Friedrich Myconius

Friedrich Myconius

Friedrich Myconius, Luthers treuer, wackerer Mitarbeiter, der Reformator Thüringens, wurde zu Lichtenfels in Oberfranken am 2ten Weihnachtsfeiertag 1491 geboren. Sein Familienname, den er auch später noch gern führte und sinnig deutete, war Mecum; die Eltern gehörten dem ehrbaren Bürgerstande an und gaben dem Sohne eine rechtschaffene, fromme Erziehung, was dieser noch im Alter dankbar rühmt. Wie bereits vor der Reformation im Herzen des deutschen Volkes evangelische Erkenntniß aufleuchtete, davon giebt der Vater einen sprechenden Beweis. Dieser ließ es nämlich nicht dabei bewenden, nach alter Christensitte dem Knaben die zehn Gebote, den Glauben und das Vaterunser zu lehren; er ermunterte ihn auch zu fleißigem Gebet und zu einem festen Vertrauen auf das Heil in Christo. „Das müsse ein jeder Christ glauben, daß wenn auch nur drei Menschen hoffen könnten, durch Christum selig zu werden, doch er sicherlich einer von diesen dreien wäre! habe man solche Zuversicht nicht, so wäre das eine Schmach auf Christi Verdienst. – Die päpstlichen Ablaßbriefe seien Netze, womit man den Einfältigen das Geld abfischte. Vergebung der Sünden und das ewige Leben könne man sich nicht mit Geld erkaufen!“ –

Solche Belehrung fiel zwar nicht als zündender Funke in den Geist des Knaben, wohl aber senkte sie sich in sein Herz als ein Samenkorn, das still aufkeimte. Frühe schon lernte der junge Mecum daran denken, wie er Gottes Gnade erlangen und selig werden möge.

Daß der geweckte, fleißige Knabe weiter ausgebildet werde, dafür trug der Vater treulich Sorge. So kam Myconius 1504 nach Annaberg im Erzgebirge, wo unter dem Rector Weidner, genannt Staffelstein, eine lateinische Schule in gedeihlicher Blüthe stand. Hier machte der junge Mecum gute Fortschritte, hier kam es auch bei ihm zur inneren Entscheidung. Die Veranlassung dazu gab eben derselbe Mann, der später auch Luthern auf die Bahn des Reformators drängte, der Ablaßkrämer Johann Tetzel. Annaberg war eine in der Ergiebigkeit neu entdeckter Gruben reich aufblühende Bergstadt; da hoffte Tetzel mit seinem Handel gute Geschäfte zu machen. Mit großem Pompe zog er 1508 ein und wußte seine Waare mit dreister, marktschreierischer Art schön anzupreisen. Den betriebsamen Bergleuten spiegelte er vor, wenn sie flugs in seinen Kasten einlegten und Gnad‘ und Ablaß lösten, so würden alle Berge um Annaberg eitel gediegen Silber werden. Er hatte viel Zudrang und blieb 2 Jahre. Myconius, noch ganz befangen in den herrschenden Irrthümern, hörte Tetzels Predigten mit großer Aufmerksamkeit; er meinte, das wären lauter Gottesaussprüche; was vom Papst käme, das käme ja von Christo selbst. Als zuletzt Tetzel erklärte, er werde nun bald abreisen und die Himmelsthüre zuschließen; so wohlfeil könne man nicht wieder das ewige Leben und Vergebung der Sünden bekommen; jetzt sei der Tag des Heils, jetzt die angenehme Zeit; es möge doch niemand seiner Seelen Seligkeit versäumen: da ging auch der 19jährige Myconius hin, um sich Ablaß zu holen. Er suchte Tetzel in seiner Wohnung auf, die derselbe im Hause des reichsten Bergwerksbesitzers genommen hatte. Tetzel hatte sich im Glanze seines päpstlichen Commissariats wie ein Großhändler mit mehreren Geistlichen umgeben, welche vermittelnd im Vorzimmer den Kleinhandel besorgten. Der junge Mecum bringt in wohlgesetzter lateinischer Rede seine Bitte an: man möge ihm doch den Ablaß „umsonst um Gottes willen“ geben, und beruft sich auf das von Tetzel an der Kirchenthür angeschlagene Decret des Papstes. Die so bedacht vorgetragene Bitte des Jünglings erregt die Aufmerksamkeit der Geistlichen, sie gehen in Tetzels Zimmer und berichten; es wird lange berathen. Endlich kommen sie mit dem Bescheide: es ginge nicht, die angezogene Stelle in dem päpstlichen Decret gälte nicht mehr; jeder, der Ablaß suche, müsse „hilfreiche Hand bieten,“ d. h. Geld geben. Abermals beruft sich der Jüngling auf die ausdrückliche Zusage des päpstlichen Decrets: „den Armen solle der Ablaß umsonst um Gottes willen gewährt sein;“ abermals gehen die Geistlichen zu Tetzel und bitten für den Jüngling, der ihre Theilnahme gewonnen hat; umsonst, sie kommen wieder mit Tetzels alleinigem Bescheid: Geld! Da wird der Jüngling dringend, und sie fangen an zu handeln. Er solle doch nur einen Groschen zahlen; Antwort: den hab‘ ich nicht! Dann doch sechs Pfennige; er entgegnet: ich habe auch nicht einen einzigen Pfennig. Es wird von den geistlichen Geschäftsleuten auf’s neue Berathung gepflogen; Tetzel will durchaus nicht den Ablaßzettel umsonst hergeben; er fürchtet die Consequenzen. Endlich finden sie einen Ausweg; einer bietet dem Jüngling 6 Pfennige zum Geschenk an, damit solle er sich den Ablaß kaufen. Da ergreift ihn ein heiliger Widerwille; das, was seiner Seele zur Seligkeit dienen soll, das will er einmal nicht um Geld haben. „Nein,“ spricht er mit aller Entschiedenheit, „bezahlen mag ich den Ablaß nicht; wollte ich’s, so hätte ich ja eines meiner Bücher verkaufen können; ich will aber den Ablaß “„als ein Armer umsonst um Gottes willen,“„ wie es der Papst versprochen hat. Ihr habt es vor Gott zu verantworten, wenn um ein paar Pfennige willen ihr das Heil meiner Seele gering achtet!“ – Noch sucht man dem Jüngling einen für ihn schon bezahlten Zettel aufzudringen; aber er nimmt ihn nicht. So läßt man ihn gehen.

