Die Knechte Christi auf den Nikobarischen Inseln.

Die Knechte Christi auf den Nikobarischen Inseln.

Ein Lebensbild aus der Missionsgeschichte.

Nach englischen Quellen geschildert. Von Dr. Ch. G. Barth.

Die wahre Christenliebe hat, wie Briareus, hundert Arme und streckt sich helfend und rettend nach allen Seiten hin aus. Selten ist dieß so augenscheinlich hervorgetreten, wie in der ersten Hälfte und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als die erneuerte Brüdergemeine in Herrnhut in ihrem ersten Feuer- und Liebeseifer stand. Was von ihren Versuchen, Lebensverbindungen in allen Welttheilen anzuknüpfen und fruchtbare Ableger von dem am Hutberg aufgewachsenen Baume an allen Meeren einzupflanzen, Bestand hatte und noch jetzt in Blüthe steht, liefert nur ein sehr unvollständiges Bild von dem Umfang, auf welchen sich ihre Thätigkeit erstreckte. Sie hat nicht bloß unter den Eskimos in Grönland und Labrador unter den Negern in Westindien und Surinam, unter den Hottentotten in Südafrika, und unter den Esthen in den russischen Ostseeprovinzen das Panier der Liebe Christi aufgesteckt; auch im Arawakkenland in Südamerika, im heißen Sand der dänischen Goldküste und im Brüdergarten in Tranquebar ruhen die Gebeine ihrer Friedensboten; in Algier und Egypten, in Persien und unter den Kalmücken der goldenen Horde, in Ceylon und auf den nikobarischen Inseln hat sie den guten Samen auszustreuen versucht, und in den erstorbenen Kirchen des Morgenlandes, bis nach Abessynien hinab, mit ihrer „kleinen Kraft“ daran gearbeitet, den umgestoßenen Leuchter des Evangeliums wieder aufzurichten.

„Ein Archimandrite
Betet die andere Bitte“,

singt Zinzendorf in einem seiner längstcassirten Lieder; ein andersmal:

„- – Hanüken, Heiducken
Beugen die Tschakanen
Vor des Kreuzes Fahnen“;

oder

„Der Mohr in Delmina
Wartet auf Hilfe“;

oder

„Der Dey von Algieren
Oeffnet seine Thüren“;

und das Lied schließt mit folgenden glaubensmuthigen Worten:

„Und daß wir’s kurz sagen:
Ameninadib’s Wagen
Fahre mit dem led’gen Chor
Ueber Thür und Thor,
Ueber Stock und Stein,
Wo sie sollen seyn,
Glücklich hinein,
In Jesu Namen! Amen.“

An Männern zu solchen halsbrechenden Unternehmungen fehlte es damals in der Gemeine nicht; und wenn in Gegenden, von denen Zinzendorf singt:

„Kennt ihr die Triften,
Wo das Crocodil im Schilfe
Und Satan lau’rt in Lüften,
Menschen zu vergiften?“;

ganze Reihen von Streitern niedersanken, so meldeten sich gewöhnlich noch einmal so viele, um die Lücken wieder auszufüllen. Damals hieß es:

„Es wurden zwanzig ausgesä’t,
Als wären sie verloren;
Auf ihren Gräbern aber steht:
Dieß ist die Saat der Mohren“.

Wenn aber auch die meisten dieser Versuche vor Menschen-Augen mißlangen und keine oder wenig sichtbare Frucht davon überblieb, so wissen wir einestheils, daß nicht alle Frucht der thätigen Christenliebe hienieden schon zum Vorschein kommt, daß über manche erst die Winternacht des Todes ergehen muß, wie bei der Zeitlose, ehe die Frucht im ewigen Frühling zum Tageslicht gelangt; anderntheils ist auch das Gelingen nicht der sichere Maaßstab für den Werth und die Gottgefälligkeit christlicher Unternehmungen. Alle jene Versuche stehen wenigstens da als bedeutsame Lebenszeichen aus der Periode der Brüdergemeinen, in welcher sie sich ganz besonders von der Liebe Christi gedrungen zeigte, mit dem rettenden Arm der Liebe in alle Regionen des Völkerlebens hineinzureichen. Von einem derselben, der Mission auf den nikobarischen Inseln, wollen wir dießmal eine Schilderung geben, und benützen dazu eine Reihe von Briefen, welche einer ihrer tüchtigsten Sendboten Johann Gottlieb Hänsel, an den sel. Bruder Chr. Ignaz Latrobe in London gerichtet hat^‘

Die nikobarischen Inseln liegen am Eingang des bengalischen Meerbusens, unter 8° nördlicher. Breite und ungefähr 94° östlicher Länge von Sumatra. Nancauwery, die Insel, wo die Mission ihren Sitz hatte, ist eine der südlichsten, und bildet mit Comarty einen bequemen Hafen, da sie ostwärts von der großen, aber schmalen Insel Trikut, welche flach und an Cocosbäumen reich ist, westwärts aber von der großen Insel Katsoll geschützt wird. Die Schiffe können hier mit aller Sicherheit vor Anker liegen. An der Nordwestspitze von Nancauwery, hinter einem kleinen Berge und nahe an dem Hauptlandungsplatz, lag die Ansiedlung der Brüdermission, von den Einwohnern „Tripjet“, oder die Wohnung der Freude, genannt. Sie wurde gegründet im Jahr 1758, und zwar in Folge wiederholter Bitten und Aufforderungen von Seiten eines sehr vornehmen und angesehenen Mannes am königl. dänischen Hofe.

Schon im Jahr 1756 wurde auf diesen Inseln ein dänisches Handlungs-Comptoir errichtet, und zugleich erhielten sie den Namen „Friedrichs-Eilande“. Aber schon dieser erste Versuch mißglückte, indem beinahe alle von Tranquebar dahingeschickte Colonisten früh hinwegstarben. Die Brüder ließen sich jedoch dadurch keineswegs abschrecken. Durch Unterhandlungen mit der Dänisch-Asiatischen Compagnie erhielt die Brüder-Unitäts-Direktion in einem königlichen Edikt die Zusicherung aller Privilegien und Freiheiten, deren sie zur ungehinderten Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden bedurften. Nun hieß es in Herrnhut: Im indischen Archipel wird eine neue Mission errichtet: wer ist geneigt, seine Dienste dazu anzubieten? Und alsbald fanden sich auch einige Brüder, welche freiwillig die schwere Aufgabe übernahmen. Am 2. Juli 1760 kamen sie in Tranquebar an und wurden von dem dänischen Statthalter und sämmtlichen Einwohnern aufs Freundlichste empfangen. Da man zur Unterhaltung der anzulegenden neuen Mission ein Etablissement an der Küste von Coromandel wesentlich nothwendig fand, so kauften sie ein Ackerfeld, etwa eine Meile von Tranquebar entfernt, bauten sich ein Wohnhaus nebst den nöthigen Nebengebäuden und Werkstätten, und unterhielten dieselben durch Handel und verschiedene Handarbeiten. Der Ort erhielt den Namen: „Der Brüdergarten“. In meinen Sammlungen befindet sich eine sauber gearbeitete silberne Cigarrenröhre von einem tamulischen Silberarbeiter, der seine Kunst im Brüdergarten gelernt hat.

Noch in demselben Jahr kam eine zweite Gesellschaft von Missionaren nach; weil aber die dänisch-ostindische Compagnie ihr Etablissement auf den Nikobaren nicht so bald wieder erneuern konnte, so war die erste Aufgabe der Brüder, die sicherlich mit zu den schwersten des Missionsberufes gehört, – Warten, wie denn überhaupt diese Archipelagianer weder Pelagianer noch Semipelagianer seyn durften, sondern im beständigen Bewußtsein ihrer absoluten Abhängigkeit von der freien Gnade Gottes leben und zu allen ihren Schritten Seine Winke abwarten mußten. Erst im Jahr 1768 kam die neue dänische Niederlassung zu Stande, und nun machten sechs Brüder den Anfang der nikobarischen Mission und ließen sich in Nancauwery nieder. Bevor wir aber den weiteren Gang dieses Glaubenswerkes verfolgen, müssen wir uns nach der natürlichen Beschaffenheit der Inseln, ihren Produkten und Einwohnern, ein wenig umsehen, weil wir nur dadurch eine richtige Vorstellung von den Schwierigkeiten des Unternehmens bekommen.

Der größte Theil der nikobarischen Inseln ist gebirgig, und einige Berge sind von beträchtlicher Höhe. Nur Tricut, Tafouin und Karnikobar sind flach und mit Cocoswäldern überdeckt. Diese Bäume wachsen indeß auch auf den übrigen Inseln häufig, und außerdem die Arakapalmen nebst einer Menge von Bauhölzern aller Arten, einige bis zu unglaublicher Stärke. Die Thäler und Bergrücken sind mit diesen Wäldern so überzogen, daß an manchen Orten das Sonnelicht keinen Weg durch ihr Laubgedränge finden kann. In einigen Gegenden sind die Wälder mit vielem wilden Strauchwerk so dicht durchwachsen, daß sie wie ein zusammenhängendes Gewebe aussehen und in ihrem Innern völlige Dunkelheit herrscht. Schon dieß trägt zur Ungesundheit des Clima’s merklich bei, indem der Luftzug fortwährend gehemmt ist. Die Eingebornen selbst empfinden die nachtheiligen Wirkungen davon; noch weit mehr aber die Europäer.

Der nutzbarste Baum der Inseln ist die Cocospalme. Sie wächst leicht und schnell, und gedeiht am besten an den Seeküsten, wo viele Wurzeln und Blätter und Stiele von der Fluth angeschwemmt werden. Die Nuß, welche in den Sand fällt, wird bald überdeckt, und wächst in kurzer Zeit kräftig empor. Wird sie verpflanzt, so bekommt man nach fünf Jahren eine reiche Fruchtärnte. Die reifen Nüsse werden an dem Hause aufgehängt; und in kurzer Zeit treiben sie Stiele und Zweige, welche man, wenn sie etwa eine Elle lang sind, in die Erde steckt, wo sie dann schnell in die Höhe wachsen. – Ein anderer schöner und nützlicher Baume ist der Mangobaum, dessen Frucht eine angenehme Speise und zugleich eine heilsame Arznei liefert. Der eßbare Theil derselben liegt in einer Schaale, welche mit einer dicken, fleischigten Rinde umgeben ist. Der Geschmack ist gewürzhaft, überaus angenehm süßsäuerlich; und diese Frucht ist so gesund, daß man nicht leicht fürchten darf, zu viel davon zu essen. Die Schaale ist bitter und zusammenziehend. Die nikobarischen Zauberärzte geben sie in Wasser gekocht gegen die Fieber, denen die Einheimischen sowohl als die Fremden häufig ausgesetzt sind. – Außer den hier genannten Bäumen sind die Inseln reich an Wurzeln, Fruchtpflanzen und Kräutern, welche die Zauberer wohl zu gebrauchen wissen.

