes war die durch das lebendige Wort. Das Wort vertretend waltete Polycarp in seiner Gemeinde auf dem Wege des Lebens ihr vorangehend mit den Presbytern als der Erste unter seines Gleichen; denn wie die damalige Kirchenverfassung die Unterordnung noch nicht aussprach, so war er persönlich frei von hierarchischem Geist. Einen Spiegel seiner Wirksamkeit haben wir an den Gesinnungen, mit denen seine Gemeinde ihm zugethan war: er genoß allgemeine Liebe und Verehrung. Das schönste Denkmal derselben hat sie ihm in jenem Rundschreiben über sein Märtyrerthum gesetzt. Und nicht genug, daß die Seinigen so von Leben und Sterben dieses Gottesmannes zeugen, selbst die Erbitterung seiner Feinde, das heißt der Feinde des Namens Jesu, mußte wider Willen ebenfalls am Ziel seiner Laufbahn, wie wir sehen werden, Zeugniß ablegen für ihn, für seine große Wirksamkeit.

Doch aus den unbestimmten Umrissen, in denen so nur Polycarp im Verhältniß zu seiner Gemeinde erscheint, mag ein deutlicheres Bild gewonnen werden, wenn wir die Männer in’s Auge fassen, die in persönlichem Verhältniß zu ihm standen. Denn so vieles auch in Vergessenheit gesunken ist, so ragen doch aus der Tiefe jener Zeit einige näher verbundene Gestalten hervor.

Ignatius, Bischof von Antiochien auf seinem letzten Wege, da er durch Kleinasien gefangen nach Rom geführt wurde, kam durch Smyrna und hier mit Polycarp in Gemeinschaft, den er früher nicht gekannt zu haben scheint. Er faßte Vertrauen zu ihm und gewann ihn lieb. In dem Sinn gedenkt er seiner in Briefen, die er zu Smyrna abfaßte. Von Troas aber an die Smyrnäer und den Polycarp schreibend, nennt er diesen einen gotteswürdigen Bischof und einen gottseligen Mann und preiset Gott, daß er gewürdigt sei, dessen unschuldiges Antlitz zu sehen. Auch bat er ihn einen Abgeordneten nach Syrien zu senden, der seiner verwaisten Gemeinde die theilnehmenden Gesinnungen der Smyrnäer, als ein Zeuge ihrer Liebe und ein Bote ihrer Tröstungen, darstelle: eine Sorge, die gleicherweise den ehrt, der sie hegte, wie den, dem sie anvertraut ward.

In allem dem ist nichts, was den Eindruck des Erfundenen machte. Da aber die Briefe des Ignatius überhaupt in verschiedenem Grade Zweifeln unterworfen sind, obwohl der an den Polycarpus weniger als andere; so muß dieses Zeugniß der Frage über die Aechtheit jener Briefe sich unterordnen.

Papias, Bischof von Hierapolis war dem Polycarp befreundet, wie durch Irenäus bezeugt ist: seit wann und woher wird nicht gesagt. Doch ist wohl glaublich, daß die Freundschaft beider Männer von ihrem gemeinsamen Lehrer Johannes sich herschreibt. Die Meinung aber, daß Papias auch gleichzeitig mit dem Polycarp die Märtyrerkrone erlangt habe, scheint durch Mißverständniß aufgekommen zu sein. Daß die Verbindung dieser apostolischen Männer eine innerliche gewesen, darf man aus ihrer verwandten Geistesrichtung schließen. Wie in der Anschauung des neuen göttlichen Lebens das lebendige Wort ihnen mehr war als der Buchstabe; so hielten sie auch fest an dem Reichthum der That, den dieses Wort offenbart, an der Fülle des Lebens, die in wirklicher Erscheinung ausgeprägt war und dereinst wieder so offenbart werden sollte.

In diesem Geiste lebte und lehrte Polycarp. Zum Zeugniß sind uns seine Schüler sowohl in der Uebereinstimmung mit ihm als wo sie von seinem Wege abweichen. Wir kennen namentlich als solche nur den Florinus und den Irenäus: der erstere ein Staatsmann, der andere der berühmte Kirchenlehrer des Abendlandes, – welche obwohl an Jahren sehr verschieden, doch gleichzeitig der Unterweisung des Polycarp genossen.

