Lukas, Evangelist

Der Erste unter den Evangelisten war ein gläubiger Israelit, der zweite ein gläubiger Israelit mit römischer Namensbezeichnung, welche vielleicht auf besondere Beziehungen zur römischen Welt schließen läßt, der dritte aber, Lukas, war wirklich, wie wir aus der Bezeichnung desselben im Briefe Pauli an die Kolosser (Kap.. 4,11-14) schließen müssen, ein Gläubiger aus den Heiden. Auch die heidnische Welt also sollte unter den Verkündigern der geschichtlichen Wallfahrt und Vollendung Jesu, und seines Heils mit vertreten sein.

Es ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, Lukas der Arzt, von welchem der Apostel Paulus im Kolosser-Briefe Grüße bestellt, sei ein andrer, als unser Evangelist. Unter den Zügen, welche in dem dritten Evangelium dafür sprechen, daß der Verfasser einen ärztlichen Blick hatte, ist wohl der lieblichste dieser, daß allein er bei dem Bericht über die Verwundung des Malchus durch das Schwerdt des Petrus die Bemerkung beibringt, Jesus habe dem Verwundeten das abgehauene Ohr wieder geheilt. Man hat aber auch in anderen Anzeichen das Auge und Gedächtniß, die Anschauungsweise des Arztes in dem dritten Evangelium zu finden geglaubt. Zudem hat ihn eine sehr späte kirchliche Ueberlieferung zum Maler gemacht. Diese Sage ist ganz ohne Grund. Vielleicht aber ging dieselbe aus der Voraussetzung hervor, Lukas müsse als der einzige Heide und Grieche unter den Evangelisten außer der Wissenschaft, die er im Kreise der Evangelisten mit vertrat, auch die Kunst der alten heidnischen Weltbildung mit vertreten haben. Man legte ihm dann um so lieber die Malerkunst bei, weil man so einen Namen hatte, auf den man das angeblich ächte Bild von der Mutter des Herrn zurückführen konnte. Im höheren Sinne waren allerdings alle vier Evangelisten große Maler, indem jeder den Herrn in seiner Eigenthümlichkeit, in einer besondern Beleuchtung seiner unendlich reichen, die Gottheit und die Menschheit und alle Welt umfassenden Persönlichkeit darstellte. Und da hatte denn Lukas insbesondre den Beruf, die göttliche Menschlichkeit Jesu, sein himmlisch ärztliches Mitleid, seine Holdseligkeit in seinem Erbarmerwalten unter den Kranken, Elenden und Verlornen in ergreifenden Zügen zu malen.

Woher war aber dieser gläubige Hellene? Und wie kam er in die Gemeinschaft des Apostels? Mehrere Kirchenväter geben als seinen Geburtsort Antiochien in Syrien an. Demzufolge wäre also die berühmte Stadt, in welcher die große, ehrwürdige Muttergemeine aller heidenchristlichen Gemeinen erblühte, seine Vaterstadt gewesen. Man hat ihn auch schon im hohen Alterthum der Kirche für Einen der siebenzig Jünger Jesu gehalten. Mit dieser Nachricht kann es jedenfalls nicht streiten, wenn er im Eingange seines Evangeliums erklärt, er habe den evangelischen Thatsachen nachgeforscht, wie sie von denen überliefert worden seien, welche Augenzeugen und Diener des Wortes von Anfang an gewesen. Denn zu diesen gehörten ja die siebenzig Jünger sicher nicht. Ja, auch die Annahme einiger alten Christen, Lukas sei gerade derjenige gewesen, welcher mit dem Kleophas am Auferstehungstage nach Emmaus gegangen, hat nichts Unwahrscheinliches in sich, wenn gleich dieselbe nur eine sinnvolle Vermuthung ist. Nimmt man einmal nach der Ueberlieferung an, Lukas sei Einer von den siebenzig Jüngern gewesen, so wird man die Thatsache merkwürdig finden, daß gerade er allein von dem Gange der beiden Jünger nach Emmaus berichtet, und daß diese Erzählung so überaus lebendig ist, so anschaulich und ergreifend, wie wenn der Erzähler die eigensten Erfahrungen seines innersten Lebens schilderte.