Tiger, Leoparden und ähnliche reißende Thiere, die an der Küste von Coromandel so zahlreich vorkommen, gibt es auf den Nikobaren äußerst selten. Auf den südlichsten Inseln, Sambelong, Tacop und Katsoll, hat man zuweilen Monkius gefunden. Auf den übrigen Inseln sind zahlreiche Heerden von Ochsen, die von den Dänen herüber gebracht worden und nun, nachdem die Colonie verlassen ist, wild in den Wäldern herumlaufen. Sie haben sich unglaublich vermehrt; und da die Wälder ihnen das vortreffliche Futtergras gewähren, so gelangen sie, besonders die Auerochsen, zu einer ungewöhnlichen Größe und Stärke. Miss. Hänsel versuchte mehrmals, einige zu schießen, um ihr Fleisch für den Tisch zu bekommen; aber immer vergeblich. Hunde und Schweine haben alle Inseln. – In manchen Gegenden gibt es viele Schlangen; sie sind aber minder zahlreich und zum Theil nicht so giftig als die auf der Küste von Coromandel. Der Grund davon liegt wahrscheinlich in der Gewohnheit der Insulaner, zwei- oder dreimal des Jahres das hohe Gras auf den Anhöhen anzuzünden und abzubrennen, wodurch eine Menge Schlangenbrut vernichtet wird. „Eine Art der gefährlichsten Schlangen“, sagt Miss. Hänsel, „fiel mir vor andern auf. Sie ist grün, ihr Kopf und Maul breit wie ein Froschmaul, ihre Augen sind sehr roth. Ihr Biß ist so giftig, daß ich ein gebissenes Weib in einer halben Stunde todt hinfallen sah. Das unglückliche Weib war auf einen Baum gestiegen, um Früchte zu pflücken, und wurde von der Schlange, die sie nicht bemerkte, in den Arm gebissen. Da sie die Gefahr kannte, stieg sie augenblicklich vom Baum herab, war aber sogleich wie verrückt. Man brachte sie unverzüglich zu mir, und während ich durch Blasenpflaster und andere Mittel das Gift auszuziehen versuchte, starb sie unter meinen Händen.“

Hänsel hat nur wenige Scorpionen, aber unter ihnen einige von der größten Gattung, gesehen, rothfarbig und äußerst giftig. Eines der fürchterlichsten Thiere dagegen, das Crocodil oder der Alligator, findet sich in großer Menge. Karnikobar und alle Inseln, welche viele Ströme und Süßwasser-Seen haben, wimmeln von diesen Thieren. Sie sind von zweierlei Art: der schwarze Kaiman und das eigentliche Crocodil. Das letztere greift nicht leicht lebendige Geschöpfe an, und ist mithin minder gefährlich. Davon sah Hänsel selbst einen Beweis. Er ging in Queda längs der Küste, und sah einem Haufen schwimmender und in’s Wasser springender Kinder zu. Plötzlich erblickte er ein großes Crocodil, das aus dem Wasser auf die Kinder zukam. Erschrocken schrie er laut auf, und winkte einigen nahestehenden Chinesen zu, sie sollten den Kindern zur Hilfe eilen. Diese lachten ihn aber als einen unwissenden Fremdling aus. In der That sah er bald darauf das Ungeheuer unter den spielenden Kindern, und die letzteren ohne Furcht mit dem Thiere beschäftigt, um es fortzujagen. – Der Kaiman ist kleiner, aber sehr verwegen, und fällt jedes lebende Wesen an, das ihm begegnet.

Die nikobarischen Fledermäuse sind von riesenhafter Größe. Hänsel sah einige, deren ausgestreckte Flügel 5-6 Fuß vom Rücken an maßen; der Körper war einer gemeinen Katze ähnlich. Es sind zwei Arten; die eine mit einem Hundskopf, die andere mit einem Katzenkopf. Jene erheben, wenn sie fliegen, ein bellendes, diese ein Katzen-Geschrei. Nie hat Hänsel mehrere Thiere dieser Art beisammen angetroffen. Sie sehen äußerst häßlich aus, setzen sich am liebsten, und sehr tölpisch, auf Mangobäume, deren Frucht sie essen, und brechen die dünneren Zweigen ab, bis sie einen Ast finden, der sie trägt.

Von den Vögeln nennen wir nur die Hirlem- oder sogenannte Nikobarschwalbe (hirundo edulis,  Linn.). Diese kleine Schwalbe ist die Erbauerin des berühmten Vogelnests, der Hauptleckerspeise bei den indischen und chinesischen Gastmahles Sie baut diese Nester in Spalten und Höhlungen der Felsen, am liebsten in denen gegen Süden. Die letzteren sind gewöhnlich die feinsten und besten. Hänsel hat zuweilen auf einem Spaziergang so viele derselben gesammelt, daß sie zusammen fünfzig Pfund wogen. Sie sind klein, und sehen ganz so aus wie unsere gemeinen Schwalbennester. Wenn sie vollkommen gut sind, so gehen zwölf auf ein Catty (1 3/4 Pfund). „Die wahren Bestandtheile dieser Nester habe ich“, sagt Hänsel, „durch alle meine Untersuchungen nicht erforschen können, und ebensowenig haben mich die Muthmaßungen der gelehrten Naturforscher darüber befriedigt. Diese Schwalben haben außerordentlich kurze Beine; und wenn sie auf der Erde liegen, können sie sich nicht wieder aufrichten. In solcher Lage habe ich sehr viele gefangen; und sobald ich sie in die Höhe hielt, flogen sie davon. Schon dieser Umstand widerlegt die Vermuthungen der Naturforscher, daß sie das Material zu ihren Nestern an den Küsten oder von den Meeresklippen holen. Am wahrscheinlichsten ist mir, daß sie zu ihren Nestern hauptsächlich das Gummi eines gewissen Baumes gebrauchen, den Einige die Nikobar-Ceder nennen und der auf den südlichen Inseln sehr häufig wächst. Das Nadellaub dieses Baumes ist hart, schwarz und sehr schwer. Vom December bis zum Mai ist der Baum mit Blüthen überdeckt und trägt dann eine Art Tannenzapfen, die jedoch mehr großen Beeren voll Augen oder Pusteln ähnlich sind und einen gummiartigen Saft ausschwitzen. Ich habe in der Blüthe- und Fruchtzeit eine unzählbare Menge der kleinen Schwalben um diese Cedern herum fliegen und flattern sehen, wie die Bienen um blühende Gesträuche. Dadurch bin ich in der erwähnten Vermuthung bestärkt worden.“

Wie die Bienen in ihrem Bienenstocks so leben diese Vögel in den Felsenhöhlen, wo man sie ein- und ausfliegen und ihre Nester dicht aneinander, ganz nach der Weise der See- und Hausschwalben, bauen sieht, Die Henne baut ein nettes, wohlgestaltetes, zum Eierlegen und Brüten gut eingerichtetes Nest; das Hähnchen baut ein anderes, kleineres und gröberes daran: denn diese Nester werden nicht bloß zum Eierlegen gebaut, sondern auch zur Ruhestätte, wenn die Schwalben sich niederlassen wollen. Wenn ihnen ihr Nest weggenommen wird, so fangen sie alsbald an, ein neues zu machen, und bringen es mit ihrem Fleiß schon am ersten Tage so weit, daß es sie trägt, wiewohl sie zur gänzlichen Vollendung gegen drei Wochen brauchen. Während des Nordostwindes sind sie alle in Bewegung und fliegen munter umher; sobald aber der Südwestwind weht, sitzen oder liegen sie wie erstarrt in ihren Nestern und zeigen nur durch eine Art zitternder Bewegung des ganzen Körpers, daß sie noch leben. Wenn man sie in diesem Zustand aus dem Nest nimmt und auf die flache Hand legt, so merkt man keine andere Spur von Leben als dieses Zittern, und wenn man sie wieder ins Nest hineinbringt, so fallen sie gewöhnlich auf die eine oder andere Seite. Werden sie in solchen Zeiten ihrer Nester beraubt, so kommen sie unvermeidlich um.

Daß wir hier von den Naturprodukten der Inseln so ausführlich reden, hängt mit der ganzen Einrichtung dieser Mission aufs Genauste zusammen. Die Brüdergemeine hatte es von Anfang an bei allen ihren Missionen darauf abgesehen, daß sie durch Gewerbsthätigkeit und Handel ihre Kosten so viel als möglich selbst decken sollten, denn keine Missionsgesellschaft mit großen Revenuen diente ihnen zu Stütze und Hinterhalt, und die Gemeine selbst bestand größtentheils aus armen Leuten, die auch sonst noch allerlei Opfer zu bringen hatten. Auf den nikobarischen Inseln nun beruhte der Unterhalt der Mission großentheils auf der Einsammlung und dem Verkauf der dortigen Naturprodukte. Hänsel besorgte dieses Geschäft zu seiner Zeit mit einigen andern Brüdern; und wiewohl er keine naturhistorischen Kenntnisse dazu mitbrächte, so wurde er doch durch lange Uebung in den Stand gesetzt, gehörig zu unterscheiden, welche Artikel den Naturforschern erwünscht seyn würden. „Ich erkenne“, sagt er „mit tiefem Danke den Segen, welchen der Herr auf diese meine Beschäftigungen zum Besten der Mission legte, indem aus England, Holland, Dänemark und andern europäischen Ländern große und häufige Bestellungen kamen, durch deren Ertrag ein großer Theil der Missionsausgaben bestritten werden konnten.“ Er fährt dann, fort: „Bei meinen häufigen Spaziergängen an der Seeküste begegnete es mir oft, daß ich von der Nacht überfallen wurde, und nicht ohne große Beschwerden wieder hätte nach Hause kommen können. Aber ich vermißte darum nicht mein weiches Bett. Der größte Theil des Ufers besteht aus einem sehr seinen, weißen Sand, der vollkommen rein und trocken ist. Ich machte mir ohne Mühe eine für meinen Körper passende Grube, mit einet kleinen Erhöhung statt des Kopfkissens, legte mich dann hinein und häufte den Sand über mir zusammen. So lag ich bis an den Hals vergraben. Mein treuer Hund legte sich quer über mich hin, bereit, bei der geringsten Wahrnehmung sogleich Lärm zu machen. Ich schlief aber auch ohnehin in der völligsten Furchtlosigkeit. Crocodile und Kaimans besuchen nie die offene Küste, sondern halten sich in schilfigen und sumpfigen Orten auf; auch sind, wie gesagt, sonstige Raubthiere seltener. Die einzige Unannehmlichkeit dieser Nachtlager war das nächtliche Umherkriechen einer ungeheuren Menge von Krabben, größeren und kleineren, deren Kratzen mich zuweilen, wenn sie mir über’s Gesicht liefen, aus dem Schlaf weckte. Mein Hund belauerte sie aber sehr sorgfältig, und wenn sich mir eine nähern wollte, machte er sich schleunig über sie her und schleudert sie weit weg. Oder wenn es eine der größeren Krabben war, die der Hund sich fürchtete mit der Schnauze zu fassen, so suchte er sie durch Bellen zu erschrecken und wegzuscheuchen. Ich habe gar manche liebe Nacht in dieser Art von Gräbern zugebracht, und die erquickendste Ruhe genossen. Tiefer in’s Land hinein, und auf verschiedenen andern Inseln, wäre jedoch diese Nachtherberge, zumal ohne Gesellschaft, wegen der wilden Thiere in den Wäldern nicht zu empfehlen. Ich kann nicht dankbar genug die gnädige Bewahrung Gottes auf meinen häufigen Wanderungen zu Wasser und zu Lande preisen. Eine dieser Bewahrungen muß ich doch erzählen.