Von Florinus zwar sind nur wenige und noch dazu dunkle Nachrichten aufbehalten; doch machen auch die wenigen Züge den Mann uns merkwürdig. Er hatte eine angesehene Stellung am kaiserlichen Hofe, war aber bei seinem Aufenthalt im proconsularischen Asien bemüht bei dem Polycarp Eingang zu finden. Der Umgang mit diesem scheint einen Wendepunkt in seinem Leben herbeigeführt zu haben: der Ruf der Kirche drang mächtiger in ihn, als der Staat ihn hielt. Denn nach einer Reihe von Jahren, unter Commodus finden wir ihn wieder als Presbyter der römischen Kirche. Aber da er in häretische Meinungen gerieth, für die er auch zahlreiche Anhänger gewann, ward er seiner Würde entsetzt. Irenäus darauf, den Fall seines Mitschülers betrauernd, suchte den Irrthum zu widerlegen in einem Briefe, der von der Einheit Gottes oder daß Gott nicht Urheber des Bösen sei, handelte; denn eine solche Meinung schien Florinus zu vertheidigen: wahrscheinlich im Sinne einer absoluten Vorherbestimmung Gottes, im Gegensatz gegen gnostischen Dualismus. Irenäus die Gottlosigkeit seiner Meinung ihm vorstellend, verweiset ihn an die apostolische Ueberlieferung, an der er durch Polycarp Theil habe, und sucht ihn besonders durch das Andenken an diesen ihren gemeinsamen Lehrer zu bewegen. Das wirkte: Florinus ließ von diesem Irrthum ab. Aber da er einmal das Welträthsel auf die Spitze getrieben, schlug er nun in das Gegentheil um und ward ein Anhänger der valentinianischen Schule: in Folge dessen Irenäus seine Schrift von der Achtzahl (den acht ersten Aeonen des Valentinus) verfaßte, um ihn zur Umkehr zu leiten.

Irenäus dagegen wandelte auf dem Wege seines Lehrers fort. Wahrscheinlich in der Nähe von Smyrna einheimisch, kam er in früher Jugend mit dem damals hochbejahrten Polycarp in nahe Berührung, vermuthlich bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts: und durch den Polycarp mit jenem Strom des Geistes, der durch die Apostel ausgegossen war und nun sich ausbreiten sollte über alles Land. Die Liebe dieses apostolischen Mannes für das lebendige, unverfälschte Christenthum ging auf den jungen Irenäus über, der auch später in einem weiten Wirkungskreise sich bewährte, ausgezeichnet wie durch Eifer für die Reinheit der Lehre, so durch christliche Mäßigung und Besonnenheit. Das lebenskräftige Gedächtniß seines Lehrers begleitete ihn durch sein Leben und ward in späteren Jahren nur um so frischer. Das Bild des theuren Mannes aber, das er in seinem Herzen trug, entwerfend in eben jenem Briefe an den Florinus, gibt er ein schönes Zeugniß der innigen Anhänglichkeit, die er jenem bewahrte. Was damals geschehen, sagt er, bewahre ich treuer im Gedächtniß, als das jüngst Erlebte; sintemal die Erfahrungen der Kindheit wachsen mit der Seele und mit ihr eins werden: so daß ich noch den Ort beschreiben kann, wo der selige Polycarp saß und sprach, und seinen Ausgang und Eingang und seine Lebensweise und die Gestalt seines Leibes und die Vorträge, die er an das Volk hielt und wie er von seinem Umgang mit dem Johannes erzählte und mit den Uebrigen, die den Herrn gesehen hatten und wie er ihrer Worte gedachte und was er von ihnen gehört hatte über den. Herrn und über seine Wunder und über seine Lehre. Da er es von denen, die das Wort des Lebens selbst gesehen hatten, empfangen; so berichtete er alles übereinstimmend mit der Schrift. Dieses auch habe ich damals durch die Barmherzigkeit Gottes, die mit mir war, eifrig gehört und es aufgezeichnet nicht auf Papier, sondern in meinem Herzen, und alle Zeit durch die Gnade Gottes bringe ich es mir unverfälscht wieder in Erinnerung.“

So theilte Polycarp mit, was er empfangen hatte. Der Acker aber, den der Diener des göttlichen Wortes bearbeitet, ist nicht die einzelne Gemeinde, sondern die Welt. Also wirkte Polycarp wie für seine Gemeinde, so für die ganze Kirche, wie daheim so auch in die Ferne, mittelbar und unmittelbar.

