Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung des Georg Blaurock und des Hans von der Rewe

1529

Um diese Zeit, im Jahre 1529, ist Georg von dem Hause Jacobs, mit zunahmen Blaurock, nach dem er ungefähr zwei oder drei Jahre in der Schweiz und insbesondere in der Grafschaft Tyrol, wohin er selbst gereist ist, die Lehre der Wahrheit ausgebreitet und verkündigt hatte, damit er nämlich mit dem Pfunde wuchern und mit seinem Eifer für das Hause Gottes ein Ursache des Heils sein möchte, nebst Mitgesellen zu Gusodaum gefangen genommen, um des Glaubens willen zum Tode verurteilt und nicht weit von Clausen lebendig verbrannt worden, und zwar wegen nachfolgender Artikel: Weil er sein Priesteramt und seinen Stand, den er zuvor im Papsttume bediente, verlassen hatte; weil er nichts von der Kindertaufe hielt und den Leuten eine neue Taufe predigte; weil er die Messe oder Beichte verworfen, wie sie von den Paffen eingesetzt worden ist; weil er dafür halte, daß wir die Mutter Christi nicht anrufen oder anbeten müssen. Wegen dieser Ursachen ist er hingerichtet worden und hat wie einem Ritter und Glaubenshelden gebührt, Leib und Leben dafür gelassen. Als er auf dem Richtplatze war, hat er ernstlich zum Volke geredet und sie zur Schrift angewiesen.

Nachdem nun die Liebe zur Wahrheit aufgegangen ist, so daß dieselbe unter den Menschen zu brennen angefangen, und das Feuer Gottes sich entzündet hat, so sind wir in der Grafschaft Tyrol um des Zeugnisses der Wahrheit willen viele getötet und umgebracht worden, insbesondere in den nachfolgenden Plätzen: In dem Gusodaumer Gerichte, zu Clausen, Brixen, Stertzing, Valzen, Neumark, Katren, Terlen, in Gundersweg; desgleichen in dem Inntale zu Imbs, zu Petersburg, zu Steyen im Spruktal, Schwatz, Rotenburg, Kufstein und Kitzpichel; in diesen Plätzen hat eine Große Menge der Gläubigen mit ihrem Blute die Wahrheit standhaft durch das Feuer, Wasser und Schwert bezeugt; dadurch hat sowohl das Volk Gottes als auch die Verfolgung täglich zugenommen. Einer ihrer Vorsteher und Lehrer in der Grafschaft Tyrol wurde Jakob Hueter genannt, welcher sich nicht lange darauf samt den Seinen mit Gemeine, die in Mähren versammelt war, vereinigt hat. Nachdem nun diejenigen, welche sich zu Jakob Hueter hielten, mit ihm aus der der Grafschaft Tyrol nach Mähren zogen, wozu sie teilweise durch die große Verfolgung gezwungen und genötigt worden sind, so hat die Verfolgung und Tyrannei in der Grafschaft Tyrol sich täglich sehr vermehrt, weshalb die Frommen wenig Sicherheit hatten, und viele von ihnen gefangen genommen um des Glaubens willen auf allerlei Weise genötigt wurden, wozu denn die Pfaffen von dem Predigtstuhle mit großem Grimme gewaltigen Lärm schlugen, und darauf bestanden, daß man solle zusehen, sie auszukundschaften und sie mit Feuer und Schwert zu vertilgen; auch hat man einige Male denjenigen viel Geld angeboten und verheißen, der sie angeben würde, wodurch sie zu Zeiten aufgefunden worden sind; man hat sie überall aufgesucht, in den Gebüschen und Häusern, welche im Verdacht waren, in allen Plätzen, auch innerhalb der verschlossenen Zäune; diese mußte man öffnen oder sie brachen sie auf und durchsuchten die innere Fläche. Es war unter ihnen auch ein Judaskind, namens Prabeger, der sich einer Schalkheit bediente und dadurch viel zu erlangen glaubte; dieser lief zur Obrigkeit und verriet sie alle, brachte auch Häscher und die Pilatusfinder mit Schwertern, Spießen und Stangen mit sich; vor denselben ging er her, wie Judas, der Verräter. Auf solche Weise haben sie viele gefangen, andere aber zerstreut und verjagt. Nicht lange darauf, als sie sich wieder versammelten, hat sich auch wieder ein Ischarioth hervorgetan, namens Georg Früder, der zu den Pfaffen lief und sagte, wenn sie ihm Lohn geben wollten, so wolle er hingehen, und es sollte sich niemand von den Brüdern vor ihm verbergen können. Hierauf haben ihm die Pfaffen, das Geschlecht der Pharisäer und Schriftgelehrten, Geld und guten Lohn und außerdem noch einen Brief gegeben, womit dieser Schalk ausgegangen ist, sich aufs höchste verstellt und sein Gaukelwerk getrieben hat; er ging hin und wieder zu Leuten, von welchen er dachte, daß sie davon Wissenschaft hätten, fragte überall im Pöstertale, wo die Brüder wären und wo er sie finden möchte, man sollte ihm doch dazu verhelfen; solches hat dieser Schalk unter vielen Tränen begehrt, unter dem Vorwande, daß er keine Ruhe hätte, bis er bei ihnen wäre; auf solche Weise hat er sie betrogen und ist endlich zu ihnen gekommen; er stellte sich ihnen ganz traurig, demütig und gütig an, wie einer, der Buße sucht und sich auf einen anderen Weg begeben will; dann aber sprach er in großer Eile: Meine Brüder, wartet ein wenig, so will ich nach Hause gehen und mein Weib und meine Kinder herholen. Der Diener hatte viel Überlegung und sagte zu ihm: Wenn du im Herzen falsch bist und etwas Arges im Sinne hast, so wird dich Gott gewiß darum heimsuchen, und du wirst dein Gericht schnell auf dich laden. Er aber sagte: O nein, davor behüte mich Gott! Kommt mit mir in mein Haus. Damit ging er fort zum Richter, zu den Paffen und zu der Obrigkeit; dieselben kamen mit Gewalt, mit Schwertern und Stangen, und nahmen die Brüder und Schwestern gefangen.

