Mortiz von Sachsen

Mortiz von Sachsen

Moritz von Sachsen.

Das sächsische Fürstenhaus theilte sich im fünfzehnten Jahrhundert in zwei Linien, die eine besass das Kurfürstenthum, die andere Meissen und den Herzogstitel. Aus der letztern wurde 1521 zu Freiberg Moritz geboren, der von seinem frommen Vater im evangelischen Glauben erzogen wurde und ihm im zwanzigsten Jahre in der Regierung folgte. In Brust und Hirne fühlte er jegliche Kraft zu grossen Thaten, und er, der kleine Fürst, hasste und verachtete seinen bevorzugten Vetter, Johann Friedrich, den dicken Kurfürsten, der so schwerfällig und ein so treues Gemüth war.

Als Kaiser Karl V. sich wider diesen und die andern protestantischen Fürsten zum Kriege rüstete, sagte Moritz in aller Stille ihrem Bündnisse ab und liess sich vom Kaiser zusagen, dass er ihm das Land vergrössern und in einigen Hauptpunkten der neuen Lehre Freiheit lasse. Der arglose Kurfürst übertrug dem Vetter Moritz die Verwaltung der Kurlande und zog aus zum Kriege. Der Kaiser kam in Bedrängniss. Jetzt liess sich Moritz heimlich auch die Kurwürde zusichern und den grössten Theil des Landes, auf welchem sie ruhte, – den andern Theil sollte des Kaisers Bruder haben, – und plötzlich überschwemmte er die Kurlande mit Heeresgewalt. Dieser furchtbare Verrath brach die Kraft der protestantischen Waffen. Der rasch zurückkehrende Kurfürst warf zwar den Falschen wieder heraus aus seinem Gebiete, aber bald darauf vom Kaiser besiegt und gefangen, musste er dem Vetter Land und Krone abtreten.

Moritz hatte das Kurfürstenthum; nun wollte er auch vollauf die fürstliche Macht und Freiheit geniessen. Der Kaiser aber war wieder ein rechtes Haupt von Deutschland geworden, und benahm sich als Herr und Meister der deutschen Fürsten. Er diktirte das Interim, in welchem man in der That die Hauptpunkte des protestantischen Glaubens, die Moritz sieh ausbedungen, grösstentheils zugestanden hatte. Nun schickten auch mehrere protestantische Fürsten sich an, den heissesten Wunsch des Kaisers zu erfüllen, nämlich nur auf dem Concil zu Trient die Reform der Kirche zu erstreben. Der neue Kurfürst belagerte unterdessen Magdeburg, um auch die letzte Festung der Protestanten zu brechen und die reiche Stadt für sich zu gewinnen. Allein die tapfern Bürger schlugen alle seine Stürme ab. Hass und Aufregung umgab ihn drohend in Sachsen. Der Kaiser trat immer herrischer auf. Schnell entschlossen verband Moritz sich heimlich mit protestantischen Fürsten, und – erkaufte französische Hülfe durch Abtretung der Städte Metz, Toul, Verdun und Cambray, welche zu Deutschland gehörten. Karl V. hielt diese neue Tücke für ganz unmöglich, und der Verräther wusste ihn trefflich zu umgarnen, bis seine Heerhaufen plötzlich des Kaisers Aufenthalt in Tyrol umringten. Dieser musste nächtlich über die Alpen fliehen, und der Erfolg war die Zerstörung der kaiserlichen Herrschaftspläne und der Passauer Religionsfriede von 1552, welcher den lutherischen Reichsständen unbedingte Religionsfreiheit gewährte.

Zwei Jahre später fiel Moritz von Sachsen in der Schlacht von Sievershausen im Kampfe mit Markgraf Albrecht von Brandenburg, der ebenfalls dachte, sich mit dem Degen seine Einkünfte zu vergrössern. Vorher hatte Moritz, der übrigens sein französisches Bündniss erneuerte, noch gegen die Türken gekriegt, und in seinem Lande die Fürstensehulen angelegt und die Leipziger Universität gefördert. In der Blüthe seiner Jahre dahin gerafft, konnte er seine grossen Eigenschaften nicht mehr entfalten, sei es zum Nutzen oder zum Unheil der deutschen Nation.

Historische und biographische Erläuterungen zu
Wilhelm von Kaulbach's
Zeitalter der Reformation
von Franz Löher
Stuttgart
Verlag von Friedrich Bruckmann
1863
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