Tief bewegt kommt er nach Hause. Je hartnäckiger ihn der habsüchtige Tetzel abgewiesen, desto sehnlicher sucht er nun bei Gott Vergebung der Sünden. Er nimmt ein Krucifix, das immer auf seinem Arbeitstische stand, stellt es auf eine Bank, wirft sich davor nieder und betet inbrünstig zu Gott um Gnade. „Beschreiben kann ich’s nicht,“ erzählt er von dieser heiligen Stunde, „aber fühlen konnte ich damals den Geist der Gnade und des Gebets, welchen Du Herr, mein Gott, über mich ausgossest. Die Summa aber dessen, was ich bat, war, Du möchtest mein Vater sein, Du möchtest mir meine Sünde vergeben. – Ich fühlte meine ganze Natur sich ändern, mir ekelte vor allen Dingen der Welt, ja es schien mir, als wäre ich dieses Lebens satt; zugleich begehrte ich, mit Gott zu leben, so daß ich ihm gefallen möchte.“ – Es rang der Jüngling mehrere Tage lang mit den ernstesten Gedanken. Endlich schloß er sein bewegtes Herz vor seinem Lehrer Weidner auf. Dieser erkannte den tief religiösen Zug des Jünglings; aber er wußte ihm nichts anderes zu rathen, als was die herrschende Meinung für das Beste hielt, in’s Kloster zu gehen. Der Jüngling that es; er trat in das neuerrichtete Franziskanerkloster zu Annaberg ein. Das geschah am 14. Juli 1510. Sein Lehrer, mehrere Mitschüler und fromme Frauen gaben ihm das Geleit bis zur Klosterpforte; die Mönche nahmen ihn freundlich auf. Es wurde ihm eine Zelle angewiesen. In stiller, nächtlicher Stunde kniete er da vor Gott in heißem Gebet, ihm befahl er das Heil seiner Seele, die Führung seines Lebens. Betend entschlief er auf seinem Lager. Da träumte er jenen merkwürdigen Traum, den er selbst noch in seinem Todesjahr (1546) in einem Briefe mitgetheilt hat, den Traum, der wie in einem Spiegel eines sinnreichen Gleichnisses ihm sein Abmühen unter den papistischen Satzungen, sein Erwachen zum evangelischen Leben und sein späteres Arbeiten auf dem Felde der Reformation zeigte. – Er fand sich in einer unabsehbaren Oede ohne Ausweg: erschöpft von tagelangem Umherirren, von Hunger, Durst und Schmerz verzehrt, sah er seinem Tode entgegen. Da nahte ihm eine Gestalt, in der er nach den Abbildungen den Apostel Paulus erkannte. Dieser fragte ihn nach seiner Lage und führte ihn auf einen Weg, der bald gebahnter ward: dann öffnete sich ein anmuthiges Thal, in dessen Mitte sich ein fließendes Wasser zeigte, das Ufer mit Blumen eingefaßt. Aber er durfte hieraus nicht schöpfen: aus der Quelle selbst solle er trinken, sagte sein Führer. Bald erblickten sie diese in Marmor gefaßt. Als er sich anschickte, daraus zu schöpfen, sah er in der Quelle das Bild Christi am Kreuz, der Gekreuzigte schien zu leben, die ganze unabsehbare Wassermasse aber aus seinen Wunden hervorzuquellen. Als er in anbetungsvoller Scheu vor der so nahe gegenwärtigen Gottheit Anstand nahm zu schöpfen, ergriff ihn sein Führer und stürzte ihn mitten in den Brunnen. Da lag er nun an der Brust Christi und sog den labendsten Trunk ein, der ihn durch und durch belebte. Nun ging die Wanderung weiter: nach einiger Zeit erreichten sie ein weitgedehntes Erndtefeld und trafen daselbst einen Schnitter, einen gewaltigen Mann, dem Apostel gleichend, der so eifrig arbeitete, als wollte er allein dieses grenzenlose Feld niedermähen. Hier, sprach der Führer, solle er arbeiten; und wies ihn an den Schnitter, von ihm zu lernen und dann ihn zu unterstützen. So geschah es. Er arbeitete mit seinem Vorgesetzten und Werkmeister, wie es ihm schien, viele Tage lang, fort; wenn sie müde wurden, gingen sie zum Bach und fanden dort ihre Nahrung. Auch nahten sich die Arbeiter von rechts und links: es war in solcher Gemeinschaft eine selige Erndtezeit.