„Auf einer meiner Reisen stieß aus Unvorsichtigkeit ein dänisches Schiff auf unsern Schiffshintertheil und zerbrach unseren Flaggenmast. Wir fuhren daher in einen Meerbusen, wo einige unserer Leute an’s Land stiegen, um einen Baum zu einem andern Mast umzuhauen. In der Hoffnung, etwas Frisches von Wildbrät für unsern Tisch zu finden, begleitete ich sie und nahm meine Doppelbüchse mit. Während sie mit dem Baume beschäftigt waren, setzte ich mich am Rand des Waldes nieder. Bald entdeckte ich in dem hohen Gras einen Gegenstand, den ich nicht erkannte, den ich aber für einen Hasen hielte. Ich setzte mein Gewehr an und wollte es gerade losbrennen, als das Thier aufsprang. Ein Tiger stand vor mir. Ich blieb unbeweglich und zitternd stehen, in der gewissen Erwartung, die Bestie werde mich anpacken und zerreißen. Aber Gottes Auge wachte über mir. Das Thier schien nicht minder erschrocken als ich selbst, sah mich ein paar Augenblicke starr an und drehte dann bedächtig um. Es schlich sich gerade so weg wie eine erschrockene Katze, mit dem Bauch auf der Erde, verstärkte dann seine Schritte, und eilte in den tiefen Wald hinein. Vor Zittern und Herzklopfen hatte ich Mühe das Ufer wieder zu erreichen. Als ich an’s Wasser kam, fand ich ein niedriges Strauchgebüsch vor mir. Ich ging auf die andere Seite des Boots, um meinen Leuten, welche den gefällten Baum durch’s Wasser zogen, zu Hilfe zu kommen. Kaum war ich in’s Boot gestiegen, als ich auf der Gebüschseite, wo ich zuerst gewesen war, einen ungeheuern Kaiman erblickte, dessen Raub ich dort drüben unfehlbar geworden wäre. Voll Dank und Lob in meiner Seele für diese abermalige Lebensbewahrung schoß ich mein Gewehr auf den Kopf des Ungeheuers ab, das sich auch sogleich in’s Wasser stürzte und stark blutete. Wir sahen es glücklich an’s Ufer kommen und durch den Schlamm in’s Gesträuch kriechen. – Das Fleisch des Crocodils und des Kaiman ist, gut gekocht, gesund und wohlschmeckend. Ich aß es als Schweinefleisch und anfänglich mit Wohlgeschmack; in der Folge aber, nachdem ich das furchtbare, grausenerregende Thier selbst kennen gelernt hatte, konnte ich mich nicht mehr überwinden, davon zu essen. Sonst jedoch wird es von Einheimischen und Europäern gern genossen.“

Br. Hänsel betrieb die Sammlung und Zubereitung von Schlangen, Krabben, Spinnen und andern Thieren, die theils ausgestopft, theils im Weingeist aufbewahrt oder getrocknet wurden, als ein zum Bestand der Mission nothwendiges Gewerbe. Im Brüdergarten bei Tranquebar hatte er einen zu diesem Geschäft besonders eingerichteten Schuppen, und arbeitete da zuweilen mit zwei oder drei Malabar-Knaben als Gehülfen. Er hatte u. A. gegen achtzig verschiedene Schlangengattungen, von der Größe eines kleinen Wurms bis zu 16-20 Fuß Länge, neunzig Gattungen von Krabben und über vierzig von Spinnen gesammelt. Wo er ging und stand, in den Wäldern, an den Ufern, zu Land und auf dem Wasser, war er gewohnt, auf alles, was er sah und hörte, aufmerksam zu seyn, und durch fortgesetzte Uebung lernte er alle Arten von Thieren ohne Nachtheil für sein Leben zu fangen. Was er von den Schlangen sagt, wollen wir ihn mit seinen eigenen Worten erzählen lassen.

„Auf die Schlangenjagd ging ich frei von Furcht: ich verwahrte bloß meine Füße mit starken Stiefeln, und wenn ich die Schlangen verhindern konnte, in ihre Höhlen zu schlüpfen, und sie durch Reizung zum Zorn dahin brachte, daß sie auf mich losgingen, so war ich meines Fangs gewiß. Ich hielt ihnen meinen Hut vor, welchen das Thier mit Heftigkeit anpackte; sogleich riß ich ihn wieder weg, und nur selten mißglückte es mir, durch schnelles Ziehen die Zähne der Schlange mit herauszureißen, weil diese nur sehr locker in den Zahnhöhlen sitzen. Jedoch wird sowohl hier als auch späterhin große Behutsamkeit und Vorsicht erfordert, um nicht von den Zähnen der getödteten Schlange verletzt zu werden, während man den Kopf bearbeitet und die Zähne wieder versetzt. Denn eine solche Verwundung ist, selbst lange Zeit, nachdem die Schlange getödtet worden, sehr gefährlich, zuweilen tödtlich, wovon ich die traurigsten Beispiele gesehen habe.“

„In der Nähe von Tranquebar ist eine kleine Schlange, welche man Split-naka, Spaltschlange, nennt. Sie ist schwarz, mit einem weißen Streifen längs des Rückens. Ihr Biß ist überaus giftig. Da sie schlank ist, kann sie in die kleinsten Löcher oder Spalten hineinkriechen, und kommt daher häufig in die Stuben und Kammern, um Futter zu suchen. In meiner Arbeitsstube war eine Thür an einer finstern Stelle. Eines Abends, als ich diese Thür öffnen wollte, fühlte ich plötzlich einen Stich in meinem Finger, und zu gleicher Zeit einen heftigen elektrischen Schlag, als ob ich mitten entzwei gespalten wäre. Da ich an keine Schlange dachte, fragte ich meinen malabarischen Dienstknaben, was sie an der Thüre gemacht hätten. Sie behaupteten, sie hätten nichts gethan. Ich versuchte zum zweiten Mal, die Thüre zu öffnen, wurde aber noch heftiger verletzt und merkte, daß meine Finger bluteten. Nun ging ich in meine Stube zurück und zog das Blut aus, bis es nicht mehr floß. Ich benetzte die Wunde mit Terpentingeist, verband sie, und verrichtete, ohne weiter daran zu denken, meine Geschäfte. In der Nacht aber fühlte ich Geschwulst mit großen Schmerzen. Am Morgen darauf glaubte ich einen unangenehmen Bisamgeruch wahrzunehmen, als ich wieder zu der Thüre kam, war der Geruch unerträglich. Ich ließ ein Licht bringen und erblickte nun die Ursache dieses Unfalls. Ein etwa sechs Zoll langes Stück vom Kopf und Leib einer jungen Spaltschlange hing völlig todt am Schlüsselloch, und bald darauf fand ich das Thier selbst zusammengewickelt, stark verwundet und todt. Blos durch das unverzügliche Ausziehen des vergifteten Blutes an meinen Fingern und durch den Gebrauch des rechten Heilmittels, ohne die wahre Ursache des Uebels zu wissen, hatte ich mein Leben gerettet, wofür ich die gnädige Leitung des Hüters unsers Lebens anbete. Ich habe mehrmals gehört und glaube es auch, daß der Biß jeder andern Schlange mehr oder minder von einem ähnlichen elektrischen Schlag begleitet sei, weil das Gift augenblicklich in die ganze Blutmasse eindringt.

Von den übrigen merkwürdigen Schlangenarten führe ich noch die wix-snake an. Sie ist grün, 4 – 6 Fuß lang, schlank, und springt in horizontaler Bewegung von Baum zu Baum, weßhalb sie auch die „fliegende Schlange“ genannt wird.

Die sogenannte „doppelköpfige Schlange“ hat nicht zwei wirkliche Kopfe; aber sie ist vorn und hinten gleich dick und, gleich einigen Raupengattungen, mit einer Art von Schwulst an ihrem Hintertheil versehen, was Manchen bei dem ersten flüchtigen Anblick als ein zweiter Kopf erschienen seyn mag; diese Schlange ist roth, träge und sieht beinahe einer langen Bratwurst ähnlich. – Die „Mauerschlange“ kriecht mit großer Leichtigkeit auf den Mauern und ist klein und gefleckt. Das Gift aber dieser Schlangen greift hauptsächlich das Blut an, während es für eine gesunde äußere Haut eben nicht sehr nachtheilig ist. Aber nur selten arbeitete ich an einer der größeren Schlangen, um sie auszustopfen, ohne von dem außerordentlichen und eckelhaften Bisamgeruch ihres Fleisches krank zu werden, so frisch dieses auch seyn mochte“.

Was Missionar Hänsel von den Bewohnern der Nikobaren sagt, das gilt im Durchschnitt auch heutzutage noch, namentlich in Betreff ihrer Sitten und Religion, denn seit der Auflösung der dortigen Brüdermission sind keine weiteren Missionsversuche auf jenen Inseln gemacht worden, und daß das Heidenthum sich nicht von selbst zu besseren Zuständen entwickle, etwa wie die Blüthe zur Frucht, das lehrt uns die Geschichte überall.

Die Einwohner der nikobarischen Inseln sind ein freies, völlig unabhängiges Volk; doch hat jedes Dorf seinen Capitain. Es finden sich zwar überall Mehrere, die sich für besser und geschickter halten als ihre Mitbürger und sich darum den Rang eines Capitains anmaßen; allein das Volk erkennt an jedem Ort nur Einen für den Omjah Karu, d. h. den großen Hausvater, dem aber dennoch Niemand Gehorsam schuldig zu seyn glaubt, denn kein Nikobarer, Mann oder Weib, erkennt einen Gebieter über sich an. Der Kapitaln muß daher in Allem, was er anordnet, äußerst behutsam verfahren, und nur durch die allerliebreichsten Vorstellungen kann er die Befolgung seiner Forderungen bewirken. Sein einziges Vorrecht ist, daß er bei der Ankunft eines Schiffes zuerst an Bord steigen und den Handelsvergleich schließen darf, wenn seine Landsleute etwas auszutauschen haben.

Die Leute sind größtentheils gutmüthig und friedlich gegen einander gesinnt. Daneben sind sie gleich andern heidnischen Völkern der Völlerei und der Unzucht ergeben, und wenn sie Recht zu haben meinen, rach- und mordsüchtig, aber zugleich faul und nachlässig. Ihre Zunge wissen sie besser zu gebrauchen als ihre Nachbarn. Ihre Häuser sind meistens geräumig, sechs Fuß oder noch höher über der Erde auf Pfeilern erbaut, aber nicht viereckig wie die Malayenhäuser, sondern rund. Sie steigen auf Leitern hinein, welche sie nach sich heraufziehen. Jedes Haus hat nur Eine Stube, welche aber von mehr als Einer Familie bewohnt wird. Eltern und Kinder, besuchende Gäste, Junge und Alte, liegen hier alle nackt beieinander auf einem Lager von Palmblättern, die meisten ohne weitere Bedeckung. Ihr ganzer Hausrath besteht aus Töpfen, welche die Weiber verfertigen, einigen geglätteten Cocosnußschalen als Wassergefäßen, aus Beilen, Säbeln, Messern und einer guten Anzahl Spieße. Jede Familie besitzt zwei oder drei Palongs oder Boote. Ihre gewöhnliche Speise ist eine Art Brod, das von der Frucht eines Palmbaumes (pandans) gemacht und sehr wohlschmeckend ist. Außerdem aber genießen sie auch eine Menge anderer Baum- und Strauchfrüchte. Allerlei Gattungen von Geflügel sind im Ueberfiuß vorhanden. Man füttert es mit Cocosnüssen, und das Fleischgift sehr schmackhaft. Die See liefert den Insulanern eine große Menge eßbarer Fische und Krabben, so daß sie hinlängliche Mittel haben, ihrem Gott, welches ihr Bauch ist, reichlich zu opfern. – Die Kleidung der Männer ist ein schmales Stück Baumwollenzeug, etwa drei Ellen lang. Dieses wickeln sie zweimal um den Unterleib, ziehen es dann zwischen den Schenkeln durch und lassen das Ende hinter sich schleppen. Die Weiber tragen gewöhnlich ein Stück blauen Kattuns um den Unterleib, so daß es wie eine Schürze herabhängt, aber nicht völlig bis an die Kniee reicht. Sie bilden sich sehr viel ein auf ihre feine Haut, die sie auch wirklich sehr rein halten, und auf der sie weder Schminke noch Farbe anbringen. Beide Geschlechter leben von Kindheit auf ohne allen Zwang miteinander und üben sich frühzeitig in den zügellosesten Ausschweifungen, oft zum Verderben ihrer Gesundheit und zur Abkürzung ihres Lebens. Gewöhnlich heirathen sie nicht eher, als bis die Jugendblüthe verwelkt ist. Hänsel versichert, er habe nur Wenige gekannt, die früher in die Ehe traten, sich gegenseitig treu blieben und ihre Familie in Zucht und Ordnung hielten.