Dergleichen Schalke taten sich noch mehr hervor; insbesondere einer, welcher Peter Lantz hieß; desgleichen ein anderer mit Namen Pranger; einigen ging in der Nacht mit vieler Schalkheit umher, stellten sich ebenso an und kamen zu den Plätzen und Häusern, worin sie jemanden zu finden hofften; aber Gott hat ihnen ihren verdienten Lohn gegeben, so daß sie wünschten, daß sie nicht geboren worden wären.

Außer dem erwähnten Georg Blaurock ist noch einer gewesen, namens Hans von der Reve, welcher mit zu denen gehörte, welche die Wahrheit des heiligen Evangeliums mit Ernst angenommen und die christliche Gemeine zu der Zeit haben stiften und bauen helfen, als die Wahrheit durch das Papsttum und andere Irrtümer lange verfinstert gewesen ist. Nachdem sie nun ihr Lehramt eine Zeitlang treulich bedient, viele Menschen erbaut und unterwiesen, und dadurch ihr Pfund mit Wucher auf Gewinn gelegt hatte, so sind sie endlich von der mißgünstigen und neidischen Kainsart gefangen genommen und zu Clausen in Tyrol im Jahre unseres Herrn 1529 verbrannt worden.

Um nun zu bezeugen, daß sie in allem diesem sich in Gott erfreut und auch ihrer Brüder Trost und Stärkung gesucht haben, so haben sie das Nachfolgende ihnen zum Andenken hinterlassen:

O Herr Gott! Dich will ich loben von nun an bis an mein Ende, weil Du mir den Glauben geben hast, durch welchen ich Dich kennen gelernt habe. Du sendest Dein göttliches Wort zu mir, welches ich aus lauter Gnaden merken und spüren kann. Von Dir, o Gott, habe ich dasselbe empfangen, wie Du weißt; ich hoffe gewiß, (Jes. 55:11) es wird nicht leer wieder zu Dir zurückkehren u. O Herr, stärke hierzu mein Gemüt, (Psalm 38: 5) daß ich Deinen Willen erkenne, dessen ich mich von Herzen erfreue. Wärest Du mir, o Gott mit dem Worte deiner göttlichen Gnade nicht erschienen, als ich die schwere Last der Sünden gewahrte, welche mich sehr ängstigte, so hätte ich unterliegen und ewige Pein leiden müssen. Darum will ich Deinen herrlichen Namen ewig hochloben und rühmen, weil Du Dich stets als einen barmherzigen, lieben Vater erweisest. Verstoße mich doch nicht, sondern nimm mich als Dein Kind an. Darum schreie ich zu Dir, hilf doch, o Vater, daß ich Dein Kind und Erbe sein möge. (Luk. 17: 5) O Herr, stärke meinen Glauben, sonst wird mein Gebäude, wenn mir deine Hilfe nicht beisteht, bald umfallen; vergiß mein nicht, o Herr! Sondern sei immer bei mir; dein Heiliger Geist beschütze und lehre mich, daß ich in allen meinen Leiden stets deinen Trost empfangen (1. Kor. 9, 25, 26, 27) und in diesem Streite ritterlich kämpfen möge, bis ich den Sieg erhalten haben werde. Der Feind hält mit mir eine Schlacht in dem Felde, worin ich nun liege; er hätte mich gern aus dem Feld verjagt; aber Du, Herr, hast mir den Sieg gegeben. Er ist mit scharfem Geschütz auf mich eingedrungen, so daß mir alle meine Glieder vor der falschen Lehre und ihrem Zwange bebten. Aber Du, o Herr, erbarme Dich meiner, und hilf armen Menschen, deinem Sohne, mit Deiner Gnade und kräftigen Hand, damit ich überwinde. O Gott! Wie bald hast du mich erhört, wie bist Du mit Deiner Hilfe geeilt und hast meine Feinde zurückgeschlagen! Darum will ich zum Lobe Deines Namens, in meinem _Herzen singen, und die Gnade, die mir widerfahren ist, ewig ausbreiten. Ich bitte Dich nun, Vater, für alle deine Kinder; bewahre uns sämtlich in Ewigkeit vor allen Feinden unsere Seelen; (1. Petr. 1: 14) auf das Fleisch will ich nicht bauen, denn dasselbe vergeht und hat keinen Bestand, aber auf Dein Wort will ich fest vertrauen, das sei mein Trost, darauf ich mich verlasse, das wird mir aus allen meinen Nöten zu ewigen Ruhe helfen. Die Stunden des letzten Tages, wo wir das Leben lassen müssen, ist nun sehr nahe. Lieber Herr! Hilf uns doch das Kreuz bis auf den Platz zu tragen, und kehr Dich zu uns mit aller Gnade, (Luk. 23: 45) damit wir unser Geist in Deine Hände befehlen mögen. Ich bitte Dich, o Herr! Herzlich für alle unsere Feinde, wie viele derer auch sind; (Apg. 7: 68 ) Herr, rechne ihnen ihre Sünden nicht zu; dieses bitte ich Dich nach Deinem Willen. Und also wollen wir (ich, Georg Blaurock, und Hans von der Reve) im Frieden hinscheiden; der gute Gott wolle uns durch seine Gnade bis in sein ewiges Reich geleiten; gleichwie wir Ihm auch fest vertrauen, daß er solches tun, und sein heiliges Werk in uns vollenden und mit seiner Kraft bis ans Ende uns beistehen werden. Amen.