Der junge Mönch verstand die rechte Deutung noch nicht. Die Welt, aus der er sich zurückgezogen, hielt er für die Wüste; in dem Mönchsstande hoffte er auf die grüne Aue zu kommen. Doch er sollte erfahren, daß sein Klosterleben dem Aufenthalte in der todten Einöde glich. Sieben Jahre lang mühte er sich ab, durch ängstliche Erfüllung der Mönchspflichten Frieden mit Gott zu gewinnen; vergeblich. Er studirte eifrig in den Büchern der mittelalterlichen Kirchenlehrer, er las die Bibel mit der damals vielgebrauchten Erklärung des Nicolaus von Lyra wiederholt durch; aber noch waren die Augen seines Geistes gehalten. Endlich verzagte er am Erfolge seiner Studien; er rang mit finstern Zweifeln darüber, ob er zu den für das Himmelreich Erwählten gehöre. – Da drang das neue Wort des Evangeliums auch in seine Zelle und brachte ihm das ersehnte Licht. Das waren die 95 Streitsätze, welche Luther am 31. October 1517 an die Thüre der Schloßkirche zu Wittenberg gegen den Ablaß angeschlagen hatte. „Ehe vierzehn Tage vergingen, waren diese Thesen das ganze Deutschland durchlaufen und in vier Wochen schier die ganze Christenheit: als wären die Engel selbst Botenläufer gewesen und trugen’s für aller Menschen Augen“ – so berichtet Myconius selbst. Mit Einem Male war nun in ihm das Licht der evangelischen Heilswahrheit voll Kraft des neuen Lebens aufgegangen und weihete ihn fortan zum treuen Bekenner. – Aber schwer hatte er darüber zu leiden. Er war bereits von Annaberg erst nach Leipzig, dann nach Weimar in’s Kloster versetzt worden. Dort hatte er die Priesterweihe erhalten, „der Letzte, für den die Kurfürsten von Sachsen noch die papistische erste Meß verlegten.“ In Weimar wurde er auch zum Predigtamt verordnet, die Fürsten hörten ihn schon damals gern. – Seitdem aber Myconius sich frei und fest zum reinen Evangelium bekannte, hatte er die härteste Behandlung im Kloster zu dulden. Ja man drohete ihm mit der Strafe, lebendig eingemauert zu werden, wie man vordem in Eisenach mit dem Mönche Hilten gethan hatte, einem prophetischen Zeugen der nahenden Reformation. Doch unerschrocken blieb Myconius bei der erkannten Wahrheit und stärkte sich darin mit einem gleichgesinnten Klosterbruder durch heimliche Lesung der Schriften Luthers. Sieben Jahre lang hatte er so „frei im Geiste!“ eine peinliche Gefangenschaft auszustehen. Endlich im Jahre 1524 brachte man ihn nach Leipzig und von da nach Annaberg, damit er unter die Gewalt Herzog Georgs, des hartnäckigen Feindes der Reformation, käme; da entfloh er und trat in Zwickau zuerst als evangelischer Prediger auf. Alles strömte ihm zu; gern hätte man den rüstigen Zeugen dort behalten; aber noch in demselben Jahre ordnete ihn Herzog Johann, der spätere Kurfürst, nach Gotha ab, weil man daselbst einen evangelischen Prediger dringend verlangte.