Als Wilde können sie unbedenklich zu der gutgearteten Menschenklasse gerechnet werden. Sie sind dienstfertig und gefällig, besonders gegen ihre Freunde. Zum Beleg dafür erzählt Hänsel folgenden Umstand: „Wir kauften gewöhnlich von ihnen, was wir bedurften, und bezahlten es mit Taback. Aber auch wenn sie nichts zu verkaufen hatten, kamen sie dennoch, um ihre Portion Tabak zu holen, die wir ihnen auch nie versagten, bis wir endlich in Folge des Ausbleibens eines Schiffes, selbst daran Mangel litten. Wir erklärten daher dem Capitain des Dorfes, wir könnten fernerhin nichts von ihnen kaufen, weil wir keinen Tabak mehr zur Bezahlung hätten. Der Capitain macht dieß sogleich dem ganzen Dorfe bekannt. Deßungeachtet kamen schon am folgenden Tage viele Einwohner mit großen Vorräthen, legten ohne Bezahlung oder Antwort von uns abzuwarten, ihre Früchte und andere Lebensmittel um unser Haus herum, und gingen dann wieder weg. Wir ließen sie wiederkommen und setzten ihnen unsere Lage auseinander. Ihre Antwort war: „Als ihr mit Tabak versehen waret, gabet ihr uns, was ihr entbehren konntet. Jetzt habt ihr keinen; wir aber haben noch genug von unsern Artikeln, und ihr sollt haben, so viel ihr brauchet, bis ihr wieder mit Taback versorgt werdet.“ Sie hielten treulich ihr Versprechen. Eine solche Gesinnung würde man nicht leicht von einem Volk wie dieses erwarten. Auf gleiche Weise zeigten sie bei allen Gelegenheiten ihre Zuneigung zu uns.“

Traurig war, als die Missionare auf die Inseln kamen, der Zustand des Volkes hinsichtlich der Religion. Ihre Begriffe von einem göttlichen Wesen waren höchst ungereimt und verworren. Man hatte Mühe zu erforschen, welche Vorstellungen sie sich von dem Dasein und den Eigenschaften desselben machten, und sie zeigten nicht die geringste Neigung, mehr von Ihm zu erfahren. Dennoch waren sie nicht eigentliche Götzenanbeter wie die meisten orientalischen Völker. Auch hatten sie in ihrer Sprache kein Wort, ihre Vorstellung von Gott zu bezeichnen. Wenn sie von Ihm redeten, gebrauchten sie das Wort knallen, das aber nichts weiter bedeutet als: Oben, in der Höhe. So heißt z. B. knallen maade: oben auf dem Berge, Knallen uniga: auf dem Wipfel des Baums, knallen gamalee: auf der Oberfläche der See. Sie glaubten jedoch, daß, dieser ihr unbekannter Gott gut sei und ihnen nicht schaden wolle. Worin aber diese Güte bestehe, wußten sie nicht, und begehrten nicht es zu wissen. Wenn sich daher die Missionare bemühten, ihnen, so gut sie konnten, die Güte Gottes deutlich, zu machen, welche aus Erbarmen über den unglücklichen Zustand der Menschen die Mittel zu ihrer Errettung ihnen offenbare, wenn sie von dem Heiland Jesus Christus, und was er zu ihrer Seligkeit gethan und gelitten, redeten, so hörten zwar die Insulaner mit Ehrfurcht und Verwunderung zu; aber daß sie sich dieß auch zueignen und durch Hinzunahen zu Ihm die Seligkeit suchen sollten, das vermochte man ihnen nicht einleuchtend zu machen. Wenn man ihnen sagte, man sei aus keiner andern Ursache zu ihnen gekommen, als um sie mit ihrem Schöpfer und Erlöser bekannt zu machen und ihnen die fröhliche Botschaft von ihrer Seligkeit zu bringen, sie sollten doch auf diese im Namen Gottes zu ihnen geredeten Worte achten, – so lachten sie die Missionare aus. „Wenn wir böse Menschen wären“, sagten sie, „dann könnte uns Alles, was ihr von einem gekreuzigten Heiland sprechet, nicht helfen; aber wir sind gut und haben nie etwas Böses gethan; das wissen wir gewiß“, Hielt man ihnen entgegen, sie hätten erst vor kurzer Zeit einige Personen gemordet, ihre todten Leichname mit Spießen durchbohrt und auf unbarmherzige Art verstümmelt; ob denn das etwas Gutes sei? – so erwiederten sie: „Das versteht ihr nicht; die Getödteten waren nicht tauglich, zu leben; es waren Gomoy,“ d. h. Kannibalen.

Alle Widerwärtigkeiten und Gefahren schreiben die Insulaner dem Teufel zu, der jedoch unter der Macht ihrer Zauberer stehe. Sie nennen die letzteren gewöhnlich mit dem von den Portugiesen entlehnten Namen Padre’s. Wenn diese irgend eine Krankheit durch ihre Zaubermittel nicht heilen, mithin, wie sie meinen, den Teufel nicht fangen oder verjagen können, so sehen sie darin einen Beweis, daß der Teufel in einen Mann oder eine Frau eingekehrt sei und durch seine Zaubermacht alle Genesungskräfte aus dem Leibe des Kranken heraussauge. Der Padre sucht jetzt den Besessenen zu entdecken, und findet ihn bald in irgend einer Person, der er feind ist. Die Aussprüche eines solchen weisen Mannes gelten bei Allen als die Stimme der Wahrheit: der bezeichnete Unglückliche wird daher ohne weitere Untersuchung hingerichtet. In der Nähe der Missionare waren jedoch diese Hinrichtungen seltener als auf andern Inseln. Sie suchten das Volk zu belehren, daß der Teufel sich überall als Vater der Lügen und als Mörder von Anfang beweise, und daß, so lange sie sich nicht zu dem wahren Gott bekehrten, sie als Knechte des Satans gezwungen wären, nach Seinem Willen zu handeln. Wirklich schienen sie immer nur an den Teufel zu denken, und mit ihm umzugehen, so oft sie irgend etwas in religiöser Absicht verrichteten. Sie schreiben selbst die Schöpfung der Welt dem Ewee oder bösen Wesen zu. Bei jeder bösen, verkehrten, verbrecherischen That sagen sie sogleich: „Der Teufel, nicht ich, hat es gethan“. Werden sie überführt, daß sie selbst, ihre eigene Hände es gethan haben, so ist ihre gewöhnliche Antwort: „Der Ewee hat mich nicht besser erschaffen; ich kann also zuweilen nicht anders als Böses thun“.

Sie reden von vielerlei Gattungen von Teufeln, erklären aber alle für boshaft und immer geneigt, ihnen zu schaden, wenn sie nicht zum Glück so große und mächtige Padre’s unter sich hätten, welche den Teufeln überlegen und im Stande seien, sie zu fangen und sich zu unterwerfen. Es ist den Zauberern leicht, diese hohe Meinung des unwissenden Volkes zu nähren, da sie wirklich durch ihre Geschicklichkeit in Erstaunen setzen und unstreitig die geübtesten Taschenspieler auf dem ganzen Erdboden sind. Wer jemals in den ostindischen Provinzen gereist ist, kennt die unglaubliche Kunst und Gewandtheit, womit die Gaukler das Volk zu belustigen und zu fesseln wissen. Auf den nikobarischen Inseln aber, wo diese Gaukelkünste als ein Haupttheil der Religionsübung behandelt werden, wird der Betrug so weit getrieben, daß die Missionare selbst oft staunend dastanden und bei dem, was sie sahen, ihren eigenen Augen nicht trauten. Miss. Hänsel erzählt einige Beispiele davon.

„Ich ging nicht absichtlich in ein Haus, in welchem einer dieser Zauberer beschäftigt war, ein krankes Weib zu curiren. Ich war entschlossen, ihn so scharf als möglich zu beobachten. Beide, den Arzt und die Kranke, traf ich völlig nackt an. Nach vielerlei fürchterlichen Grimassen hielt der Zauberer ein sehr breites Stück Holz in die Höhe und sagte, er habe es soeben aus dem Körper der Kranken gezogen, und dieses Stück Holz sei durch eine Verzauberung die Ursache ihrer Krankheit gewesen. Ich wußte mit völliger Gewißheit, daß der Gaukler bei seinem Eintritt nichts in seiner Hand und um sich her gehabt hatte; und es war unmöglich, daß ein Stück von dieser Größe in dem engen Gemach, wo wir waren hätte verborgen sein können.

„Ein anderes Mal sah ich einen Zauberer unter ähnlichen Umständen auf einmal drei große Steine emporhalten, welche er gleichfalls aus dem Leibe eines Kranken herausgezogen zu haben vorgab. – Jenem ersterwähnten kranken Weibe gab der Zauberer nachher einen Kräutertrank, und sie genas vollkommen. Ihre Genesung wurde aber, wie, leicht zu erachten, nicht den Kräutern, sondern der Zauberkraft zugeschrieben.

„Nach meinem fünfjährigen Aufenthalt auf der Insel Nancauwery fingen meine Beine an entzündet zu werden und ungeheuer anzuschwellen, eine in Ostindien unter dem Namen cochinleg bekannte Krankheit. Die Geschwulst ging in Eiterung über, welche mich mit unerträglichen Schmerzen peinigte, bis endlich die Geschwüre aufbrachen. In meiner Schmerzenslage kamen einige Padre’s zu mir, bemitleideten mich und boten mir ihre Dienste an mit dem Betheuern: wenn ich mich ihrer Cur unterwerfen wollte, so würden sie mich in kurzer Zeit wieder herstellen. Da ich ihre Geschicklichkeit in medicinischen Künsten und ihre große Kräuterkenntniß kannte, so entschloß ich mich endlich, mit einem von ihnen, Namens Philipp, der uns als Sprachlehrer diente, einen Versuch zu machen, jedoch mit ausdrücklicher Ablehnung aller abergläubischen Cermonien. Er nahm diese Bedingung an, und begann sogleich die Cur, indem er mit sehr bedeutenden und feierlichen Mienen, ganz eines solchen Künstlers würdig, mich überall betastete und bei jeder Händebewegung seine Gesichtszüge veränderte, so daß ich mitten in meinen folternden Schmerzen bei seinen Grimassen überlaut lachen mußte. Bis jetzt war aber alles nur Vorbereitung gewesen; jetzt erst begann das Werk selber. Er strich meine Beine mit seiner flachen Hand von dem Knie herunterwärts, während er immer murmelte. Hierauf leckte er mit seinem Munde die kranken Theile, und begleitete diese Operation mit einer auffallenden Art von Knurren oder Grunzen. Diese Behandlung schien mir wohlthuend, und ich fühlte wirklich Erleichterung. Plötzlich richtete er sich auf und zeigte der ganzen Gesellschaft eine Topfscherbe, welche er aus meinen Beinen herausgezogen zu haben behauptete, versicherte auch, bald noch mehrere dergleichen herauszubringen. Ich schrie laut: „Halt ein, dir Betrüger! Du sagst, daß mein Körper mit Scherben angefüllt sei, und dieses zerbrochene Stück hast du aus deinem Munde herausgezogen. Thue deinen Mund auf, so werden wir die übrigen Stücke sehen!“ – Bestürzt stand der Gaukler vor mir und eilte aus dem Hause, sogar von seinen vormaligen Bewunderern ausgelacht. Er ließ sich erst nach vierzehn Tagen wieder sehen.“

Da es mehrmals geschah, daß, nachdem eine Zaubercur mislungen, einer der Missionare den Kranken durch einfache Arzneimittel unter dem Segen Gottes wieder herstellte, so wurden sie vom Volk als vorzüglich große Zaubermeister betrachtet. Was aber die Insulaner am allermeisten anstaunten, war der Umstand, daß ihnen die Missionaren aus ihrem Kalender den Tag und die Stunde der Sonnen- oder Mondfinsternisse voraussagen konnten, von deren Ursache sie die albernsten Begriffe haben. Sie glauben nämlich, der Teufel komme, um die Sonne oder den Mond zu fressen, und sei schon darüber her, den Rand zu benagen; er müsse daher bei Zeiten weggescheucht werden. Zu diesem Zweck versammeln sich alle ihre Padre’s und richten unter den fürchterlichsten Geberden ihre Spieße gegen den verfinsterten Körper. Das gesammte Volk läßt zu gleicher Zeit mit großem Ungestüm eine Schreckensmusik erschallen, um den gefräßigen Räuber wegzuscheuchen, was ihnen auch, wie sie glauben, nach einer Weile jedesmal gelingt. Wenn man ihnen die wahren Ursachen dieser Verfinsterungen begreiflich zu machen suchte, und sie auch wirklich etwas davon zu fassen schienen, so blieben sie deßungeachtet bei der Behauptung, daß zwar die Missionare die größten Padre’s seien, daß aber doch ihre eigenen Padre’s durch ihre Kunst die Sonne oder den Mond aus den gierigen Händen des Teufels befreit hätten. Alle Gegenvorstellungen und Belehrungen, wie diese Himmelskörper nach der eigenen Anordnung ihres Schöpfers ihr Licht wieder erhalten, waren fruchtlos.