Während der Evangelist Markus sich bald im Geleit des Paulus, bald des Petrus befindet, vorzugsweise aber doch von der Kirchenvätern als der Nachfolger und Gehülfe des Petrus dargestellt worden ist, sehen wir den Lukas als einen Evangelisten auftreten, welcher sich ausschließlich und mit treuer Hingebung dem Apostel Paulus auf seinem großen Heldengange anschließt. Wann und wie der Evangelist in die evangelisierende Genossenschaft des Apostels Paulus eintrat, wissen wir nicht genau; obschon er uns in seiner zweiten Schrift, der Apostelgeschichte, die Andeutungen gegeben, aus denen wir entnehmen können, welche Reisen er mit dem Apostel unternommen. „Wir fuhren aus von Troas“; mit diesen anspruchslosen Worten tritt er in die apostolische Geschichte ein als Begleiter des Apostels Paulus in dem großen Momente, wo dieser in Folge eines wunderbaren, sehr bedeutungsreichen Nachtgesichts die Küste von Kleinasien verläßt, um unserm Welttheil Europa die Botschaft des Heils zu bringen. Mit dieser Seefahrt des Apostels beginnt der zweite Abschnitt seiner zweiten Missionsreise, welche er um das Jahr 51 unternahm. Zu Philippi in Mazedonien wurde Paulus mit seinem apostolischen Gehülfen Silas, welcher als ein Mann von prophetischer Würde aus der Gemeine zu Jerusalem eine hervorragende Stellung neben ihm einnahm, wegen der Heilung einer Wahrsagerin in’s Gefängniß geworfen. Nach der Befreiung und Abreise dieser beiden Männer scheint Lukas in Philippi zurückgeblieben zu sein. Man darf es wohl zu der großen geistlichen Kriegskunst des Apostels rechnen, daß er nicht alle seine Genossen gleichmäßig in’s Feuer führte. Wahrscheinlich wurde Lukas diesmal aufgespart, um die von ihm in Philippi bestellte Glaubenssaat nach seiner Abreise zu pflegen. Als aber Paulus später auf seiner dritten Missionsreise Philippi wieder besuchte, gesellte der Evangelist sich wieder zu ihm, und blieb in seinem Geleit bei seiner Rückkehr über Troas nach Jerusalem (Apostelgesch. 20,6). Hier wurde er in die Gesellschaft der Apostel mit eingeführt (Kap. 21,18). Allein in Jerusalem wurde er abermals von seinem geliebten Lehrer getrennt. Der Anschlag, welchen die jüdischen Zeloten auf das Leben des Paulus machten, brachte diesen in römische Gefangenschaft, und hatte zur Folge, daß er von Jerusalem nach Cäsarea abgeführt wurde. In Cäsarea vereinigte sich Lukas auf’s Neue mit dem Apostel. Mit Hingebung trat er in die Genossenschaft seiner Leiden und aller Gefahren, die ihm noch bevorstanden, ein. Der Beschluß, welcher über seinen Lehrer verhängte, daß er nach Rom gesandt und vor das kaiserliche Gericht gestellt werden sollte, war auch ein Beschluß über ihn und für ihn. „Es war beschlossen, daß wir abfahren sollten nach Italien“, sagt er mit der Sprache treuer Ergebenheit für den Apostel (Kap. 27,1). So machte er im Herbste des Jahres 60 jene sturmreiche Seefahrt mit, auf welcher der Apostel Paulus durch die Macht des Geistes immer mehr aus einem den Schiffsleuten verdächtigen Gefangenen im geistigen Sinne zum Lootsen und Steuermann, ja man könnte sagen, zum eigentlichen thatsächlichen Kapitain und selbst zum Schutzgeist des Schiffes und seiner Mannschaft emporgefügt wurde. Lukas bewährte sich in Rom als Einer seiner beharrlichsten Reisegefährten. Von hier aus bestellte Paulus Grüße von ihm mit an die Gemeine zu Kolossä, als er an diese seine Epistel schrieb. Eben so finden wir ihn unter den Grüßenden des Briefes an den Philemon. In der zweiten Gefangenschaft, welche der Apostel Paulus ohne Zweifel in Rom unter Nero bestanden hat, war Lukas wiederum sein treuer Leidensgenosse. Ja, damals, als Paulus den zweiten Brief an den Timotheus schrieb, war er allein bei ihm geblieben, während namentlich Demas, wahrscheinlich entmuthigt durch die Verlassenheit und Todesgefahr, worin der Apostel unter dem Schreckensregiment des Nero mit den Seinen schwebte, ihn verlassen hatte, (2 Timoth. 4,10). Er hielt also aus bei ihm bis in den Tod. Freilich verdankte er ihm auch die reichste Förderung in seinem christlichen Glaubensleben. Was er der Kirche geworden ist als Evangelist, und namentlich auch in seinen Schriften, dem dritten Evangelium und den Geschichten der Apostel, das ist er ihr freilich vor allen Dingen geworden durch die Gnade Gottes in Christo und durch die Gabe des heiligen Geistes, allein, was das menschliche Mittel betrifft, ganz besonders durch den Umgang mit seinem Lehrer Paulus und durch seine Theilnahme an der großen eigenthümlichen Glaubensanschauung desselben. Seine Schriften sind ganz in dem Geiste und in der Anschauungsweise des Paulus abgefaßt. Wahrscheinlich entstand namentlich seine Darstellung der evangelischen Geschichte unter den Augen desselben, wie in ähnlicher Weise der Evangelist Markus seine Evangelienschrift unter den Augen des Petrus angelegt. Und hat der Apostel auch nicht gerade das Evangelium des Lukas selber gemeint, wenn er sich auf sein Evangelium berief (Röm. 2,16; 2 Timoth. 2,7), so meinte er doch sicher eine Gestaltung der evangelischen Botschaft, wie sie schließlich ihren geschichtlichen Abdruck in dem Evangelium nach Lukas gefunden hat. Lukas ist der paulinische Evangelist der Kirche. Als solcher hat er sich als dienender Geleitsmann des Apostels in seinen Schriften und ohne Zweifel auch in seiner ganzen kirchlichen Wirksamkeit nach dem Tode des Apostels bewährt. Wahrscheinlich entstand das Evangelium des Lukas schon frühe, und zwar zur Zeit der ersten Gefangenschaft des Apostels in Rom (61-63). Denn jedenfalls geht ja das Evangelium der Apostelgeschichte voran. Und auch diese scheint eben gegen das Ende der besagten Gefangenschaft geschrieben zu sein (63 oder 64). Denn sie bricht ab mit der Nachricht, daß Paulus zwei Jahre in Rom gelebt habe. Lukas schrieb die beiden Werke, welche einen wesentlichen Bestandtheil des Neuen Testaments ausmachen, zunächst mit der Bestimmung, einen mit dem Evangelium befreundeten, wahrscheinlich angesehenen Mann, Namens Theophilus, von welchem man keine näheren Nachrichten hat, in der christlichen Erkenntniß, die ihm durch mündlichen Unterricht zu Theil geworden war, weiter zu führen. So innig war in der urkirchlichen Zeit die Predigt für die ganze Welt mit der Seelsorge für die Einzelnen verknüpft. Lukas schrieb seine Werke für Millionen von Gottgeliebten, indem er sie für den einen Gottgeliebten (Theophilus) verfaßte. Die alte Kirche hat das Evangelium des Lukas mit dem Sinnbild des Opferfarren, des Ochsen aus den Thiergebilden bei Ezechiel (Kap. 1) geschmückt, weil er gleich am Eingang von dem Priesterdienst im Tempel handelt. Man könnte ihm jedoch noch füglicher das Zeichen des Menschenbildes beilegen. Denn Lukas hat ganz vorzugsweise das menschliche Evangelium im heiligen Sinne, das Evangelium der von der Gottheit erfüllten, heiligen und schönen, liebreichen und erbarmungsreichen Menschlichkeit Christi geschrieben. Dazu war er nach seiner Führung besonders berufen. Zuerst als gebildeter Grieche. Als solcher gründete er seine Arbeit auf sorgfältig angelegte Forschungen, und stellte die evangelischen Thatsachen in einer geordneten Reihenfolge dar, welche freilich nicht auf der strengen Zeitfolge, sondern auf einer tiefdurchdachten sinnreichen Sachordnung beruht. Der Grundgedanke derselben ist: das Heilsleben, insbesondere die Heilswirkungen, die Heilsordnung und die Heilsvollendung des menschlichen Gottessohnes, des Huldreichen, in dem die Gnade Schönheit und die Schönheit Gnade geworden ist, wie dieß in dem entsprechenden griechischen Ausdruck liegt, der Beides in Einem bezeichnet: Schönheit und Gnade. Als griechischer Forscher wußte der Evangelist unter der Leitung des heiligen Geistes auch die apostolischen Geschichten in einer Anordnung darzustellen, welche sowohl die Ausbreitung des vollendeten Heils unter den Juden als unter den Heiden in den sprechendsten Grundzügen, die einander mehrfach als Parallelen entsprechen, erscheinen ließ. Doch auch in dem Inhalt seiner Schriften spiegelt sich seine Eigenthümlichkeit und Bildung. Als christlicher Grieche mußte er einen besonderen Sinn haben für die Züge der reinen Menschlichkeit und der geistigen Schönheit im Leben Jesu. Ebenso aber für die Züge des menschlichen Mitleids und des innigen Erbarmens Jesu, worin sich seine göttliche Gnade kund gab. Namentlich also auch für die Gleichnisse und für die Thatsachen, in denen der Herr die Gnade Gottes in ihrer Freiheit und den Glauben in seiner Seligkeit dargestellt hatte im Gegensatz gegen jüdische Werkheiligkeit und pharisäische Satzungsgerechtigkeit. Diesen durch das Christenthum erneuerten Sinn, wie er in ihm eine kräftig ausgeprägte, individuelle Gestalt angenommen, hatte sein ärztlicher Beruf noch mehr gefördert. Der heilige Geist aber machte diese Eigenthümlichkeit und Vorbildung des Lukas zu seinem Werkzeug. Die Gnadengabe, welche ihm also zu Theil wurde, mußte sich dann in der Schule des Paulus auf’s Herrlichste ausprägen. Und so ward denn Lukas zum Evangelisten von dem Heilande, von dem gnadenreichen Erbarmer, dem Schönsten unter den Menschenkindern, und von seiner seelengewinnenden Huld im besondersten Sinne. Im Zuge dieser Geistesart legte er schon seine Sammlung an. So gewann er eine reiche Ausbeute von evangelischen Sprüchen, Gleichnissen und Geschichten, in denen uns die Lehre von der freien Gnade Gottes, von dem Erbarmen Gottes über die Verlornen, von der Erwählung der Demuth im Gegensatze gegen pharisäische Wertgerechtigkeit, und eben so die thatsächlichen Wunder des Erbarmens Jesu mit ergreifender Macht gegenüber treten. Schon gleich im Eingange des Evangeliums zeigt er uns, wie die Erscheinung des Heils den öden Tempel wieder belebt, und die alten, hagern, dem Tode entgegenweltenden Gestalten wieder jung macht und in geistiger Schönheit verklärt. Man lese sodann die Geschichte von der großen Sünderin (Kap. 7), und die herrlichen Gleichnisse von der das Verlorne suchenden Gnade im 15. Kapitel, um zu sehen, wie er im Lichte der Paulinischen Anschauung das Leben Jesu angesehen und seinen Reichthum in sich aufgenommen hat. Daher hebt er auch die Worte und Thatsachen hervor, in denen die Heiden als Mitberufne zum Himmelreich, neben den Juden erscheinen. Und dennoch beweist er auch die zarteste Rücksicht für das jüdische Nationalgefühl. In diesem Sinne zeigt uns ja eben Lukas, der heidenchristliche Evangelist, wie der neugeborne Heiland von frommen Israeliten begrüßt wurde, während Matthäus, der judenchristliche Evangelist seine Verherrlichung durch Gläubige aus der Heidenwelt berichtet. Doch war die Verkündigung der allgemeinen, an das Gesetz nicht gebundenen Gnade sein Hauptgesichtspunkt. Auch in der Apostelgeschichte begegnen uns die Zeugnisse von der Freiheit des Evangeliums, das in keiner Weise an die jüdischen Satzungen gebunden sein soll, von Anfang bis zu Ende. Diese besondere Bedeutung der Apostelgeschichte hat auch Luther schon hervorgehoben und gepriesen.