Hier in Gotha fand Myconius ein großes Arbeitsfeld. Die kurz vorhergegangenen Zeiten waren keineswegs für das Gedeihen des kirchlichen und bürgerlichen Lebens der Stadt günstig gewesen. Wohl lebte damals zu Gotha Conrad Mutianus, hoch angesehen unter jenen Männern, welche durch den classischen Geist der alten Römer und Griechen gehoben für eine freie, edle, menschenwürdige Bildung gegen pfäffische Beschränktheit und Rohheit muthig auf den Kampfplatz der gelehrten Welt sich wagten. In der Schule des Alexander Hegius gleichzeitig mit dem später so berühmten Erasmus wohlgeübt, hatte Mutianus nach einem längern Aufenthalt in Italien, wo er mit den bedeutendsten Gelehrten verkehrte, bald sich nach Gotha zurückgezogen, um ganz seinen Studien zu leben. Er hatte ein gering dotirtes Canonicat am Stift Mariä angenommen. Von der Eingangsthür seiner Wohnung grüßte die Inschrift: „glückselige Ruhe.“ Die übrigen Stiftsherrn standen aber mit ihm in keinem guten Vernehmen; dagegen schlossen sich aus der Umgegend jugendlich aufstrebende Geister an ihn an. So z. B. Spalatin, der anfangs Pfarrer zu Hohenkirchen, dann Präceptor im Kloster Georgenthal war, später auf Mutians Empfehlung Erzieher des Churprinzen Johann Friedrich, Hofprediger des Kurfürsten Friedrich des Weisen, zuletzt Superintendent in Altenburg. Ein auf der Universität Erfurt sich bildender Kreis junger Humanisten hatte an Mutian seinen geistigen Mittelpunkt; auch Ulrich von Hutten stand mit ihm in regem Verkehr. Weithin durch die ganze gelehrte Welt war Mutian geehrt, aber gerade auf seine nächste Umgebung konnte er keinen Einfluß gewinnen; es fehlte dem feingebildeten Humanisten doch die reformatorische Kraft. Die Stiftsherrn trieben handwerksmäßig ihren geistlichen Beruf und verkamen in Unsittlichkeit; ebenso gaben die Mönche viel Aergerniß; und die Verwaltung der Stadt selbst lag in ungetreuen Händen. „Da erwählten sie im Rath“ – erzählt Myconius in seiner Chronik – „nur ihre Freunde und die sie wußten, die es mit ihnen halten würden, oder deren sie mächtig sein konnten. Gingen auch mit der Stadt Gut um, wie sie wollten. Und wenn man rechnen sollt, so rechneten sie einander selbst und quittirten einander, wie es ihnen gefiel, daß auch die Stadt in der allerfriedlichsten Zeit darüber in Schulden kam. Wenn sie einen in Rath erkoren, der mußte sie darnach alle zu Gaste bitten und köstliche Mahlzeiten bestellen, daß es manchen über hundert und mehr Gulden kostete! – Die Bürgermeister, Cämmerer, Weinmeister und Ambtsherren aßen und trunken vielmehr unter dem Rathhaus, und zehreten bestellten die Mahlzeit von der gemeinen Stadt Einkommen, und ließen’s ihnen sauer werden, guten Muth zu haben und viel umzubringen. Wer ein Wort darwieder redete und klaget, den warfen sie in den Thurm oder vertrieben ihn gar aus der Stadt. Wenn sie der Gemeine rechneten, so setzten sie nur: summa summarum, alsoviel ausgegeben: da mußte Jedermann Amen zusagen. – Es trieben auch der Rathsherrn Söhnichen viel Unwillens wider arme, gemeine Bürger, hatten das Verhängniß von ihren Vätern, und durft auf den Abend schier niemand auf der Gaßen sicher gehen, er wurde gehauen, geschlagen oder gejagt. So führeten Canonici, Pfaffen, auch die Mönche, die Rathsherren ein wüst Wesen.“ – Darüber kam es endlich zu einer argen tumultuarischen Bewegung unter den Bürgern.

