Jan Hus

Jan Hus

Johann Huss, geboren 1373 zu Hussinecz in Böhmen, stand als Professor und. mächtiger Sittenprediger in Prag am Hofe wie bei den Studenten und dem Volke in grossem Ansehen. Erfüllt von nationaler Abneigung gegen die Deutschen gab er als Rektor der Universität den czechischen Studenten das Uebergewicht über die Deutschen, worauf diese, fünftausend an der Zahl, Prag verliessen. Anfangs eiferte er nur wider den Ablasshandel und die Laster der Geistlichkeit. Seit er aber Wicleffs Schriften erhielt, wurde er durch ihr eifriges Studium weiter getrieben, griff die Ohrenbeichte, das Klosterwesen, die Fasten, die Kirchenpracht und die Verehrung der Bilder an, und. sprach den Satz: aus: Nichts von der geistlichen Amtsgewalt bestehe zu Recht, es sei denn, es lasse sich durch die Schrift beweisen. Vergebens untersagte der Erzbischof sein Predigen, Huss hatte nur um so grösseren Zulauf. Vergebens .that ihn Johann XXIII. in den Bann, er erklärte ihn für einen falschen Pabst. Endlich vor das Concil zu Konstanz geladen, reisete er hin im Schutze kaiserlichen Geleits. Hier aber wurde er, trotz des Kaisers und der Böhmen Widerstand, nach vier Wochen gefangen gesetzt, wies die Abschwörung seiner Lehre standhaft von sich und starb heitern Muthes auf dem Scheiterhaufen im Jahre 1415.

Historische und biographische Erläuterungen zu
Wilhelm von Kaulbach's
Zeitalter der Reformation
von Franz Löher
Stuttgart
Verlag von Friedrich Bruckmann
1863
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