Elisabeth von Dänemark

Elisabeth von Dänemark

(Gest. 19. Januar 1526.)

„Ich bin zu Leiden gemacht, und mein Schmerz ist immer vor mir.“ (Ps. 38, 18.)

Diese Elisabeth war eine gekrönte Kreuzträgerinn. Und schon in zarter Jugend war das Mägdlein „zu Leiden gemacht,“ wie der Psalmist von sich singt. Sie ist des Erzherzogs Philipp von Oestreich und einer spanischen Prinzessinn Johanna Tochter, und wurde in Spanien 1501 geboren. In ihrem 5. Jahr starb ihr Vater plötzlich; uns ihre Mutter ward aus Betrübnis gemüthskrank. Da mussten dem verwaisten Kinde Pflegeeltern gesucht werden. Ihr Großvater, der deutsche Kaiser Maximilian, übergab es der Statthalterinn der Niederlande, ihrer Tante Margaretha. Zu Brüssel und Mecheln verbrachte sie die Kinderjahre, meist fern von den Zerstreuungen des Hofes, in sorgsamer Erziehung. Ihr Herz zeigte früh viel Ernst und fromme Stimmung.

Da sie erst dreizehn Jahre alt war, hielt Christian II. König von Dänemark, um ihre Hand an. Sie willfahrte dem König. Unsäglicher Trübsal reicht die damit zugleich die Hand. Denn, was König Christian Vortreffliches an sich hatte, – und deß hatte er nicht wenig, – das war von der ungebrochenen Wildheit seiner Leidenschaften überwuchert. Auch war es, wenigstens zunächst nicht, Herzensneigung, was ihn zu dieser Werbung trieb, sondern die Hoffnung auf reiches Erbe. Und sein sträfliches Verhältnis zu Dyveke, einem Mädchen gemeinen Standes, dauerte fort nach der Verlobung, und noch 2 Jahre nach der Verheirathung.

Aber Elisabeth, welche er im Jahr 1515 nach Dänemark heimholte, hing auch in den schwersten Tagen mit rührendster Treue an ihrem Gemahl. Sie ertrug es mit schweigender Wehmuth, als dieser in unzarter Weise es sie entgelten ließ, dass ihr Bruder, Kaiser Karl V., ihn gleichgültig behandelte, und sein Begehr nach Geld und Hülfe nicht berücksichtigte. Er entfernte seiner Gattinn Beichtvater vom Hofe, und einen ihrer Kammerjunker ließ er hinrichten. Licht und Finsterniß kämpfte in der Brust dieses Mannes um das Vorrecht. Der Reformation, für welche er aufrichtig und mannhaft begeistert war, that er die Thore seines Landes auf. Und zu gleicher Zeit, als das seinem Scepter unterworfene Schweden den Verdacht erregte, dass es sich losreißen wolle, versuchte er mit zügellos blutiger Grausamkeit sich den Gehorsam zu erzwingen.

Da schien dem Adel und der hohen Geistlichkeit des Reiches das Maaß des Erträglichen überschritten zu sein. Christian II. wurde entthront, und seinem Oheim, Herzog Friedrich von Holstein, die Krone übertragen. Christian begab sich seines Landes, und ging in die Verbannung. Elisabeth, wiewohl ihr ein königlicher Sitz und Friede in Dänemark angeboten wurde, folgte dennoch ohne Zaudern freudig ihrem Gemahl in’s Elend. Am 14. April 1523 schiffte sich die unglückliche Königsfamilie mit ihren 3 Kindern zu Kopenhagen ein. Zunächst suchten sie in den Niederlanden eine Zuflucht. Dann weilte, während Christian Deutschland vergeblich nach Hülfe durchzog, Elisabeth mit den Kindern zu Berlin am kurfürstlichen Hofe Joachims, dessen Frau ihres Mannes Schwester war. Beider Fürstinnen heimlicher Trost und selige Hoffnung war das Evangelium.

Der Aufenthalt ihres Gatten ist ihr oft unbekannt gewesen. Sie ward der Angst um ihn nicht ledig. In ihren Briefen, die der zärtlichen Worte voll sind, warnt sie ihn, wohl auf seiner Hut zu seyn; denn sie wisse, daß Viele ihm nach dem Leben ständen. Er solle sie doch zu sich kommen lassen, sie wolle lieber beim ihm seyn, und leiden, was sie könne, als getrennt von ihm und in der Sorge leben, es möchte ihm etwas zustoßen. „Ich sehne mich zu Tode, wofern Ew. Gnaden nicht bald Nachricht zugehen lassen.“

