Franciscus San-Romanus

Franciscus San-Romanus

Anno 1545 ist ein Spanier / mit namen Franciscus San-Romanus, von den Antosischen Hispanischen Kaufleuten gen Bremen in Nidersachsen etlichs gelds halben abgefertigt worden. Diser / auf daß er wissen möchte / was doch der Teutschen und Sachsen Religion und Glauben were / der in Hispania so gehasset und verflucht würde: ist er zu Bremen in die Kirche gangen / und ob er wol wenig von der Teutschen sprach verstund / so hat ihm doch Gott dazumal die sonderliche gnad gegeben / daß er die predigt mehrer theils verstanden / und darnach mit den Predigern daselbst / und sonderlich mit dem Herren Macabeo / so lang conuersirt hat / biß er die hauptstück der Christlichen lehr recht eyngenommen und gefasset / und sich gäntzlich bazu bekennet hat. Als er nu wider gen Antorf kommen / ist er alsbald daselbst von den Mönchen angesprenget / und unter andern auch gefraget worden / Ob er nit gläubte / daß der Bapst zu Rom ein Statthalter Christi / und der Christlichen Kirchen häupt were / welcher alle schätz der Kirchen in seiner gewalt hette / der seines gefallens alles binden und lösten / ja auch newe Glaubensartikel machen / und die vorigen abschaffen möchte? Darauff Franciscus geantwortet: Von dem allem gläube er nichts / sondern das hielte er für gewiß / daß der Bapst der rechte Antichrist were / vom Teufel geboren / dieweil er ein feind Jesu Christi were / und sich götlicher ehr anmassete / und auß trieb seines vatters des Teufels alles unter einander mengete und verwirrete / seinen betrug damit zu beschönen und zu bedecken / mit welchem er als ein wolf die herde Christi zerstrewete / und seine schäflein zerrisse und verschlünge. Dieweil nun Franciscus des Bapsts Majestet also angegriffen / und noch darzu dies Messz / das Fegfewer und den Bäpstlichen ablaß verworfen hatte / haben ihn beyde seine landsleut die Spanier / und auch die Mönche für einen gotslästerer außgeschryen / und jm mit dem fewer zu drawen beginnet.

Darauff Franciscus gesagt: Ich weygere mich nicht umb diser meiner bekantnus willen zu sterben. Ja ich halte es für eine sonderliche grosse ehr / daß ich mit meinem blut die leht Christi bestetigen sol / der für mich armen sünder vormals auch sein thewres blut am stamm des creutzes vergossen hat. Und ob ihr euch wol für gewaltige mechtige leut achtet / so könnet ihr mir doch nichts anders nemen oder verbrennen / dann disen elenden sündlichen madensack. Ich aber habe den fürchten lernen / der beyde uber leib und seel zu gebieten hat. Ich zwar wolte mich für selig achten / wann ich nur aufs förderlichste von ewer tyranney und unflätiger gemeinschaft entleidgt / und in die ewige freud und herlichkeit möchte aufgenommen werden.

Dise red hat die Mönch so sehr verdrossen / daß sie ihm die bücher Lutheri / Philippi / Oecolampadii / ja auch das newe Testament / das er von Bremen mit gebracht hatte / für seinen augen verbrennet haben. Da nu Franciscus gesehen / daß dise buben auch des newen Testaments nicht verschonet hatten: hat er sie mit vilen worten gar hart angetastet. Darauf er dann eben als wann er unsinnig were / von seinen landsleuten sechs meil von Antorf in einen thurn weggebracht worden. In welchem er im finstern / in einer tieffen gruben under der erden / acht gantzer monat / mit grosser beschwerung hat sitzen müssen.

