Matthäus Stach

Matthäus Stach

(geb. 4. März 1711, gest. 21. Decbr. 1781.)

Christian David, Christian Stach, Johann Beck und Friedrich Böhnisch, die ersten Missionare der Brüdergemeinde in Grönland.

Ob sie (die Weissagung) verziehet, so harret ihrer! Sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen.“ (Hab. 2, 3).

Auf ähnliche Weise, wie die Mission in Westindien, wurde auch die Mission der Brüdergemeinde in Grönland angeregt. Bei der Anwesenheit des Grafen Zinzendorf in Kopenhagen im Jahre 1731 hörte er nämlich viel von den Schwierigkeiten, mit denen der treue Missionar Egede in Grönland zu kämpfen hatte, und machte die Bekanntschaft von zwei getauften Grönländern. In jener Versammlung zu Herrnhut, in der er die Mission auf St. Thomas der Gemeinde ans Herz legte, erzählte er auch, was er von Grönland gehört hatte. Dadurch erweckte Gott in den Herzen der Brüder Matthäus Stach und Friedrich Böhnisch einen mächtigen Trieb, an der Bekehrung der Grönländer zu arbeiten. Sie theilten sich gegenseitig ihre Sehnsucht mit, vereinigten sich darüber im Gebet, und legten der Gemeinde ihren Wunsch schriftlich vor. Hier erhoben sich freilich viele Bedenken, sodaß ein Jahr verging, ehe sie abreisen konnten. Böhnisch hatte unterdeß eine andere Sendung übernommen. Deßwegen fand sich Christian David bereit, Matthäus und dessen Vetter Christian Stach zu begleiten. „Unsere Abfertigung, sagt Matthäus Stach, währte nicht lange; nur die zwei letzten Tage hielt der Graf mit mir einige gesegnete Unterredungen, besonders über die Bewahrung des Leibes und der Seele, die mir zu einem bleibenden Segen gereichten.“

Matthäus Stach war am 4. März 1711 in Mähren geboren. Sein Vater diente den dort zurückgebliebenen Brüdern, doch sehr in der Stille, im Wort und in der Lehre. Seine Kinder unterrichtete er selbst, weil er sie nicht in die katholische Schule schicken wollte. Einst sah er seinen Matthäus weinen. Als ihm dieser auf seine Frage antwortete: er weine, weil er ein so kleines Stück Kuchen bekommen hätte, sagte er: „Mein Sohn, wenn du so über deine Sünden weintest, das war die besser,“ und gab ihm noch ein Stück. Aber die Worte machten einen so tiefen Eindruck auf ihn, daß er von da an oft um seine Seligkeit bekümmert war. Im Jahre 1728 hörte er, daß ein Bruder aus Herrnhut nach Mähren gekommen war. Da entschloß er sich nebst zwei Andern, mit demselben nach Herrnhut zu gehen. Hier ging es ihm zuerst im Äußern, da er sich mit Wollespinnen ernähren mußte, sehr kümmerlich, sodaß er kaum das nothdürftige Brod verdienen konnte. Dies hatte ihm der Bruder schon in Mähren vorher gesagt; aber er war entschlossen, seine Seele zu retten, wenn er auch Hungers sterben sollte. „Dieser Entschluß, schrieb er hernach, fiel mir immer wieder ein; aber der liebe, himmlische Vater half von Zeit zu Zeit so, daß es nicht einmal bis zum Hungern kam.“ Von seinem innern Erlebnissen der damaligen Zeit schreibt er: Der Hauptpunkt in allen Versammlungen war, daß man nothwendig die Gewißheit der Vergebung der Sunden haben müsse. Wenn ich dann von Jemand erzählen hörte, was für Kummer und Angst bei ihm vorhergegangen sei, ehe er zu dieser Gewißheit gelangte, so nahm ich es als die Methode an, sich zu bekehren, und that, was ich nur thun konnte, mit Wachen, Fasten und Beten, um in mir eine genugsame Angst über meine Sünden zu erzwingen. Wo ich ging und stand, verfolgte mich das Gesetz, und je mehr ich mich darunter mühete, desto größer wurde meine ängstliche Ungewißheit. Wollte ich essen, so hieß es bei mir: Du sollst fasten! Wollte ich schlafen, so hieß es: Du sollst wachen! Wenn ich vor meinem Brette, worauf ich sonst schlief, auf den Knien lag und betete, dann sollte ich die Nacht hindurch fortbeten. Schlief ich dann darüber ein, dann war alle meine Hoffnung, jemals bekehrt zu werden, wieder verloren. In diesem Zustande schrieb ich an einen Arbeiter, und klagte ihm meine Noth. er antwortete unter Anderm: „Wenn dich hungert, so iß! Wenn dich dürstet, so trinke! Und wenn es Zeit zum Schlafen ist, so schlafe!“ Ich aber dachte, auf die Weise wird aus meiner Bekehrung Nichts, und fuhr fort, mich zu mühen, bis ichs so müde wurde, daß ich Alles aufgab, und zum Heiland schrie: „Ach erbarme dich meiner! Ich bin verloren!“ Und da trat der Freund meiner Seele, der mich gewiß sehnlich gesucht hatte, mir so lebhaft vor’s Herz, daß ich von Friede, Freude und Liebe auf eine nicht auszusprechende Weise durchdrungen wurde.“ Nun entstand auch bald der Trieb in seinem Herzen, das Evangelium unter die Heiden zu bringen. Als im Jahre 1733 der Ruf Gottes an ihn erging, unter die Grönländer zu gehen, griff er gleich mit beiden Händen zu.

