Katharina von Bora.

Katharina von Bora.

(geb. d. 29. Jan. 1499; gest. d. 20. Dec. 1552.)

„Mein lieber Herr Doctor, ist’s Gottes Wille, so will ich Euch bei unserm lieben Herr Gott lieber, denn bei mir wissen; ich hoffe aber und traue auf Gott, er werde Euch gnädiglich erhalten.“

Katharina von Bora wurde geboren im Jahre 1499 den 29. Januar zu Loeben bei Schweinitz in Sachsen. Ihr Vater, Hans von Mergenthal auf Deutschenbora, gehörte zu dem im Mittelalter berühmten Geschlechte der Boren, ihre Mutter, Anna, war eine geborene von Haugwitz. Die Aeltern, welche nur geringes Vermögen besaßen, brachten ihre Tochter schon frühzeitig in das Cistercienser Nonnenkloster Nimtschen bei Grimma. Katharina, von Natur mit einem heitern Gemüthe begabt, war gleich vom Anfange dieser unnatürlichen Einkerkerung abhold. Die Klosterschwestern, welche Gelegenheit hatten, Luthers Schriften zu lesen, erfuhren nun auch, daß er gegen das Nonnenwesen gesprochen und daß sie nicht verpflichtet wären, wider ihren Willen in diesem Stande zu bleiben. Dieses trug mit dazu bei, daß der Katharina das Klosterleben mit jedem Tage verhaßter wurde. Daher regte sich in ihr, so wie in 8 andern Nonnen späterhin der Wunsch, aus den Klostermauern befreit zu werden, weil, wie sie erklärten, solch Leben der Seligkeit halber von ihnen nicht länger zu dulden sei. Sie wendeten sich daher an ihre Aeltern, erhielten aber eine abschlägliche Antwort. Sollte dennoch ihr Wunsch erfüllt werden, so mußte von einer andern Seite Hülfe kommen und diese erwarteten sie von Luther. Sie offenbarten sich ihm und dieser entwarf sogleich einen Plan zu ihrer Befreiung. Ganz im Stillen gewann er einen Bürger zu Torgau (Leonhard Koppe), der mit zwei andern Männern das Wagestück ausführte. In der Charfreitagsnacht den 4. April 1523 kamen diese Männer bei dem Kloster Nimtschen an, Koppe überstieg die Gartenmauer und half den 9 Nonnen über dieselben hinweg. Diese Entführung erschien aber um so gefährlicher, da die Reise durch die Länder Georgs des Bärtigen gehen mußte, der ein eifriger Katholik und ein abgesagter Feind Luthers war. Deshalb verbarg Koppe die Nonnen so viel als möglich. Er hatte 9 Tonnen mitgebracht, die so eingerichtet waren, daß in jeder eine Person bequem sitzen konnte. Auf diese Art kam das „armselige Völkchen,“ wie Luther die Geretteten nennt, am dritten Osterfeiertage, den 7. April wohlbehalten in Wittenberg an. Sie suchten Zuflucht bei Luther und fanden einen väterlichen Versorger an ihm. Dieser beruhigte sie nicht nur über den gethanen Schritt, den er öffentlich billigte, sondern verschaffte ihnen auch von seinem Churfürsten eine geheime Unterstützung und suchte sie mit ihren Verwandten zu versöhnen. Luther, der schon lange gegen das ehelose Leben der Geistlichkeit gepredigt und geschrieben hatte, ging endlich selbst mit einem guten Beispiele voran, indem er seine Mönchskleidung ablegte und sich am 23. Junius 1525 mit dem Fräulein Katharina von Bora verheirathete. Er war der glücklichste Ehemann und hatte nie Ursache, seine Wahl zu bereuen. Mit inniger Liebe hing sie an ihm und stand in so mancher Anfechtung und so mancher trüben Stunde als freundliche Trösterin ihm zur Seite. Sein eigenes Urtheil über sie spricht er in folgenden Worten aus: „Es ist mir mit meiner Käthe Gottlob wohlgerathen; denn ich habe ein fromm, getreu Weib, auf welches sich des Mannes Herz verlassen darf, wie Salomo sagt, Sprichw. 31, 11; sie verdirbt mir nichts.“ Und in der That hatte er recht gesprochen. Ihr schönster Schmuck war ächte Frömmigkeit und Tugend. Zwar warf man ihr Stolz vor und tadelte es, daß sie den Umgang mit andern Frauen mied; und doch war jenes der edle Stolz auf ihren Gemahl, den sie innig liebte und auf den sie stolz zu sein alle Ursache hatte. Eben so mochte sie als eine an Geistesbildung und Seelenadel so viele ihres Geschlechts übertreffende Frau keinen Gefallen finden an den leeren Gesprächen ihrer Nachbarinnen, sondern zog es vor, an der Seite ihres Gatten zu weilen, der im häuslichen Kreise immer heitere und fröhliche Laune zeigte und sie so manches Andere vergessen ließ. Daher äußerte auch Luther einst von sich selbst: „Die höchste Gnade und Gabe Gottes ist es, ein fromm, freundlich, gottesfürchtig und häuslich Gemahl haben, mit der du friedlich lebest, der du darfst all dein Gut und was du hast, ja dein Leben und Leib vertrauen. Gott aber stößet ihrer viele in den Ehestand, ohne ihren Rath, ehe sie es recht bedenken und thut wohl daran. Käthe, du hast einen frommen Mann, der dich lieb hat, du bist eine Kaiserin. So danke Gott. Aber zu einem solchen Stande gehört eine fromme und gottesfürchtige Person.“