Endlich ist er wider loß worden / und dieweil eben umb die zeit Keiser Carolus V. den Reichstag zu Regenspurg hielt / hat er Franciscus sich dahin verfüget / und den Keiser selbst bey drey malen mit grosser freudigkeit angeredet / und jn erinnert / daß er seine länder von dem schwarm falscher lehr entledigen / und den wahren gottesdienst widerumb eynsetzen wolte. Uberzeuget ihn auch auß götlicher Schrift / daß die Protestirenden Teutschen Fürsten und Stände eine bessere sache hetten / und daß jre meynung von der Religion ungleich rechter und wahrhaftiger were / dann der Spanier / die in jrer abgötterey / und andern irrthumen gantz blind und ersoffen weren. Es hat jn auch der Keiser fürs erste gnädiglich gehöret / und mit freundlichkeit geantwortet / Er wolte ihm seine bitte lassen angelegen seyn. Als nun Franciscus auch zum vierten mal den Kaiser anzusprechen willens / ist er von den Spaniern ergriffen / und in derselben ersten ungestümmigkeit schier unerkanter sachen in die Thonaw geworffen worden / wo es der Keiser selbst nicht verhindert / und befohlen hette / daß man rechtlicher weise mit ihm procediren solte. Ist derwegen in eine böse gefangnus geworffen / und mit andern mißthätern auf einen wagen geschmidet / und mit grosser pein dem Keiserlichen Hofe nachgeschleppet. Ja wie etliche wollen / ist er mit dem Keiser / der dazumal den zug in Africam fürhatte / in Africam und von dannen in Spanien gebracht / und den Inquisitorn uberantwortet / und widerumb in eine schreckliche tieffe finstere gefangnus geworffen / und endlich zum fewer verdammet worden. Als er nun hinauß gebracht / und für einem höltzinen Creutz fürüber geführet ward / wolte man jn mit gewalt zwingen / daß er dasselbige Creutz anbeten solte. Franciscus aber wolt es in keinem wege thun / sondern sagte: Die rechten Christen pflegeten nicht holtz und stein anzubeten. Nun were er ein Christ / und fühlete in seinem hertzen Gottes hülff und beystand / und betete jn mit wahrer demut von grund seines hertzens an. Und da were es gnug an. Sie solten nur fortgehen / und ihn weiter bringen an den ort / da er hin verdammet were. Welches auch geschehen. Es ist aber derwegen ein grosses geschrey under dem volck entstanden / daß diser Ketzer das Creutz nicht hette anbeten wollen. Bald darnach / (wie dann die götzendiener von natur zur lügen geneigt seind) haben sie disem Creutz eine götliche kraft angetichtet: und gesagt / Es were dasselbige Creutz so mächtig und kräftig / daß es sich von einem so verfluchten Ketzer nicht hette wollen anbeten lassen. Ja es wärete nicht lang / daß ein geschrey gieng / man hette ein sonderlich wunderzeichen an disem Creutz vernommen. Darumb auch also bald jedermeniglich mit wehren und messern zulief / und vilgemeintes Creutz in stück zerhieb / daß also von disem heiligthumb ein jeder ein stücklein bekommen möchte.

Als man zum fewer kommen war / hielten die Pfaffen und Pfaffenknechte noch ohn underlaß bey Francisco an / daß er widerruffen solte. Franciscus aber bat sie mit unerschrockenem gemüt und angesicht / sie solten doch ein end davon machen / und das ergangene urtheil ins werck stellen. Was es von nöten were / daß sie die zeit vergeblich zubrächten / und doch mit jrem geschrey nichts außrichteten? Ist derwegen das fewer angezündet worden. Und da er Franciscus eine gute weil darinnen gestanden war / haben sie ihn widerumb herauß gezogen / der meynung / er solte widerrufen: aber alles umb sonst. Dann Franciscus blieb bestendig / und under andern sagte er auch: Wie könnet ihr doch so sehr neidisch und abgünstig seyn / daß ihr mir mit disem verzug ein so grosses gut / zu welchem ich eyle / mißgönnen möget? Darauf ist er vollends verbrennet worden. Und ist wol zu verwundern / und Gottes gnad und barmhertzigkeit darumb zum höchsten zu preisten / daß er in der grossen schrecklichen finsternus / damit heutigs tags Hispanien für andern völckern uber die massen behaftet ist und bleibt / dennoch disen und andere Spanier erleuchtet / und zu erkäntnis seiner götlichen warheit hat kommen lassen. Sonst hat einer von den Römischen Basiliscen selbst gesagt / Er hette zwar Teutsch und Engelland verloren / aber Hispaniam behielt er noch / als seine keuche unbefleckte einige tochter.

Märtyrbuch:; Denckwürdige Reden und Thaten viler H. Märtyrer, Welche nach der Aposteln biß auf unsere Zeiten / hin
und wider in Teutschland / Franckreich / Engelland / Schotland / Niderlanden / Italien / Hispanien / Portugall / ec umb der
götlichen warheit willen jämmerlich verfolget / gemartert und endlich auf allerley weise entleibet seind worden.

Alles auß den Frantzösischen Geschichten der Märtyrer trewlich außgezogen.

Gedruckt zu Herborn / 1698

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