Am 19 Januar 1733 reiste Stach mit seinem Vetter Christian Stach unter Begleitung des Bruders Christian David nach Grönland ab. Von Hans Egede, von dem an seinem Orte erzählt ist, freundlich empfangen, erbauten sie sich sogleich nach grönländischer Weise aus Rasen und Stein ein Haus, und nannten den Ort Neu-Herrnhut. Von ihrer damaligen Herzensstellung giebt ein Brief Zeugniß, den sie mit dem zurückkehrenden Schiffe an die Gemeinde schickten, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Es heißt wohl recht bei uns: Verliere gar den Weg, nur nicht den Glauben! Ja hier ist der Weg noch gar verschlossen. Wir haben das zu unserer täglichen Loosung: Laß alle unsere Sinnen stille werden! Für unsere Person ist uns sehr wohl; aber unser Sinn geht dahin, Seelen zu gewinnen, und dazu können wir noch nicht kommen. Wir werden aber durch Gottes Gnade nicht verzagen, sondern der Hut des Herrn warten, und wollen von seinem Angesicht nicht weichen. Ist der Heiden Zeit gekommen, so muß die Finsterniß in Grönland Licht, und die Kälte selbst zur Hitze werden, und die eiskalten Herzen der Menschen erwärmen und zerschmelzen. Wir sind offenbar vor den Augen des Herrn. Alle Menschen halten uns zwar für Thoren, sonderlich die, die schon lange in diesem Lande gewesen sind, und dieses Volk kennen; aber wir freuen uns darüber und denken: wo der Durchbrecher ist, da muß Lust und Weg werden, wo es noch so verkehrt aussieht.“ – Ihr erstes Streben war nun, die grönländische Sprache zu lernen, worin Egede sie treulich unterstützte. Man kann sich aber denken, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatten, die nie eine Grammatik gesehen hatten, und nun von einem dänischen Lehrmeister, dessen Sprache sie zugleich mit zu lernen hatten, die so sehr schwierige grönländische Grammatik lernen mußten. mit den Grönländern hatten sie wenig Gelegenheit zum Umgang, da diese beständig umherzogen, um dem Fischfang und der Jagd nachzugehen, und sich nicht bewegen ließen, bei ihnen zu wohnen. – Eine harte Prüfung ihres Glaubens war jener Ausbruch der Blattern, die ein grönländischer Knabe von Dänemark in sein Vaterland gebracht hatte, und die furchtbar verheerend um sich griffen. In der Gegend von vier Meilen um die Colonie belief sich die Zahl der Todten auf 500. Die Brüder nahmen so viel Kranke in ihre Wohnung, als sie konnten. Einige erkannten auch die Wohlthat dankbar an; allein, sobald sie gesund geworden waren, verließen sie die Brüder, ohne daß ihre Reden einen Eindruck auf sie gemacht hatten. Bei seinem Elend blieb das Volk in seiner geistlichen Stumpfheit. – Zudem wurden die Brüder nun selbst nach einander krank an einem Ausschlag, sodaß sie kaum die Glieder regen konnten, und oft das Bett hüten mußten. Doch konnten sie sich gegenseitig pflegen, und Egede bewies sich als treuer Freund in der Noth. In solchen kummervollen Umständen wurde das erste Jahr zurückgelegt, und das zweite angefangen. Da kamen ihnen noch zwei Brüder zur Hülfe, Friedrich Böhnisch und Johann Beck.

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