Leben und Schriften des Johann Amos Comenius, letzten Bischofs der böhmischen Brüder.

Leben und Schriften des Johann Amos Comenius, letzten Bischofs der böhmischen Brüder.

Männer, welche mit einem gründlichen Wissen zugleich den redlichsten Eifer, dem verfallenen Christenthum durch allerlei heilsame Vorschläge wieder aufzuhelfen verbanden, sind zu allen Zeiten selten gewesen; daher die Beispiele, welche uns die Kirchengeschichte aufweisen kann, um so höher zu achten sind. In diese Klasse verdient Johannes Amos Comenius, ein Mann, den Gott nebst seiner großen Gelehrsamkeit mit ungemeinem Eifer für das Gute begabt hatte, mit allem Rechte gesetzt zu werden.

Derselbe ward in dem Städtchen Niewitz, im Markgrafenthum Mähren, den 28. März 1592, geboren, und, nachdem er auf verschiedenen Schulen den Grund zu seinem Studium gelegt, zog er auf das Fürstliche Gymnasium nach Herborn, wo er seinem Lehrer, dem berühmten J. H. Alstedius, seine Liebe zur Gelehrsamkeit und seinen Trieb, die Prophezeiungen zu erklären, zu verdanken hat. Im Jahre 1614 von einer Reise nach England und Holland zurückgekehrt, ward er bei der Schule zu Prerau oder Prezau zum Rectorat, und bald darauf zum Pastor in Fulneck berufen. Hier schrieb er schon sein Buch: „Pauperum Oppressorum clamores in coelum“, d. h. „ himmelschreiende Klagen armer Unterdrückter“, welches 1617 zu Olmütz erschien. Schon damals war er bei seinem Schulamte darauf bedacht gewesen, eine nützliche Methode zu erfinden, wie man der studirenden Jugend die Erlernung der Sprachen erleichtern könnte. Ueber diesen Gegenstand gab er einige Schriften heraus, die aber im Jahre 1621 nebst seiner Bibliothek verloren gingen, als die Stadt Fulneck von den Spanischen Truppen geplündert wurde.

Allein noch Härteres war ihm vorbehalten, und wir werden hinsichtlich seiner wunderbaren Führungen den Voetius beistimmen, der ihn wegen seines hohen Alters nicht bloß den „ehrwürdigen Greis“, sondern seines Leidens wegen, „den im Kreuz der Leiden bewährten Theologen“ nennt. Dem im Jahre 1624 erschienenen Kaiserlichen Edikte zufolge ward auch er, sammt den übrigen evangelischen Predigern in Böhmen und Mähren, seiner Stelle entsetzt. Er floh zu seinem Mäcenaten, dem Baron Sadowsky, in’s böhmische Gebirge, wo er unter ändern Schriften sein „Centrum securitatis“, d. h. „der Sicherheit Mittelpunkt“, verfaßte. Hierauf wandte sich Comenius nach Lissa in Polen, wo er eben zur Erleichterung des lateinischen Sprachunterichts seine „Janua linguarum reserata“ 1631 herausgab, welches Buch so vielen Beifall fand, daß es fast in alle abendländischen und viele asiatischen Sprachen, die persische, mongolische u. s. w. übertragen wurde. Diesem Werke hatte er auch den ihm von den schwedischen Reichsständen zugehenden Ruf zu verdanken, welchem er auch, nach kurzem Aufenthalte in dem vom Bürgerkriege ergriffenen England, im Jahre 1641 Folge leistete, und an dem Kanzler Oxenstierna einen Gönner fand. Auch dieser wurde gewahr, daß Comenius die Köpfe der Kinder nicht mit leerem Wissen bloß füllte, sondern ihre zarten Herzen vornehmlich mit ungefärbter Gottesfurcht zu erfüllen bemüht war. Um den Schulen eine bessere Form zu geben, arbeitete er im Auftrage der schwedischen Staatsbehörde zu Elbing binnen vier Jahren sein „Opus pansophicum“ aus. Auf Einladung des Fürsten von Siebenbürgen, Ragotzky, begab er sich nach Patack, wo er seinen „Orbis Pictus“, d. h. „die sichtbare Welt“, das erste Bilderbuch für Kinder, (Nürnberg 1658) schrieb. Nach kurzem, abermaligem Aufenthalt in Lissa, sodann in Frankfurt a. O. und Hamburg, ließ er sich in Amsterdam nieder, und starb im J. 1671 am 15. Oct. zu Naarden.

Sowohl in Lissa als in Holland unter nahm er es, die Socinianer, namentlich in seiner deutschen Schrift „ob Christus aus eigener göttlicher Kraft von den Todten auferstanden sei?“ zu bekämpfen. Wider die Papisten schrieb er sein „Echo der Widersinnigkeiten“. Wir thäten Unrecht, wenn wir seine „Geschichte der bömischen Brüder“ unerwähnt lassen wollten, welche namentlich die eifrige Kirchenzucht der böhmischen Brüder darthut, und welche D. Buddeus in Halle im Jahre 1702, mit einer weitläuftigen Vorrede versehen, herausgab. Daß Comenius unter dem Titel „Unum necessarium etc“ sein letztes Werk, das uns vorliegende, herausgab, haben wir bereits erwähnt.

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