Gallien empfing die Frucht des Samens, den Polycarp ausgestreut. Wie Lyon mit Kleinasien durch Handelsinteressen vielfach verbunden war, so kam auf den Wegen des Handels auch das Evangelium über’s Meer. Gewiß mehrere Männer aus dem Wirkungskreise Polycarps siedelten sich dort über, unter denen Irenäus bekannt ist, der im Geiste seines Lehrers wirkte seit dem Jahr 177 als Bischof von Lyon. Nach Rom aber ist Polycarp selbst gekommen, er hat dort namentlich wider die Häresien gewirkt. Dieser Gegensatz aber ist nicht ohne Zusammenhang in seinem Leben, und diese Seite desselben weiset auf eine Zerklüftung in der damaligen Kirche.

Schon die Apostel hatten mit mancherlei Irrthümern sei es Mißverständnissen sei es Verfälschungen des Glaubens zu kämpfen gehabt: zwar noch in engeren Schranken, aber die Keime zu größeren Abweichungen waren vorhanden. Polycarp erlebte es, daß Irrlehren, die zu jener Zeit unter der Asche geglommen, in helle Flammen ausschlugen. Auch solche Aergernisse mußten kommen; aber es war eine schwere Prüfung, zumal für die, an welche sie zuerst herantraten. Am gefährlichsten war in jener Epoche, wo die alten Religionen, Judenthum und Heidenthum neben dem Christenthum bestanden und der christliche Lehrbegriff noch nicht entwickelt war, die Mischung derselben: besonders heidnischer Speculation mit christlicher Erkenntniß, die in einer neuen vielköpfigen Weisheit kräftig ihr Haupt erhob. Diesem Eindringen heidnischer Elemente widerstand die Kirche um so mehr, da sie, mitten in einer heidnischen Welt, auch auf allen andern Lebensgebieten, in Sitte, Gesetz und obrigkeitlicher Anordnung deren sich zu erwehren hatte. Dazu gab es aber zwei Wege: entweder die bloße Verneinung und Ausschließung des Widerchristenthums, oder eine solche Bekämpfung desselben, daß die Gegner des Irrthums überführt, die ächten Elemente aber, an welche der Irrthum sich anschließt, in dem christlichen Glauben selbst nachgewiesen wurden. Beide Wege der Polemik hatten die Apostel, vornehmlich Paulus angedeutet. Sie sind gegenüber der falschen Gnosis in umfassender Darstellung von großen Kirchenlehrern schon des zweiten Jahrhunderts betreten. Was Polycarp betrifft, so konnte er für jene Art der Abwehr selbst auf seinen Lehrer, den Apostel Johannes sich berufen, der geboten hat: „wenn jemand zu euch kommt und bringet diese Lehre nicht, so nehmet ihn nicht in’s Haus auf, und grüßet ihn auch nicht; denn wer ihn grüßet, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke“ (2. Joh. 10. 11). Und dies Wort wird noch geschärft durch eine Thatsache: Johannes, da er zu Ephesus im Bade mit dem Cerinth zusammentraf, soll unverrichteter Sache sofort das Bad verlassen haben mit dem Ausruf: „Laßt uns fliehen, das Bad möchte zusammenstürzen, denn drinnen ist Cerinth der Feind der Wahrheit.“ Dies wissen wir grade aus dem Munde Polycarps, von dem mehrere es gehört hatten, denen Irenäus es nacherzählt. Und von diesem als Augenzeugen erfahren wir, daß Polycarp eine ähnliche Weise hatte. Irenäus bezeugt dem Florinus, jenem ehemaligen Zuhörer Polycarps, da er in verderblichen Irrthum gerathen war: wenn Polycarp etwas der Art, wie jener lehre, gehört hätte; so würde er aufgeschrieen und seine Ohren verstopft und nach seiner Gewohnheit gesagt haben: „Guter Gott, auf welche Zeiten hast Du mich behalten, daß ich dieses erdulde?“ und den Ort geflohen haben, an dem er sitzend oder stehend solche Reden vernommen. Wenn aber solches dem Polycarp zur Gewohnheit werden konnte, so muß er oftmals Veranlassung gehabt haben, sich so zu betrüben. Und daran fehlte es nicht in jener Epoche, auf welche der klagende Ausruf deutet, nehmlich in seiner spätern Lebenszeit, in welcher ja auch erst Irenäus ihn hören konnte. Grade damals, um die Mitte des zweiten Jahrhunderts, stand der Baum gnostischer Weisheit in voller Blüthe. Wenn nun auch nicht Zeugnisse vorliegen, so ist doch leicht zu denken, daß Kunde der vielfachen Häresien von ihren Sitzen Antiochien und Alexandrien, den Mittelpunkten des Welthandels, in die Gegenden Polycarps gelangte, daß auch häretische Meinungen dorthin verpflanzt wurden. Auch zeigt, wie großen Theil an diesen gewaltigen Bewegungen man in Kleinasien nahm, das Beispiel eines berühmten Kirchenlehrers, der jünger als Polycarp, aber sein Zeitgenosse und ihm benachbart war, des Melito, Bischofs von Sardes. Von seinen zahlreichen Schriften war ein großer Theil wahrscheinlich gegen die Gnostiker gerichtet: gewiß ist, daß er den Marcion bekämpfte, gegen den er in einer eigenen Schrift die wahre Menschwerdung des Herrn in Schutz nahm.