„Also trug sich’s zu“ – erzählt Myconius weiter – „Anno 1524 anf’n Pfingst-Dienstag, daß da zu Bussleben gegen der Stadt Freiheit, fremd Bier zu verschenken eingelegt wär, da zogen die Bürger gewappnet aus vermöge ihrer Befreiung, das Bier zu holen. Und als dieselben wieder hereinkamen und auf dem Kaufhause getrunken, da zogen etliche hinan an den Berg und stürmten die Dom-Herrn-Häuser, zerstießen Thür, Ofen, Fenster, zerschlugen, zerbrachen Bank, Tisch, zerrissen Register, Brief, Siegel. Es verloren auch etliche ihr Geld.“ – Auch Mutianus mußte das mit erleiden. – Dieses gewaltthätige Ereigniß ward Veranlassung daß Herzog Johann ernstlich einschritt; die Rädelsführer wurden bestraft, aber auch die mancherlei Unbilden unter der Geistlichkeit und beim Rath sollten abgestellt werden. Der Herzog erkannte, hier that eine Hilfe noth, die von innen heraus die Schäden heilte die Besseren in der Stadt sehnten sich darnach. Da sandte der Herzog unsern Myconius, und der verfolgte Mönch bewies sich sofort als der rechte Mann, als ein Mann der That, voll Umsicht, Muth und Ausdauer. Klein war er von Gestalt, aber groß durch die Energie seines Geistes. „Seine echt evangelische Einfachheit und Redlichkeit, seine gründliche Gelehrsamkeit und nachdrückliche Beredsamkeit“ bereitete ihm offnen Eingang zu erfolgreicher Wirksamkeit. Sein Wort war Lebenschat. Wie er selbst die christliche Heilswahrheit kräftig aus eigner Erfahrung verkündigte, so erweckte und stärkte er Andere, daß auch sie das reine Evangelium predigten; zugleich sorgte er vom Anfang an für bessere Einrichtung der Schulen. Sein erstes Wirken traf in eine sehr bewegte Zeit; denn im Jahre 1525 entbrannte auch in Thüringen der Bauernkrieg. In Mühlhausen hatte Thomas Münzer mit seinem wilden Anhange die Oberhand gewonnen und führte mit fanatischem Sinne ein gewaltsames Regiment. Die Aufregung verbreitete sich schnell nach allen Seiten hin, in die Grafschaften Hohenstein, Stollberg, Mansfeld, Reuchlingen, in’s Erfurtische, in’s Schwarzburgische, in’s Altenburgische, Coburgische, nach Schmalkalden, Eisenach, in die Grenzen der Landgrafschaft Hessen, in’s Eichsfeld – rundum wie ein feuriger Kreis. – Aber in der Stadt Gotha und in der ganzen Pflege umher hielten sich Bürger und Bauern ruhig. Das war vor allem des treu abmahnenden Myconius Werk. – Ein Schwarm Bauern zog von der Hardt an der Pflege Gotha vorüber nach Ichtershausen, gegen 4000 Mann stark, er wollte die Schlösser Gleichen-Mühlberg und Wachsenburg zerstören und den Adel vertreiben. Da machte sich Myconius auf, trat festen Muthes unter die Bauern und hielt eine Ansprache an sie. Sein biederes Christenwort gewann den Sieg; die wild aufgeregten Leute wurden beschwichtigt „also, daß sie abzogen und Niemand Schaden thäten.“ In solchen Zeiten bewährt sich der Mann; Myconius hat es gethan.

Und fort und fort suchte er mit treuester Fürsorge in Gotha die verfallenen Zustände zu heben, zu bessern. Aber auch weithin durch’s Land trieb er dasselbe Amt. Er war es, der auf Anordnung des Kurfürsten Johann in Verbindung mit Melanchthon, Justus Menius, Christoph von Planitz, Georg von Wangenheim, und Johann Cotta in Thüringen von 1528 ab die erste und später auch die andere Visitation zur Verbesserung des Kirchen- und Schulwesens ausführte. Die Kurfürsten Friedrich der Weise und Johann der Beständige hatten seine Tüchtigkeit zu Rath und That wohl erkannt und brauchten ihn sonst auch vielfach zu wichtigen Sendungen. So begleitete er 1527 den Kurprinzen Johann Friedrich als Prediger mit in die Rheinlande und nach Westphalen. In Düsseldorf wurde er von einem Cölner Mönch, Corbach, zu einer Disputation herausgefordert; Myconius ging getrost darauf ein. Es war ein geistlich Turnier nach Sitte jener Zeit. In Gegenwart des Herzogs und anderer Fürsten, „vieler Herren vom Adel und der Ritterschaft, gelehrtem und gemeinem Volk“ fand die Disputation statt. Mit würdigem Ernst und gründlicher Einsicht begegnete Myconius allen Einreden des Mönches, „also daß dieser zugeben mußte, daß Christus allein der Gläubigen und Kirche Grundveste sei.“ Zuletzt legte Myconius sein Glaubensbekenntniß ausführlich dar; die ganze Versammlung hörte dieses evangelische Zeugniß mit Ernst und Stille an, und der Mönch, von der Wahrheit überwunden, sprach: „Lieber Fritz! Ich habe diese Sache gern gehört und kann und weiß es gar nicht zu tadeln, sondern gefällt mir recht wohl, und ist gerecht und der Grund der Wahrheit, und wenn du das predigest, so lehrest du den rechten christlichen Glauben.“ Darauf gab er ihm die Hand und also schieden sie von einander! –

So stand Myconius überall da als ein wackerer Vorkämpfer der Reformation. Zu den wichtigen Verhandlungen in Marburg, Wittenberg, Schmalkalden, Nürnberg, Frankfurt, Hagenau wurde er nach dem Willen seiner Landesherrn als Abgeordneter zugezogen. Da arbeitete er viel mit Melanchthon zusammen, wie er selbst sagt: „Magister Philippus Melanchthon dienet mir wohl dazu, mit dem ich alle Sachen zuvor abredet, der mir auch die Pfeil fiddert.“

Als 1538 der Kurfürst Johann Friedrich der Großmüthige zur Förderung der Reformation eine Gesandtschaft nach England an König Heinrich VIII. sandte, ward Myconius als Theolog mitgegeben. Einen Sommer lang wurden dort Verhandlungen gepflogen; der König stellte sich, als wollte er die Reformation begünstigen; doch unser ehrlicher Myconius durchschauete die Ränke des selbstsüchtigen Gewaltherrn. „Der wolle“ – sagt er – „doch nichts anderes, als den Antichrist im Tempel Gottes sitzen und König Heinzen lassen Papst sein. Die kostbaren Schätze, die reichen Einkünfte der Kirchen an sich ziehen – das wäre des Heinzen Evangelion!“