Dies ist auch augenscheinlich geschehen, denn diese Beiden sind standhaft und unerschrocken um der Wahrheit willen gestorben und verbrannt worden.

DER BLUTIGE SCHAUPLATZ ODER MARTYRER SPIEGEL DER TAUFFSGESINTEN ODER WEHRLOSEN-CHRISTEN die um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gelitten haben, und getödtet worden sind, von Christi an, bis auf das Jahr 1660

Martin Maler

INN DISEM 1531. Jar / Ist Brueder Marthin Maler / ein dienner des Euangelij vnnd worts Gottes / selb sibender zu Schwäbischen Gmünden vmb des Glaubens Göttlicher warhait willen gefanngen worden / Vnnd nach vil hanndtierens / wenn sie ab wolten steen / so sollen sie vnbekümert zu Iren weib vnd kinden haimbgeen / Aber sie antworteten frölich Nain / sonder sie wolten willig sterben / ee sie abstüenden / Sie sein Nachmals zum todt verurtailet worden / als sie nahend ein Jar gefangen lagen.

Dem Brueder Marthin vnd seinen mitgefangnen ward die Vrgicht gelesen.

  1. Man füeret sie vnder das Rathhauß / vnd las In etlich artickel Irer Vrgicht: Als man Inen den ersten Artickel gelesen / sprach Brueder Wolff Esslinger / Wie Ir vnns heut richtend / so wirt euch Gott richten / wenn Ir für sein angesicht komend / Welches wirt aber ein annders vnd ein ewigs gericht sein.
  2. Do man Inen den anndern Artickel laaß / sprach Brueder Bamberger / Wie Ir vns heut erkennend / kombt Ir für das angesicht Gottes / Gott wirt euch auch wol erkennen.
  3. Do man Inen den driten Artickel fürlaaß / saget Brueder Panj / Ir besudlet eure hendt mit vnserem bluet / Gott wirt euchs gwisslich nit schencken / sonder theur an euch ersuechen.
  4. Alls man Inen den vierten Artickel laaß / sprach Brueder Melchior / Wir wöllen es heut mit vnserm bluet bezeugen / das diß warhait seÿ / darInnen wir steen.
  5. Do man Inen den fünfften Artickel laaß / sprach abermals Brueder Wolff Esslinger / Stond ab vonn Eweren sünden vnnd vngerechtigkaiten / vnd thuend Bueß / so wirt euchs Gott nimer mer gedenncken.

Brueder Marthin thet ein gebeet.

Darnach füert man sie alle Siben mit glait vnd mit Trumen zur Richtstat auß / da beualch sich Brueder Marthin Gott seinem Herren / vnnd Sie allesammen / das er Inen ein säligs end Wöll verleihen / vnd seine Schäfflen widerumb versehenn.

Ein knab von 16. Jar vermanet das volck zur bues.

Da man sie auff den wasen oder Anger bracht / sprach der Müller knab / welcher vmb sechtzehen Jar alt war / zu dem vmbsteenden volck / das sÿ von Iren sünden absteen solten / vnd sich bekeren Zu Gott / denn es seÿ kein anderer weg gen himel / denn durch vnsern Herren Jesum Christ / der am Creütz gestorben seÿ / vnd vns erlöst hat.

Ein Edler bat den Knaben / verhieß Im sein lebenlang ein pfrüend er soll nur absteen.

Da man sie nun inn den Ring bracht / da Ritt ein edler Herr zu dem Knaben hinein in Ring / ermanet vnd bat In / Mein Son / stee ab von dem Irrthumb vnd widerrüeffs / erhalt dein Jungs leben / was Zeichst dich / Ich will dich mit mir haimb füeren / vnd will dich allzeit beÿ mir haben / Du solst dein lebenlang ein pfrüend vnd guet sach bej mir haben / Nur volg mir mein Son / Aber der Knab sprach / das wöll Schöne Antwort des Knaben.Gott nimermer / soll ich das Zeitlich leben erhalten / vnd Gott darumb verlassen / da thet ich übel dran / das thue ich nit / Dein guet kan weder dir noch mir helffen / Ich bin vil ains bessern warten / so ich bis ans ennd verharre. Ich will meinen geist Gott auffgeben / vnd Christo beuelhen / Auff das sein Bitters leiden / dz er am Creütz erduldet vnd eingenomen / an mir nit vergebens seÿ.

Marthin Maler selb sibend gerichtet zu Schwäbisch Gmünd.

Also haben Sie alle siben Gott vnd sein warheit redlich vnd fraidiglich bis in todt vnd bluet vergiessen bekenndt / Laut des liedts von Inen gemacht / so noch verhannden. Auch sonst schöne drej lieder / welche diser Marthin Maler gemacht / Sein in der Gmain.

Marthin Maler sagt man werd kein fromen mer über dise pruck füeren / vnd es geschach.

Diser Marthin / wie man In außfüeret über die Brucken / Saget er / Man wirt über dise Prucken kein frumen mer füeren. Vnnd es geschach / Stuend kurtz an / da kam ein solch groß vngewitter vnnd wasser / das war so vngestüem / stieß vnd risß die Prucken gar darnider / vnd füerets hinweck.