Marcion nun auch ist der einzige Gnostiker, von dem man namentlich weiß, daß er mit dem Polycarp in persönliche Berührung gekommen ist, und zwar in freundliche: denn Marcion war ein Mann von strengem sittlichem Geist und von feuriger liebe zu dem in Christo offenbar gewordenen Gott, – ein Band, wohl hinlänglich, Gemeinschaft zwischen beiden zu stiften. Aber im weiteren Verlauf gingen ihre Wege auseinander. Als er von seinem Vater, dem Bischof von Sinope, aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen war und, nach Rom gekommen, auch hier die Wiederaufnahme nicht hatte erlangen können; so mochte auch bei Polycarp die Anerkennung des brüderlichen Bandes nicht bestehn. Ueberdies gab Marcion den gemeinsamen Glaubensgrund auf, da er an die gnostische Schule des Cerdon sich anschloß: nicht allein, daß er die kirchliche Ueberlieferung mißachtend, die sämtlichen Bücher des Alten Bundes und die Mehrzahl der neutestamentlichen, namentlich die johanneischen Schriften verwarf; so stellte er auch ein System auf, worin der Gott des Alten Bundes, der Bildner der Welt, dem Gott des Evangeliums entgegengesetzt, und hierin die ganze menschliche Erscheinung Christi für einen Schein erklärt, also auch Leiden, Sterben und Auferstehn desselben geleugnet wurde. Dieses erfüllte den Polycarp mit Abscheu, wie ein Vorfall beweiset, der wahrscheinlich zu Rom sich begeben hat. Da Marcion, so heißt es, dem Polycarp einmal begegnete, sprach er zu ihm: „Erkennst du mich?“ – eine Anrede, die sowohl ein früheres Verhältnis voraussetzt, als auch einen Zweifel in sich schließt. Polycarp versetzte: „Ja, ich erkenne den Erstgeborenen des Satans.“ Der Sinn, auch das Wort ist nicht neu im Munde Polycarps. Schon in seinem Briefe erklärt er: „Wer nicht bekennt das Zeugniß des Kreuzes, ist vom Teufel, und wer die Worte des Herrn nach seinen eigenen Begierden verkehrt und sagt, es sei weder Auferstehung noch Gericht, der ist der Erstgeborene des Satans:“ eine Charakteristik, welche durchgehends auf den Marcion sich anwenden läßt. Polycarp geht dabei von dem apostolischen Worte aus: „ein jeglicher, der nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, ist ein Widerchrist“ (1. Joh. 4,3); während er auch mit dem Ausdruck des Erstgeborenen des Satans an Worte Jesu und Pauli sich anschließt (Joh. 8,44; Apostelg. 13,10).

