Justus Jonas

Justus Jonas

Justus Jonas, geboren 1493 zu Nordhausen, studirte in Erfurt anfangs die Rechte und ging dann zur Theologie über. Die Probstei an der Allerheiligenkirche zu Wittenberg wurde Mutianus Rufus in Gotha, dem Haupt und Vater der jungen Humanisten in dortiger Gegend, angeboten. Er aber empfahl seinen Liebling, den jungen, für alles Schöne begeisterten Jonas. Dieser erhielt die reiche Pfründe und war nun ein angesehener Mann in Wittenberg. Bald wurde er auch Professor der Theologie. Es war die Zeit, als Luther reformatorisch auftrat. Jonas schloss sich ihm mit vollem Herzen an, er beugte sich willig Luther’s geistigem Uebergewicht, und wurde und blieb sein treuer werkthätiger Gehülfe und Freund. Luther hatte ihn gern um sich, weil er sich stets mit ihm berathen, noch mehr, weil er ihm stets gebieten konnte. Deshalb begleitete ihn Jonas auch auf den Wormser Reichstag und zu dem Marburger Gespräch mit Zwingli. An der Bibelübersetzung nahm er thätig Theil, und übersetzte lateinische Schriften von Luther und Melanchthon in’s Deutsche. Ueberall trat Jonas als Kämpfer für Luther’s Recht und Ehre auf, Luther’s Gedanken waren die seinigen. Die eigenen theologischen Schriften bedeuten wenig. Die praktische Seelsorge war es, über deren Einrichtung er am liebsten nachdachte.

Im Jahre 1541 wurde er Superintendent in Halle. Da er dort in arge Händel gerieth, wurde er vertrieben und fand eine Stelle wieder als Superintendent im Coburg’schen, wo er 1555 zu Eisfeld starb. Bekannt sind die Verse, welche Luther ihm einst mit einem Becher von Glas schickte:

Dat vitrum vitreo Jonae vitreus ipse Lutherus \\
Ut similem vitro semet cognoscat uterque.

Historische und biographische Erläuterungen zu
Wilhelm von Kaulbach's
Zeitalter der Reformation
von Franz Löher
Stuttgart
Verlag von Friedrich Bruckmann
1863
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