Das Evangelium des Lukas zeigt uns, wie der Christ durch Die Erneuerung seines Wesens aus dem Heilsborn der Gnade in der geistigen Verschönerung desselben schon diesseits zu einer vorläufigen Auferstehung gelangt. Von dem späteren Leben und Wirken unsres Evangelisten haben wir nur unbestimmte Nachrichten. Ohne Grund hat ein alter Biograph angenommen, er sei bald nach der Befreiung des Paulus aus der ersten Gefangenschaft in Rom hingerichtet worden. Er schloß dieß aus dem Umstande, daß der Evangelist mit dieser Zeit die Apostelgeschichte abgebrochen hat. Nach Epiphanius hätte er noch in Dalmatien, Galatien, Italien und Mazedonien das Evangelium gepredigt. Da ihn auch die römische Martyrgeschichte nicht in Rom als Märtyrer sterben läßt, sondern in Kleinasien, nämlich in Bithynien, so darf man wohl annehmen, er sei in seinem späteren Evangelistenlauf nach jenen Gegenden Kleinasiens zurückgekehrt, von denen er ausgegangen. Nach einem andern Bericht starb er zu Ephesus. Eine sinnige Hindeutung auf die Eigenthümlichkeit seines Evangeliums scheint in der späteren kirchlichen Sage zu liegen, er sei an einem Oelbaum aufgehängt worden. Denn an den Oelbaum des wahren Lebens, an den Oelzweig des Friedens, und an das Oel der Heilung und des Heils erinnert sein Evangelium überall. Wir lesen aber gerne die mehr beglaubigte Nachricht, welche Hieronymus berichtet, daß er das hohe Alter von 84 Jahren erreicht habe. Denn so wäre der milde, der Geistesart des Johannes verwandte Evangelist diesem Apostel auch darin ähnlich geworden, daß er noch lange als ein patriarchalischer Greis des Neuen Bundes die apostolischen Gemeinen erbaut hätte. Jedenfalls gehörte er zu den auserwählten Erstlingen aus der griechischen Welt, welche mit ihrem Beispiel bewiesen haben, daß die Bildung, die Wissenschaft und der weltliche Beruf, besonders auch der des Arztes dem Herrn und seinem Evangelium dienstbar werden und von dem Licht desselben ihre höhere Weihe empfangen sollen. Lukas kann uns insbesondre auch zeigen, wie die natürliche Heilkunst, welche am frühesten von den alten Griechen ausgebildet worden ist, eine weissagende Hinweisung geworden ist auf Christum hin, und wie der verborgene Zusammenhang zwischen der Heilkunde und der schönen Kunst, und eben so zwischen der gründlichen Heilung des Lebens und der schönen Erscheinung, im Christenthum wieder offenbar wird; besonders auch der Zusammenhang zwischen der Heilung der Herzen und Seelen und der Heilung der Leiber. Er ist ein früher Vorläufer der Männer, welche auch in der neueren Zeit wieder den Einklang zwischen der Heiligen Gnade und der schönen Menschlichkeit hervorgehoben haben, wie ein Herder, ein Hamann, ein Asmus Claudius und Lavater; und auch derer, welche den Einklang zwischen dem Fleiß treuer Wissenschaft und dem erleuchtenden Geiste Gottes durch ihr Leben gelehrt haben und noch lehren. Am Meisten aber ist er uns ein Vorbild solcher Evangelisten, wie sie unsre Zeit bedarf auf dem Gebiete des freien Erbarmens, der Verklärung des Herrn für die Zöllner und Sünder, und der Rettung des Verlornen, das zu versinken droht in den Schiffbrüchen, die einer großen aber schweren Zeit besonders eigen sind.

J. P. Lange in Zürich

Johannes der Evangelist

Der Evangelist oder genauer der Apostel Johannes ((Nach der etymologischen Bedeutung des ursprünglich hebräischen Namens ist Johannes so viel, als den Jehova geschenkt hat, Gottesgabe, Gottesgnade, vielleicht dem deutschen wie es scheint nicht sehr alten Namen Gotthold oder Gotteshuld, entsprechend.)) ist nach sicheren Zeugnissen der drei ersten Evangelien (Matth. 4,21. Mark. 1,19. Luk. 5,10. Matth. 10,2. Mark. 3,17.) der Sohn des Zebedäus und der Salome, der Bruder wahrscheinlich des jüngeren, des Apostels Jakobus, den man zum Unterschiede von dem Apostel Jakobus, dem Sohne des Alphäus, so wie dem Jakobus, dem Bruder des Herrn, in der alten Kirche den älteren Jakobus genannt hat, und dessen früher Märtyrertod unter Herodes Agrippa, (bald nach dem Märtyrertode des ersten Blutzeugen Stephanus, nach welchem im Kalender sehr sinnig der zweite Christtag benannt wird,) in der Apost.-Gesch. 12,2. erzählt ist.