Die Austreibung des Teufels aus einer kranken Person oder Familie ist eine eben so sonderbare als alberne Cerimonie. Der Padre ruft zu diesem Behuf alles junge Volk des Ortes herzu, um sich bei Erbauung eines kleinen Floßes aus dünnem Holz helfen zu lassen. Drei Stangen werden aufgerichtet, welche die Masten vorstellen, und einige Bambus quer übereinandergelegt. Die Masten werden mit jungen weißen Cocosblättern behangen. Dieses Spielwerk, welches sie Hanmai, nennen, wird zwischen zwei Palongs gestellt, deren jedes von einer Anzahl tapferer und starker junger Leute mit einem Stück von Xatan (ostindischem Rohr) gerudert wird. Jeder Ruderer hält fünf Spieße neben seinem Ruder. So bleiben sie alle mit sehr ernsthafter Miene stehen, auf die weiteren Befehle des Padre wartend. Dieser hat unterdessen sein großes Werk, das er für leicht oder schwer ausgiebt, je nachdem der Kranke reich oder arm ist, bereits begonnen. Er ist völlig nackt, über und über bunt bemalt, und absichtlich furchtbar entstellt, um den Teufel zu schrecken. Er hält mit beiden Händen einen kurzen dicken Prügel empor und tanzt mit schauerlichen Bewegungen und Geberden, unter entsetzlichem Brüllen und Heulen, umher. Endlich ist er so glücklich, den Feind bei einem Bein oder Arm oder gar bei den Haaren zu packen. Das arme, unwissende Volk läßt sich willig täuschen, und glaubt alles zuversichtlich, ohne darauf zu merken, was die Hand des Betrügers wirklich faßt. Nun rennt die ganze Gesellschaft zum Wasser hin, und der Padre legt den vorgeblichen Teufel auf das Floß, an welches die Palongs sogleich mit der größten Geschwindigkeit anrudern. Hierauf wird der Gefangene weit in die See hinaus geworfen, und die Palongs fahren mit der vorigen Eilfertigkeit ans Ufer zurück. Zwei Tage lang kann der Feind diese unglimpfliche Behandlung überleben und lebendig wieder ans Land kommen; aber am dritten Tage muß er sterben. Gelingt es ihm, an einem andern Ort zu landen, dann richtet er hier von neuem dasselbige Unglück an, wie in dem vorigen Dorfe. Die traurige Folge dieses vermeinten schlimmen Ausgangs ist die bittere Feindschaft, welche dadurch zwischen beiden Dörfern entsteht, und die nur durch einen fürchterlichen Kampf wieder ausgesöhnt werden kann. Das letztere Dorf schickt eine Aufforderung an das erstere, und bestimmt einen Kampftag. Die Kapitäne aller umliegenden Dörfer wählen die Kämpfer; und auch andere Personen, welche diese günstige Gelegenheit, ihre Streitigkeiten auszumachen, benützen wollen, werden aufgefordert, zu erscheinen. Kläger und Beklagter, jeder mit einem langen Mangostock bewaffnet, kommen nun zusammen. Zwei Kämpfer treten hervor und schlagen sich gegenseitig auf Kopf und Rücken, bis einer von ihnen sich überwunden giebt. Dann folgt das zweite, diesem das dritte Kämpferpaar, und so fort bis zum Ende. Nunmehr ist die Rache auf immer entschieden, und Jedermann ist überzeugt, daß der besiegte Theil der schuldige war. Der Friede ist wieder hergestellt; alle Parteien sind vollkommen beruhigt und ausgesöhnt; und nichts in der Welt kann sie von der Thorheit und Ungerechtigkeit dieser Entscheidung überzeugen.

So war der Schauplatz beschaffen, auf welchem die Missionare ihre Arbeit im Jahr 1768 beginnen wollten, und nun kehren wir wieder zu ihnen zurück. Wir haben oben erwähnt, daß in diesem Jahre sechs Brüder sich auf der Insel Nancauwery niedergelassen hatten. Im folgenden Jahr kamen mehrere Offiziere und Soldaten der ostindischen Handels-Compagnie von Tranquebar her mit einer großen Waarenladung zu ihnen. Sie starben aber in kurzer Zeit so dahin, daß nach zwei Jahren nur noch zwei Soldaten und vier Malabaren sich am Leben befanden. Dieses abermalige Mißgeschick schreckte die Compagnie ab, und der Plan, eine Faktorei auf den nikobarischen Inseln anzulegen, wurde für immer aufgegeben. Die Brüder, welche dort blieben, wurden mit dem Verkauf der zurückgelassenen Güter beauftragt, und hatten bei diesem Geschäft unzählig viel Noth und Mühseligkeiten zu erfahren. Im Jahr 1773 endlich wurden sie von diesen ihrem Beruf fremdartigen Geschäften befreit, als ein Schiff von Tranquebar anlangte, das die noch vorräthigen Waaren zurücknahm und dagegen ihnen den längst gewünschten Vorrath an Lebensbedürfnissen brachte. Weil jedoch die fernere Versorgung der Brüder mit den nothwendigsten Lebensmitteln immer höchst unsicher war, so entschlossen sie sich, zur jährlichen Herbeischaffung derselben ein eigenes Schiff zu halten. Herr Holford, ein Engländer, in Tranquebar wohnhaft, leistete ihnen hierbei wesentliche Dienste. Er vereinigte sich mit ihnen zur Ausrüstung eines kleinen Schiffes, das im Jahr 1775 in Nancauwery eintraf und mit einer Ladung dortiger Landesprodukte zurückfuhr, wiewohl dadurch die Ausrüstungskosten bei weitem nicht gedeckt wurden. Herr Holford war aber noch nicht muthlos gemacht; er schickte im folgenden Jahr ein zweites Schiff nach, das jedoch durch ungünstige Winde und Strömungen sich genöthigt sah, vor Junkceylon zu ankern und daselbst auszuladen. Ein drittes Schiff war nicht glücklicher. Durch diese Mißgeschicke und durch die beständige Unsicherheit ihres äußern Bestehens sahen sich endlich die Missionare zu der für sie traurigen Nothwendigkeit gebracht, im Jahr 1787 die Mission gänzlich aufzuheben.

Im Januar 1779 kam Missionar Hänsel in Begleitung des Bruder Wangemann in Nancauwery an und fand daselbst die Missionäre Liebisch, Heyne und Blaschke. Letzterer war sehr krank und ging daher mit dem Schiff nach Tranquebar zurück, wo er bald darauf seinen Lauf endete. Kurz nachher wurde auch Bruder Liebisch krank und ging gleichfalls aus der Zeit. Sie waren jetzt nur noch drei an der Zahl, und Hänsel selbst wurde bald Anfangs von einem so heftigen Fieber befallen, daß die Brüder sein Ende als gewiß erwarteten und thränenvollen Abschied von ihm nahmen, nachdem sie ihn in einem herzlichen Gebet dem Herrn empfohlen hatten. Nach dem Gebet überfiel ihn eine starke Ohnmacht. Da man ihn jetzt für todt ansah, nahm man ihn aus dem Bette heraus, und schon hatte man ihn auf die Bahre gelegt, als er wieder erwachte und sich bei den Unterstehenden erkundigte, was sie denn mit ihm vorhätten und warum sie weinten. Seine Genesung schritt sehr langsam vorwärts, und während der ganzen Zeit seines Aufenthaltes in Nancauwery fühlte er sich nie völlig gesund. „Nachdem es“, sagt er in seinen Briefen, „dem Herrn gefallen hatte, auch unsern Bruder Wangemann heimzurufen, war ich mit Bruder Heyne allein. Wir waren beide krank und litten an den nöthigsten Lebensbedürfnissen Mangel. Aber Gott, unser Heiland, vergaß unser nicht. Er stärkte unsre Herzen, und tröstete uns so kräftig durch das lebhafte Gefühl Seiner Gnadengegenwart, daß wir oft vor Fröhlichkeit Loblieder sangen. Die felsenfeste Ueberzeugung erfüllte uns, daß Er, der keinen Sperling ohne Seinen Willen auf die Erde fallen läßt, auch uns, Seine armen, aber von Ihm werthgeachteten Kinder nicht verlassen werde. Und diese Seine eigene gnädige Verheißung hat sich an mir so oft und wundervoll als Wahrheit bewiesen, daß ich, ungeachtet aller in Ostindien und auf den nikobarischen Inseln siebenzehn Jahre hindurch erfahrenen Trübsale und Nöthen, tiefbeschämt und gerührt anbetend zu Seinen Füßen niederfalle und ausrufe: Der Herr hat Alles wohlgemacht! Mir hat es an keinem Guten gemangelt. Hallelujah Ihm, meinem Gott und Heiland! Amen“.

Das für Nancauvery abgeschickte Schiff kam erst im Jahr 1781 an. Es brachte nur einen sehr kleinen Vorrath von Lebensmitteln, keinen Wein noch andere stärkende Getränke, denn das Schiffsvolk hatte den größten Theil der für die Mission bestimmten Vorräthe auf der langen Fahrt und dem viermonatlichen Aufenthalt in Queda selbst verzehrt. Die Missionare fühlten sich aber froh und glücklich durch die Ankunft des Br. Steinmann, eines noch muntern und für den Missionsdienst in jeder Hinsicht sehr brauchbaren Mannes. So viel Gutes sie sich aber auch von ihm versprechen mochten, so gefiel es dennoch dem Herrn, ihn in weniger als vier Wochen durch den Tod von ihrer Seite zu nehmen. Man kann sich denken, wie ihren Herzen dabei zu Muthe war. Aber der Herr bewährte sich als ihr Trost und Beistand. Er half im Innern und im Aeußern durch, so daß sie Tag vor Tag ihr tägliches Brod hatten, und auf ihrem Krankenlager war Er ihr Arzt. „Vergebens zwar“, schreibt Hänsel, „würde ich die zahllosen Thränen zu zählen versuchen, die ich in dieser Zeit der Noth und Trübsal zu Seinen Füßen weinte. Aber ich bekenne offenherzig, daß ich nicht wage, für alle diese Thränen ohne Ausnahme mit David zu bitten: „Sammle sie in dein Krüglein!“ oder für alle mit David zu fragen: „Stehen sie nicht geschrieben in Deinem Buche?“ Ich erkannte noch nicht völlig die Wege des Herrn mit seinen Kindern, und noch fehlte es mir oft an der unbedingten, willenlosen Ergebung in Seine Führungen. Thränen des Unglaubens, des Mißtrauens, des Eigenwillens mischten sich daher nicht selten in mein Weinen und Seufzen vor dem Herrn. Doch darf ich mit Freudigkeit bezeugen, daß der Heiland das Eine und Alles meiner Seele und der einzige Gegenstand meiner Sehnsucht und Liebe war. Er hat mich mit Langmuth und mit göttlicher Geduld getragen.“