Stephan, ein Buchdrucker

Blutzeuge 1562

In den Ratsprotokollen der Stadt Köln von 1561 bildet das Einschreiten gegen die Wiedertäufer eine ständige Rubrik (S. 246),oft wurde in einem Monat dreimal verhandelt (S. 464, 474). „Am 30. Juni 1562 ein Buchbinder Stephan ertränkt, weil er Bücher von Anton Kaiser in Jülich bekommen hatte.“

Jörg Blaurock

Vom Hause Jakob: Georg v. H. J., gewöhnlich später nach einem Spitznamen, den er in Zürich wegen seiner Kleidung bekam, Jörg Blaurock genannt, war ein Wiedertäufer in der Schweiz im Anfang des 16. Jahrhunderts. Als die reformatorische Bewegung in der Schweiz sich mehr auszubreiten begann, verließ er, der bis dahin Mönch in Graubünden (? in Chur) gewesen war, sein Kloster und kam nach Zürich. Hier schloß er sich bald denen an, denen Zwingli’s Verhalten nicht weitgehend und durchgreifend genug schien, einem Konrad Grebel, Felix Manz und anderen; es scheint, als wenn er von diesen Führern zur Wirkung auf weitere Kreise nicht ohne Erfolg verwandt sei. Als er und seine Freunde sich dann (Frühjahr 1524) gegen die Kindertaufe erklärt hatten, soll er, so erzählt das (Bd. X S. 59 bei Grüenwald schon erwähnte) handschriftliche Cronickel der Wiedertäufer, sich zuerst an Konrad Grebel gewandt und ihn um Gottes willen gebeten haben, „daß er ihn taufen wolle mit der rechten, wahren christlichen Taufe“, „und da er niedergekniet mit solcher Bitte und Begehren, da hat ihn der Konrad getauft, weil dazumal sonst kein verordneter Diener solches Werks vorhanden war“; darauf hat er Grebel und Andere getauft.

Er hat dann die Schicksale der Wiedertäufer in Zürich (vgl. u. a. die schon angeführte Biographie von Grebel) getheilt. Als dann gegen die Wiedertäufer, nachdem alle andern Versuche, namentlich auch die mit ihnen gehaltenen Disputationen, sich erfolglos erwiesen hatten, mit der äußersten Strenge von Seiten der Obrigkeit vorgegangen ward, wurde Blaurock durch die Stadt gepeitscht und des Landes verwiesen. Mit Ludwig Hetzer, mit Münzer und andern Häuptern der Wiedertäufer hat er dann auch in Verbindung gestanden. Er soll sodann im J. 1527 oder 1528 zu Clausen im Etschland verbrannt worden sein; nach einer andern Angabe soll er freilich noch im J. 1529 im Appenzeller Land aufgetaucht sein (Egli, s. u. S. 104). – Im „Ausbund etlicher schöner christlicher Geseng“ 1583 befinden sich zwei Lieder von ihm, die Wackernagel in seinem Deutschen Kirchenlied hat abdrucken lassen. – Nach einer Angabe in Jehring’s gründlicher Historie u. s. f. (Jena 1720, einer Geschichte der Anabaptisten) soll er ursprünglich Jurian geheißen haben; vielleicht ist, falls diese Angabe richtig ist, „Haus Jakob“ dann der Name des Klosters, in welchem er als Mönch gelebt hatte.

Vgl. Erbkam, Geschichte der protestant. Secten, S. 525 ff. Christoffel, Leben Zwingli’s (Elberfeld 1857), S. 219 ff. Goedeke, S. 222, Nr. 15. Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied, Band 3, S. 447 ff. Emil Egli, Die Züricher Wiedertäufer zur Reformationszeit, Zürich 1878 (an vielen stellen).

 

Hans Hut

Hut: Hans H. (Hutt), der Wiedertäufer, durch welchen Augsburg für einige Jahre in der Reformationszeit der Mittelpunkt des Täuferthums wurde und der die meisten Anhänger und Gehilfen unter allen Aposteln dieser Irrlehre hatte, war gebürtig von Haina im Meiningenschen, ursprünglich Buchbinder und Kirchner zu Bibra, dann reisender Flugschriften-Hausirer. Als solcher traf er auf einer seiner Reisen nach Wittenberg, um 1524, in Weißenfels mit Wiedertäufern zusammen. Daheim weigerte er sich, ein Kind taufen zu lassen, weshalb ihn die Herren von Bibra nöthigten, seine Güter zu verkaufen und wegzuziehen. Nun kam er zu den aufständischen Bauern, wurde gefangen und seiner Bücher beraubt, aber durch Münzer wieder befreit. Dafür verbreitete H. dessen Schriften. Nach der Niederlage von Frankenhausen kehrte er gen Bibra zurück, predigte und mußte wieder fliehen. Im Mai 1526 finden wir ihn zu Augsburg, wo Denk ihn taufte, dann auf Reisen nach Mähren zu Hubmaier, Wien, Passau, Nürnberg, bis er im Mai 1527 wieder in Augsburg ist und selber tauft. Im Herbst dieses Jahres wurde er vom Rathe der Stadt gefangen gesetzt und von dem bekannten Konrad Peutinger in ein persönliches Verhör genommen. H. machte der Untersuchung bald selber ein Ende: er suchte sich nächtlicher Weile von der Bank, an welche er gekettet war, loszumachen, indem er dieselbe anzündete; das Feuer entzündete auch das Bett und die Kleider, so daß er fast erstickte und nach 8 Tagen starb. Um auch der zeitlichen Gerechtigkeit genug zu thun, wurde die Leiche am 7. December 1527 aus der Stadt geführt und an gewöhnlicher Gerichtsstätte verbrannt, die Asche aber in die Wertach gestreut, soweit sie nicht das Volk „für Heiligthum in die Stadt trug“. Am 12. Mai 1528 folgte ihm sein bedeutendster Täufling, Langenmantel, des verdienten Bürgermeisters des schwäbischen Bundes-Hauptmanns Sohn, im Tode durch Enthauptung.

Ch. Meyer in der Zeitschr. des Histor. Ver. f. Schwaben u. Neuburg, I. 1874 S.211 ff.

Hartmann.

