Wolf Schuch

Wolf Schuch

Blutzeuge 1525

In der histori der gefängnis und marter Wolfgang Schuchs / welcher anno 1525. den 19. Augusti in Lothringen ist verbrennet worden / wird unter andern auch gedacht eines groben / dicken und ungelehrten Mönchs / Bonaventure / welcher dazumal Antonii des Herzogs zu Lothringen fürnemster Beichtvatter / und zugleich zu hofe in grossem ansehen war / dieweil er jederman / und sonderlich dem Fürsten und Hofleuten in allen sünden und schanden ihren freyen willen ließ. Diser Mönch Bonaventura hielt allezeit ohne underlaß bey seinem Herren an / daß er alle gelehrte leut auß seinem hof und ländern vertreiben / und ja keinen leiden wolte / der etwas weiser / dann andere biß anhero gewesen weren / seyn wolte. Dieweil zur seligkeit gnug were / wann einer sein Pater noster und Ave Maria könte. Dann die allergelehrtesten Doctorn erregeten am allermeisten zwyspalt und ketzerey.

Wolfgangus Schuch aber / da er zu Nansen zum fewer verurtheilet war / wurd er für dem Franciscaner kloster fürüber geführet / da schrey ihn diser esel Bonaventura an / und weiset auf die götzenbilder / so für der thür des klosters / wie gebreuchlich / angeheftet waren / und sprach: Sihe du verfluchter Ketzer / ehre Gott / und seine mutter Mariam / sampt allen Heiligen. Wolfgangus aber antwortet ihm / O du heuchler und getünchte wand / unser Herr Gott wird dich schenden / und dise deine betriegerey und bubenstück einmal / und zwar bald / an den tag bringen.

Als obgemeldter Wolfgang Schuch zum fewer kommen war / und gefraget wurde / ob er begerte / daß man ihm die straf lindern solte: sagt er / Nein: Dann / sprach er / der gütige barmherzige GOTT ist mir die ganze zeit uber meines lebens allzeit beygestanden / so wird er mich ja auch jetzund in diser letzten not nit verlassen / in welcher ich seines beystands und hulff am meisten benötigt bin. Und hat darauff angefangen mit lauter stimm zu singen den 5. Psalm / so lang / biß er für dem rauch und fewer nit mehr gekönnet hat.

Es haben sich auch bald nach diser marter die gerichte Gottes augenscheinlich sehen lassen / da zween von seinen fürnemsten verfolgern und verdammern, ein Commendator S. Antonii Viennensis: der ander Abt des klosters Clariloci, beide gehlinges tods jämerlich gestorben seind.

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