Der Vater Zebedäus war ein galiläischer Fischer am See Genezareth, dem fischreichen, ob in Bethsaida, dem Orte des Petrus und Andreas, wohnhaft, wie die Alten vermuthen, weiß man nicht; ja es ist sehr unwahrscheinlich. Während der Vater in der evangelischen Geschichte nicht weiter vorkommt, niemals auch nur genannt wird unter den an den Herrn Gläubigen aus Galiläa, gehörte die Mutter Salome wahrscheinlich zu den galiläischen Frauen, welche den Herrn auf seinen Messianischen Wanderungen begleiteten und von ihrem Vermögen unterstützen, Luk. 8,1-3.; ihr Name wird von Lukas hier nicht genannt; aber nach Matth. 27,55.56. und Mark. 15,40. ist sie unter diesen, welche den Herrn auch auf seinem Wege nach Jerusalem zum letzten Osterfeste begleiteten und an seinem Kreuze standen; nach Mark. 16,1. ist sie auch unter den Frauen, welche nach dem Tode Jesu Spezereien zur ehrenvollen Bestattung seines Leichnams kauften und am dritten Tage, dem Auferstehungstage, in der Frühe zum Grabe gingen, um dem geliebten Herrn und Meister die letzte Ehre zu erweisen. Man sieht schon hieraus, daß die Familie des Johannes nicht zu den Armen im engeren Sinne, den sogenannten Proletariern, sondern zu dem galiläischen Mittelstande, dem Erwerbsstande, gehörte. Zu den nichtshabenden und erwerblosen Armen gehörte überhaupt keiner der galiläischen Apostel mit ihren Familien. Ja, sie waren wohl Arme, aber in einem anderen Sinne, in dem nemlich, in welchem der Herr in der Bergpredigt die Armen am Geist selig preist. Leiblich arm wurden sie um des Herrn willen in ihrem apostolischen Amte, wie er selbst um unsertwillen arm wurde und nicht hatte, wohin er sein Haupt legte.

Ob die Familie des Johannes mit der Familie Jesu durch die Salome verwandt war, wie man späterhin in der Kirche meinte und wünschte, ist höchst ungewiß. Im Neuen Testament haben wir für diese Vermuthung keine einzige irgend sichere Stelle. Dagegen ist im höchsten Grade wahrscheinlich, daß die Familie unseres Evangelisten zu denjenigen gehörte, in welchen bei gewöhnlicher Kenntniß der alttestamentlichen heiligen Schrift, wie sie der damalige Volksunterricht, namentlich in den Synagogen gewährte, Eltern und Söhne, und diese wohl vorzugsweise, an den Messianischen Hoffnungen der Zeit mit besonderer Lebhaftigkeit Theil nahmen. Vom Vater Zebedäus wissen wir es nicht bestimmt; er scheint ein in seinem nächsten äußeren Berufe thätiger Mann gewesen zu sein. Aber er gestattete doch den Söhnen, daß sie dem Herrn nachfolgten, und so war er wohl auch ein auf den Messias hoffender Mann. Die Mutter freilich scheint sich gegen die Messianische Neigung und Richtung der Söhne mehr als bloß gestattend verhalten und ihnen geistig näher gestanden zu haben, wie denn oft in der christlichen Geschichte religiös begabtere Männer vorzugeweise aus dem tieferen religiösen Gemüthsleben der Mütter, welche, wie die Frauen überhaupt von Gott zu den Pflegern und Hütern des heiligen Feuers auf dem häuslichen Heerde erwählt und bestellt sind, die Gabe, Weihe und Bestimmung zu ihrem Heiligen Lebensberuf empfangen haben. Nach der Erzählung, Ev. Joh. 1,33 ff., scheint Johannes, der jüngere Sohn, aus seiner Familie der erste gewesen zu sein, den die Botschaft des Täufers Johannes von dem herannahenden Himmelreiche und dem Erschienensein des Messias aufregte. Denn der ungenannte Jünger, der mit dem Andreas, dem Bruder des Petrus, in der Jordanaue bei dem Täufer steht, als dieser über den herannahenden Jesus von Nazareth das große Wort ausspricht: Siehe, Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! ist wahrscheinlich eben unser Johannes, der als Augenzeuge erzählt, was damals geschah, und der noch genau die Stunde wußte, wo er nach der Weisung des Täufers dem noch im Hintergrunde der Geschichte, wie eine halbverhüllte Gestalt, wandelnden Herrn folgte und mit ihm zusammenkam, wahrscheinlich zu weiterem Gespräch in einer Herberge. Beide Jünger, scheint es, beeilten sich, die Runde von dem in Jesu von Nazareth gefundenen Messias den Ihrigen mitzutheilen. Andreas führt seinen Bruder Petrus zum Herrn. Daß der andere Jünger, wenn es eben unser Johannes ist, wie zu erwarten wäre, seinen Bruder Jakobus zu Christo geführt habe, wird nicht erzählt. Anderen Tages schließen sich dann noch Philippus und von diesem gerufen Nathanael an den nach Galiläa zurückkehrenden Christus an, und am dritten Tage erscheint der Herr auf der Hochzeit zu Kana, mit seinen Jüngern dazu geladen, wo er sein erstes Herrlichkeitswunder in Galiläa thut, durch welches die Jünger sich in ihrem Glauben an ihn bestimmt entscheiden. Unter diesen ist denn auch Johannes. Nach Matthäus, Markus und Lukas aber scheint Johannes, wie auch Andreas und Petrus, in dieser Zeit noch nicht beständig bei dem Herrn geblieben, sondern zu den Ihrigen und zu ihrem Fischergeschäft am galiläischen See zurückgekehrt zu sein. Die Aufeinanderfolge der Begebenheiten ist hier nicht klar. Aber, wenn doch alle vier Evangelien, jedes in seiner Art, glaubwürdig sind, so muß man annehmen, daß Jesus erst, als er in Galiläa sein heiliges Lehramt in zusammenhängender Weise verwaltete, den Johannes mit seinem Bruder Jakobus, sammt den beiden Brüdern Andreas und Petrus, von ihrem bürgerlichen Geschäft weg und zur bleibenden Nachfolge und zum Apostelamte berief; aber in Folge jenes ersten bedeutungsvollen Zusammentreffens mit ihnen in der Jordanaue.

