Sibylla von Sachsen

Sibylla von Sachsen

(1526, gest. 1554)

„Alles in Ehren kann Niemand wehren.“

Sibylla, geborene Prinzessin von Cleve, war die Gemahlin des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmüthigen von Sachsen. Sie lebten zu Wittenberg im Jahre 1526, wo Luther das Werk der Reformation begonnen hatte. Dieser wahrheitsliebende Reformator gab folgendes Zeugniß von ihnen: „Es ist ein an Geist und Herz vortreffliches Ehepaar, sie leben heilig und ehrbar, forschen fleißig nach der Wahrheit, sind wohlthätig gegen Kirchen, Schulen und Arme, lieben treu das Wort Gottes, hassen die Bosheit, beschützen die Rechtschaffenen, halten Friede, bewahren die Zucht und lassen keinen Tag ohne Gebet vorübergehen.“ Ausgezeichnet hat sich dieses fürstliche Paar durch den Antheil, den sie an der Reformation nahmen. Besonders aber verdient Sibyllens Muth und Standhaftigkeit bewundert zu werden.

Der deutsche Kaiser Karl V. hatte nach dem Reichstage zu Augsburg die Lehren der Protestanten nicht widerlegt, sondern kurzweg verdammt und es den Protestanten frei gestellt, ob sie sich in Güte wieder mit Kaiser und Papst vereinigen, oder durch Gewalt dazu gezwungen werden wollten. Die lutherischen Fürsten kannten die drohende Gefahr und schlossen einen Bund zu Schmalkalden. Sie wählten den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und den Landgraf Philipp von Hessen zu ihren Oberhäuptern und gelobten sich, bis zum Tode ihrem Glauben getreu zu bleiben und ihre Unterthanen, wenn es sein mußte, selbst mit den Waffen in der Hand, in ihrer Religion zu beschützen. Der Kaiser rüstete sich mit dem Herzog Moritz von Sachsen gegen den Bund und benutzte die Unentschlossenheit der Protestanten, die diesen großen Nachtheil brachte. In der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg 1547 an der Elbe wurde ihr Heer geschlagen, der Kurfürst und Landgraf gefangen genommen und ganz Deutschland unter die harte Hand des Kaisers gegeben.

Sibylla theilte mit ihrem Gemahl alle Gefahren, mehrmals belebte sie durch ihre Beredtsamkeit und strenge Tugend den Muth ihrer Unterthanen, ja sie forderte persönlich die Städte zu tapferer Gegenwehr auf. Nach jener Schlacht bei Mühlberg war sie eifrig bemüht, das Schicksal ihres Gemahls zu erleichtern.

Damit es ihm in seiner Gefangenschaft nicht an dem Nöthigen fehlen möge, verkaufte diese edle, fromme und zärtlich liebende Gattin ihren ganzen Schmuck und schickte den Ertrag desselben ihrem Gemahl. Die Stadt Wittenberg, in welcher die Kurfürstin mit ihren jüngsten Söhnen sich befand, vertheidigte sich hartnäckig. Der Kaiser drohete der Gemahlin, das Haupt ihres Gemahls in die Stadt zu schicken, wofern sie nicht die Uebergabe der Stadt vermitteln würde. Wirklich war auch diesem Fürsten das Todesurtheil im Lager bekannt gemacht worden, und Tags darauf sollte er auf freiem Felde enthauptet werden. Doch die Fürsprache seiner Freunde rettete ihm das Leben, allein auf die Kurwürde und seine Länder mußte er verzichten, die Stadt Wittenberg räumen und zeitlebens in Gefangenschaft bleiben. Wehmüthigen Herzens mußte er zusehen, wie Moritz auf öffentlichem Markte vom Kaiser feierlich mit den Ländern belehnt wurde. Denn der stolze Kaiser wollte durch diese Bedrückungen allen deutschen Fürsten sein hartes Joch fühlen lassen. Die Kurfürstin Sibylla begab sich jetzt zum Kaiser in’s Lager und flehte fußfällig um Befreiung ihres Gemahls. Der Kaiser empfing sie sehr gnädig, gewährte ihr aber die Bitte nicht, sondern ließ es bloß zu, ihren Gemahl zu besuchen, und gab auch ihm die Erlaubniß, in die Stadt zu kommen und von seiner Gemahlin Abschied zu nehmen. Rührend war der Abschied dieses fürstlichen Ehepaars. Im Vertrauen auf Gott und ein dereinstiges Wiedersehen schieden sie von einander.

Nach dieser schmerzlichen Trennung begab sich die Kurfürstin nach Weimar, ihrem künftigen Aufenthaltsorte. Die Tage der härtesten Prüfung brachte sie in stiller Einsamkeit zu, verbunden mit tiefer Trauer. Sie bewohnte ein Zimmer ohne alle Kostbarkeiten; eine Bibel, ein Gebetbuch, ein Spinnrocken und ein Nährahmen waren alle ihre Zierrathen. Sie selbst von wahrer Frömmigkeit durchdrungen, verstand es, auch ihre beiden Söhne Johann Wilhelm und Johann Friedrich zur Gottesfurcht anzuhalten und diesen edlen Samen in den Herzen dieser Kinder zu wecken und zu beleben. Sie pflegte auf ihren und ihres Gemahls Halskragen gewöhnlich die Worte zu sticken: „Alles in Ehren kann Niemand wehren.“ Oftmals sagte sie zur Gräfin von Schwarzenberg: „Ich glaube und weiß ganz gewiß, daß ich meinen Gemahl noch vor meinem Tode befreit sehen werde, ich werde nicht ablassen, Gott darum zu bitten, und er wird mein Gebet gewiß erhören.“ Und ihre Gebete hatte Gott wirklich erhört, es geschah, wie sie geglaubt hatte.

Fünf Jahre hindurch mußte der edle Kurfürst seinem stolzen Sieger von einem Orte zum andern folgen, um dessen Triumph zu verherrlichen. Die Gewaltthätigkeiten, die der Kaiser im Reiche verübte, reizte die Unterdrückten zu neuem Widerstande und selbst der tapfere Moritz, Herzog von Sachsen, der es früher mit dem Kaiser gehalten hatte, trat an die Spitze der Unzufriedenen, nöthigte den Kaiser zur Flucht und zu einem Vertrag zu Passau 1552. Dadurch bekam der Kurfürst seine Freiheit, nicht aber seine Länder wieder.

Lange vorher hatte der Kurfürst seine Gemahlin in einem Schreiben getröstet, daß sie in Geduld ausharren möge, da die Zeit seiner Erlösung nahe. Als sie aber jetzt die freudige Nachricht erhielt, daß er auf dem Wege nach seiner Residenz sei, kam sie ihm bis Coburg entgegen und fiel vor Freude in Ohnmacht, als sie ihn erblickte.

Der Einzug in Weimar glich einem Triumphzuge. Nur noch zwei Jahre genoß dieses edle Fürstenpaar einer ungestörten Ruhe. Standhaft und treu ergeben in den Willen Gottes starb die Kurfürstin Sibylle im Jahre 1554 den 21. Februar, und 3 Tage darauf folgte der treue Gemahl ihr nach. Beide ruhen in der Stadtkirche zu Weimar.

Jac. 1, 2-4. Achtet es für eitel Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen fallet, und wisset, daß euer Glaube, so er rechter Art ist, Geduld wirket; die Geduld aber soll ausharren bis an das Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ganz und keinen Mangel habt.

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