Otto I.

Otto I.

Im Jahre 936 war in Deutschland der gute König Heinrich gestorben, der wie ein wahrer Held gekämpft hatte sein Leben lang, und wie der kundige Baumeister aus dem Schutte der Brandstätte ein Haus schöner und besser aufbaut, als es zuvor gewesen war, so hatte er das Reich wiederhergestellt. In demselben Jahre aber wählte das deutsche Volk Heinrichs ältesten Sohn Otto zu seinem Könige, und alle Fürsten zogen hin zum Dome von Aachen, wo vor einhundert zwei und zwanzig Jahren der große Kaiser Karl war zur Erde bestattet worden; daselbst sollte Otto an heiliger Stätte gekrönt werden. Vor dem versammelten Volke am hohen Altare salbten ihn die Erzbischöfe mit dem heiligen Oele, umgürteten ihn mit dem Schwerdte, gaben das Scepter in seine Hand und setzten ihm die Krone auf das Haupt. Dann ermahnten sie ihn der Christenheit ein rechter Schirmherr zu sein, und in allen Dingen zu thun, wie es einem weisen und gerechten Herrscher geziemt. Das Volk aber erhob die Hände zum Himmel, und flehte seinen Schutz für den jungen König an, und dann riefen alle mit einer Stimme: „Heil und Sieg unserm Könige Otto I“ Darauf setzte sich der König nieder an marmorner Tafel und hielt das Festmahl. Die Herzöge aber standen umher und bedienten ihn nach altem Brauche mit Speise und Trank, und es flatterten die Fahnen und die Trompeten schmetterten darein und alles Volk war hoch erfreut. Das waren herrliche und schöne Tage und Niemand ahnte, es werde nach so vielem Glanze der Sturm über Nacht hereinbrechen.

Denn kaum waren diese hohen Festlichkeiten beendet, da kamen Boten von den Marken des Landes und meldeten, wie die feindlichen Völker begönnen sich zu regen, und gedächten abzufallen vom Reiche. Und so war es. Die harten Slaven, die wohnten zwischen der Elbe und Oder, hatten sich erhoben im Aufstande, voll Ingrimm und Erbitterung gegen ihre Nachbaren, die Sachsen, die ihnen die Lehre Christi mit dem Schwerdte bringen wollten, wie sie selber sie einst empfangen hatten; aber den Slaven war die Freiheit lieber und die väterliche Sitte und ihr altes Heidenthum. Auch die wilden Ungarn waren wieder in das Land gekommen; denn alle dachten Otto zu versuchen, ob etwa das deutsche Schwerdt stumpf und machtlos geworden sei, seit Heinrich die Augen geschlossen habe. Doch das war nicht das Schlimmste; denn auch im Innern des Reichs erhob sich Zwiespalt und Widerspruch, und Haß, Neid und bittere Feindschaft drangen ein in die Burg des Königs. Die Herzoge, die ihn noch bedient hatten beim Königsmahle, standen auf wider ihn, denn sie wollten keinen Herrscher über sich haben, und auch seine eigenen Brüder wurden ihm feind. Der Eine Namens Thankmar zürnte ihm, weil er meinte, Otto habe ihn verkürzt an seinem Erbe, und der jüngere, Heinrich, war neidisch und dachte die Krone habe ihm wohl eher gebührt als seinem Bruder. Er war aber noch jung und trachtete nach hohen Dingen, und entwarf heimliche Anschläge wider Otto und seine Herrschaft. Als ein Verräther an seinem Bruder und Könige verband er sich mit den stolzen Herzogen; denen war sein hochfliegender Sinn willkommen, und sie wollten ihn für ihre Pläne gebrauchen. Unter den Feinden aber war auch der Herzog von Lothringen, der hatte eine Schwester Otto’s und Heinrich’s zur Frau genommen. So waren gegen den jungen König seine nächsten Blutsverwandten, die ihm hätten zur Seite stehen sollen.

