Anna Asceya

Anna Asceya

Anna Asceya, eine edle jungkfraw in Engelland

Dise edle / gotselige und viltugentsame jungkfraw / wann ihr mehr an diser welt pracht und wollust / dann an Christo und seinem H. Evangelio were gelegen geweßt / hette auch wol für der welt in grossen ehren und würden seyn und schweben können. Aber Christus war ihr lieber / dann ihr edles geschlecht / ihrer eltern reichthumb / ja alles was die weltkinder für jre höchste güter achten. Die historia vergleichet dise jungkfrau mit der alten Märtyrin Blandina / welche von Eusebio in der Kirchenhistori so hoch gelobt wird. Dann sie schier auf eben so vil art und weise / als die liebe Blandina / ist geplaget und gemartert worden. Die sie foltern und martern liessen / die waren zugleich / wider Gott und alle billichkeit / ihre ankläger und richter. Auf der reckbanck haben sie sie bald im anfang also gezogen / daß ihr die adern zersprungen / und das blut häufig herfür geflossen ist. Und sonderlich ist ihr / umb verachtung der Bäpstlichen Messz willen / zum heftigsten zugesetzt worden.

Da sie einer / den sie für einen spötter und Epicurer ansahe / vil auß Gottes wort fragen / und wie sie disen und jenen Spruch verstünde / erforschen wolte: sagt sie zu ihm / Man solte die perlen nicht für die säw werfen / welchen besser mit eicheln gedienet were.

Da dise zu rede gestellet wart / darumb / daß sie gesagt hette / sie wolte lieber fünf verß in der H. Bibel lesen / dann in der ‚Kirchen eben so vil Messen hören: sagt sie / sie were solches nicht in abreden. Sie wolt aber solches nicht von den Evangelien und Episteln / so auß Gottes wort genomen würden / verstanden haben. Was aber sonst in gemein die H. Schrift anlangete / fühlete sie in der that / daß sie auß verlesung und betrachtung derselben / besserung und erbawung spürete / Auß der Messz aber gar nichts.

Da sie auch von einem Messzpriester gefraget wurde / Wann die genante Ostia in der Messz auf die erde fiel / und etwa von einer mauß oder hund gesssen würde / ob man auch glauben solte / daß dieselbige maß oder hund / Gott selbst gessen hette? Antwortet sie / Wie er dises sein retzel aufgegeben hette / so solte er es auch selber solviren und lösen. Dann es mir / sage sie / nicht geliebet darauf zu antworten / dieweil ich sehe / daß du nur versuchenshalben hie bist.

Da ein ander von den Geistlichen Prelaten zu ihr kommen war / und sie ungefehr ein buch in der hand hatte: hat der Prelat jr das buch auß der hand genomen / und ehe dann er noch wußte / oder gesehen hatte / was es für ein buch were / hat er zu diser Jungkfrawen Anna gesagt / Dise und dergleichen bücher haben dich in dise ungelengenheit gebracht. Darumb vermane ich dich / daß du dich hinfüro für solchen büchern hüten wollest. Dann der Scribent dises buchs selbst ist öffentlich seiner ketzerey halben geschmähet und verbrennet worden. Darauff ihn Anna gefragt / ob er auch gewiß wüßte / daß es wahr were / was er sagte? Der Prelat sagt / JA / Er wüßte gewiß / daß es Johann Fryths buch were. Da hat ihm die Jungkfraw einen guten text gelesen / und unter andern gefragt / Ob er sich nicht schämete / daß er also zuplumpete / und ein urtheil von einem buch fellete / welches er doch nicht gelesen hette. Zwar / sagt sie / solche unbesonnene gewaltsame urtheil seind eine gewisse anzeigung eines unweisen gemüts. Und thet zugleich das buch auf / und zeiget es jm / daß er erst recht zusehen solte ehe dann er ein ding durchauß verdammete. Da sagt der Prelat: Ich meynete gewiß / es were ein ander buch gewesen / dieweil er nichts darinnen zu tadeln wußte. Hierauff hat jn die jungkfraw gar ernstlich vermahnet / daß er hinfüro im richten und verdammen nit allzu sehr eylen und zuplumpen / sondern sich aller sachen zuvorn gründlich erkündigen wolte. Damit ist der Prelat davon gangen.

Da sie ein ander Priester zur beicht vermahnete / und unter andern auch dise gleichnis gebrauchte / Wie ein Wundartzt kein pflaster auf eine wunde legete / er wüßte dann zuvorn / wie groß und tief die wundt were: also könte er jr auch keinen raht geben / ehe dann sie ihm zuvorn die wunden und kranckheit ihres gewissens geoffenbaret hette. Darauf jm Anna geantwortet / Sie were ihr / Gott lob / nichts böses bewußt: Were derhalben unweißlich gethan / wan man auf eine gesunde unverletzte haut ein pflaster auflegen wolte.

Da ihr auch fürgeworffen wurd / als solte sie gesagt haben / Wann einer von einem ruchlosen unverschämten Priester das Sacrament empfienge / daß derselbige nicht Christum / sondern den Teufel empfienge: Sagt sie / Sie hette solches nit geredt / sondern also hette sie gesagt: Wasi es sich schon zutrüge / daß der Kirchendiener ein gotloser unflat were / so hinderte mich doch dasselbige gar nit: Dieweil ich dennoch mit geist und glauben Christi leib und blut empfienge. Dann ohne geist und glauben kan dises Sacrament weder würdiglich noch heilsamlich empfangen werden.

