Johannes Diazius

Johannes Diazius

Diser ist von geburt ein Spanier geweßt / und da er vil jar zu Pariß zugebracht hatte / ist er auch endlich gen Genf zum herren Calvino kommen / und mit ihm sampt andern kirchendienern daselbst etliche monat lang freundlich und brüderlich conversirt. Von dannen ist er gen Basel und gen Straßburg kommen / da er auch bey Martino Bucero und andern gelehrten und frommen leuten also sich verhalten hat / daß sie ihn als einen bruder / lieb und werth gehalten haben. So ist er auch bey einem ehrbarn Raht zu Straßburg in solch ansehen kommen / daß er von gemeiner statt wegen / neben Bucero und andern gelehrten aufs Colloquium gen Regenspurg ankommen waren / hat Johann Diazius seinen landsmann und alten bekanten Petrum Malvendam einen Bäpstischen Theologum, der von dem gegentheil zu einem collocutorn verordnet war / etlich mal angeredet. Malvenda aber / dem es ein meerwunder war / daß er einen Spanier zu Regenspurg sehen solte / der auf der Protestirenden seiten stünde / hat auf mittel und wege gedacht / wie man disen Diazium entweder von den Protestanten abreissen / oder ihn gantz und gar umbs leben bringen möchte. Abreissen konte er ihn nit / dieweil er so wol in Gottes wort gegründet war. Hat sich derwegen des andern mittels gebrauchen wollen / und angefangen / ihm nach seinem leben zu trachten. Da er ihn nun erstlich bey des Keisers beichtvatter / darnach auch bey den Cardinälen und Bischoffen dazumal zu Trient versamlet / bald auch anderswo angeben hatte: ist es entlich so weit kommen / daß dises Johannis leiblicher Bruder Alfonsus Diazius, ein rechter Cain (der etliche jar lang Advocat zu Rom in judicio Rote geweßt war) nach vilerley underredung mit dem Malvenda, ihn Johannem Diazium durch einen Italianischen henckersbuben zu Newburg an der Thonaw in seiner stuben jämerlich entleiben / und mit einer bindaxt den kopf hat zerspalten lassen / anno 1545 den 27. Martii. Wie die gantze histori im grossen buch weitläufriger mag gelesen werden.

Es hat aber diser Cain seinem guten Abel auf allerley weiß zugesetzt / auf daß er ihn wider zu dem Bäpstlichen grewel bringen möchte: Und under andern auch gesagt: Er hette zu Rom auß den Kirchengütern järlich 500 Ducaten eynzunemen / die wolle er hernachmals ihm gantz zukomen lassen / wo er nur mit ihm gen Rom ziehen wolte. Darauff Johannes Diazius sehr Christlich geantwortet: Ich bin / lieber bruder / nicht so geltgeizig / als du villeicht meynest. Dann wann es mir umb gelt und gut so groß zu thun were / wolt ich meine sachen wol anders angestellet haben. Nun aber halt ich dise geringe erkantnus der götlichen warheit / die mit der Herr auß gnaden verliehen hat / für meine höchste ehr / und daneben halte ich mein gutes Gewissen höher und whrter / dann aller welt gelt und gut.

Dieser Cainische brudermörger ist zu Insbruck mit seinem henckersbuben angetroffen worden / und in verhaftung kommen / auch von dem Pfaltzgrafen Hertzog Ottheinrichen durch seine abgesandten für der Oberkeit desselbigen orts angeklagt worden. Aber man hat die abgesandten von tag zu tag mit vergeblichen worten und vertröstung aufgehalten / biß endlich Keiserliche brief von Dinckelspuel ankommen / darinn befohlen / daß man in demselben Processz still halten solte / biß auf den fürstehenden Reichstag / auf welchem er mit seinem bruder Ferdinando die sach verhören / und darüber wolten ein Rechtspruch ergehen lassen. Ist aber nichts darauff erfolget. Und haben die Bäpstischen / und sonderlich die Spanier / disen Meuchelbrudermörger noch dörfen entschuldigen / und sagen: Sie hetten recht und wol daran gethan: Dieweil alle Ketzermörder vorlängst vom Bapst absolvirt und loßgesprochen weren. Darauß zu ersehen / daß es auch zu unsern zeiten den Papisten an Cains und Judas brüdern nicht mangele.

Märtyrbuch:; Denckwürdige Reden und Thaten viler H. Märtyrer, Welche nach der Aposteln biß auf unsere Zeiten / hin und wider in Teutschland / Franckreich / Engelland / Schotland / Niderlanden / Italien / Hispanien / Portugall / ec umb der götlichen warheit willen jämmerlich verfolget / gemartert und endlich auf allerley weise entleibet seind worden. Alles auß den Frantzösischen Geschichten der Märtyrer trewlich außgezogen. Gedruckt zu Herborn / 1698

 

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