Nun war für Otto die Zeit der Prüfung gekommen, und es galt festzustehen und nicht zu wanken, und im Vertrauen auf Gott nimmer die gerechte Sache zu verlassen. Und der Kampf entbrannte aller Orten im Reiche, und die Getreuen sammelten sich um den König; der aber zog von einer Mark zur andern und mitten hinein in das Land, und war überall, wo seine Hülfe nöthig war, und legte Schild und Schwerdt nimmer bei Seite. Dennoch wuchs die Zahl der Feinde übermächtig, und manches Mal war Otto‘ in großen Nöthen, und er wußte nicht, wie er vor ihnen Stand halten sollte. So war er wiederum zum Rheinstrome gezogen wider seinen Bruder Heinrich und dessen schlimme Rathgeber, und sandte einen seiner Getreuen aus: daß er Heinrich noch einmal die Hand zum Frieden bieten und den Bruderkrieg abwenden möge. Und ein Theil seiner Mannen war bereits auf das linke Ufer des Flusses hinübergegangen, als Otto plötzlich gewahrte, wie die Schaaren seines Bruders mit Uebermacht heranzogen gegen das Häuflein der Seinen. Diese standen nun zwischen dem Feinde und den reißenden Wellen des Stromes. Er sah ihre Gefahr, er hörte den Schlachtruf, und vermochte ihnen nicht mit den Andern zu Hülfe zu kommen. Da warf sich Otto in seiner Hülflosigkeit nieder auf die Knieen und flehte zu Gott und rief: „Allmächtiger, blicke auf Dein Volk hernieder, zu dessen König du mich gesetzt hast, nimm es aus den Händen seiner Feinde, daß alle Welt erkenne: es stehe in keines Menschen Macht, deinem ewigen Rathschlusse zu widerstreben!“ Und siehe! da ertönte schon der Siegesruf zu ihm herüber, und Gott hatte sein Gebet erhöret, die Seinen hatten gewaltig gestritten, und die Feinde nach heißem Kampfe in die Flucht getrieben, und Heinrich selbst war verwundet worden. So war der König dieses Mal gerettet aus schwerer Gefahr.

Doch überwunden waren die Feinde noch lange nicht, denn zu den alten Gegnern gesellten sich noch neue. Das waren die Dänen, die Heinrich auf ihre Inseln zurückgedrängt hatte, und sie begannen wie vor Zeiten an den Küsten zu landen, und Dörfer und Städte in Asche zu legen. Und zu den Heiden kamen auch Feinde aus den christlichen Völkern. Der König von Frankreich fiel in den Elsaß ein und besetzte die festen Städte. Denn alle Feinde wollten die Zeiten der allgemeinen Verwirrung wahrnehmen, und mancher mochte meinen, das Reich zu theilen, und es in Stücke zu zerreißen wie ein veraltetes Gewand. Otto aber wußte nicht, wohin er sein Schwerdt zuerst wenden sollte, und nimmer hätte er diese Noth bestehen können, wenn Gott nicht Kraft in sein Herz gelegt hätte, und hätte ihm Muth und Standhaftigkeit verliehen. Da nun seine treu gebliebenen Freunde die Grenzen zu wahren suchten, so gut sie es vermochten, war er selber vor die Veste Breisach gezogen, die eine Hauptschutzwehr war der Empörer, und begann sie zu belagern. Indeß aber wurden die aufrührerischen Herzoge immer mächtiger, und viele, die bis dahin ausgehalten hatten in der Treue, fingen an zu wanken und glaubten, es möchte nun zu Ende gehen mit dem Könige, und er könne nimmermehr wieder Macht erlangen. Da verließen ihn Manche offenkundig, Andere entflohen bei Nacht und Nebel. Die Reihen der Kämpfer lichteten sich immer mehr, und die Zelte standen leer und verlassen. Unter den Verräthern waren auch Bischöfe und Erzbischöfe, die allen mit dem Beispiele der Ergebenheit hätten vorangehen sollen. Die Schlimmsten aber waren die, welche unter dem Scheine der Treue bei Otto zurückblieben, um ihn desto sicherer zu verrathen. Da nun die Gefahr am Größten war, war auch die Hülfe am Nächsten, denn ein Bote kam in das Lager und zeigte dem Könige an, wie seine Hauptfeinde, die Herzoge von Franken und Lothringen, ums Leben gekommen wären. Der Eine sei gefallen im Kampfe, der Andere verschlungen von den Wellen des Rheins, da er auf der Flucht mit seinem Rosse sich hinabgeworfen habe in die Strudel des Flusses. Da dankte Otto Gott mit lauter Stimme, daß er ihn nicht wolle zu Schanden werden lassen, und es schmerzte ihn tief, daß so tapfere Männer hatten ein Ende nehmen müssen mit Unehren.