Es lag in dieser freilich schroffen Abwendung das Gefühl der hohen Würde christlicher Gemeinschaft, die in jener Zeit der ersten Liebe eine innigere Bedeutung hatte, so wie die ängstliche Sorge für die Bewahrung des anvertrauten Gutes apostolischer Lehre. Mit dieser Sorge verknüpfte sich aber das Streben, die Irrenden zurückzuführen, und mit jenem Gefühl der Würde das Vertrauen auf die siegende Kraft der evangelischen Wahrheit, und es hat nicht getäuscht. Polycarp beherzigte auch die andere Seite der apostolischen Aufforderung: „einen ketzerischen Menschen zu meiden, wenn er einmal und abermal ermahnt ist“ (Tit. 3,10.11). Seiner Ermahnung gelang es, den Irrthum zu besiegen. Es wird ausdrücklich gemeldet, daß er nach Rom gekommen viele der dortigen Häretiker, Valentinianer und Marcioniten zur Kirche Gottes zurückführte. Schwerlich hat er auf den fremden Standpunkt eingehend, eine Widerlegung des Systems unternommen; sondern er wird (wie jener Greis, der den nachmaligen Kirchenlehrer Justinus von den Fesseln des Platonismus löste) von Erdachtem zu Erlebtem sie hingewiesen, den einfachen Glauben und die Gemeinschaft der Kirche in Liebe ihnen vorgehalten haben.

So erstreckte sich die Wirksamkeit Polycarps weit über seinen Sprengel hinaus, – wozu Veranlassung gab seine auch in anderer Beziehung bedeutsame Reise nach Rom, welche in die Zeit des römischen Bischofs Anicet, etwa in das Jahr 158 trifft.

Wichtige Gründe müssen ihn bestimmt haben, in vorgerücktem Alter eine solche zu unternehmen. Vermuthlich wollte er mit dem angesehensten Bischof des Abendlandes Gespräch pflegen über Angelegenheiten der Kirche, namentlich über manche Differenzen sich verständigen. Wenigstens hatten beide Männer Einiges, was nicht näher bezeichnet wird, gegen einander auf dem Herzen: worüber sie sich aber bald einigten. Dabei ist die Frage von der Passahfeier zum erstenmal zur Sprache gekommen.

Diese Feier hat eine große Geschichte: sie hat in der alten Kirche zu lebhaften Streitverhandlungen, selbst zur Spaltung geführt und Jahrhunderte die Gemüther bewegt; sie ist in neuester Zeit eifrig aufgenommen und in wissenschaftlicher Polemik durchgeführt, da sie nicht allein in die Geschichte des Cultus eingreift, sondern auch für wichtige Punkte der evangelischen und apostolischen Geschichte von entscheidender Bedeutung ist. Wir beschränken uns hier auf das Hervortreten derselben im Leben Polycarps. Sie betraf, wie man es nannte, die Beobachtung des vierzehnten (nehmlich des jüdischen Monats Nisan), welche Polycarp vertrat, Anicet ablehnte. Das war eine Verschiedenheit sowohl in der Zeit, als in der Art der Feier. Jene „Beobachtung“, welche in Kleinasien verbreitet war, besagte erstens, daß man am 14. Nisan, dem Vollmondstage des Frühlingsmonats, als dem Tage, an welchem nach dem Evangelium Johannis Christus gekreuzigt worden, das Gedächtniß seines Todes feierte: also nicht an einem Freitage, sondern an jeglichem Wochentage, auf welchen grade jener Tag traf; demzufolge traf auch das Jahresgedächtniß der Auferstehung, wenn man von da zu dem dritten Tage, dem 16. Nisan, überging, auf jeglichen Wochentag. Die übrige Kirche ließ die jüdische Monatsrechnung bei Seite und hielt sich für die jährliche Feier der Auferstehung an denselben Wochentag, den Sonntag, an welchem allgemein in der Christenheit sie wöchentlich gefeiert wurde. Aber auch die Art der Feier war verschieden. Nicht allein, daß auf der einen Seite der Todes-, auf der andern der Auferstehungstag im Vordergrunde steht; so gab die Beobachtung des 14ten, an welchem die Juden das Passahlamm aßen, durch die Feier des Abendmahls sich kund in Beziehung auf Christus als das wahre Passahlamm, und damit wurde das Fasten vor Ostern beendet; während die Andern, die den Ostersonntag begingen, bis zu diesem Tage fasteten. In diesem Gegensatz standen die beiden Kirchenhäupter. Jeder von ihnen hatte den Wunsch, den andern für seinen Gebrauch zu gewinnen. Aber nicht vermochte es Anicet über den Polycarp, eine Feier aufzugeben, die er mit Johannes und den übrigen Aposteln, mit denen er gewandelt, immer beobachtet hatte; noch vermochte es Polycarp über den Anicet, eine Feier anzunehmen, die mit der Sitte seiner Vorgänger in Widerspruch war. Also jeder berief sich auf das Herkommen seiner Kirche: es scheint nicht, daß man auf andere Gründe eingegangen ist; namentlich blieb das Verhältniß des asiatischen Ritus zur Chronologie der Leidenswoche nach Johannes und nach den drei ersten Evangelien damals noch unberücksichtigt. Aber die Verschiedenheit der Gebräuche störte nicht die Eintracht, welche jene besiegelten durch gemeinsame Feier des Abendmahls: besondere Ehre aber erwies Anicet seinem Gaste dadurch, daß er ihm die Verwaltung des Sacraments überließ.