Die Missionare arbeiteten nun, soviel sie vermochten, an der Urbarmachung und Bepflanzung ihres Ackers, um sich das für die Küche Nöthige zu verschaffen; und weil sie nur drei Diener zum Kochen, Waschen und zu den übrigen Arbeiten hatten, mußten sie oft weit über ihre Kräften thun, zum Nachtheil ihrer Gesundheit. Es war aber nicht zu ändern. Zu gleicher Zeit beschäftigten sie sich eifrig mit Erlernung der Sprache, von dem heißen Verlangen beseelt, den armen Heiden recht bald die überschwängliche Liebe Gottes in Christo Jesu anpreisen zu können. Erst im Jahr 1783 hatten sie die Freude, die drei Brüder Heinrich, Fleckner und Raabs als ihre Missionsgehilfen brüderlich zu umarmen. Ihre Seereise war mit vielen Widerwärtigkeiten verknüpft gewesen. Das Schiff wurde auf der Rhede von Junkceylon von einem französischen Kaper durchsucht und als gute Prise erklärt, weil man einige alte englische Zeitungsblätter in dem Koffer eines an Bord befindlichen Engländers, Namens Wilson, fand, der aus der Gefangenschaft bei Hyder Ali entflohen war. Dieß war für die Franzosen ein hinreichender Grund, sich eines neutralen dänischen Schiffes zu bemächtigen, und alle Mühe, es wieder zu erlangen, war vergeblich. Nach langen und vielen Verdrießlichkeiten entschlossen sich die drei Brüder, gemeinschaftlich mit dem Schiffer ein Malayenschiff um 75 Dollars anzukaufen. Auf demselben schlichen sie sich, wiewohl wider den Willen des malayischen Prinzen, bei Nacht hinweg. Die armen Missionare erhielten nun, statt der erwarteten Lebensmittel, drei weitere Personen, die sie ernähren mußten. Aber die Freude über die lieben Gehilfen ließ sie alles vergessen, und sie thaten alles Mögliche, um sie zu erquicken. Da aber das gekaufte Schiff durchaus neue Segel bedurfte, indem die mitgebrachten alt und gänzlich unbrauchbar geworden waren, so gaben sie ihren ganzen Vorrath von Leinen und Segeltüchern, sogar ihre Bettücher, dazu her, und beschäftigten sich zehen Tage lang mit Verfertigung neuer Segel und völliger Instandsetzung des Schiffs zur Reise. Die Brüder Raabs und Heyne sahen sich durch ihre Gesundheitsumstände genöthigt, mit diesem Schiff nach Tranquebar zurückzugehen. „Ich vergesse nie“, sagt Hänsel, das Wehmuthsgefühl bei dem Abschied von meinem zärtlich geliebten Bruder Heyne, mit dem ich so lange Zeit Freude und Leid getheilt und mit dem ich mich unzählig oft in Stunden der Angst und Gefahr im Herrn erquickt hatte.“

„Die drei folgenden Jahre“, fährt er fort, „verbrachte ich in fruchtlosen Bemühungen, den Eingebornen das Evangelium von der Erlösung durch Jesum Christum zu verkündigen. Aber wenn ich von der Fruchtlosigkeit unserer Arbeit zur Bekehrung der armen blinden Nikobaren rede, so darf ich nicht vergessen, uns Missionaren selbst einen Theil der Schuld beizulegen. Ich meines Theils bekenne es mit tiefer Scham und Reue, daß oft, und nur alle zu früh, mein Glaubensmuth zu wanken anfieng, besonders darum, weil das Band der Liebe unter uns Missionaren nicht immer festgeknüpft blieb. Wie kann ein Missionar von der Liebe Christi mit Kraft und Eindringlichkeit zeugen, wenn sein Herz nicht selbst in dieser Liebe lebt? Wir hatten freilich mit Mangel, Noth, Trübsal und Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen; aber wir wußten ja doch, welcher Trost, welche Stärkung, welcher Segen des Herrn in der brüderlichen Eintracht und in dem „gegenseitig einander unterthan seyn in der Liebe“ liege. Daß doch alle unsere Brüder am Dienst unter den Heiden nie vergessen möchten, daß brüderliche Liebe und Eintracht das köstlichste Kleinod in allen Missionen ist, und daß kein Opfer des eigenen Willens zu groß erscheinen sollte, um dieß Kleinod zu bewahren!“

Die Vogelnester, von welchen oben die Rede gewesen ist, lockten eine große Anzahl von Malayen und Chinesen, welche dieselben begierig aufkauften, an die Küsten der nikobarischen Inseln. Diese Fremden brachten nichts als Streit und Verwirrung unter die Insulaner, am meisten durch ihre häufigen Betrügereien und Meuchelmorde, wodurch die Missionare mit viel Unruhe und Noth heimgesucht wurden. In der Regel kamen 15-16, in einem Jahr sogar 19 große Boote voll solcher Vagabunden nach Nancauwery. Nachdem sämmtliche Offiziere und Soldaten, welche die Missionare auf die Insel begleitet hatten, gestorben waren, und die Missionare erklärten, daß sie ihren Posten nicht verlassen wollten, trug das Gouvernement von Tranquebar ihnen an, es sollte jederzeit einer von ihnen das Amt eines königlich dänischen Residenten und Statthalters der Insel übernehmen. Das Patent wurde jedesmal vom König selbst unterzeichnet. Nachdem die Brüder Völker, Armedinger und Blaschke dieses Amt geführt hatten, kam es an Bruder Hänsel. Er versuchte in einer Adresse an den Gouverneur von Tranquebar den Posten abzulehnen, weil er den Geschäften seines Missionsberufs hinderlich zu sein schien; die Ablehnung wurde aber nicht angenommen. Welche Noth und Plage dieses Amt auf die Missionare häufte, erhellt aus folgenden Beispielen.

Als die Dänen ihre erste Niederlassung in Karnikobar, einer Insel von 75 englischen Meilen Umfang, errichteten, brachten sie eine große Anzahl Kanonen dahin. Nach dem Tode sämmtlicher Soldaten verfaulten die Laffetten, und Hänsel sah 17 solcher Stücke im Grund liegen. Von Zeit zu Zeit kamen die Malayen und stahlen sie weg. Nun geschah es, daß ein Nakata, General des Königs von Queda, wie er sich selbst nannte, mit einem großen Boot nach Nancauwery kam. Da die Eingebornen den Missionar benachrichtigten, daß derselbe nicht weniger als fünf von diesen Kanonen an Bord hatte, hielt Hänsel es für seine Pflicht, sich diesem Diebstahl zu widersetzen, und sprach deßwegen mit dem Nakata. Dieser gerieth in große Wuth, und fing an, sich einer drohenden Sprache zu bedienen, indem er sich auf die Befehle seines Königs berief. Hänsel antwortete: „dein König weiß sehr wohl, daß er, da er hier nichts niedergelegt, auch kein Recht hat, etwas von hier wegzunehmen; und wenn du darauf beharren würdest, so müßte ich den König von Dänemark davon benachrichtigen.“ Hierauf verließ er ihn, hörte aber, der General habe nachher gedroht, diesem Bericht zuvorzukommen, denn wenn der Missionar einmal todt sei, würde er sich schon stille halten. Auch die Eingebornen versicherten, der Mann habe im Sinn, den Missionar zu tödten, sie wollten ihm aber zu seiner Vertheidigung Beistand leisten. Hänsel erwiederte: „So sehr ich auch für eure Anhänglichkeit dankbar bin, so seid ihr doch, wie wir, viel zu schwach, um den teuflischen Einfluß zu hintertreiben, der in diesen mordsüchtigen Leuten wirksam ist. Uns’re Hoffnung aber ist auf Gott, unsern Heiland, gestellt, der unendlich mächtiger ist als der Teufel, und uns gegen alle Anschläge der gottlosen Menschen beschützen kann.“ Er benutzte diese Gelegenheit, um ihnen das Evangelium zu predigen. Sie. hörten mit Aufmerksamkeit und Verwunderung zu, und blieben bei den Missionaren bis spät in die Nacht, da man dann den Wunsch gegen sie äußerte, sie möchten nach Hause gehen. Sie waren kaum dazu zu bewegen. Den weitern Verlauf müssen wir mit den eignen Worten des Missionars erzählen.

„Sobald sie weggegangen waren, machten wir uns nach unserer gewöhnlichen Abendandacht bereit, zu Bette zu gehen. Auf einmal hörten wir draussen einen Lärm, und unmittelbar darauf ein gewaltiges Pochen an die Thüre. Bei Eröffnung derselben erschrack ich nicht wenig, eine große Anzahl Malayen vor mir zu sehen, welche den Eingang umringten. Ich schrie im Stillen zum Herrn, Er wolle uns gegen ihre Anschläge beschützen; aber obgleich meine Furcht groß war, nahm ich eine gebietrische Miene an, indem ich mich bei der Thüre in den Weg stellte, als ob ich entschlossen wäre, sie nicht hereinzulassen. Der Vorderste jedoch drang herein. Nun näherte sich der Nakata selbst. Verrätherisch streckte er mir seine Hand entgegen; als ich ihm aber die meinige bot, ergriff er sie fest und zog mich in das Haus. Die Malayen nahmen sogleich alle Sitze ein, und ich stand vor ihnen. Ich hatte keine andere Hoffnung als auf die Barmherzigkeit Gottes, zu dem ich in dem prüfungsvollen Augenblick um Hilfe seufzte. Mittlerweite drängten sich noch mehrere in das Zimmer und setzten sich auf den Boden nieder, während sie mich mit großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit bewachten. Sie waren mit Degen oder Dolchen bewaffnet. Wiewohl ich ein festes und unerschrockenes Aussehen behielt, so kann ich doch meine damaligen Empfindungen nicht beschreiben, denn ich erwartete jeden Augenblick, ein Opfer ihrer Wuth zu werden. Der Nakata wandte sich zu mir mit den Worten: er sei hieher gekommen, um zu fragen, wessen Eigenthum die Kanonen sein sollen, mein oder sein? – Ich antwortete, er sei zu der unrechten Person gekommen, um diese Fragen zu machen, denn ich sei eigentlich nur ein Diener des Königs von Dänemark, wie er, nach seinem eignen Vorgeben, auch nur ein Diener des Königs von Queda sei, darum könne keiner von uns entscheiden, wessen die Kanonen sein sollen. Unsere beiderseitigen Herren, und sie allein, seien im Stande, diesen Punkt zu bestimmen. Er habe mir gesagt, daß er Befehl empfangen habe, sie zu holen, und ich könne ihn versichern, daß ich Befehl habe, mich dem zu widersetzen. Wir beide hätten daher nur unsre Pflicht gethan. Alles hänge nun davon ab, ob mein König oder sein König dazu befugt sei, auf diesen Inseln Befehle zu ertheilen und die fraglichen Kanonen in Anspruch zu nehmen. Bei dieser Antwort wurde er ganz wüthend und fing an davon zu sprechen, wie leicht es den Malayen nun sei, uns alle zu tödten. Einige von ihnen zogen sogar ihre Dolche und zeigten mir, wie dieselben mit Gift bestrichen seien. Sie sahen in der That eher einem Heer von Teufeln ähnlich als einer Gesellschaft menschlicher Geschöpfe. Auf einmal sprangen sie alle auf und waren im Begriff auf mich loszustürzen. Während ich den Ausgang mit Stillschweigen erwartete, meine Seele dem Herrn befahl und Ihn um Errettung anrief, sah ich zu meiner großen Verwunderung, daß sie alle nacheinander sich fortmachten und mich ganz erstaunt über ihr sonderbares Benehmen allein stehen ließen. Nie werde ich diesen schreckhaften Augenblick vergessen, und noch diesen Augenblick denke ich mit Schauder daran. Sobald sie alle weg waren und ich mich sicher sah, fiel ich auf meine Kniee und dankte mit Thränen Gott meinem Heiland, der mein Gebet erhört und mich aus den Händen dieser Wilden befreit hatte. Meine Brüder, die auf eine den Umständen sehr angemessene Weise in den Wald geflohen waren, als die Malayen zuerst ins Haus stürmten, kehrten nun zurück, und wir weinten vor Freude, einander lebendig wieder zu sehen.“