So beschied er sie denn 1524 nach Nürnberg zum Reichstag, daß sie hier seine Sache führe, und ihm Freunde erwerbe. Ihre Erscheinung und edles Wort machte tiefen Eindruck, und hatte doch keinen Erfolg. Fürstlich, in der That, ist die Tapferkeit ihres Glaubens in diesen Tagen des Nürnberger Reichstags. Sie schloß sich den evangelischen Fürsten und Herren an, als diese das heil. Abendmahl unter beiderlei Gestalt, nach Anweisung der Schrift, in öffentlicher Feier genossen, wiewohl sie wusste, dass ihre mächtigen Verwandten ihr darob zürnten, und sie der Sache, um deretwillen sie nach Nürnberg gekommen, schaden werde. Ihrem Bruder, dem König Ferdinand, der in heftiger Erbitterung sie nicht mehr Schwester nennen wollte, antwortete sie eben so demüthig als glaubensmuthig: „Unsere gewesene Mutter hat uns doch beide als leibliche Geschwister zur Welt gebracht. Ich will mich an Gottes Wort halten, und darin Gott, uns keinen Menschen anerkennen; in allen andern Dingen will ich mich gerne meinem Bruder unterwerfen, und ihm gehorchen. Will er mich als seine Schwester verläugnen, so mag er es thun; ich werde das Gott anheim stellen.“

Ihre Tante Margaretha nahm sie indessen in den Niederlanden freundlich auf, und gab ihr im Städtlein Lier einen stillen Aufenthalt. Lage Ruhe war ihr jedoch auch hier nicht beschieden. In Angelegenheiten ihres Mannes durchreis’te sie nach einmal Deutschland bis Berlin, und kehrte mit diesem Ende 1524 wieder nach Lier zurück. Ihre schon vorher angegriffene Gesundheit, welche die Bäder in Aachen nicht wieder hatten stärken können, wurde durch diese Anstrengungen vollends untergraben. Der König brachte sie zur bessern Pflege nach Kloster Zwynarde bei Gent. Das war am 5. Dez. 1525. Sie fühlte ihr Ende nahen, und begehrte ihre Kinder, die, zur Schonung der kranken Mutter, zur Statthalterinn Margaretha gebracht worden waren. Sie kamen in Begleitung einiger Hofleute und eines römischen Geistlichen, welcher den Auftrag hatte, die Sterbende in die römische Kirche zurückzubringen.

Der Tag ihres Heimgangs aus dem Elend war der 19. Januar 1526. Ihr Gatte schreibt hiervon am 28. Jan. an Luther: „Aber in dem Maaße, als ihre Krankheit zunahm, hat sich unsre Gemahlinn Gott, unserm Vater, und Christo unserm Erlöser, ganz und gar hingegeben, Herz und Sinn auf ihn allein in einem festen Glauben gestellt, alle Menschen um Verzeihung gebeten, von jedem demüthig begehrt, daß er in der Fürbitte für sie zu dem Allmächtigen beständig anhalte, damit er ihre seine göttliche Gnade verleihe, um einen wahren, starken, festen Glauben an ihn zu haben, sich seiner grundlosen Barmherzigkeit zu getrösten, und gern nach seinem Willen den Tod zu erleiden.

Und da nun die Schwäche immer mehr zunahm, hat Frau Margaretha ihr Gefolge und andere vornehme Leute zu ihr geschickt, welche sie bereden sollten, den papistischen, antichristlichen Glaubensweg zu betreten. So hat denn Gott nach seiner Milde unserer Gemahlinn die Sprache zu rechter Zeit genommen, so daß sie ihnen keine Antwort darauf gab. Nichts desto weniger haben sie sie mit Oel bestrichen, und mit Unterredungen nicht nachgelassen. Aber sie hatte zuvor mit inniger Sehnsucht, festem Glauben und wohlbedachtem Muth das heilige, hochwürdige Sacrament nach rechter christlicher Weise genommen, und da einer unserer Prediger sie nach Gottes Wort ermahnte, versprach sie uns, beständig in einem rechten, starken Glauben an den Herrn zu bleiben, und auf den Aberglauben der Andern nicht zu antworten, bis sie ganz sprachlos wurde. Sie nahm aber mit vielen Zeichen eines wahren Glaubens zuletzt Abschied von der Welt, den 19. Januar. Der Allmächtige sei ihrer Seele gnädig in aller Ewigkeit! Aber wir haben die unzweifelhafte Hoffnung, daß sie ein Kind der ewigen Seligkeit ist, Dazu helfe uns Gott! Amen.“

Da der König wünschte, daß dieses sein Schreiben, um die katholischen Verwandten zu schonen, vorläufig nicht bekannt werden möchte, so konnte es um so leichter geschehen, daß man die durch Thomas Blankaert, Rektor und Notar zu Zwynarde verfaßte Nachricht verbreitete, die Königinn sei im kathol. Glauben gestorben. Sie wurde zu Gent mit Königlichen Ehren begraben.

Ihr Tod machte viele Herzen betrübt, von Spanien bis Dänemark hinauf. In dieser Elisabeth, deren Luther mit großer Hochachtung erwähnt, ist der sonnige Lenz der Reformation mitten in das Geschlecht seiner heftigsten Schmäher und Verfolger lichtvoll hineingeblüht, nämlich in das kaiserlich Habsburgische. Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Aber sie ist die Taube mit dem Oelzweig über ihrem Geschlecht.

Dr. Theodor Fliedner, Buch der Märtyrer, Verlag der Diakonissen-Anstalt zu Kaiserswerth, 1859

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