Johannes war, sagt man, als er Jünger Jesu wurde, noch sehr jung, unter allen der jüngste. Man schließt dies daraus, daß er unter den Aposteln am spätesten starb. Der Schluß ist unsicher. Aber es ist allgemeine Ueberlieferung in der Kirche, und die Malerkunst hält sich dadurch für berechtigt, den Johannes vorzugsweise als Jüngling darzustellen. Alle Apostel waren unstreitig junge frische Männer, als sie zu Jesu kamen. Nur solchen konnte er das schwere Amt der apostolischen Mission, welche frische junge Manneskraft forderte, anvertrauen; nur von solchen hoffen, daß sie noch empfänglich genug waren für seine Lehre und Jüngerschaft. Aber bei aller Vorbereitung darauf durch Weissagung und Sehnsucht im Volke, war sein Evangelium doch etwas so Neues, Erhabenes und Schweres, daß nur jugendliche Gemüther aus dem schlichten Volke im Stande waren, sich allmählig in dasselbe hineinzufinden, und sich vom Judenthum loszureißen. Es mag sein, daß Johannes unter diesen der jugendlichste und frischeste war. Indessen war auch er, wie die anderen, in den Vorurtheilen seines Volkes und seiner Zeit befangen. Der Täufer hatte ihn nur vorbereitend auf Christus hingewiesen. Das volle Verständniß des Evangeliums vom Himmelreich konnte ihm auch der Täufer nicht geben; er besaß es selbst nur in einem dunklen prophetischen Worte, und blieb vor der Pforte des Messianischen Himmelreiches stehen. Wie empfänglich auch Johannes von Natur sein und in seiner ganzen individuellen Art dem Herrn nahe stehen mochte, er bedurfte, wie alle Jünger, der Wiedergeburt, der Entwöhnung von dem alten und der Gewöhnung zu dem neuen Leben. Die einzelnen Momente seiner Entwickelung, seiner Bildung zum Apostelamte kennen wir nicht. Aber unstreitig hat darauf ganz besonderen Einfluß gehabt, daß er mit Petrus und seinem Bruder vom Herrn eines besonderen engeren Umganges gewürdigt wurde. In diesem engeren Verhältnisse ist er mit den beiden anderen Zeuge besonders merkwürdiger Zustände im Leben des Herrn, ist gegenwärtig bei der Erweckung der Tochter des Jairus (Mark. 5,37.), bei der wunderbaren Verklärung auf dem Berge (Matth. 17,1. ff.), und in Gethsemane bei dem inneren tiefen Gebetskampfe (Matth. 26,37.). Aber noch mehr! Er wird gerade im vierten Evangelium als derjenige bezeichnet, der dem Herrn noch näher stand, als die beiden anderen, den der Herr besonders lieb hatte, der bei dem letzten Mahle dem Herrn zunächst saß an dessen Busen, der Busenfreund, den die anderen Apostel auch dafür ansahen, so daß sie glaubten, er habe, als der Herr von dem Verräther sprach, ohne ihn zu nennen, eine Frage frei an ihn, die sie nicht zu thun wagten (Joh. 13,23. ff.). Ihm empfiehlt Jesus sterbend seine Mutter zu kindlicher Pflege an seiner Statt (Joh. 19,26. u. 27.). Aber bei aller dankbaren Gegenliebe und Treue ist er, doch nur ein schwacher menschlicher Freund des Heiligen. Er flieht, wie die übrigen Jünger, bei der Gefangennehmung Jesu. Allein er sammelt sich bald wieder und folgt mit Petrus seinem Herrn auf dem Leidenswege bis in des Hohenpriesters Palast (Joh. 18,15.16.), und war, wie es scheint, ziemlich anhaltender und dreister Zeuge der letzten Begebenheiten. Er steht mit der Mutter Jesu und anderen galiläischen Frauen unter dem Kreuze, und nach dem Tode des Herrn ist er derjenige Jünger, der auf die Nachricht der Maria Magdalena, daß der Leichnam des geliebten Meisters nicht mehr im Grabe sei, mit Petrus zum Grabe eilt, aber schneller läuft, als dieser. Die Erzählungen von den Offenbarungen des auferstandenen Christus an seine Jünger am See Tiberias (Joh. 21.), auch selbst die wunderliebliche Erzählung, wie der Herr den Petrus, der ihn dreimal verläugnet hatte, dreimal fragt: liebst du mich? und dreimal ihm das Hirtenamt anbefiehlt, und ihm dann seinen Märtyrertod voraussagt, u. s. w. haben manche historische Schwierigkeit und Dunkelheit, das aber geht klar und gewiß daraus hervor, daß das innigere persönliche Verhältniß Christi zu seinem Lieblingsjünger auch nach der Auferstehung sich fortsetzte und immer mehr verklärte.

Diese besondere persönliche Freundschaft Jesu zu Johannes gibt diesem einen besonderen Glanz, und macht ihn der Christenheit besonders lieb und theuer. Man wüßte gern, welcher Art dieselbe gewesen und worauf sie sich gegründet. Der heilige Gottessohn liebte, wie Johannes selber sagt 13,1., die Seinen alle mit gleicher Liebe bis zu Ende. Dies schloss aber so wenig die besondere persönliche Freundschaftsliebe zu den Einzelnen aus, als sie dadurch irgendwie verkümmert und verletzt werden konnte. So stand ihm auch unter seinen Jüngern der eine näher, als der andere; zunächst freilich, je nachdem sie zur Jüngerschaft und dem Apostelthume begabter, tüchtiger waren; aber auch wohl, je nachdem ihre Individualität der seinigen verwandter war, innerlich und äußerlich. Es ist freilich nur Vermuthung, wenn man sagt, es sei im Johannes eine gewisse Andacht zum Herrn gewesen, ähnlich wie in der Maria, der Schwester des Lazarus (Luk. 10,38. ff.), ein idealer, sich gern vertiefender Sinn, und dies müsse sich auch in seiner äußeren jugendlichen Erscheinung und seinem ganzen Benehmen gezeigt, und den Herrn besonders angezogen haben. Aber diese Vermuthung wird allerdings insbesondere durch das Evangelium und den ersten Brief bestätigt, obwohl beide Schriften aus einer Zeit im Leben des Johannes sind, wo das persönliche Freundschaftsverhältniß zu dem Herrn in seiner irdischen Erscheinung schon durch den verklärten jenseitigen Christus verklärt und ganz pneumatisch geworden war. Es wird uns von Mark. 3,17. erzählt. daß Christus die beiden Söhne des Zebedäus einst Donnersöhne genannt habe. Wir wissen nicht, wann dies geschah, was dazu den Herrn veranlaßte, ja selbst der Sinn des Beinamens ist zweifelhaft. Wahrscheinlich ist, daß der Beiname sich auf eine Temperamentseigenthümlichkeit der beiden Brüder bezieht, und daß er eine gewisse natürliche Heftigkeit und schnelle, gleichsam detonierende Affectuosität bezeichnen soll. Christus will damit die Brüder nicht gerade tadeln. Das natürliche individuelle Temperament hat auch in der Jüngerschaft Christi sein Recht, es wird die Naturbedingung entsprechender sittlicher Virtuositäten der Individuen. Und so kann es sein, daß der Herr die Brüder durch den Beinamen darauf aufmerksam machen wollte, in welcher Art und Richtung sie sich weiter auszubilden, welche besondere Aufgabe sie hätten, entsprechend ihrem natürlichen Charisma. Ein Beispiel dieser Temperamentsart der Zebedaiden finden wir bei Luk. 9,51 ff., ein anderes von Johannes allein Luk. 9,49 ff. vergl. Mark. 9,38 ff. Solche Aufgeregtheiten, Zornigkeiten aus edlen Motiven, mögen zu dieser Namengebung Veranlassung gegeben haben. Aber aus beiden Erzählungen sieht man deutlich, wie sehr dem Herrn daran lag, die Temperamentsart der beiden Brüder durch den heiligen Geist zu verklären und von ihrer natürlichen Unart zu befreien. Was insbesondere den Johannes betrifft, so scheint dieser Donnersohn sich vorzugsweise in der Auffassung der christlichen Idee des scheidenden Gerichts und des ausschließenden Gegensatzes zwischen Wahrheit und Irrthum, Gut und Bös verklärt zu haben. Davon zeugen sein Evangelium und erster Brief.

Nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn treffen wir den Johannes zuerst wieder in der apostolischen Stiftung der Muttergemeinde von Jerusalem; neben Petrus erscheint er (Apost.Gesch. 3,1 ff.) im Tempel lehrend, dann auch mit diesem auf einer apostolischen Mission in Samarien, zur Befestigung und Mittheilung des heiligen Geistes an die neuen Christen (Apost.Gesch. 8.). Er kehrt mit Petrus von da nach Jerusalem zurück (Ebend. 8,25.). Aber seitdem schweigt die Apostel-Geschichte gänzlich von ihm. Nur von Paulus erfahren wir (aus Gal. 2,1-9.), daß, als dieser in Jerusalem war, um sich über seinen besonderen Heidenapostolischen Beruf mit den Zwölfaposteln und der Muttergemeinde zu verständigen, Petrus und Jakobus (der Bruder des Herrn) und Johannes daselbst anwesend waren und vorzugsweise als Säulen der Gemeinde galten. Ist dies, wie wahrscheinlich, dieselbe Anwesenheit des Apostels Paulus in Jerusalem, von welcher Apost.Gesch. 15,1 ff. erzählt wird, so war Johannes etwa um das Jahr 53 (nach Christus) noch in Jerusalem. Bis dahin scheint er auch keine auswärtige apostolische Mission gehabt zu haben. Wann er Jerusalem für immer verlassen, ob noch vor der Zeit, wo Paulus das letzte Mal in Jerusalem war und daselbst nur den Jakobus an der Spitze der Muttergemeinde fand, also im Anfange der sechziger Jahre, (Apost.Gesch. 21. ff.), oder etwas später, erst im Anfange des Jüdischen Krieges, wissen wir nicht. – Aber unstreitig ist die Zeit, wo er außerhalb des heiligen Landes das apostolische Amt antrat, eine Hauptepoche in seiner geistigen Lebensentwickelung.

Die älteste Ueberlieferung der Kirche bezeugt einstimmig, daß Johannes, – wahrscheinlich nach dem Tode des Apostels Paulus, welcher bis zuletzt selbst noch von Rom aus in seiner Gefangenschaft die kleinasiatischen Gemeinden, deren Mittelpunkt oder Muttergemeinde Ephesus war, leitete, durch Sendschreiben und Sendboten aus seinem engeren Schülerkreise, – in dem kleinasiatischen Gemeindekreis an die Spitze der apostolischen Mission trat, apostolisches Oberhaupt, gleichsam Oberhirt dieses Kreises wurde. Polykrates, Bischof von Ephesus, im zweiten Jahrhundert, nennt in seinem Osterschreiben an den römischen Bischof Victor den Johannes eben den Jünger, der bei dem letzten Mahle am Busen des Herrn lag, den Zeugen und Lehrer, den neutestamentlich priesterlichen Mann, einen großen Gründer der asiatischen Kirchen, und bezeugt, daß derselbe in Ephesus gelebt und gestorben sei. Dasselbe bezeugt nach der Aussage des Bischofs Polykarp von Smyrna, der für einen Jünger des Apostels gehalten wurde, der Bischof Irenäus von Lyon, ein geborener Asiat, am Ende des zweiten Jahrhunderts, welcher den Polykarp noch in seiner Jugend gesehen und gehört hatte. Eben nach Irenäus soll Johannes in Ephesus lange gelebt und gewirkt haben, und im hohen Alter zur Zeit des Kaisers Trajan, welcher im Jahre 98 zur Regierung kam, gestorben sein. So gewiß dies ist nach dem einstimmigen Zeugnisse der alten Kirche, so wenig hat es irgend Grund, was auch erst späterhin in der Kirche gesagt wurde, daß Johannes auch unter den Parthern das Evangelium verkündigt habe. Aus der Zeit seiner ephesinischen Wirksamkeit hat uns Klemens von Alexandrien, einer der gelehrtesten griechischen Väter aus dem Anfange des 3ten Jahrhunderts, eine Erzählung aufbewahrt, welche er selbst für vollkommen sicher hält, und welche eine der schönsten Erzählungen des christlichen Alterthums, uns von dem Charakter des Apostels und der Art seiner ephesinischen Wirksamkeit ein deutliches anziehendes Bild gibt. Nachdem, so erzählt er, Johannes nach dem Tode des Tyrannen Domitian, aus seinem Exil auf der einsamen Insel Patmos (Palmosa), wohin ihn jener verwiesen hatte, nach Ephesus zurückgekehrt sei, habe er schon im hohen Alter, er heißt vorzugsweise in der Erzählung der Greis, von Ephesus aus eine Missionsreise zu den benachbarten Völkerschaften seines apostolischen Sprengels unternommen, um hier Gemeinden, Bischöfe und Klerus zu ordnen. Auf dieser apostolischen Ordinations- und Visitationsreise habe er in einer Stadt in der Versammlung der Brüder einen Jüngling erblickt, welcher ausgezeichnet an Körper und Geist seine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Bei seinem Abschiede habe er dem Bischof der Gemeinde jenen Jüngling zu besonderer Obhut und Pflege empfohlen. Anfangs habe dieser auch die christliche Lehre und Zucht des Bischofs gern angenommen, aber nachdem er getauft worden, und der Bischof von seiner strengen Zucht nachgelassen, sei er ein Raub der Verführung geworden, und so dem christlichen Leben immer mehr entfremdet, habe er sich unter eine Räuberbande begeben, und sei deren Haupt geworden, und der blutdürstigste, grausamste unter den bösen Gesellen. Als Johannes nach einiger Zeit die Gemeinde wieder besucht und von dem Abfall und dem Verderben des jungen Mannes gehört, habe er sich im tiefen Schmerz darüber eilends auf den Weg gemacht, die Bande aufgesucht, sich von ihr gefangen nehmen und zu ihrem Anführer bringen lassen. Durch bewegliche, väterlich liebevolle Rede habe er dann diesen endlich dahin gebracht, daß er in aufrichtiger Reue und mit neuer Glaubenskraft zur Gemeinde zurückgekehrt sei.

Unverkennbar ist in dieser Erzählung der Donnersohn Johannes, der rasche, erschütternde, und zugleich der Lieblingsjünger des Herrn, der Apostel der heiligen Liebe.

Die Geschichte des Johannes besonders in der ephesinischen Periode seines Lebens ist späterhin in der Kirche vielfach durch allerlei Mythen und Legenden ausgeschmückt worden. Aber der wahre Schmuck des Apostels ist eben seine wahre Geschichte, und der unvergängliche Kranz um sein edles apostolisches Haupt sind für uns seine Schriften im Neuen Testament. Wir wollen daher von den späteren mehr und weniger unsicheren Erzählungen aus den letzten Jahren seines Lebens nur zwei noch hervorheben, weil sie im Zusammenhang mit seinen Schriften zu stehen und eine Art von Reflex derselben zu sein scheinen. Die erste, schon von Irenäus auf das Zeugniß aus der Umgebung des Polykarpus mitgetheilt, erzählt, daß Johannes einst in Ephesus mit dem judenchristlichen gnostischen Häretiker Cerinth in einem öffentlichen Bade zusammengetroffen sei, dasselbe aber augenblicklich verlassen habe, mit den Worten, daß er fürchte, das Gebäude werde zusammenstürzen, weil Cerinth der Feind der Wahrheit darin sei. Später heißt es, nicht Cerinth, sondern Ebion sei dieser Ketzer gewesen. Eine solche Aeußerung des Johannes würde dem scharfen Worte (2. Br. V. 10.) entsprechen, wo er verbietet, die Gegner der Wahrheit aufzunehmen und zu grüßen. Außerdem aber reflectiert sich in dieser Erzählung die polemische Beziehung des Evangeliums und auch des ersten Briefes auf Häresien, wie die des Cerinth und Ebion. Die andere, von Hieronymus im 4ten Jahrhundert zuerst und allein erzählt, läßt den Apostel, als er schon zum Sterben schwach war, von seinen Schülern in die Versammlung der Brüder tragen. Nicht mehr im Stande, zusammenhängend zu reden, habe er, wird erzählt, wiederholt nur das eine Wort ausgerufen: Kindlein, liebet Euch unter einander. Als man verwundert ihn gefragt: Meister, warum immer nur dasselbe Wort? habe er geantwortet, weil es das Gebot des Herrn ist, und die Beobachtung desselben alles befaßt, was ein Christ zu thun habe. Das Wort des sterbenden, abscheidenden Apostels, ist es nicht die kurze Summe seines ersten Briefes? Man hat es das Testament des Johannes genannt.