Als Herzog Georg von Sachsen, der in seinen Landen die Reformation nicht hatte aufkommen lassen, gestorben war, mußte Myconius mit dem fürstlichen Erben und Bruder durch’s Land ziehen und „an allen Orten den Anfang des Evangelii helfen machen und predigen.“ Zu Leipzig blieb er dreiviertel Jahr und führte daselbst mit anderen evangelischen Männern die Reformation ein. Er that das mit solcher Umsicht und Festigkeit, die Angriffe der dortigen Papisten tapfer abwehrend, daß der Leipziger Stadtrath um sein längeres Verweilen anhielt. Aber die Bürgerschaft Gotha’s bat den Kurfürsten angelegentlich, daß sie doch ihren Prediger bald wieder bekämen.

Myconius galt als eine bedeutende reformatorische Autorität weit und breit, vor allem aber wirkte er mit treuer Sorge für sein Gotha und das ganze Thüringer Land. Ihm dankt diese Stadt auch die Gründung des später so berühmt gewordenen Gymnasii illustris mit seinem Cönobium in dem aufgehobenen Augustiner- Kloster. Auch hatte Myconius die Freude, daß fortan die Verwaltung der Stadt in treuen Händen wohl gedieh. Als ein sorgsamer Verwalter für Kirchen und Schulen trat er selbst öfter bei dem Kurfürsten für die Verwilligung der nöthigen Dotationen nachdrücklich und mit Erfolg ein. Noch jetzt giebt das am Abend seines rastlos thätigen Lebens von ihm eigenhändig geschriebene: „Neue Erbbuch und Copei der Ministratur zu Gotha“ Zeugniß, wie der reformatorische Mann nicht blos für das Große und Ganze sorgte, sondern auch für das Einzelne und Kleine, dessen Bedeutung für das praktische Leben er wohl ermaß. In diesem Buche hat er zu großem Nutzen der Folgezeit die Zinsen und sonstigen Einkünfte für das Kirchen- und Schulwesen Gotha’s mit aller Genauigkeit verzeichnet. Als Anhang dazu schrieb er für seine liebe Stadt die Chronik, eine der bedeutendsten Denkwürdigkeiten aus der Reformationszeit, von Cyprianus 1715 im Druck herausgegeben; ein goldenes Büchlein, ein sprechendes Bild von dem lauteren evangelischen Charakter seines Verfassers. Sonst hat Myconius als Schriftsteller nicht besonders thätig sein wollen; er war eine durch und durch praktische Natur. Er heißt mit Recht der Reformator Thüringens, er war der feste Halt für alle im Lande, die an der Verbesserung der Kirche arbeiteten. Darum konnte er in seinem Abschiedsbrief an den Kurfürsten Johann Friedrich ohne eitlen Selbstruhm sagen: „Es ist hier zu Gotha der vornehmste Ort in Thüringen und haben sich nicht allein die Aemter, sondern die Grafschaften Gleichen, Tonna, Schwarzburg und die Prediger zu Erfurt zu mir, ja zu Christo in mir gehalten; ich habe sie zusammengehalten, daß sie ja in Lehre und Leben recht thäten. Haben mich wahrlich wiederum als ihren Vater gehalten, gehorcht, daß keine sonderliche Unlust vorgefallen.“ Und so konnte er, sein ganzes Werk überblickend, in seiner Chronik mit gutem Grunde sagen: „Ach lieber Herr Gott, Du hast gegeben, daß es wohl angerichtet ist, gieb, daß es auch wohl gehalten und erhalten bleibe!“

Fürwahr ein reiches reformatorisches Leben. Im Worte Gottes fest gegründet, voll lauterer Frömmigkeit steht Myconius da als ein echt evangelischer Kernmann. Die große reformatorische Grundwahrheit, die Rechtfertigung allein durch den Glauben an das Verdienst Jesu Christi war ihm, gleich wie Luthern, selbst aus eigner tiefster Erfahrung der Quellpunkt eines neuen Lebens geworden und deshalb blieb ihm diese Wahrheit über Alles theuer. Und auch Myconius bewährte es durch die That, was für ein starker sittlicher Trieb in solcher Ueberzeugung ruht. Mit ganzer Hingebung arbeitete er unermüdlich im Dienste des Evangeliums, sein Leben bekräftigte seine Worte. Von Luther sowohl wie von Melanchthon wurde er besonders hochgeschätzt; nach der Eigenthümlichkeit seines Charakters stand er beiden Reformatoren gleich nahe. Er trieb sein großes Lebenswerk ebenso sehr in Luthers Weise mit vollster Entschiedenheit und Festigkeit, wie nach Melanchthons Art mit weiser Ruhe und Bedachtsamkeit. Tapfer und unerschrocken kämpfte er gegen die mancherlei Feinde des Evangelii bis an sein Ende! Aber wo es den Schaden der verfallenen Christenheit zu heilen galt, da war er ein schonender Arzt. Wie klagte er gegen Luther über die blinden Eiferer, die mit roher Zudringlichkeit gewaltsam der kranken Kirche helfen wollten. Wie preist er „die Liebe als die Sänftigerin der Gelahrtheit und der Geister.“