Daß er an ihrer Seite ein wahrhaft glücklicher Gatte und Vater war, zeigen verschiedene Einzelheiten. So oft er zu verreisen genöthigt war, beklagte sie es und war ängstlich um ihn besorgt, so daß Luther bei solchen Gelegenheiten sie nur mit vieler Mühe in Briefen zu trösten vermochte. Als er einst von einer schweren Krankheit befallen wurde, pflegte sie ihn mit treuer Liebe und Sorgfalt Tag und Nacht, wich nicht von seinem Bette und bewährte sich als die treueste Gattin in Wort und That. Ihm, der bei dieser Gelegenheit selbst an seiner Wiedergenesung zu zweifeln anfing, rief sie im Vertrauen auf Gott die tröstenden Worte zu: „Mein lieber Herr Doctor, ist’s Gottes Wille, so will ich Euch bei unserm lieben Herr Gott lieber, denn bei mir wissen, ich hoffe aber und traue auf Gott, er werde Euch gnädiglich erhalten.“

Katharina war aber auch eine treffliche Hausfrau. Sie befolgte in allen Dingen mit Zuvorkommenheit seinen Willen und sorgte mit gewissenhafter Genauigkeit für das Hauswesen, was bei Luthers geringem Einkommen und seiner unbegrenzten Wohlthätigkeit sehr heilsam war. Zu bewundern ist’s, daß Beide sich so bald und so glücklich in Alles fanden, was ihnen jetzt in der Wirthschaft oblag. Luther, als Mönch, an strenge Ordnung gewöhnt, übte auf gleiche Weise die Pflichten des Hausvaters und Katharina verstand es auch, durch geschicktes und sanftes Beherrschen der Dienstboten sich als tüchtige Hausfrau zu zeigen,

Mit Sorgfalt widmete sich Katharina der geistigen und sittlichen Ausbildung ihrer 6 Kinder und ging ihnen in Allem mit einem schönen Beispiel voran. So wie ihre Liebe zu ihrem Gatten innig und aufrichtig war bis in den Tod, so war auch ihre Liebe zu ihren Kindern die zärtlichste und innigste, die nur stets eine gute Mutter gegen ihre Kinder an den Tag legen kann.

