Johann Hus

Johann Hus

1369 – 1415

Hus ist um 1369 in Hussinetz, einem an der böhmisch – bayrischen Grenze gelegenen Dorf geboren. Er stammte aus einer armen tschechischen Familie und mußte sich als Sängerknabe mühsam durch seine Schulzeit durchbringen. An der Universität Prag gewann er bald großes Ansehen, obwohl er niemals den Doktorgrad erworben hat. Von großer Bedeutung wurde für ihn die Kenntnis der Schriften Wiclifs, die mit Beginn des 15. Jahrhunderts in Böhmen bekannt wurden und einen tiefen Eindruck machten. Fast alles, was Hus gegen die päpstliche Kirche lehrte, stammt aus Wiclifs Schriften. Besonders verlangte er auch, daß das Abendmahl unter beiderlei Gestalten gefeiert wurde, d.h. daß man den Laien nicht den Kelch entziehe.

Zum 1. November 1414 war ein allgemeines Konzil nach Konstanz berufen worden, um dem Doppelpapsttum ein Ende zu machen. Auf diesem Konzil sollte auch die Angelegenheit von Hus verhandelt werden. Vom deutschen König Sigismund erhielt Hus die Zusicherung freien Geleits. Trotz trüber Ahnungen machte er sich auf den Weg. Obwohl er sich in Prag als rechter Deutschenfeind bewiesen hatte, wurde er von den Deutschen überall freundlich aufgenommen; zahlreiche Anhänger und Bewunderer suchten ihn in seiner Wohnung in Konstanz auf. Das verdroß den Papst aufs äußerste. Er ließ Hus eines Tages zu einer Besprechung mit Kardinälen in die Wohnung eines Konstanzer Domherrn einladen und dort gefangensetzen, ja einige Tage später in das Dominikanerkloster bringen, wo er in ein finsteres, neben der Kloake gelegenes Gelaß gesteckt wurde. Sigismund war noch auf der Reise nach Konstanz, als er von der hinterlistigen Gefangennahme erfuhr. Er war aufs höchste empört und befahl den Kirchenleuten, Hus sofort freizulassen; andernfalls werde er das Konzil verlassen. Jene aber erwiderten kühl, dann werde eben das Konzil aufgelöst, und da dem Kaiser mehr als dem Papste daran lag, zu einer Einigung in der Kirche zu kommen, gab er nach. Damit war das Schicksal Hussens besiegelt. Er war inzwischen auf die Burg des Bischofs von Konstanz gebracht worden. Hier blieb er 73 Tage in schrecklicher Haft, bei Tag gefesselt, des Nachts mit den Händen an die Wand gekettet, schlecht genährt und krank. Als er endlich vor dem Konzil verhört wurde, ließ man ihm keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Öffnete er den Mund, so schrien alle auf ihn ein und schalten ihn einen verstockten Ketzer; schwieg er, so deuteten sie dies als Eingeständnis seines Irrtums. Andere Verhöre folgten, aber es gelang nicht, Hus zum bedingungslosen Widerruf zu bewegen. Am 6. Juli 1415 erfolgte in feierlicher Vollversammlung des Konzils seine Verurteilung. Vergebens berief er sich darauf, daß er freiwillig nach Konstanz gekommen sei, nachdem ihm der König Sigismund – der bei dieser Sitzung anwesend war! – freies Geleit zugesichert habe.

Es folgte die Ausstoßung aus der Kirche. Hus, den man mit seinem vollen Priesterornat bekleidet hatte, wurde noch einmal zum Widerruf aufgefordert. Als er wiederum ablehnte, wurde ihm unter feierlicher Verfluchung Stück für Stück seine priesterliche Kleidung abgenommen. Als ein Ketzer wurde er dem weltlichen Strafgericht übergeben, verkündete der Sprecher des Konzils, und die Anwesenden fügten hinzu: „Deine Seele übergeben wir dem Teufel!“ Hus aber antwortete: „Und ich befehle sie dem gnädigen Herrn Jesu Christo.“ Man hatte ihm eine spitze Papiermütze aufgesetzt, auf der das Wort „Erzketzer“ geschrieben war. Hus sagte: „Mein Herr Jesus Christus hat für mich Armen eine viel härtere, drückendere Dornenkrone schuldlos zu seinem allerschmählichsten Tode getragen; darum will ich armer sündiger Mensch gerne diese Krone tragen um seines Namens und seiner Wahrheit willen!“

Danach wurde Hus zur Richtstätte geführt. Die Henker entkleideten ihn und banden ihn an einen Pfahl, um den Holz mit Stroh aufgeschichtet war. Der Scheiterhaufen wurde angezündet. Mit erhobener Stimme sang Hus: „Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner“, bis er erstickte. Seine Asche wurde in den Rhein gestreut.

Als die Nachricht von Hus‘ Tode nach Böhmen gelangte, entstand eine ungeheure Erregung. Schon vorher hatte der größte Teil des tschechischen Volkes an ihm wie an einem Propheten gehangen, nun wurde er als Märtyrer verehrt; sein Todestag, der 6. Juli, wurde fortan als ein Feiertag begangen. Fast der ganze Adel des Landes tat sich zusammen und gelobte der Lehre des Märtyrers treu zu bleiben. Da starb König Wenzel, der bisher noch immer vermittelt hatte, und die böhmische Krone ging an seinen Bruder, König Sigismund, über, gegen den sich nun das ganze Land erhob. Auf seinen Wunsch rief der Papst die Christenheit zum Kampf gegen die aufständischen Hussiten auf; so kam es zu den blutigen Hussitenkriegen, in denen besonders der Feldherr Ziska für die Tschechen große Erfolge errang und weite deutsche Gebiete verheerte. Erst als unter den Hussiten selbst Zwistigkeiten ausbrachen und der Papst der gemäßigten Partei entgegenkam, gelang es ihm, der katholischen Sache zum Siege zu verhelfen. 1433 nahm der böhmische Landtag ein Gesetz an, wonach den Gläubigen im Abendmahl nicht nur das Brot, sondern auch der Kelch gereicht werden solle. Das war das einzige Zugeständnis, das der Papst gemacht hatte.

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