Balthasar Hubmaier

Hubmaier: Balthasar H. (auch Hubmör, Hübmör, Hiebmaier), geboren vermutlich in den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts in Friedberg bei Augsburg, daher auch häufig Friedberger oder Pacimontanus genannt, † am 10. März 1528 auf dem Scheiterhaufen in Wien. Er besuchte wahrscheinlich die lateinische Schule in Augsburg und wurde am 1. Mai 1508 in die Matrikel der Universität Freiburg eingetragen. Hier studierte er, namentlich unter Leitung von Eck, Philosophie und Theologie. Einige Zeit mußte er, durch die Not gedrängt, seine Studien unterbrechen und sich in Schaffhausen als Schulmeister sein Brot verdienen. Im Herbste des J. 1510 erscheint er aber wieder in Freiburg als Vorstand der Burse zum Pfauen. Im J. 1511 wurde er unter die Dozenten der theologischen Fakultät aufgenommen, dann folgte er seinem Lehrer Eck nach Ingolstadt, wo er 1512 als Pfarrer an der Marienkirche und als Professor der Theologie angestellt wurde und wo er den theologischen Doktorgrad erlangte. Anfang 1516 entsprach er einem Rufe als Pfarrer an der Domkirche von Regensburg, erlangte daselbst durch seine Predigten großes Ansehen und trug nicht wenig dazu bei, im J. 1519 die Vertreibung der Juden und die Zerstörung der Synagoge durchzusetzen. An Stelle der Synagoge wurde die Kapelle „Zur schönen Marie“ errichtet, deren Kaplan H. wurde. Zahlreiche Wallfahrer, unter denen krankhafte Erscheinungen, wie Tanzwut, zum Vorschein kamen, strömten dorthin zusammen.

Bis dahin war H. ein energischer Verfechter der katholischen Lehre gewesen. Nun aber konnte er sich dem Eindruck der Lehre Luther’s nicht entziehen. Die freien Äußerungen, die er sich erlaubte, machten seinen längeren Aufenthalt in Regensburg unmöglich. Eine Zuflucht bot sich ihm in einer ihm schon bekannten Gegend, als er 1522 eine der Pfarreien in Waldshut erhielt. Allmählich ging er weiter auf der Bahn reformatorischer Neuerungen. Seine Beschäftigung mit den paulinischen Schriften, ein Besuch der Stadt Basel, wo er Erasmus, Glarean und anderen Männern derselben Richtung nahe trat, bestärkten ihn in seinen Zweifeln. Als er im Sommer 1522 wieder nach Freiburg gelangte, fühlte er sich nicht mehr wohl in der streng katholischen Stadt und ein neuer Ruf, der ihn nach Regensburg zurückführte, hatte kein längeres Bleiben an dieser alten Stätte seiner Wirksamkeit zur Folge. Schon im März des J. 1523 war er wieder in Waldshut. Von bedeutendem Einfluß auf ihn wurde die Bekanntschaft mit den Schweizer Reformatoren Zwingli, Oekolampad, Vadian. Er wohnte der zweiten Züricher Disputation 26.–28. Oktober 1523 an und sprach sich über die Schädlichkeit der Bilder, die Nothwendigkeit die Messe deutsch zu lesen, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zu reichen, aus. Nach Waldshut zurückgekehrt, veröffentlichte er 1524 „Achtzehn Schlußreden, so betreffende eyn ganz christlich Leben“, völlig reformatorischen Inhalts, über die zu disputieren er sich erbot, gewann mehrere Pfarrer der Umgegend für seine Ansichten und bewog die Gemeindeversammlung im Mai d. J. zu dem Beschluss, die evangelische Lehre anzunehmen und ihre Prediger zu schützen. Dadurch geriet aber die Stadt Waldshut in Konflikt mit ihrer Obrigkeit, der vorderösterreichischen Regierung, welche die Auslieferung des ketzerischen Prädikanten verlangte und mit Anwendung von Gewalt drohte. Die Bürgerschaft war bereit ihn zu schützen, er hielt es aber im August für geraten, sich eine Zeit lang nach Schaffhausen zu entfernen, wo er, trotz des Unwillens der katholischen Stände der Eidgenossenschaft, ein Asyl fand. Vermutlich stammt aus dieser Zeit seine Schrift „Von Kezern und ihren Verbrennen“, in der er gewalttätiges Vorgehen gegen sogenannte Ketzer verurteilt. In und um Waldshut war während dessen die Aufregung gestiegen. Von der österreichischen Regierung fortwährend bedrängt, nahm die Stadt im August 1524 einen Haufen rebellischer Bauern unter Hans Müller von Bukgenbach in ihre Mauern auf und wurde der Sitz der evangelischen Brüderschaft, welche sich bestrebte dem Bauernaufruhr eine weitverzweigte Organisation zu geben. Anfang Oktober zog eine Züricher Freischaar zum Schutze des göttlichen Wortes in die Stadt ein. Ende Oktober kehrte H. zurück, vom Jubel der Bürgerschaft begrüßt und nahm in Wort und Schrift seine frühere Tätigkeit auf. Er forderte seinen alten, einst verherrlichten Lehrer Eck zu einer Disputation heraus. Er schaffte die Messe gänzlich ab. Messgewänder, Kreuze, Bilder verschwanden. Seine Reformen waren denen der Kirche von Zürich angepasst und er nannte sich in einer Druckschrift des J. 1524 „einen Bruder Ulrich Zwinglis in Christo“. Aber schon fühlte der Züricher Reformator sich von ihm durch eine tiefe Kluft getrennt. H. verwarf die Kindertaufe, befreundete sich mit dem aus dem Züricher Gebiete vertriebenen Wilhelm Reublin, ließ von ihm um Ostern 1525 die Taufe aufs Neue an sich vollziehen und wirkte von da an selbst mit großem Erfolge als Wiedertäufer. Seine Schrift „Von dem christenlichen Tauff der Gläubigen“, unterzeichnet am 6. Juli 1525, suchte die Wiedertaufe gegen Zwingli und Zwinglis Anhänger zu rechtfertigen und wurde von Zwingli einer ausführlichen Beantwortung gewürdigt. –