Glücklich als Gattin und Mutter mußte Katharina doch auch manchen Kummer erfahren, der nicht bloß in den Verhältnissen und ärgerlichen Streitigkeiten hinsichtlich der Reformation seinen Grund hatte, sondern auch in den körperlichen Leiden ihres Gatten selbst. Auf diesen hatte beides einen so betrübenden Eindruck gemacht, daß er sich mehr als einmal den Tod wünschte, ja der Sittenlosigkeit wegen Wittenberg verlassen wollte. Durch Zureden seiner guten Freunde gab er zwar seinen Plan auf, aber seine frühere Heiterkeit kehrte nicht wieder zurück. Auch Katharinens Glück war von jetzt an dahin, denn es war nahe die Stunde, in der sie von ihrem theuren Gatten auf ewig getrennt werden sollte. Im Januar 1546 reiste er in Folge einer Einladung nach Eisleben, seinem Geburtsorte, wo er krank ankam. Katharina sendete ihm, als sie Nachricht davon erhielt, aus ihrer kleinen Hausapotheke einige schon als bewährt gefundene Arzneimittel dahin, welche aber erfolglos blieben. Er starb den 18. Februar 1546. Thränen der Wehmuth und des bittern Schmerzes vergoß sie, die trostlose Gattin, mit vier unversorgten Kindern. Nur das Andenken an die Verdienste des großen Lehrers brachte ihr einigen Trost.

Obgleich die Grafen und Fürsten sich ihrer annahmen und sie zahlreiche Beweise der Liebe und Theilnahme von den Freunden ihres Mannes erhielt, um ihren Schmerz zu mildern, so war dieses doch nicht von Dauer, sie hatte noch bittere Erfahrungen zu machen. Der Religionskrieg, welcher ein Jahr nach dem Tode ihres Gemahls ausbrach und die Häupter der Protestanten hart traf, erschütterte auch die unglückliche Katharina; und als das belagerte Wittenberg sich ergeben mußte, trat eine unglückliche Lage für sie ein. Alle getreuen Anhänger der neuen Lehre verließen die Stadt und auch sie nahm mit ihren Kindern die Flucht. Mit vielen andern wieder zurückgekehrt und des freien Besitzes ihres Vermögens versichert, war ihre Lage doch eben noch nicht viel besser geworden, da die Unterstützung vom Kurfürsten ausblieb und schwere Abgaben auf ihrem Eigenthum lasteten. Um sich einige Erleichterung zu verschaffen, vermiethete sie einige Stuben und nahm eine kleine Anzahl Studenten gegen ein mäßiges Kostgeld. Daß ihre Lage eine sehr bedrängte war, bekennt auch die Universität in einem Leichenprogramm, worin es heißt: „Mit ihren verwaisten Kindern mußte die als Witwe schon Schwerbelastete unter den größten Gefahren umherirren, wie eine Verbannte; großen Undank hat sie von Vielen erfahren, und von denen sie wegen der großen und öffentlichen Verdienste ihres Ehegatten um die Kirche Wohlthaten hoffte, ist sie oft schändlich getäuscht worden.“

Katharina lebte kümmerlich und eingezogen zu Wittenberg, bis 1552 die Pest ausbrach und die Universität nach Torgau verlegt wurde. Sie folgte mit ihren Kindern auch dahin, um den kleinen Gewinn von den Kostgängern nicht zu verlieren. Allein auf der Reise wurden die Pferde scheu und als sie, um sich zu retten, mit ihren Kindern aus dem Wagen sprang, fiel sie in einen Sumpf und erkältete sich so stark, daß sie den 20. December 1552 starb. Sie wurde in der Kirche zu Torgau beigesetzt, wo auch noch jetzt ihr Leichenstein zu sehen ist.

Obgleich Katharina schwere Prüfungen im Leben zu bestehen hatte, so hielt sie doch unerschütterlich an dem, was sie von ihrem Manne als bleibendes Erbtheil erhalten – eine uns getrübte Aussicht in jenes Leben.

Spr. Sal. 14, 29. 32. Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, der offenbart seine Thorheit. Der Gottlose bestehet nicht in seinem Unglück; aber der Gerechte ist auch in seinem Tode getrost.

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