Käßer, Leonhard (oder Kaiser)

Käßer, Leonhard (oder Kaiser)

Blutzeuge 1527

Anno 1527. den 16. Augusti in Bayern auß befelch des Bischoffs zu Passaw verbrennet worden Leonhart Keiser ein Bayer der eine zeitlang zu Wittenberg studiert hatte. Diser / da er zum fewer geführet wurde / hat mit lauter stimm gebetet / und gesagt / O HERR Jesu Christe leide du mit mir / erhalte du mich und stercke mich. O HERR Jesu ich bin dein / mache du mich selig und bewahre mich.

Leonhard Käßer an Michael Stifel

„Gnade und Friede von Gott unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Freuet euch mit mir, mein allerliebster Bruder in Christo, daß der ewige, allmächtige Gott, der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, mich, seinen unwürdigen Diener und großen Sünder, werth geachtet des seligen Berufs, daß ich vor der argen Welt, seinen heiligen, süßen und gebenedeiten Namen bekennen soll: gelobet sey er in Ewigkeit, Amen. Derselbe Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der in mir angefangen hat das Werk, der vollführe es auch; – stärke und richte mein Herz, alle meine Sinnen, und was ich vorhabe, auf den Weg der seligkeit, regiere auch meine Lippen, Mund und Zunge, nach dem Wohlgefallen seines väterlichen Willens, daß sie aussprechen sein Lob und Preis, so lange ich sie rühren kann, daß ja durch mich, sein schwaches, untüchtiges Gefäß, nicht geschmäht noch verlästert werde sein heilig, rein und lauter Evangelium, daß ich so oft und lange gehört habe, ach, wollte Gott, mit Frucht und zur Ehre und Preis seines heiligen Namens ec.ec.“

An einen Freund:

„Ich hab‘ wohl bei mir beschlossen, wie Paulus Röm. 8,28. sagt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalt mich abwenden soll von der Liebe Gottes und seinem heiligen Worte; es sind aber zwölf Stunden des Tags, dazu liegt es auch nicht an Jemands Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Derhalben ist es lauter Gnade, so ich beständig bleibe, und gar nicht meines Thuns:: es stehe oder falle der Mensch, so stehet oder fällt er durch Gott ecx. ec.“

Martin Luther in der Schrift: „Von Lenhard Kaiser in Baiern. Umb des Evangeliums willen verbrannt. Eine selige Geschicht“

„Ach ich elender Mensch, wie gar ungleich bin ich dem Lieben Herrn Leonhard Kaisern. Mehr thue ich nicht, denn daß ich das Wort lehre, predige, mit vielen Worten davon rede und schreibe: er aber hat sich bewiesen, als ein gerechter, gewaltiger Thäter desselbigen Wortes. Ach, daß mich Gott werth achtete, daß dieses Leonhards Geist nicht zweifältig bei mir wäre, sondern nur die Hälfte, den Satan zu überwinden, so wollte ich willig und gerne dieß Leben lassen! Gelobt sey Gott in Ewigkeit, welcher unter so vielen Ungeheuern, doch einmal uns Unwürdigen so einen herrlichen Anblick und Glanz seiner Gnade bewiesen und sehen hat lassen, an diesem seligen Manne, daran wir ja merken können, daß er uns allerdings nicht verlassen hat. Bittet für mich, lieber Herr Michael. Christus, unser lieber Herr, verleihe, daß wir dieses lieben seligen Leonhards Nachfolger werden!

Er heißet nicht allein König sondern billig Kaiser, und führet solchen Namen mit allen Ehren; denn er hat den überwunden, deß Gewalt so groß ist, daß ihr keine auf Erden mag verglichen werden.

Zudem ist er nicht allein ein Priester, sondern ein rechter Bischoff, ja Pabst, indem er seinen Leib so dahin geopfert hat zum Opfter, das da Gott wohlgefällig, lebendig und heilig gewesen ist.

Also heißt er auch recht und billig Leonhart, das ist Leuenhart. Denn er hat sich beweiset als ein starker, unerschrockener Leue. Seine beiden Namen sind zuvor von Gott versehen; er ist der erste, so den Namen seines Geschlechts erfüllet und bestätigt hat.

Die Märtyrer der evangelischen Kirche in den ersten Zeiten nach der Reformation
von
A.W. Heckel,
Pfarrer in Wirbenz bei Baireuth
Nürnberg
verlegt von Haubenstricker und von Ebner
1828

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