Friedrich Myconius war ein Mann des Friedens. Das war seine Freude, daß er in guter Eintracht mit seinen Amtsbrüdern in Gotha wirken konnte. „Wir sind gelaufen,“ bekennt er, „haben gewetteifert, gearbeitet, gekämpft, gesiegt und gelebt stets in innigster Gemeinschaft und Freundschaft, also, daß man sich darob wundert. Und sind im ganzen Fürstenthum die Diener der Kirche untereinander, der Rath und die Schulmeister so lange nie beynander einig und in Frieden blieben, als hie zu Gotha. O Herr Gott, Du Urheber der Liebe und des Friedens, erhalte und bewahre diese Deine Güter, die Du in uns gewirket hast.“

Er stand im vertrauten Verkehr mit den hervorragenden Männern der Reformation, das ersieht man schon aus seinen Briefen, welche in ihrer Kernhaftigkeit von edler Geistesreife zeugen. Ebenso herzlich bewies er sich als Gatte und Vater. Er hatte sich 1526 mit der Tochter eines gothaischen Bürgers, Margarethe Jäckin, verheirathet; von den neun Kindern, mit denen die Ehe gesegnet war, überlebten ihn zwei Söhne und zwei Töchter. Mit Dransetzung aller seiner Kräfte hat Myconius in der Nähe und in der Ferne dem Werke der Reformation gedient; schon 1539 während seiner Amtsthätigkeit in Sachsen fühlte er sich leidend; 1541 erkrankte er ernstlich an der Schwindsucht. Die Ahnung seines Jünglingstraums sollte sich auch hierin erfüllen. Er war abgezehrt und kraftlos. Er erwartete sein Ende und nahm brieflich von Luther Abschied. Da schrieb ihm dieser Gottesheld jenen denkwürdigen Brief, der in der Vollkraft des Glaubens dem Myconius wie die Stimme Christi lautete: „Lazare, komm heraus!“ „Gehabt euch wohl, mein lieber Friedrich;“ heißt es am Schluß, „und der Herr lasse mich ja nicht hören, so lange ich lebe, daß , Ihr gestorben seid, sondern schaffe, daß Ihr mich überlebet! Das bitte ich, das will ich, und mein Wille soll geschehen, Amen; denn dieser mein Wille sucht die Ehre göttlichen Namens, nicht meine Ehre nach Wohlfahrt. Das ist gewißlich wahr. Gehabt euch abermals wohl in dem Herrn, wir bitten von Herzen für euch!“ – Luthers Gebet ging in Erfüllung; Myconius erstand wieder wie ein Wunder von seinem Krankenlager; und obwohl fortwährend leidend, (manchmal konnte er Wochen lang kein lautes Wort sprechen) arbeitete er doch treu in seinem Berufe fort; ja er war noch bei der dritten Visitation in Thüringen thätig. Welchen Glaubenstrost in seinen Krankheitsbeschwerden er hatte, das spricht er gar innig in manchem Briefe aus. Seine andauernde Sorge um das Wohl der Kirche und seine Zuversicht auf den gewissen Sieg des Evangeliums, spiegelte sich ihm noch am Ausgang seines Lebens in einem Traume ab, den er dem Dr. Ratzenberger, dem Leibarzte des Kurfürsten, in einem Briefe schilderte. „Ich sah,“ erzählt er, „wie ich zum Hofe des Kurfürsten von Sachsen gerufen wurde. Ich fand da Alles in Rathlosigkeit, es kamen Leute zu mir, welche erzählten, der Kurfürst sei so niedergeschlagen, daß man eine Krankheit befürchte. Da werde ich hineingerufen und empfangen, und weil ich merke, daß es keine Leibes-, sondern eine Gemüthskrankheit sei, die aber doch auch den Leib in Gefahr bringen könne, nahm und wendete ich Arznei und Tröstungen aus dem Balsamkästlein Christi und hauptsächlich aus den Psalmen an (Ps. 42, 12.). Der Kurfürst änderte öfters den Ort, bis etwas Ruhe und Erquickung, Friede und Sicherheit sich einstellte. Da wies er mir einen Platz an, der von allen Seiten oben und unten steinern war, und mitten darin befand sich, wie nur schien, das leere Grab Christi, aus dem Er auferstanden war. Und hier war es ganz angenehm, nur fanden sich keine Sitze und Bänke, sondern man mußte stehen oder gehen. Der Eingang stand allenthalben offen. Da erblickte ich ein einjähriges, sehr schönes Lamm mit blendend weißem Vließe, gerüstet mit zwei gekrümmten und scharfen Hörnern. Es war ganz allein in diesem Heiligthume. Ich erwartete den Fürsten mit seinem Gefolge, um uns allda mit den Tröstungen der Schrift aufzurichten. Während er aber verzieht, sehe ich einen sehr großen und häßlichen Molosser-Hund kommen, mit ganz langen Haaren, wie es alte Böcke haben. Seine Farbe war zwischen aschgrau und gelb, die Augen funkelten ordentlich vor Zorn, er hatte Schaum im Maule, aber bellen hörte ich ihn nicht. Er geht gerades Wegs auf das Heiligthum zu, wo ich mit dem Lamme war. Ich erschrack sehr und fürchtete für mich und das Lamm, denn ich hatte keine Waffen, um ihn zurückzutreiben; aber um ihn doch irgendwie abzuhalten, daß er das Lamm nicht zerrisse und mich verletzte, ergriff ich ein Scheit Holz, das gerade da lag, und also bewaffnet erwarte ich, was er anfangen werde. Als das Lamm den Hund erstehet, erschrickt es nicht, sondern wird ganz lebhaft, seine Augen funkeln, wie glühend Erz, es greift den Hund an und stößt ihn in die Seite, so daß derselbe schwer verwundet unter Gebell und Geheul das Weite sucht. Aber das Lamm stößt ihn zum zweiten Male, und wirft ihn fast todt zu Boden. Endlich erblickte ich in einem Winkel dieser Kapelle eine sehr tiefe und finstere Höhle, zu welcher Stufen hinunterführten. Dahin treibt das Lamm diesen Höllenhund und stürzt ihn mit solcher Gewalt der Hörner hinab, daß ich selbst im Schlafe hörte, wie die häßliche und grimmige Bestie sich im Hinunterstürzen an die Wände des Abgrundes mit Geheul anstieß. Das Lamm aber kommt liebkosend zu mir zurück, als wollte es mir andeuten, ich solle mich nicht fürchten, es habe den Sieg errungen, wir sollten nur triumphiren.“ –