Aber auch seine ungetreuen Brüder ereilte das Strafgericht; denn Thankmar war am Altare durchbohrt worden, da er in eine Kirche geflohen war, um Schutz zu suchen; seinem Bruder Heinrich aber hatte der König zwar verziehen, denn er hoffte, er werde nun seinen widerspenstigen Sinn ablegen. Dem war aber nicht so. Denn Heinrich blieb bösartig, wie er gewesen war, und verschwor sich abermals mit andern heimlichen Feinden Ottos und trachtete ihm wiederum nach Krone und Leben. Als Otto dieses hörte, wollte er seines Bruders Antlitz nicht mehr sehen, und setzte ihn gefangen auf ein festes Schloß. Da endlich ging Heinrich in sich, und fühlte, wie schwer er sich vergangen habe, und dachte daran, wie er seines Bruders Verzeihung wieder erlangen möchte. Als nun Otto das Fest feierte, wo die Engel sangen: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ da trat ihm Heinrich in den Weg, als er eben von der Pfalz zur Kirche ging, warf sich vor ihm nieder in einem härenen Gewande und mit bloßen Füßen und flehte seine Gnade an. Der König sah seine Reue, glaubte seinen Schwüren und erhob ihn vom Boden, und verzieh ihm voll Langmuth auch dieses Mal. Aber seit dieser Stunde blieb Heinrich seinem Bruder treu und ergeben sein Leben lang. So war Friede und Eintracht wiederhergestellt, und Otto herrschte mit Macht und Weisheit, soweit das deutsche Land reichte.

Darauf aber zog er in den Kampf gegen die fremden Völker und begann sie zu züchtigen der Reihe nach. Er drang hinauf bis in die letzte Landzunge der Jütischen Halbinsel, und warf seine Lanze dort in das brausende Meer und nannte es Ottensund zum Zeichen, daß er die deutschen Heere bis hierher geführt habe. Auch unterwarf er die Slaven und kam bis nach Prag, der Hauptstadt der Böhmen. Der König von Burgund gehorchte ihm, und der König von Frankreich mußte seine Hülfe anrufen gegen seine eigenen Unterthanen. Denn Otto war der mächtigste Herrscher in allen christlichen Landen, und auch in seinem Hause hätte er mögen glücklich sein, wenn nicht seine Gemahlin, die gute und fromme Königin Editha, in diesen Tagen gestorben wäre. Otto aber ließ sie feierlich bestatten im Dome zu Magdeburg, und beweinte sie vier Jahre lang.

Da geschah es um diese Zeit, daß der Ruf zu ihm kam von der Königin Adelheid in Italien, von ihrer Schönheit und Tugend, aber auch von den schweren Drangsalen, denen stein ihrer hülflosen Jugend Preis gegeben war. Und Otto zog nach Italien, befreite sie aus den Händen ihrer Verfolger und machte sie zu seiner Gemahlin. Seitdem aber nannte er sich einen König der Franken und Langobarden, wie Karl der Große auch gethan hatte. Denn Berengar, der König von Italien, hatte sich ihm unterworfen und war sein Lehnsmann geworden.

Als nun Otto glücklich nach Deutschland zurückgekehrt war, schien es, als werde er ruhig und ungefährdet herrschen bis an seinen Tod. Doch der Himmel trübte sich von Neuem; abermals zogen Gewitterwolken herauf, und der Blitz traf den Königlichen Baum in seinen Zweigen und drohte ihn ganz zu zersplittern. Von seiner ersten Gemahlin Editha hatte der König Otto einen Sohn, Namens Liudolf, der war Herzog von Schwaben und war ein stolzer, tapferer Jüngling. Es durstete ihn nach Kampf und herrlichen Thaten und sein Sinn war einzig auf Krieg und Waffen gerichtet. Da nun Otto sich mit Adelheid verbunden hatte, begann er einen tiefen Argwohn zu fassen wider seine Stiefmutter, und fürchtete, sie werde ihn verdrängen aus dem Herzen seines Vaters, und ihn um sein Recht bringen auf die Krone, die ihm gebühre. Das Mißtrauen wurde zum Groll, und der Groll erwuchs zum Haß, und sein Sinn wurde finster; er zog sich zurück von dem Vater und den Seinen und suchte seine Freunde unter den Gegnern Otto’s. Tage lang jagte er mit ihnen in den dunkeln Wäldern und schmiedete heimliche Pläne, wie er sich in seinem Rechte behaupten könne. Um ihn sammelten sich die alten Feinde des Königs, und dachten, nun sei die Zeit gekommen, wo sie alle frühern Unbilden rächen könnten. Auch der Mann von Liudolfs Schwester, der Schwiegersohn König Otto’s, Herzog Konrad gesellte sich zu ihm, und ihnen folgten Bischöfe, Grafen und Herrn, die meinten, wo des Königs eigene Söhne vorangingen im Abfallen, da dürften sie ohne Scheu solchem Beispiele folgen. So standen denn dieses Mal die Söhne wider den Vater in Waffen, und bald hatten die Flammen des Bürgerkriegs von Neuem das ganze Land ergriffen, und es gab keine Gegend, wo nicht ein Theil aufgestanden wäre wider den andern. Das währte volle zwei Jahre. Obwohl nun Liudolf in manchem Kampfe geschlagen wurde, und viele seiner Freunde verlor, und Andere, auch Herzog Konrad, ihn verließen, um die Gnade Otto’s zu suchen, so wollte er dennoch nicht nachgeben, sondern bestand auf seinem, trotzigen Sinn.

