Wendelmut

Wendelmut

Blutzeugin 1527

Wendelmuht ein Holländerin

Anno 1527. den 20. Novembris / ist zu Hagen in Holland eine Holländische witwe / mit namen Wendelmuht / gewürgt und verbrennet / und alle ihre güter confiscirt worden / darumb / daß sie die lehr des heiligen Evangelii frey herauß bekennet hatte. Da ihr einer sagt / Es liesse sich wol ansehen / als wann sie den tod nicht förchtete / aber sie hette ihn noch nicht recht geschmeckt. Darauff sagte Wendelmuht / Es ist wahr / ich hab den tod noch nicht geschmecket / und wil ihn auch in ewigkeit nit schmecken/ dieweil ihn Christus für mich geschmecket und erlidden / auch außdrücklich gesagt / Wer sein wort halte / der werde den tod nicht schmecken ewiglich.

Als sie von der Messz gefraget wurde: sagte sie / Ich weiß wol / daß ihr die runde und vom teig gebackene Hostia für ewern Gott haltet. Haltet aber ihr sie für ewern Gott / so halte ich sie vil mehr für ewern Teuffel.

Da man sagte / sie solte bey zeiten einem Priester ihre beicht thun / dieweil sie noch im leben were: antwortet sie / Ich bin allbereit tod / aber der geist Gottes macht mich lebendig. Denn ich lebe in Christo / und Christus in mir. Ich habe meine sünd meinem Herrn Christo gebeichtet / welcher mir auch alle meine sünd vergeben hat. Hab ich aber sonst jemands von meinen nechsten beleidigt / den bitte ich umb verzeihung.

Da sie von einer andern frawen gefragt wurde / ob sie nit stillschweigen / und sich ein wenig anderst mit eusserlichen geberden und worten anstellen könte / als sie es im hertzen meynete? Dann also möcht sie noch ihren hals retten: Hat sie geantwortet / Meine liebe Schwester / mir ist befohlen daß ich reden sol / und darzu bin ich beruffen / also daß ich nicht schweigen sol noch kan. Als sie vom ganzen Raht vermahnet wurd / sie solte sich bekehren / und ein widerrufg thun: Antwortet sie / Ich halte mich an meinen Herren und Gott / den wil ich weder umb lebens noch umb sterbens willen verlassen.

Da sie der Inquisitor für eine ketzerin erkant / und sie der weltlichen Obrigkeit zu strafen ubergeben wolte / protestirt er dannoch / daß er in ihren tod nit bewilligen wolte. Eben wie seine vorfahren die Phariseer / vom tod Christi zu Pilato sagten / Wir dörffen niemand am leben strafen.

Als ein Mönch sie mit gewalt plagete / daß sie ein hölzines crucifix küssen solte / hat sie sich zum heftigsten gesperret und geweigert / und bald hernach mitten im fewer ihre augen sanft zugethan / und ist im HERRN entschlafen.

Kommentare sind geschlossen.