Hatte H. durch seinen Zutritt zu den Wiedertäufern seinen Übergang zur radikalsten religiösen Partei gemacht, so schreckte er auch nicht davor zurück, sich als Radikaler an der sozial-politischen Bewegung der Zeit zu beteiligen. Er war ehrgeizig, gewandt, ein geschickter Schriftsteller, des zündenden Wortes mächtig, nach Bullingers Schilderung „wol beredt, und ziemlich beläsen, aber eines unsteten Gemüts, mit dem er hin und har fiel“. Das alles befähigte ihn dazu, die Rolle eines Agitators zu spielen. Er war mit Thomas Münzer, der sich eine Zeit lang in seiner Nähe aufgehalten hatte, in Verbindung getreten. Die rebellischen Bauern der Umgegend, die Mitglieder der evangelischen Brüderschaft gewannen in ihm einen Berater und Wortführer. Wie er selbst, mit einem Schwert gerüstet, am Thore Wache stand, diese Festigung der Stadt betrieb. so eiferte er von der Kanzel herab und in Versammlungen gegen Zehnten, Zinsen, Gefälle, erklärte Wildbret, Fische, Vögel, Wein, Weide, Wald seien frei, lehrte, daß das gemeine Volk nach Belieben seine Obrigkeit setzen und entsetzen dürfe. Unter seinen Papieren fand sich ein sehr merkwürdiger Verfassungsentwurf, der von dem Grundsatz der Volkssouveränität ausging und dem Bauernstand eine bevorzugte Stellung einräumte. Aus seiner Feder floss der sogenannte Artikelbrief, daß wilde Manifest des Schwarzwälder Haufens, daß Schlösser und Klöster der Vernichtung weihte. Es ist höchst wahrscheinlich, daß er neben Christoph Schappeler von Memmingen auch an der Redaktion des allgemeinen Bauernprogramms, der zwölf Artikel, beteiligt war, wie denn von ihm berichtet wird, er habe „sondere Bauernartikel, die in den Druck ausgangen, gemacht“. Das unglückliche Ende des Bauernkrieges entschied auch daß Schicksal Waldshuts und Hubmaiers. Die auf sich selbst angewiesene Stadt wurde in der Nacht vom auf den 15. Dezember 1525 eingenommen, Dr. Johann Fabri, der Generalvikar von Konstanz, stellte den katholischen Ritus wieder her. Ihm fielen auch die Papiere seines ehemaligen Freundes H. in die Hand. H. selbst war mit einer Anzahl von Anhängern schon vorher entflohen. Er hoffte in Zürich ein Unterkommen zu finden, wurde aber in seinem Versteck entdeckt, vom Rate gefangen gesetzt und genötigt mit Zwingli über die Wiedertaufe zu disputieren. Ohne Zweifel bewog ihn die Furcht an Österreich ausgeliefert zu werden, sich zum Widerruf zu erbieten und, nachdem er in strenger Haft gehalten worden war. diesen Widerruf öffentlich zu erklären. Er durfte, um sich von einer Krankheit zu erholen, noch kurze Zeit in Zürich verweilen, dann zog er, mit etwas Reisegeld versehen, nach Konstanz, wo er sich darüber beklagte, daß man ihm, obwohl er seine Lehre siegreich verfochten, in Zürich Gewalt angetan habe. Auch in Konstanz war seines Bleibens nicht lange. Ob er sich in Augsburg aufgehalten hat, ist zweifelhaft. Über Ingolstadt und Regensburg kam er nach Österreich und langte im Juni 1526 in Nikolsburg in Mähren an. Hier ließ er sich unter dem Schutze der Herren von Lübtenstein nieder, veröffentlichte eine Reihe von theologischen Schriften, die sich namentlich um die Frage der Wiedertaufe drehten und ihre Spitze gegen die Schweizer richteten, brachte seine adligen Beschützer sowie Prädikanten und Gemeinde von Nikolsburg zur Annahme der Wiedertaufe und machte diesen Ort zum Mittelpunkte der anabaptistischen Bewegung. Die Einigkeit in der Nikolsburger Gemeinde dauerte indessen nicht lange. Mit Hans Hut und einigen anderen Mitgliedern der Partei erschienen die Verfechter von Theorien, die auch H. allzu exzentrisch zu sein dünkten. Sie leugneten die Gottheit Christi, sprachen der Obrigkeit daß Recht ab, das Schwert zu führen, protestierten gegen den Kriegsdienst, verkündeten das baldige Eintreffen des jüngsten Tages. H. bekämpfte diese Propheten und verfasste u. A., um sie zu widerlegen, eine Schrift „Von dem Schwert 1527“. Noch in demselben Jahre begann die große Verfolgung der Wiedertäufer in diesen Gegenden durch König Ferdinand. H. wurde von seinen bisherigen Beschützern ausgeliefert, nach dem Schloss Graizenstein (Greiffenstein), und von da nach Wien gebracht. Im Gefängnis erbat und erhielt er die Erlaubnis mit J. Faber, damaligem Bischof von Wien, sich besprechen zu dürfen. Er zeigte sich, den Tod vor Augen, in mehreren Punkten nachgiebig. Aber dies konnte ihn nicht retten. Seine politische Vergangenheit und seine Abweichung von der orthodoxen Lehre machten ihn in den Augen seiner Richter im höchsten Maße strafbar. Er wurde am 10. März 1528 in Wien verbrannt. Seine Frau, eine Waldshuter Bürgerin, die alle Leiden mit ihm geteilt hatte, wurde einige Tage nachher in der Donau ertränkt. Beide gingen nach dem Zeugniß ihrer Feinde mit größter Ruhe und Standhaftigkeit in den Tod.

