Verhör und Urteil über Justin

Verhör und Urteil über Justin

Vor dem Richterstuhl sprach der Stadtpräfekt Rusticus den Justin an: „Zunächst vertraue den Göttern und gehorche dem Kaiser.“ Justin antwortete: „Es kann nicht zu tadeln und zu verurteilen sein, den Worten unseres Erretters Jesus Christus zu gehorchen.“ Der Stadtpräfekt Rusticus fragte: „Mit welcher Wissenschaft beschäftigst du dich?“ Justin antwortete: „Ich versuchte alle Systeme kennenzulernen. Schließlich habe ich mich den Wahrheitssätzen der Christen hingegeben. Sie gefallen denen, die im Irrtum befangen sind, nicht.“ Der Stadtpräfekt Rusticus erwiderte: „Du Unglücklicher, du hast aber deine Freude an den Lehrsätzen dieser Menschen?“ Justin antwortete: „Die Verehrung des Gottes der Christen besteht darin, daß wir an den einen Gott glauben, der die ganze sichtbare und unsichtbare Schöpfung gebildet und hervorgebracht hat, und an den Herrn Jesus Christus, den die Propheten vorher derart verkündet haben: Er werde dem Menschengeschlecht als Herold der Errettung und als Verkünder erlesener Wahrheit erscheinen. Ich, ein Mensch, wie ich bin, meine zu schwach zu sein, etwas zu sagen, was dieser unbegrenzten Göttlichkeit entsprechen würde. Ich erkenne aber eine prophetische Kraft an. Er, den ich hier Sohn Gottes genannt habe, ist vorher verkündet worden. Ich weiß, daß die Propheten durch Eingebung Gottes sein zukünftiges Kommen zu den Menschen vorher gesagt haben.“ Der Stadtpräfekt Rusticus fragte: „Wo kommt ihr zusammen?“ Justin antwortete: „Wo jeder will und kann. Du glaubst sicherlich, wir kämen alle an einem und demselben Ort zusammen. Dem ist nicht so. Denn der Gott der Christen ist auf keinen Ort beschränkt. Er erfüllt Himmel und Erde. Er wird überall von den Glaubenden geehrt und verherrlicht.“ Der Stadtpräfekt sagte: „Antworte, wo ihr zusammenkommt, oder wo du deine Schüler versammelst!“ Justin antwortete: „Ich wohne oben in der Nähe des Timothinischen Bades, die ganze Zeit über, ich bin jetzt zum zweiten Male in Rom, sonst kenne ich keinen Versammlungsort. Wer mich dort aufsuchen wollte, dem teilte ich die Lehre der Wahrheit mit.“ Rusticus fragte: „Bleibst du dabei, Christ zu sein?“ Justin antwortete: „Ich bin Christ.“ Der Stadtpräfekt wandte sich an Chariton: „Nun sage du mir, bist du auch Christ?“ Chariton antwortete: „Ich bin Christ nach Gottes Weisung.“ Der Stadtpräfekt fragte nun Charito: „Was sagst du, Charito?“ Charito antwortete: „Ich bin Christin durch das Geschenk Gottes.“ Rusticus wandte sich an Epistos: „Du aber, was bist du nun?“ Epistos, ein kaiserlicher Sklave, antwortete: „Auch ich bin Christ; durch Christus bin ich frei gemacht und habe an derselben Hoffnung teil durch das Geschenk des Christus.“ Der Stadtpräfekt fragte Hierax: „Bist du auch Christ?“ Hierax antwortete: „Ja, ich bin Christ; denn meine Verehrung und meine Anbetung gehört demselben Gott.“ Der Stadtpräfekt Rusticus fragte: „Hat auch euch Justin zu Christen gemacht?“ Hierax antwortete: „Ich war Christ, und ich werde es sein.“ Peon, der nicht angezeigt war und auch da war, rief: „Ich bin auch Christ.“ Der Stadtpräfekt Rusticus fragte: „Wer hat dich unterwiesen?“ Peon antwortete: „Von unseren Eltern haben wir dieses schöne Bekenntnis angenommen.“ Eurepistus sagte: „Die Worte Justins habe ich mit Freuden gehört; aber Christ zu sein verdanke auch ich meinen Eltern.“ Der Stadtpräfekt Rusticus fragte: „Wo sind deine Eltern?“ Eurepistus sagte: „In Kapadozien (Kleinasien).“ Rusticus fragte auch Hierax: „Wer sind deine Eltern?“ Er antwortete: „Unser wirklicher Vater ist Christus, und unsere Mutter ist der Glaube an ihn. Meine irdischen Eltern sind gestorben. Ich bin aus Ikonien in Phrygien (Kleinasien) fortgebracht worden und kam von dort hierher.“ Der Stadtpräfekt Rusticus wandte sich an Liberianus: „Was sagst nun du? Bist du Christ? Bist auch du gottlos?“ Liberianus antwortete: „Auch ich bin Christ; denn ich bringe meine Gottesverehrung und meine Anbetung dem einen wahren Gott.“ Der Stadtpräfekt wandte sich nun wieder an Justin: „Höre, du giltst als gelehrter Mann. Du meinst, die wahre Erkenntnis zu haben; glaubst du nun, wenn du durchgepeitscht und enthauptet wirst, in den Himmel aufzusteigen?“ Justin antwortete: „Ich glaube, daß ich seine Verheißung haben werden, wenn ich dieses ertrage: denn ich weiß, daß allen, die so leben, das göttliche Geschenk bis ans Ende des Weltalls bleiben wird.“ Der Stadtpräfekt Rusticus sagte: „Nimmst Du also an, du werdest in den Himmel aufsteigen und dort einen Lohn empfangen?“ Justin antworte: „Das nehme ich nicht an, sondern ich weiß es. Ich bin dessen gewiß.“ Der Stadtpräfekt Rusticus sagte: „Wir müssen endlich zur Sache kommen. Sie drängt. Kommt heran und opfert einmütig den Göttern.“ Justin antwortete: „Keiner, der die rechte Stellung hat, verlästert die Gemeinschaft mit Gott, um zur Gottlosigkeit überzugehen.“ Der Stadtpräfekt Rusticus erklärte: „Wenn ihr nicht gehorcht, werdet ihr erbarmungslos bestraft werden.“ Justin antwortete: „Es ist unser Wunsch, um unseres Herrn Jesu Christi willen gemartert und so gerettet zu werden. Das wird unsere Errettung und Zuversicht vor dem viel furchtbareren Richterstuhl unseres Herrn und Erretters sein, der die ganze Welt vor sein Forum fordern wird.“ Ähnliches sagten auch die anderen Märtyrer: „Tue, was du willst, wir sind Christen und opfern den Götzenbildern nicht.“ Da sprach der Stadtpräfekt Rusticus das Urteil aus: „Diese Menschen, die den Göttern nicht opfern und dem Befehl des Kaisers nicht gehorchen wollten, sollen durchgepeitscht und zur Enthauptung abgeführt werden, wie die Gesetze es vorschreiben.“

 

“Martyrium Justinus, Charitons usw. in Rom um 163 oder 167.“

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