Ueberhaupt lassen die Briefe, welche Myconius kurz vor seinem Ende schrieb, einen tiefen Blick in den treuen, evangelisch klaren und festen Sinn des theuern Mannes thun. Als Myconius die ihn tief bewegende Nachricht von Luthers Lebensende (18. Februar 1546) vernommen, richtete er an den Kurfürsten Johann Friedrich ein ausführliches Schreiben, sein feierliches Testament, mit dem er das heilige Werk der Reformation zu Schutz und Pflege dem verehrten Landesherrn befiehlt. Wie tritt er da noch ein für das Gotteswerk Luthers: „Dieser Mann hat uns durch Christi Geist allen himmlischen Segen und das ewige Leben wiederum gebracht und eingeweiht, Christum wiederum in sein Reich gesetzt und das Reich Gottes wiederum an ihn gewiesen, darinnen wir Erlösung von Sünden, Tod und Hölle, dagegen in Christo Unschuld, Reinigkeit und ewiges Leben gewißlich und auf’s eigentlichste hätten. – Dieser Luther ist gar nicht gestorben, wird und kann nicht sterben, sondern wird nun allermeist recht leben.“ – Der Kurfürst antwortete ihm auf diesen Brief mit huldreicher Theilnahme.

Seinem Vorkämpfer Luther sollte Myconius bald nachfolgen. Es war am 7. April 1546. Umgeben von den Seinigen und lieben Freunden, festhaltend am Trost des Evangelii unter Simeons Lobgesang: „Mit Fried‘ und Freud‘ fahr‘ ich dahin!“ seine Seele Gott befehlend entschlief der treue Mann selig in dem Herrn. Die allgemeinste Theilnahme wurde ihm von seinen lieben Gothanern, von der ganzen Umgegend bei dem Begräbniß bezeigt.

Justus Menius, damals Superintendent in Eisenach, dann Myconius‘ Nachfolger zu Gotha, hielt ihm die Leichenpredigt über Ich. 12, 24-26. Ein Denkstein ward ihm gesetzt, der jetzt erneut am südlichen Eingange der Gottesackerkirche nach Osten zu steht und von Joh. Stigel, dem ersten Professor Jena’s eine griechische und lateinische Inschrift trägt. Die letztere lautet in einer alten Uebersetzung also:

Myconii Gebein
Ruhn unter diesem Stein,
Der Christi große Gnad
In Gotha gepredigt hat.
Ein Lehr- und Lebens-Bild
Durch ihn ist recht erfüllt;
Stadt Gotha sey bedacht,
Habs stets in guter Acht

I. Petersen in Gotha.

 

Evangelisches Jahrbuch für 1856
Herausgegeben von Ferdinand Piper
Siebenter Jahrgang
Berlin,
Verlag von Wiegandt und Grieben
1862

 

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