Alfred Stern.

Eitelhans Langenmantel

Langenmantel: Eitelhans L. gehörte dem berühmten Augsburger Patriziergeschlecht der Langenmantel zum Sparren an und ist durch seinen Namen wie durch seinen Märtyrertod, den er als Wiedertäufer erlitt, bekannt geworden. Man hat ihn in der späteren Litteratur zu den vornehmsten Vertretern des Täuferthums gezählt. Diese Anschauung trifft indessen nicht zu, da er weder auf die Lehrentwickelung dieser Partei, noch auf ihre äußeren Schicksale von erheblichem Einfluß gewesen ist. Es fehlte ihm sowohl die theologische wie jede gelehrte Bildung. Er hatte den größten Theil seines Lebens ein Landsknechtsleben geführt. Nachdem er im J. 1525 in die Heimath zurückgekehrt war, begann er sich an den theologischen Kämpfen zu betheiligen, welche seine Vaterstadt damals auf das heftigste bewegten. Er griff selbst zur Feder ohne den Schwierigkeiten der Aufgabe ganz gewachsen zu sein. Die Gedanken, denen er hier Ausdruck giebt, sind durchweg nicht sein geistiges Eigenthum und sie werden von ihm in einer Form vorgetragen, welche die Unbehülflichkeit des Autors deutlich verräth. Da sich in Augsburg der litterarische Streit in erster Linie um die Lehre vom Altar-Sakrament drehte, so gelten seine ersten Schriften fast ausschließlich diesem Thema. Er verfocht dabei zunächst den Standpunkt Zwingli’s und that sich hervor durch eine entschiedene Bekämpfung Luther’s. In diese erste Periode Langenmantel’s fallen drei kleine Schriften 1) „Diß ist ain anzayg: ainem meinen, etwan vertrawten gesellen über seine harte Widerpart, des Sacraments und anders betreffend E. H. L. (s. l. c. a.)“; 2) „Ein kurtzer Begriff Von Alten und Newen Papisten, auch von den rechten und waren Christen“, 1527 s. l.; 3) „Ayn kurtzer anzayg, wie Do. Martin Luther ain zeyt hör hatt etliche schriften lassen außgeen vom Sacrament, die doch stracks [670] wider ainander, wie wird dann sein und seiner anhenger Reich bestehen. Matthei 12. Eitelhans Langenmantel“. Die Vorrede ist datirt vom 28. Januar 1527. Es ist in diesen kleinen Büchern von spezifisch täuferischen Ideen wenig zu bemerken; auf die wichtigsten Fragen des Täuferthums wird mit keiner Silbe Bezug genommen. Es sind schwache Reproductionen Zwinglischer Gedanken über das Abendmahl, zum Theil mit heftigen Angriffen auf Luther. Im Laufe des Jahres 1527 verließ er mit vielen Andern den Standpunkt der Zwingli’schen Opposition und trat ebenso wie Hätzer unter dem Einfluß Hans Denck’s in das Lager der Täufer über. Er legte seine neuen Ueberzeugungen in seiner Hauptschrift nieder: „Ein Göttlich und gründlich offenbarung: von den wahrhafftigen Wiederteufern: mit Göttlicher warhait angezaigt“, 1527. Der Name des Verfassers war zwar nicht genannt, doch kannte man ihn in Augsburg bald und in Rücksicht auf seine Stellung entschlossen sich die „Diener des Evangelii in Augsburg“ eine Widerlegungsschrift zu publiciren, welche am 6. Septbr. 1527 mit dem Titel: „Wider den neuen Taufforden, Notwendige Warnung an alle Christgläubigen“ herausgegeben wurde. Inhaltlich ist Langenmantel’s Büchlein lediglich eine Wiederholung Denck’scher Ideen und die Widerlegungsschrift weist im Eingang mit deutlicher Bezugnahme auf diejenigen hin, welche aus „Einfältigkeit in den Tauforden gekommen seien“, während als die öffentlichen Verführer Hans Denck und Balthasar Friedberger (Hubmeier) bezeichnet werden. Wie tief übrigens der Umschwung war, der sich in Langenmantel’s ganzer Denkweise vollzogen hatte, ergiebt eine Vergleichung des Charakters und Tons der früheren und späteren Publicationen auf das evidenteste. Obwol die letzte Schrift viel milder und versöhnlicher war als die früheren, so wurde L. dennoch wenige Monate nach ihrem Erscheinen von dem Magistrate der Stadt zu lebenslänglicher Verbannung verurtheilt. Er begab sich auf sein Gut Leutershofen. Hier wurde er von dem Hauptmann des schwäbischen Bundes aufgegriffen, nach Weißenhorn geschleppt und im Mai 1528 enthauptet. Nachdem 5 Priester 5 Tage lang ununterbrochen mit ihm Bekehrungsversuche gemacht hatten, soll er nach dem Bericht eines katholischen Chronisten kurz vor der Hinrichtung sich wirklich bekehrt haben.

Clementis Sender, Monachi ad S. Udalricum Chron. August. (Hs. der Wolfenbütteler Bibl.) Veesenmeyer, Beiträge zur Gesch. der Litteratur im Reformationszeitalter, Ulm 1792, S.51 ff. – Uhlhorn, Urbanus Rhegius im Abendmahlsstreit (Jahrb. f. deutsche Theol. V, 1860. S3 451. – Gassari, Annales ad a. 1527. – Fr. Roth, Augsburgs Reformations-Geschichte, München 1881. S.205-227. – Wackernagel, Das deutsche Kirchenlied, Bd. II, S.457.