Schon Ev. 21,21 ff. wird erzählt, daß aus dem Worte Christi an Petrus: Wenn ich will, daß Johannes bleibe, bis daß ich wiederkomme, was geht das dich an, Petrus? schon sehr früh durch einen Mißverstand die Sage hervorging, Johannes werde nicht sterben. Späterhin setzte man hinzu: Johannes sei wohl begraben, aber er schlafe nur im Grabe und sein Athem bewege die Erde auf seinem Grabhügel. Im Mittelalter wird diese Sage vielfach wiederholt und geglaubt. Der Mißverstand ist klar und wird schon im Evangel. 21,23 ff. widerlegt. Man mag ihn als ein Bild davon betrachten, daß der Apostel, wie freilich die anderen Apostel auch, unsterblichen Namens und Lebens sei in der Kirche, vornehmlich durch seine Schriften.

Was nun diese Schriften betrifft, so haben wir im Neuen Testamente fünf Bücher unter dem Namen des Johannes: das Evangelium, drei Briefe und die Offenbarung des Johannes. Unter diesen entsprechen das Evangelium und der erste Brief am meisten, am unmittelbarsten dem aufgestellten Lebensbilde des Apostels, wie denn auch beide uns die eigenthümliche Art des Lieblingsjüngers so in der Darstellung wie im Inhalte am anschaulichsten machen; so daß, je nachdem der zweite und dritte Brief und die Offenbarung jenen beiden Schriften entsprechen oder nicht, darnach sich der Grad der Sicherheit bestimmt, mit welchem wir dieselben für Schriften desselben Verfassers anerkennen.

Es ist nicht der Ort, die Schriften genauer im Einzelnen zu charakterisieren. Es genügt, darauf aufmerksam zu machen, daß das Evangelium das Leben des Herrn, wie es der Verfasser selber angeschauet hatte, nach seinen Hauptmomenten darstellt als das Leben, Lehren, Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehen des fleischgewordenen uranfänglichen Wortes, des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit, als das wahre Licht und Leben der Menschen, als die heilige Liebe, welche zum Heil der Menschen das irdische Leben frei in den Tod gibt — den bitteren, schmachvollen Kreuzestod. Je mehr der Evangelist in das innerste Leben und Denken des Herrn, gleichsam in das Herz desselben eindringt, und aus tiefstem Verständniß seiner Person und seines Wortes ihn darstellt, desto mehr kann man von seinem Evangelium in Vergleichung mit den drei anderen sagen, was schon ein alter griechischer Kirchenvater, Klemens von Alexandrien, sagt: es sei das wahrhaft geistige Evangelium, oder wie unser deutscher Kirchenvater D. Luther, es sei das einzige, zarte, rechte Hauptevangelium und den anderen weit vorzuziehen und höher zu halten, womit aber Luther nicht gemeint war, die drei ersten zu verachten, da er sie so gut für Gottes Wort und heilige Schrift hielt, wie das Evangelium des Johannes. In demselben Sinne sagte der große Leipziger Philolog und Theolog J. v. Ernesti von dem Evangelium, es sei das Herz Christi (pectus Christi), und dann Herder, es habe einen stillen Zauber, sei ganz Herz und Seele, das bleibende Evangelium, der Geschichte Christi Geist und Wahrheit.

Nicht weniger fesselt uns der erste Brief durch Inhalt und Darstellung. Johannes zeigt darin denselben Lesern, für welche er das Evangelium bestimmt hat, daß, wer in Jesu Christo, dem Sohne, Gott den Vater erkenne und an der Gnade Gottes in der Sendung seines Sohnes im wahren Glauben Theil habe, eben in diesem Erkennen und Glauben sich für verpflichtet halten müsse, das Gebot Gottes, die Summe aller Gebote, das Gebot. der Liebe streng und treu zu beobachten, Gott über Alles zu lieben und die Welt und ihre Lust zu verleugnen, in dieser Liebe aber allezeit Gott und die Brüder in der That und Wahrheit zu lieben, so, daß er seine Liebe zu Gott bethätige und bewähre in der Liebe zu den Brüdern, diese aber auf jene gründe, nach dem ewigen Vorbilde des heiligen Sohnes Gottes. Wer diesen recht im Glauben festhalte, der habe damit auch den Vater, und in diesem kraft seines Geistes die Welt überwunden, wer aber die Welt überwunden habe, dem sei es auch nicht schwer, die Gebote Gottes treu zu halten und sich vor der Sünde wie vor der Lüge zu bewahren.

Die beiden anderen Briefe an einzelne Personen unter besonderen historischen Verhältnissen, die wir nicht kennen, sind nach Inhalt und Form aus dem ersten zu verstehen.

In der Offenbarung, dem letzten Buche, dem einzigen prophetischen im Neuen Testament, enthüllt der Verfasser, was ihm der Herr auf Patmos im Exil geoffenbaret hatte über seine nahe Wiederkunft, und die Zeichen derselben in der Zeit, nicht zur Befriedigung einer müßigen Neugier, sondern zur Buße und zur Tröstung in schwerer, gefahrvoller Zeit. Er beschreibt diese Wiederkunft als die Zerstörung des Antichrists, jener bösen Weltmacht, deren Mittelpunkt das heidnische Rom war, als die Ueberwindung des Satanas, des Urhebers aller antichristlichen Macht und Gewalt in der Welt, und als die darauf erfolgende Vollendung seines Reiches, als das Herabkommen des himmlischen Jerusalems, der wahren Gottesstadt, Des wahren, unverlierbaren Paradieses u. s. w.

Man kann zweifeln, und hat es vielfach von Anfang an in der Kirche gethan, ob dieses prophetische Buch wirklich ein Werk des Apostels Johannes sei. Die frommsten und besonnensten Theologen, unter denen auch unser D. Luther war, haben großes und gegründetes Bedenken getragen, diese Schrift dem Apostel Johannes beizulegen. Aber wenn es auch nicht von unserem Apostel verfaßt ist, – Gott hat es so geordnet, daß die Kirche es in die heilige Schrift des Neuen Testamentes aufgenommen hat, und wir haben alle Ursach, ihm zu danken, daß wir in diesem Buche die schönste und wahrste Weissagung des heiligen Geistes Christi von dem Ende der Dinge und dem von Gott geordneten Gange der Weltgeschichte, das heißt eben seines Reiches auf Erden haben, durch welche wir uns in jeder Zeit orientieren können über den Stand, Fortgang und Rückschritt seiner heiligen Kirche in der Welt. Wer aber das Buch eben dazu, wozu es Gott in seiner Kirche bestimmt hat, recht gebrauchen will, der muß es lesen nach den Gesetzen der Wissenschaft mit christlicher Weisheit und christlichem forschenden Verstande, nicht in leichtsinniger oder trübsinniger frommer Schwärmerei und mit eitler, unchristlicher Neugier die Zukunft wissen, und Tag und Stunde, wann der Herr kommt, berechnen zu wollen. Dies ist strafbarer Vorwitz, den das Buch selbst verbietet. Wer es nicht so liest, wie er soll, der liest es sich zum Verderben, zur Verwirrung des Geistes und zum Gericht.