„Nachdem wir uns von unserem Schrecken wieder etwas erholt hatten, ging ich in das Dorf und erzählte unserm alten nikobarischen Hauptmann Jan, was vorgefallen war, worauf er in alle benachbarten Dörfer Boten sandte. In kurzer Zeit strömten große Haufen wohlbewaffnet herbei, die sofort jede Nacht am Landungsplatz Wache hielten. Hätten die Malayen es gewagt, wieder ans Land zu kommen, so würde nicht Einer von ihnen sein Leben gerettet haben. – Am folgenden Morgen sah man das Boot des Nakata nebst zwei andern unterhalb Trikut, mehrere Meilen von uns, vor Anker liegen. Wie wir nachher von den Leuten hörten, so hatte der Nakata geäußert, der dänische Resident zu Nancauwery sei ein sehr großer Zauberer, denn er habe ihre Hände gebunden, daß sie nichts mit ihm hätten anfangen können. Doch nicht ich war es, der ihre Hände band, sondern Gott, der das Geschrei eines armen, hilflosen und zitternden Kindes, das sich allein auf Seine Macht und Erbarmung verließ, anhörte.“

Nachdem die Malayen in einem gewissen Jahr durch schlechte oder ehrliche Mittel eine ziemlich ansehnliche Ausbeute von Vogelnestern davongetragen hatten, kamen im folgenden Jahr nicht weniger als 19 große Boote in die Nikobarstraße, um Vogelnester einzusammeln. Hänsel war ihnen aber schon zuvorgekommen. Sobald der Nordwestwind sich erhob, reiste er nach den südlichen Inseln, wo er einen Monat verweilte und nicht nur eine ungeheuere Menge Nester sammelte, sondern auch alle diejenigen einkaufte, welche die Eingebornen zum Verkauf brachten. Die Malayen erreichten deßwegen ihren Zweck nicht und bekamen nur wenige. Man erwartete, sie würden dadurch den Muth verlieren und fernere Versuche aufgeben; aber man täuschte sich. Während Hänsel zu Manjoul, einer kleinen Insel östlich im Kanal von St. George, sich befand, langte ein großes Boot mit ungefähr 69 Malayen daselbst an, commandirt von einem Nakata, der sich Sayet Ismael, einen Priester des Königs von Queda, nannte. Hänsel sagt, er sei der höflichste und gesittetste Malaye gewesen, mit dem er je umgegangen. Er rieth demselben da zu bleiben, wo er war, eine ordnungsmäßige Uebereinkunft mit den Insulanern zu treffen, den Preis der Vogelnester getreulich zu bezahlen und unter seinen Leuten gute Zucht zu halten, damit alle Ursache zur Klage abgeschnitten werde; auf diese Weise werde er gewiß eine reiche Ladung bekommen. Sayet Ismael nahm den Rath an, und verschaffte sich eine beträchtliche Anzahl von Nestern, während diejenigen, die nach ihm kamen, keine erhalten konnten.

Unter den letzteren war ein Mann, der sich den Titel eines Prinzen von Queda gab und zwei Nakata’s, mehrere Weiber und eine zahlreiche Schiffsmannschaft an Bord seines großen Bootes hatte. Er beging allenthalben die gröbsten Handlungen der Grausamkeit, und ermordete in Karnikobar zwei Personen, was bald bekannt wurde. Kurz darauf kam er auch in die Nachbarschaft der Missionare, und warf Anker unterhalb Trikuts, wo er sich des Bootes von Sayet Ismael bemächtigte. Dieser, nachdem er sein Palong (kleineres Boot) mit acht Säcken Reis, zwei Säcken mit Nestern und anderen Waaren nach Nancauwery geschickt hatte, folgte bald selbst nach und rief den Schutz der Missionare an. So geschah es, daß der Unterdrückte Hilfe suchte bei denen, die selber in einem wehrlosen Zustand waren. Sie ließen den Priester eines ihrer Negerhäuser bewohnen, wo er sich ganz ruhig hielt. Inzwischen hörte der Prinz, die Missionare hätten eine große Menge Nester bekommen, und hielt es für keine schwere Sache, sie auszuplündern. In dieser Absicht landete er mit zwei großen Booten, die mit einigen der wildesten aus der malayischen Rasse angefüllt waren. Von ihrem Zusammentreffen soll uns Missionar Hänsel wieder selbst erzählen.

„Sie zogen herein, besetzten unser Haus ohne Komplimente und schienen eine entschiedene Banditenhorde zu seyn. Ich war allein in ihrer Mitte und rief zum Herrn um Beschirmung. Während ich im Zimmer hin- und herging, fragte mich der Prinz, ob ich Vogelnester habe. Ich bejahte es, worauf er vorgab, er sei gekommen, sie mir abzukaufen, und wünsche sie daher zu sehen. Als ich während dieser Unterredung zufälligerweise gegen die Thüre vorwärts ging, meinte einer unsrer Diener, der bei derselben stund, ich wolle ihm einen Wink geben, die Eingeborenen zu unsrem Beistand herbeizurufen, obwohl ich in der That so bestürzt war, daß ich ihn nicht einmal wahrgenommen hatte. Er rannte sogleich in das Dorf und rief die Leute zusammen. Inzwischen sprach ich in einem entschiedenen Ton mit dem Prinzen, vergaß alle seine hohen Titel, und versicherte ihn, er würde nicht ein einziges Nest von mir bekommen. Zugleich rückte ich ihm scharf vor, daß er zu Karnikobar zwei Menschen getödtet habe, die unter dem Schutz meines regierenden Herrn gestanden hätten. Er gerieth in Hitze und sagte, er wolle mir bald zeigen, daß er es in seiner Macht habe, sich aller meiner Vogelnester zu bemächtigen; und was die zwei Menschen betreffe, die er zu Karnikobar erstochen, so sei er nicht verbunden, mir wegen dieser That zur Rede zu stehen. Kaum hatte er diese beleidigenden Worte ausgesprochen, als ganz unerwartet eine Anzahl von Eingebornen mit gezogenen Säbeln zu den Fenstern hereinsprangen. Die Malayen, über die Maßen erschrocken, fragten, was das zu bedeuten habe. Ich erwiederte: sie kommen, um zu verhüten, daß ihr nicht noch mehr Mordthaten begehet. In kurzer Zeit war das Haus von Eingebornen umringt: sowohl Männer als Weiber waren mit Säbeln, Speeren und Prügeln bewaffnet, und ihre Zahl nahm immer noch zu. Der Prinz und seine Leute fingen nun an, sich auf’s Bitten zu legen, wir möchten sie doch unter unsern Schutz nehmen. Zuerst gab ich ihnen keine Antwort, um sie wegen ihrer niederträchtigen und verrätherischen Streiche zu strafen, worunter ich besonders namhaft machte, daß sie ihre eigenen Landsleute plünderten. Ich sagte: Wer kann sich denn auf euer Wort verlassen? Ihr verdient es, von der Hand derjenigen bestraft zu werden, die ihr so oft durch euere Ungerechtigkeit gereizt habt; und ich dürfte nur meine Hand aufheben, nicht Einer von euch sollte entkommen. – Da sie überzeugt waren, daß sie in meiner Gewalt seien, so hielten sie an mit Bitten, und der Prinz erbot sich, alles zurückzugeben, was er geraubt hätte. „Wie können Sie“, sagte ich, „das Leben denen zurückgeben, die Sie ermordet haben? Doch Sie sollen einmal Ihr Wort halten und das Boot, das Sie dem Sayet Ismael nahmen, mit seiner ganzen Ladung wieder herbeischaffen.“ – Nun ließ ich den Sayet Ismael kommen und erklärte dem Prinzen, seine Leuten könnten ungehindert zu ihren Fahrzeugen gehen, er selbst aber müsse bei mir bleiben, bis das Boot des Priesters hiehergeschickt und ihm überliefert sei. Er erschrack darüber sehr und sagte, wenn ihm nicht erlaubt werde, seine Leute zu begleiten, so würden die Eingeborenen ihn gewißlich tödten. Zuletzt, als Sayet Ismael selbst flehentlich für ihn bat, gestand ich es zu, daß sie miteinander weggehen könnten, und ging hinaus, um die Eingeborenen zufriedenzustellen. Es war keine kleine Aufgabe, ihren Unwillen gegen diese Räuber, die sich nunmehr in ihrer Gewalt befanden, zu besänftigen; auf mein Zureden jedoch machten sie von selbst einen Durchgang für die Malayen. Ihr Anblick war in der That furchtbar, als sie so auf beiden Seiten standen, mit Speeren und Prügeln bewaffnet. Die Malayen jedoch fürchteten sich immer noch, das Haus zu verlassen, bis ich mich nach vielem Bitten dazu verstand, sie zu ihren Fahrzeugen zu begleiten. Der Prinz ergriff meine Hand und wollte mich nicht fahren lassen, bis er in dem Boote war.

Ich muß gestehen, daß ich durch diesen unwillkommenen Besuch nicht wenig in Furcht gesetzt war; aber Gott war meine Zuflucht, und hätte er mir nicht Geistesgegenwart genug geschenkt, um allen Schein von Furcht, die ich doch wirklich empfand, zu verbergen, so würden wir wahrscheinlich ein Opfer des rachgierigen und mordsüchtigen Geistes dieser Unmenschen geworden seyn.

„Sayet Ismael kehrte noch in derselben Nacht nebst seinem wiedererlangten Boot und dessen Ladung zu uns zurück, dankbar für die Gerechtigkeit, womit er behandelt worden; und da er uns seine Dienste anbot, so vertrauten wir ihm ein Packet Briefe für unsere Brüder in Europa an, das er auch, wie sich nachher zeigte, richtig beförderte, indem dieselben pünktlich an ihre Adressen gelangten. Der Prinz hat auf dem Wege nach Trikut von nichts gesprochen als von der wunderbaren Macht der Missionare, und erklärt, er werde gewiß nie mehr einen Fuß auf Nancauwery setzen.

Hören wir nun noch, wie Missionar Hänsel die Auflösung der Mission zu Nancauwery schildert.

„Unser äußeres Durchkommen wurde von Tag zu Tag schwieriger und unsicherer. Meine Gesundheit war durch die erlittene Angst und die Anstrengung über Vermögen so zerrüttet, daß es mir und Andern oft schien, als sei ich meinem Ende nahe. Diese Aussicht, bald in die ewige Ruhe einzugehen, war mir Erquickung in allen Leiden und Krankheiten, und ich wußte nichts Süßeres als die gewisse Erwartung, in Kurzem abscheiden zu dürfen und bei Christo zu seyn. Ich fühlte Seinen Frieden, und war der Vergebung meiner Sünden gewiß; ich harrte daher mit Sehnsucht und Freude meinem letzten Stündlein entgegen. An meinen Beinen hatte ich eiternde Geschwüre, neben immerwährenden Obstruktionen und Schmerzen in den Eingeweiden, und in diesem Zustande hoffte ich von Tag zu Tage auf meine Erlösung. Unerwartet kam ein dänisches Schiff in unsern Hafen und mit demselben Bruder Sirius, der von der Unitäts-Direktion beauftragt war, die Lage der Mission zu untersuchen und nach Befund derselben diejenigen von uns, die noch am Leben wären, zurückzuführen. In dieser Rückreise sah ich die einzige Möglichkeit meiner Wiederherstellung; und sie wurde beschlossen. Als einen Halbsterbenden brachte man mich an Bord des Schiffes. Wir segelten am ersten Tage bis Queda. Die Bewegung des Schiffes vermehrte aber meine Schmerzen so sehr, daß ich keine andere Lage ertragen konnte, als auf dem Verdeck ausgestreckt zu liegen. In diesen traurigen Umständen las ich einst in dem Buche von van Swieten, daß er den fortgesetzten Gebrauch von Honig bei Obstructionen sehr heilsam gefunden habe. Gleich nach unsrer ersten Landung benützte ich diese Anweisung, kaufte einen guten Vorrath von Honig ein, und vermischte denselben mit meinen täglichen Speisen und Getränken. Jene bestanden größtentheils aus Reis in Wasser gekocht. In den ersten Tagen wirkte der Honiggenuß große Magenschwäche und Erbrechen; in der Folge aber, da ich dennoch unausgesetzt fortfuhr, fühlte ich täglich mehr die kühlende und heilende Kraft dieses Mittels. Eine Wohlthat war es für mich, daß ich in Queda mich mit Honig reichlich versehen konnte.