Noch aber war das Maaß des Unglückes nicht erfüllt; denn auch die Ungarn kamen noch in das Land: es lockte sie die Zwietracht der deutschen Fürsten und Stämme und die Hoffnung auf eine leichte Beute. Da nun die Gefahr immer höher stieg, kehrten alle Verirrten zu ihrem rechten Könige zurück. Auch Liudolf ward anderes Sinnes, und unterwarf sich reuigen Herzens seinem gekrankten Vater. Darauf verbanden sich alle zu stehen wider den gemeinsamen Feind, und am Lech auf dem großen Felde bei Augsburg wurde dem Sengen und Brennen der Ungarn ein Ziel gesetzt. Hier sammelte Otto seine Heerschaaren, die waren alle hohen Muthes voll; sie erkämpften einen herrlichen Sieg und schlugen die blutigen Ungarn, daß sie seit jener Zeit nimmer wiederkehrten nach Deutschland. Herzog Konrad war aber tapfer streitend gefallen, und hatte also seine Schuld mit seinem Blute bezahlt. Auch Liudolf lebte nicht lange mehr, und so geschah dennoch, was er hatte abwenden wollen, denn Erbe des Reiches war nun Adelheids ältester Sohn Otto. Und wiederum waren die Widersacher überwunden, und der Friede noch einmal hergestellt im ganzen Reiche.

Darnach aber erging an Otto der Ruf des Papstes zu Rom, der hieß Johannes und war seines Namens der Zwölfte, er möge auch ihn schirmen, wie einst Karl der Große dem Papste zu seiner Zeit gethan hatte, und wenn er ihm Hülfe gebracht habe, wie dieser die Kaiserkrone empfangen aus seinen Händen, und ein Vogt und Schirmherr werden der Kirche und gesammten Christenheit, wie alle Kaiser vor ihm gewesen seien. Der Feind aber, der den Papst hart bedrängte, war Otto’s Lehnsmann Berengar. Also zog Otto, um ihn zu strafen, abermals nach Italien, brach seine festen Schlösser, brachte ihn selbst in seine Gewalt und sandte ihn als seinen Gefangenen nach Deutschland. Da nun Italien mit dem Reiche verbunden war, krönte der Papst den König Otto in der Peterskirche zu Rom zum Kaiser, und Otto war nach vielen Kämpfen und wunderbaren Fugungen im Besitze der höchsten Macht, die es zu jener Zeit in der Christenheit gab. Doch kaum war dieses geschehen, so gereute den Papst, was er gethan hatte. Denn er sah, wie eifrig Otto war, und sich mit allem Ernste der Kirche anzunehmen gedachte, und viele Uebelstände abzustellen, die eingerissen waren. Er selbst war ein lasterhafter Mann, und führte ein schändliches Leben, wie es keinem Menschen geziemt, am aller Wenigsten aber dem, der sich einen Statthalter Christi auf Erden nannte. Er ging allen seinen Lüsten nach, lebte wie ein wüster Kriegsknecht, war grausam und wild, und seine Hände scheuten sich nicht Blut zu vergießen, und in allen Dingen trat er sein geistliches Amt mit Füßen. Auch rief er den Sohn des vertriebenen Berengar ins Land, und sandte heimlich zu den Ungarn, sie möchten gegen Otto wiederum zu den Waffen greifen. So weit konnte der Oberhirte der Christenheit seines Berufes vergessen, daß er die Christen heidnischen Völkern zum Raube geben wollte. Da erkannte Otto, nun habe alle Geduld ihr Ziel erreicht, und beschloß solchem Frevel ein Ende zu machen, bevor Schlimmeres geschähe. Er berief daher eine große Versammlung von deutschen und italischen Bischöfen, daß sie über den Papst richten sollten. Aus deren Mitte erhoben sich die Ankläger des Papstes, und zahlten alle Frevel her, die er begangen hatte; dann entsetzten sie ihn wegen seiner vielen und schmachvollen Laster des Amtes, und Otto wählte einen frommen und trefflichen Mann Namens Leo zum Papste. Johann aber wurde bald darauf mitten in seinen Sünden von einem jähen und schrecklichen Tode ereilt.