Friedr. Lücke in Göttingen.

Matthäus, der heilige Evangelist

zu Nadavar unter dem König Hyrtacus an die Erde genagelt und enthauptet, ungefähr im Jahre Christi 70

Matthäus, sonst genannt Levi, ein Sohn Alphäi, ist ein Zöllner in Capernaum gewesen, welcher bei den Juden verachtet gewesen, die sich nicht für schuldig hielten, Zoll oder Schatzung an einen fremden Fürsten zu bezahlen.

Was den Zustand der Zöllner in derselben Zeit betrifft, so bestand derselbe darin, daß sie insgemein mehr von dem Volke nahmen, als gesetzlich erlaubt war, weßwegen sie von den Frommen gemieden wurden, also daß auch die offenbaren Sünder, welche von der Gemeine abgesondert waren, mit den Zöllnern verglichen wurden.

Da nun Matthäus (oder Levi) vor seiner Bekehrung sich auch mit solchem unrechtmäßigen Handel ernährte, so ist ihm doch Christus mit seiner Gnade zuvorgekommen, und hat demselben befohlen, ihm nachzufolgen als ein Jünger, welchem Befehle er aus innerlichem Antriebe nachkam, hat das Zollhaus verlassen, und als er eine große Mahlzeit zugerichtet zum Abschiede von seinen Mitgenossen, hat er seine Mit-Zöllner nebst dem Herrn Jesu dazu eingeladen, vermutlich damit sie durch die Reden Christi möchten Gelegenheit zu ihrer Bekehrung finden.

Hernach hat Matthäus alsobald alles verlassen, und ist seinem Herrn, der ihn berufen, eifrig nachgefolgt, der ihn auch nachgehends unterwiesen, und unter die Zahl der Apostel gesetzt, welches Amt er mit unter den Juden bis an den Tod Christi bediente.

Da er aber ausgesandt ward, um unter den Heiden zu lehren, ist im Aethiopien oder Mohrenland zum Teil zugefallen.

Ehe er das jüdische Land verließ, hat er durch Erleuchtung des heiligen Geistes sein Evangelium in hebräischer Sprache geschrieben und ihnen solches mitgeteilt.

In Aethiopien hat er große Frucht geschafft, sowohl mit Lehren als auch mit Wunderwerken, woselbst auch nach seinem Tode eine Abschrift seines Evangeliums für die Nachkömmlinge zurückgeblieben ist, aus welchem leicht zu ersehen ist, welchen Glauben er verteidigt, nämlich den Glauben an Jesum Christum, den Sohn Gottes, und daß er ein wahrhaftiger Mensch geworden durch die Kraft des heiligen Geistes in seiner Mutter Maria.

Es melden die Geschichtsschreiber, daß bald nach dem Tode des Königs Agilippi, welcher den Christen zugetan gewesen, dieser Apostel von seinem Nachfolger Hyrtacus, einem ungläubigen heidnischen Menschen verfolgt worden, welcher diesen frommen Apostel Christi zu einer gewissen Zeit, als er in der Gemeine Gottes lehrte, festnehmen, und ihn, wie einige schreiben, in der Hauptstadt von Aethiopien, Nadavar genannt, an die Erde festnageln und enthaupten ließ.

Woselbst er auch (wie Benantius Forturatus bezeugt) begraben ist.

Denn er meldet (schon lange vor tausend Jahren), die hohe Stadt Nadavar soll uns an dem jüngsten Tage diesen theuren Apostel Matthäus wiedergeben.

 

DER BLUTIGE SCHAUPLATZ ODER MARTYRER SPIEGEL DER TAUFFSGESINTEN ODER WEHRLOSEN-CHRISTEN die um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gelitten haben, und getödtet worden sind, von Christi an, bis auf das Jahr 1660

Lukas, der heil. Evangelist

in Griechenland von den Gottlosen an einem grünen Olivenbaum aufgehängt, im Jahre Christi 93.

Lukas, der dritte unter den heiligen Evangelisten, ist nach dem Zeugniß der Alten ein Syrer gewesen von Antiochien, und hatte die Arzneiwissenschaft erlernt.

Diesen hat der Herr brauchen wollen, den Menschen mit seiner Arznei zu dienen, zu welchem Ende er zwei treffliche geistliche Arzneibücher an das menschliche Geschlecht zurückgelassen, nämlich erstens sein heiliges Evangelium, zweitens die Geschichte der heiligen Apostel.,

Wir vernehmen nirgendwo etwas von seinen Eltern, deßwegen kann von seiner natürlichen Herkunft wenig oder gar keine Nachricht gegeben werden, außer von seiner Geburtsstadt und daß er von den Syrern entsprossen.

Es wird dafür gehalten, er habe keine Hausfrau gehabt, obwohl die andern Apostel und Evangelisten meistens alle getraut gewesen.

Nach dem Zeugnisse Hieronymi war er vor seiner Bekehrung ein Judengenosse, wiewohl von heidnischer Herkunft, welches auch wahrscheinlich nach dem Urteil der Sprachkundigen, da seine Schreibart in der griechischen Sprache viel trefflicher und vollständiger ist, als in der hebräischen.

Später ist er durch die Predigt Pauli zum Christentum gebracht worden im Jahre Christi 58, nachdem er von Theben nach Antiochien kam.

Er war ein Jünger der Apostel, aber besonders ein Reisegefährte des Apostels Paulus, mit welchem er in viel Gefahr und Schwierigkeiten zu Wasser und zu Land gewesen ist.

Er war sehr vertraut mit Paulus und ein besonderer Freund von ihm, daß er, wie die Alten berichten, sein Evangelium aus des Apostels Munde und Unterricht geschrieben; auch hat er die vornehmsten Reisen Pauli bis zu seiner ersten Gefangenschaft zu Rom getreulich aufgezeichnet.

Auch erwähnt Paulus von ihm öfters in seinen Briefen, wenn er an die Kolosser schreibt: Grüßt mir Lukas den Arzt etc., Kol. 4,13; und an Philemon: Es grüßt euch Epaphras, mein Mitgefangener, in Christo Jesu, Markus, Aristarchus, Demas etc. und Lukas, meine Mitgehülfen etc. Phil. Vers 23. Desgleichen an Timotheus: Lukas ist allein bei mir etc. 2. Tim. 4,11

Daher, wie es scheint, ist Lukas nicht allein ein Reisegefährte Pauli gewesen, sondern war auch mit ihm zu Rom in Gefangenschaft.

In Bezug auf sein Ende melden einige, daß er, als er in Griechenland lehrte, von den Gottlosen daselbst an einen grünen Oelbaum aufgehängt worden sei. Andere berichten, daß er zur Zeit seines Todes in dem vierundachtzigsten Jahre seines Alters gewesen.

DER BLUTIGE SCHAUPLATZ ODER MARTYRER SPIEGEL DER TAUFFSGESINTEN ODER WEHRLOSEN-CHRISTEN die um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gelitten haben, und getödtet worden sind, von Christi an, bis auf das Jahr 1660