So war der Aufenthalt Polycarps in Rom von Wichtigkeit sowohl durch den Erfolg, den seine Bekämpfung der dortigen Häretiker hatte, als wegen des seltenen Beispiels, das er mit dem Anicet durch einträchtige Behandlung kirchlicher Streitfragen gab. Aber eine umfassendere, allgemein kirchliche Bedeutung läßt sich seiner Reise nicht absprechen. Wenn auch sonst lebendiger Verkehr und Theilnahme zwischen den christlichen Gemeinden in allen Theilen der damaligen Welt herrschte; so ist doch hier das erste Beispiel einer Verhandlung über eine kirchliche Frage zwischen dem Morgen- und dem Abendlande in der Person zweier Bischöfe, welche den Beruf hatten, die sich gegenüberstehenden Gewohnheiten und Meinungen zu vertreten: es ist hier zuerst eine Gemeinschaft der ganzen Kirche, aber auf freie Weise vermittelt, aus der zugleich klar wird, welche Stellung damals in völliger Unabhängigkeit diese Bischöfe gegen einander einnahmen.

Aber auch Polycarp selbst stand für die ganze Kirche ein, die er betend auf dem Herzen trug. Als er vor der drohenden Verfolgung sich zurückgezogen hatte, that er Tag und Nacht nichts anders als zu beten für alle und für die Kirchen auf Erden, wie es seine Gewohnheit war. Und noch als schon die Häscher ihn erreicht hatten, von denen er eine Stunde zum Gebet erlangte (es wurden aber zwei Stunden), gedachte er darin aller, die je mit ihm zusammengetroffen wären und der ganzen allgemeinen Kirche auf Erden. Das bezeugt seine Gemeinde in dem Rundschreiben über seinen Märtyrertod. Dieses Ende ist die Krone eines solchen Lebens. Der Glanz aber, der aus jenem Bericht auf ihn selbst fällt, erhellt zugleich den düstern Hintergrund. Und da die handelnden Personen ganze Klassen und Generationen vertreten in dem ungeheuren Conflict, erhebt sich der einzelne Fall zu weltgeschichtlicher Bedeutung.

Voran steht die Wuth des heidnischen Volks. Es war in Smyrna eine heftige Verfolgung ausgebrochen und mancherlei Martern wurden über die Christen verhängt. Die Standhaftigkeit eines Jünglings Germanicus, der mit den wilden Thieren zu kämpfen hatte, erregte die Menge, daß sie schrie: „Hinweg mit den Gottlosen, Polycarp werde geholt.“ Es wurde nach ihm gefahndet, durch Verrath eines Sklaven, den man gefoltert, sein Zufluchtsort entdeckt: folgenden Tages wurde er zur Stadt gebracht, in das Stadium. Nachdem er die schmeichelnden und drohenden Lockungen zum Abfall abgewiesen hatte, ließ der Proconsul dreimal ausrufen: Polycarp hat sich als Christen bekannt. Sofort brach die Menge der Heiden voll Zorn in den Ruf aus: „Das ist der Lehrer der Gottlosigkeit, der Vater der Christen, der Zerstörer unserer Götter, der viele lehrt nicht zu opfern und die Götter nicht anzubeten.“ Sie verlangten, daß er den wilden Thieren vorgeworfen, und als dies nicht mehr geschehen konnte, daß er lebendig verbrannt werde. Gesagt, gethan: das Volk trug auf der Stelle aus Werkstätten und Badestuben Holz und Reisig herbei. – Auch die Juden hatten in jenen Ruf eingestimmt; und bei diesem Geschäft waren sie am eifrigsten: nach ihrer Gewohnheit, wie der Bericht der Gemeinde sagt. Selbst den Leichnam des Märtyrers gönnten sie den Christen nicht.