 

Pilgram Marbeck

Marbeck: Pilgram M. gehört während der dreißiger und vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts zu den vornehmsten Führern des oberdeutschen Anabaptismus. Er ist in mehrfachem Betracht eine bedeutende Persönlichkeit, welche genügende Beachtung noch nicht gefunden hat. M. stammt aus Tyrol, wahrscheinlich aus der Nähe von Schwatz. Er bekleidete in den dortigen Bergwerken die Stelle eines Ingenieurs und war besonders im Bauhandwerk ein erfahrener Mann. Von dort wegen seiner religiösen Anschauungen vertrieben, floh er mit Weib und Kind unter Zurücklassung seiner Habe, die von der österreichischen Regierung confiscirt ward, nach Augsburg, wo er ein Unterkommen zu finden hoffte. Er scheint bereits im Innthal mit den dort von der Schweiz her (Chur, St. Gallen, Schwyz) frühzeitig fußfassenden Ideen der „Nachfolge Christi“ bekannt geworden zu sein; in Augsburg schloß er sich ebenso wie andere seiner vertriebenen Landsleute der Partei Hans Denck’s an. Als er dort keinen Wirkungskreis fand, wandte er sich über Ulm nach Straßburg, welches in jenem Jahr als Asyl aller Verfolgten gelten konnte. Hier erhielt er auf Grund seiner bautechnischen Kenntnisse und Fähigkeiten die Stelle eines Bergrichters. Er baute hier den werthvollen Flußkanal, welcher die Hölzer der Berggegenden nach Straßburg brachte. Er verhehlte auch dort seine Ueberzeugung nicht, aber seine Talente und sein ehrenhafter Charakter gaben ihm eine starke Stütze. Auch seine religiösen Gegner in Straßburg gaben ihm daß Zeugniß, daß er „von Gott viel herrlicher Gaben empfangen habe, auch in vielen Stücken einen guten, tapferen Eifer besitze.“ Selbst sein erbittertster Feind, Martin Bucer, gesteht zu, daß M. und sein Weib eines „seinen unsträflichen Wandels seien“. Auch aus Straßburg ward er indessen bei den ausbrechenden Religionsverfolgungen, an deren Spitze sich Bucer gestellt hatte, vertrieben; er eilte nach Ulm, wo er Gönner besaß, unter Andern an der Freifrau von Pappenheim. Auch war M. mit Schwenkfeld nahe befreundet, welch’ letzterer eine Zeit lang intime Beziehungen zu den Täufern unterhielt. In den J. 1535–1545 scheint M. sich als Flüchtling bald in Mähren, bald in Schwaben aufgehalten zu haben. Sein Todesjahr ist unbekannt. Seine letzten Jahre wurden getrübt durch einen Conflict mit Schwenkfeld. M. war auch als Schriftsteller thätig. –

Allgemeine Deutsche Biographie,
herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
Band 3 (1876)
und andere Bände

Felix Manz

Manz: Felix M. gehörte in der ersten (schweizerischen) Epoche des Anabaptismus (1523–1526) neben Conrad Grebel und Georg v. Chur (Blaurock) zu den Führern dieser Bewegung. Ueber Geburtszeit und Herkunft steht nichts sicheres fest; jedenfalls hatte er eine für seine Zeit nicht gewöhnliche wissenschaftliche Ausbildung erhalten. Der Grundgedanke von Manz’ religiösen Anschauungen war nach seiner eignen Aussage die „Nachfolge Christi“, d. h. die Nachbildung des Thuns und Leidens Christi und der Gehorsam gegen seine Lehren. Diese Idee, welche schon mehr als ein Jahrhundert hindurch von der deutschen Theologie gepflegt worden war, trat seit etwa 1520 dadurch in ein neues Stadium, daß ihr die Idee der Nachbildung der apostolischen Gemeinden, d. h. die Erneuerung des Urchristenthums als kirchlicher Grundsatz an die Seite gestellt wurde. M. gerieth zuerst mit Zwingli in Conflikt wegen der kirchlichen Disciplin, welche er nach dem Vorbild der ersten Jahrhunderte eingeführt wissen wollte, die Zwingli aber für undurchführbar hielt. Daraufhin erklärten Grebel, Blaurock und M., daß sie nicht Glieder einer Gemeinschaft sein könnten, welche wider den Befehl Christi öffentliche Verbrecher unter sich dulde und zudem der Obrigkeit das Urtheil in Glaubenssachen in die Hand gebe, welches nur dem heiligen Geist zustehe. Als M. ferner aussprach, daß er diejenigen, welche „Christo wollten nachfolgen“, zusammen suchen wolle, (doch die „Anderen ihres Glaubens bleiben lassen“), erklärte der Rath zu Zürich, darin eine „Rotterei und selbstgewachsene Secte“ erblicken zu müssen und ließ im Februar 1525 dem M. und seinen Freunden zuerst den Proceß machen, es ward ihm eine Geldstrafe und die Verpflichtung auferlegt, ferner von seinem Vornehmen abzustehen. „Wenn er dies Urtheil nicht will annehmen, soll er im Thurm liegen und mit Mus, Wasser und Brot gespeist und getränkt werden, so lange bis es ihm reif wird und er selbst Einsicht“. M. erwiderte, daß er nicht abstehen wolle; „ob meine Herre solchs nit wollten erleiden, mochten sie ihn hinwegschicken“. Indessen [281] wurde M. ins Gefängniß geworfen, entkam aber daraus mit der Mehrzahl seiner Leidensgenossen. Am 18. December 1526, nachdem M. inzwischen erfolgreich in Schaffhausen, Basel 1c. gewirkt hatte, ward er vom Vogt des Amts Grüningen verhaftet und nach Zürich ausgeliefert. Der Magistrat ließ ihn am 5. Januar 1527 ertränken