Wir fuhren von hier nach Nancauwery zurück, wo ich meinen Bruder Sixtus im Grabe liegend fand. Er war zehen Tage nach meiner Abreise vom Herrn heimgerufen worden. Bruder Heinrich begleitete mich nach Tranquebar, und Bruder Fleckner blieb allein zurück. Gleich nach unserer Ankunft in Tranquebar stellten wir dem Statthalter die Nothwendigkeit vor, das Schiff unverzüglich zur Verfügung der Mission zurückkehren zu lassen. Er bewilligte es und im Mai 1785 wurden die Brüder Heinrich, Rudolphi und Sörensen dahin abgefertigt, welche dann den Bruder Fleckner ablösten. Er und Sörensen beschlossen ihren Pilgerlauf kurz nach einander.

„Im September wurde ich abermals mit Aufträgen nach Nancauwery geschickt. Unser alles steinernes Haus wurde nunmehr in ein Magazin verwandelt, und die Missionare erhielten eine sehr bequeme Wohnung, nebst hinlänglichen Mundvorräthen. Aber die Aussicht zur Bekehrung der Heiden blieb nach wie vor dunkel.

Nach meiner Rückkehr nach Tranquebar im Jahr 1786 verließ auch Bruder Rudolphi die Nikobaren, und folgte mir. Bald darauf endigte Bruder Heinrich seinen Pilgerlauf, und jetzt war nur noch ein Missionar übrig.

Der Heimruf so vieler thätigen Missionsarbeiter, das gänzliche Mißlingen des Hauptzwecks der Mission, nebst noch andern Gründen, befestigten nunmehr den Entschluß die Mission gänzlich aufzuheben. Ich wurde beauftragt, nach Nancauwery zu reisen, um den Bruder Kraph nebst allen der Mission zugehörigen Effekten abzuholen. Keine Worte beschreiben die Wehmuth, welche meine Seele bei diesem Geschäft erfüllte. Lebhaft schwebten vor meinem Gemüth die unzählbaren Thränengebete und Seufzer so vieler treuen Knechte des Herrn für die Rettung und Bekehrung dieser armen blinden Heiden. Ich betrachtete unseren Gottesacker, in dem die Gebeine von 12 geliebten Brüdern und Mitarbeitern ruhten. Unwillkürlich strömten Thränen aus meinen Augen und ich rief laut: „Wahrlich das ist keine vergebliche Saat!“

„Mein letzter Abschied von den Eingebornen, welche aus allen umliegenden Inseln herzuströmten, war überaus rührend. Alle weinten und schluchzten vor Wehmuth; und Alle baten flehentlich, die Brüder möchten doch bald wieder kommen. Wir fühlten uns durch ihre Liebe sehr erfreut, und überzeugten uns von Neuem von dem großen Unterschied zwischen ihnen und ihren wilden grausamen Nachbarn, den Malayen.“

Nach allem diesem werden unsere Leser die Frage bereit halten, an welchen Hauptschwierigkeiten die Mission auf den nikobarischen Inseln gescheitert sei. Wir wollen darauf wieder den wackern Hänsel antworten lassen. Er schreibt: „Die Hauptursachen des Mißlingens der Mission waren: 1) Die fast unüberwindliche Schwierigkeit, die Sprache des Landes zu erlernen. Wir hatten zwar den Vortheil, mit einigen Eingebornen in einer Bastardmundart der portugiesischen Sprache reden zu können; allein dadurch wurde unser Hauptzweck, das Volk insgesammt im Evangelium zu unterrichten, nicht gefördert. Hiezu war uns Kenntniß und Uebung in ihrer eigenen Landessprache nothwendig. Wir nahmen, um diese Uebung zu erlangen, einen ihrer Zauberer oder Padre’s, Namens Philipp, zum Sprachlehrer an. Einige von uns Missionaren machten ziemliche Fortschritte, ungeachtet der großen. zum Theil durch die Landeseinwohner selbst vermehrten Schwierigkeiten. Die Sprache der Nikobaren ist an und für sich arm an Worten und Ausdrücken. Ueberdieß sind die Menschen hier so träg, daß das Reden selbst ihnen beschwerlich scheint. Wenn und so lange sie ihre Gedanken durch Zeichen und Mienen hinlänglich auszudrücken glauben, haben sie keine Lust, die Lippen zu bewegen. Wenn ein Fremder sie in ihren Häusern besucht, so bleiben sie stille sitzen und sehen ihn an oder winken ihm allenfalls, sich niederzusetzen und mit ihnen zu essen. Hier kann er dann Stundenlang sitzen, ohne einen Laut zu hören, wenn er nicht selbst zu reden anfängt und sie gerade aufgelegt sind zu antworten.

Hiezu kommt, daß Männer und Weiber fast beständig ein großes Stück Taback oder Betel oder eine Areka-Nuß im Munde haben, was ihr Sprechen so unverständlich macht, daß man bei einer Frage nach dem Namen der umgebenden Gegenstände statt wirklicher Worte fast immer einen und denselben unverständlichen Laut zur Antwort bekommt. Unsern Padre Philipp mußten wir daher gewöhnlich bitten, seinen Taback aus dem Munde zu nehmen, damit wir verstehen konnten, was er uns vorbuchstabirte. Sprachlehren und Wörterbücher fanden wir natürlich nirgends; und wir selbst konnten auch keine verfertigen, da unsere Kenntniß der Sprache immer höchst unvollkommen blieb. Ich muß bekennen, daß kein Einziger von uns der nikobarischen Sprache hinreichend mächtig geworden ist, um den Einwohnern den Rath Gottes zu ihrer Seligkeit verkündigen zu können.

Der zweite Beweggrund zur Aufhebung der Mission war die Ungesundheit des Clima’s, welche die meisten unserer Missionare wegraffte, theils noch ehe sie die Sprache gelernt hatten, theils nachdem sie so weit waren, daß sie mit den Eingebornen zur Noth sprechen konnten. Zwölf Brüder fanden ihr Grab in der kurzen Zeit unsers Aufenthalts in Nancauwery, und vierzehen gingen bald nach ihrer Rückkehr nach Tranquebar an den Folgen des mitgebrachten bösartigen Fiebers in die Ewigkeit. Dieses Fieber, von welchem hier jeder Ausländer befallen wird, ist mit heftiger Beklemmung im Kopf, gänzlicher Ermattung und beständigem Uebelbefinden begleitet. Alle Geisteskräfte werden geschwächt und abgestumpft; und dieß macht das Erlernen der Sprache schwer, oft ganz unmöglich.

Unsere Lebensart, besonders die allzugroße Anstrengung im Ackern, Graben, Pflanzen und andern Handarbeiten, zu welchen Noth und Bedrängniß uns antrieb, war nicht minder eine Hauptquelle unserer Kränklichkeit und vieler gastrischen Zufälle. Mehrere von uns bekamen Magengeschwülste und Verhärtungen unter den Rippen. Alle, die mit diesen Uebeln behaftet waren, starben unfehlbar entweder auf der Insel oder bald nach ihrer Abreise. Ich meines Theils blieb zwar von diesen Zufällen frei; aber außer mehreren Krankheiten bekam ich ein hartnäckiges viertägiges Fieber, an dessen Nachwehen ich noch bis zum heutigen Tage leide. Als ich dem Br. Betschler in Tranquebar meine Krankheit anzeigte, schrieb er mir zur Antwort: „Mein Freund! Wenn Sie das Nikobarfieber gehabt haben, so rechnen Sie darauf, daß Sie es Zeitlebens behalten werden, und wenn Sie noch hundert Jahre lebten.“ – Meine Erfahrung beweist, daß er Recht hatte, denn noch jetzt, nach bald vierzig Jahren fühle ich regelmäßig in jeder vierten Nacht Anwandlungen meines Fiebers, wenn gleich nicht in der Heftigkeit wie vormals in Nancauwery, wo es mich oft so angriff, daß ich von Stunde zu Stunde mein Ende erwartete. Seit meiner Rückreise nach Europa verminderte sich die Stärke der Anfälle; seit ich aber in den dänisch-westindischen Inseln im Dienst der Mission lebe, wirkt die Hitze des hiesigen Clima’s auch auf diese Fieberanfälle sehr nachtheilig. Sie verursachen mir viele schlaflose Nächte; und selbst mein Schlaf ist von Träumen begleitet, die an Verwirrtheit des Kopfes gränzen.

Während ich aber über das gänzliche Fehlschlagen unserer Bemühungen auf den Nikobaren traure, preise ich den Herrn für die großen Gnaden, die ich seither in Westindien erfahren habe, wo ich mit Freuden die Macht des Wortes von Seinem Kreuze in der Bekehrung von hundert und tausend Negern anschaute, denen ich es verkündigen durfte.“

Wir haben dieser Schilderung oben die Aufschrift gegeben: Ein Lebensbild aus der Missionsgeschichte; wir hätten sie auch ein Sterbensbild nennen können, da den meisten Brüdern der Arbeitsfaden, gleich nachdem er angeknüpft worden, wieder abgeschnitten wurde. Wenn aber auch der Lebenslauf eines Knechtes Christi so kurz wäre wie ein Flintenlauf, – ist nur die rechte Kugel hinein geladen, so wird das Ziel dennoch erreicht. Was könnten wir dagegen sagen, wenn es dem Herrn einmal gefallen hätte, eine Mission in umgekehrter Richtung wirken zu lassen, so daß durch sie nicht die Heiden, sondern die Heidenboten recht bekehrt und geläutert werden sollten? Wo berechtigt uns denn die heilige Schrift, unsere Blicke durch die Bretter, mit denen das Erdenleben verschlagen ist, begränzen zu lassen? Wir sind hier in einer Vorbereitungsschule für die Ewigkeit, wo es auch wieder zu arbeiten geben wird, wo die Knechte Christi priesterlich und königlich zu wirken haben, wo der Eine über fünf, der Andere über zehen Städte gesetzt werden soll. Wenn nun Er, dem Alles dienen muß, einen Seiner Knechte in der Hitze einer solchen Prüfung läutern und ausreifen will für die besondere Bestimmung in der unsichtbaren Welt, die ihm aufbehalten ist, so wird man auch eine solche Mission, die für die Erde ohne sichtbare Frucht geblieben ist, keine vergebliche nennen können. Vielleicht war dazu gerade die nikobarische Prüfungsflamme geeignet und erforderlich. Verfehlt? – o nein; Ihm mißlingt nichts; Er hat noch niemals was verseh’n in Seinem Regiment; und wann wir einmal Seine Absichten im hellen Licht der Ewigkeit klarer durchschauen, so werden wir gewiß auch von dieser Mission, wie jetzt schon im Glauben, mit voller Ueberzeugung rühmen dürfen: Der Herr hat Alles wohl gemacht!

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