Da der Bischoff von Winton zu ihr sagte / Er wolte freundlicher und vertrawter weise mit ihr handelen: sagte sie: Ja eben wie Judas / da er Christum verrahten wolte.

Da der Bischoff sagte / Wo sie sich nicht bekehrete / so würde man sie mit fewer verbrennen: Sprach Anna / Ich habe die H. Schrift etlich vil mal durchlesen / aber nirgends drinn gefunden / daß Christus oder die Aposteln jemands getödtet haben. Nu wolan / der Herr wird euch und ewer drawen schwechen und zu schanden machen.

Ihr bekantnus / die sie in der gefangnus gestellet / hat sie mit disen worten unterschrieben / Anna Asceva / die weder den tod wünschet / noch alzusehr sich für jm fürchtet / sondern also von hertzen lustig und frölich ist / als eine solche person seyn möchte / die auf dem weg gen himmel ist.

Da man sie weiter fragte / Ob sie nicht glauben wolte / daß der natürliche wesentliche leib und blut Christi im Sacrament mündlich empfangen würde: sagt sie / Nein. Dann der sohn Gottes auß Maria geboren / nach unsers Chrstlichen Glaubens bekantnus regierte nun in der höhe im himel / und würde eben also von dannen wider kommen zum gericht / wie er hinauff gefahren were / Actor. 1. Ich leugne zwar nit / sagt sie / daß dises Sacrament mit gebürlicher reverentz und ehererbietung sol gehandelt werden: Aber dieweil ihr mit ewrem aberglauben ubers ziel schreitet / und dises Sacrament gantz und gar zu einem Gott machet / und ihm götliche ehr beweiset: so sag ich darentgegen / daß das jenige nur brot sey / das von euch als ein Gott geehret wird / und bekreftige solches mit disem wahrzeichen: Wann jr disen ewern Gott drey monat lang etwa in einem kasten aufhebet und ligen lasset / so wird er schimlich / vermodert und verfaulet / und wird endlich zu nichten / und ist also ein Gott der zum lengsten drey monat lang wären kan. Dadurch dann genugsam kan erwisen werden / daß es brot / und ein Sacrament sey / aber mit nichten Gott selbst / oder der natürliche wesentliche Leib Christi / der in ewigkeit nicht verfaulen oder verwesen wird.

Da man ihr wider vom beichten sagt / antwortet sie: Es ist gnug wann ich Gott meine Sünd bekenne / von dem ich nicht zweifele daß er meine beicht anhören könne: und dieweil ich ein bußfertiges hertz habe / mir auch meine sünde vergeben wolle. Was er aber kan und wil / das muß in alle ewigkeit unverhindert bleiben.

Da ein abtrünniger / mit namen Nicolaus Saxton / mit seinem exempel sie bewegen wolte / daß sie auch widerruffen und abfellig werden solte: sprach sie / Es were besser / daß sie nie geboren were / wann sie solches thun solte.

Da ihr der Cantzler / nach einer unmenschlichen folterung (darinn man ihr die glider schier voneinander gerissen / und sie eine zeitlang für tod gehalten hatte) widerumb sagen ließ / Wann sie ihre gefaßte meynung wolte fallen lassen / so solte es ihr hinfüro nirgend an mangeln: Hat sie jm sagen lassen: Es were kein tod so schrecklich / schwer und grawsam / welchen sie nicht etlich mal lieber leiden und außstehen wolte / dann die wahre Religion einmal verläugnen. Dieweil sie nu auf der folterbanck zu vil malen also jämmerlich zugericht war / daß sie in solcher schwachheit nicht lang leben / und in geheim auch von wegen ihrer feinde nit sterben mochte: hat man sie / dieweil sie von ihr selbst nicht konte / auf einem stul zu London auf dem pfersmarck getragen / und ist mit einer ketten an den pfal gebunden worden. Dann nu alles zur marter fertig / kamen noch Königliche briefe / die ihr das leben verhiessen / wo sie abfallen wolte. Welche briefe sie nit allein nicht annemen / sondern auch nit hat ansehen wollen. Und ist also dise edle / frome / gotselige jungkfraw nach so vilerley schmach / folterung / streit / kampf / pein und marter / endlich noch dazu neben dreyen andern manspersonen verbrennet worden / anno Christi 1546. den 16. Julii. Auf welchen tag auch so ein grosses erschreckliches donnern und blitzen sich erhaben hat / daß die anschawer dises erbärmlichen spectakels zum heftigsten darüber erschrocken seind.

Märtyrbuch:; Denckwürdige Reden und Thaten viler H. Märtyrer, Welche nach der Aposteln biß auf unsere Zeiten / hin und wider in Teutschland / Franckreich / Engelland / Schotland / Niderlanden / Italien / Hispanien / Portugall / ec umb der götlichen warheit willen jämmerlich verfolget / gemartert und endlich auf allerley weise entleibet seind worden. Alles auß den Frantzösischen Geschichten der Märtyrer trewlich außgezogen. Gedruckt zu Herborn / 1698

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