Als nun Otto die Kirche zu Rom geordnet hatte, gedachte er als ein wahrer Schirmherr der Christenheit der deutschen Kirche daheim, wie viele Völker waren zum Reiche gebracht worden und wie viele noch sollten der Kirche gewonnen werden. Darum bestellte er ihnen nach dem Beispiele Karls des Großen Bischöfe und Erzbischöfe zu Hirten. Und damit die Slaven ihre Lehrer hätten, die ihnen das göttliche Wort verkündigten, und in der Predigt das Heil ihrer Seelen wahrnähmen, stiftete er zwischen Saale und Elbe die Bischofssitze Zeiz, Naumburg und Merseburg, und jenseits der Elbe nach der Oder hin noch drei andere Bisthümer, das waren Havelberg, Brandenburg und Meißen; über alle aber setzte er in seiner Lieblingsstadt Magdeburg ein Erzbisthum. Auch an der Seeküste von Holstein machte er Oldenburg zu einem Bischofssitze, und half, daß auf der Jütischen Halbinsel bei den heidnischen Dänen drei Bisthümer errichtet wurden, die hießen Schleswig, Ripen und Aarhus. So waren die Länder im Norden und Osten des Reichs Glieder geworden der christlichen Kirche.

Da nun Otto manches Jahr ruhmvoll geherrscht hatte, und darüber ein Greis geworden war, begann er sein Haus und das Reich zu bestellen. Er ordnete die Grenzen in Nord und Süd, und ließ seinen Sohn Otto feierlich zum Kaiser krönen und seinem Nachfolger, und gab ihm eine junge Fürstin zur Gemahlin, die hieß Theophania, und sie war aus dem Griechischen Reiche zu Constantinopel, Als er nun nach langer Abwesenheit nach Deutschland zurückgekehrt war, hielt er noch einmal einen festlichen Hoftag und versammelte alle Großen um sich; da war aber manche schmerzliche Lücke, denn viele, die er geliebt hatte, und die tapfer gestritten hatten für ihren Kaiser, waren schon abgeschieden, und ihre Stätte war leer geblieben. Doch erschienen Abgesandte vieler Völker, der Römer und auch der Griechen, der Ungarn, Slaven und Dänen, und Otto war noch einmal umgeben von allem Glanze eines Kaisers. Darauf aber ging er nach Memleben, und er fühlte, wie er schwach werde, und daß sein letzter Augenblick nicht mehr fern sei. Noch theilte er, wie er immer gepflegt, den versammelten Armen Almosen aus, dann ging er zum Abendgottesdienst in die Kirche und betete. Da aber wurde ihm warm und er begann müde zu werden, setzte sich nieder auf einen Sessel, empfing das Abendmahl und schied in frommer Ruhe und Ergebung von der Welt ohne einen Seufzer am Mittwoch vor Pfingsten, den 7. Mai des Jahres 973. Seine Leiche aber wurde beigesetzt in der Kirche des heiligen Mauritius zu Magdeburg, und seine Gebeine ruhen da, wo er im Leben so oft und gern verweilt hatte. Otto’s Name aber gehört zu den glänzendsten und ruhmvollsten unter den deutschen Kaisern, und Keinen giebt es, der in allen seinen Thaten mehr als er sich ähnlich erwiesen hätte dem großen Kaiser Karl. Darum haben auch Viele Otto den Ersten genannt Kaiser Otto den Großen.

R. Köpke in Berlin,

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