Die heidnischen Beamten sahen es als eine Ehrensache an, Christen zur Verleugnung zu bringen, ihren Widerstand aber für Unbotmäßigkeit. Daher der, der den Polycarp in’s Stadium abführte und auf seinen Wagen genommen hatte, als dieser auf seine Ermahnung nicht hörte, ihn schmähte und vom Wagen warf. Weiter trieb der Proconsul den Versuch: es scheint, daß er ihn retten wollte; er fürchtete aber das Volk und gab dessen Forderung nach.

Polycarp selbst blieb sich gleich in ruhiger Würde und freudiger Zuversicht und machte Eindruck selbst auf die Verfolger. Auf die Nachricht von dem gegen ihn erhobenen Geschrei war er gefaßt und wollte die Stadt nicht verlassen, doch gab er dem Zureden vieler Christen nach und entfernte sich auf ein nahes Gehöft. Da sah er, betend in einem Gesicht sein Kopfkissen brennen; worauf er das prophetische Wort sprach: er müsse lebendig verbrannt werden. Verfolgt, entfernte er sich weiter; dann aber entdeckt, wollte er nicht mehr fliehen, sondern sprach: der Wille Gottes geschehe. Die Häscher, zu denen er redete, bewunderten sein Alter und seine Standhaftigkeit; und als sie sein Gebet gehört, bereuten viele, gegen einen solchen gotteswürdigen Greis ausgezogen zu sein. Als der Proconsul im Stadium ihn ermahnte, zu verleugnen und zu sagen: hinweg mit den Gottlosen (den Christen); rief Polycarp mit würdevoller Miene, die ganze Masse der Heiden überbietend: Hinweg mit den Gottlosen. Und als jener weiter in ihn drang, Christum zu lästern, so werde er ihn frei lassen; sprach Polycarp das berühmte Wort: „86 Jahre diene ich ihm, und er hat mir nichts Übles gethan; und wie kann ich meinen König, meinen Erlöser lästern?“ Der Proconsul drohte dann mit den wilden Thieren, und als das nicht half, mit dem Feuer. Auf das letzte erwiderte Polycarp: „Du drohst mit Feuer, das eine Stunde brennt und in kurzem verlischt; denn du kennst nicht das Feuer des künftigen Gerichts und der ewigen Pein, das den Gottlosen aufbehalten ist. Aber was zögerst du? bringe was du willst.“ Auf dem Scheiterhaufen betete er noch einmal und brachte Gott Dank, daß er dieses Tages und dieser Stunde ihn gewürdigt habe, Theil zu nehmen an der Zahl seiner Zeugen, in dem Kelch seines Christus, zur Auferstehung des ewigen Lebens, der Seele und des Leibes: unter welche er heute möge aufgenommen werden, vor ihm, in einem wohlgefälligen Opfer. Als das Feuer angezündet war, blähte es sich um ihn, ohne seinen Körper zu ergreifen: da mußte der Henker mit dem Schwert ihn durchbohren; worauf so viel Blut ausfloß, daß es das Feuer löschte. – Mit diesem Märtyrerthum endete die Verfolgung.

Unerschrocken, wohl nicht ohne eigene Lebensgefahr, wohnten Christen dem ganzen furchtbaren und erhebenden Vorgang bei. Und auf solche Augenzeugen beruft sich der Bericht, der im Namen der Gemeinde zu Smyrna abgefaßt ist, voll Pietät gegen den Polycarp: er heißt darin ein apostolischer und prophetischer Lehrer, ein bewundernswürdiger Zeuge. Diesen Bericht sendet sie einer Gemeinde in Phrygien und durch sie den entferntern Brüdern: daß auch sie den Herrn preisen, der aus seinen Knechten solche Zeugen auserwählt. Und wie sie selbst sich anschickt, sein Gedächtniß an seinem Todestage zu begehen, so theilt sie auch dessen Datum mit. Aber durch Schwankung der Leseart und der Auslegung ist es unsicher geworden: die alexandrinische Chronik nennt den 26. März 163; die Griechen feiern sein Gedächtniß am 23. Februar, die lateinische Kirche hat es auf den 26. Januar verlegt. Auch das Todesjahr steht nicht fest: man entschied sich früher für das Jahr 169, zulegt (1864) hat das Fahr 167 eine umsichtige Vertheidigung erhalten. Es ist nahe dieselbe Zeit, zu welcher Justinus in Rom die Märtyrerkrone empfing.

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