Pfarrer aus dem Breisgau

Pfarrer aus dem Breisgau

Blutzeuge 1525

Under andern dises jahrs wird auch gedacht eines fürnemen Dorfpastors im Brißgaw / welcher doch mit namen nicht genennet wird. Diser / da er in seinem alter zur erkantnus der warheit kommen war / hat sich bey ihm selbst verwundert / und gessagt: Du lieber Gott / wer solte jemals gedacht haben / daß so vil gelehrte / und für der welt heilige leut so vil jahr her solten geirret haben! Item / daß man so wenig von der heiligen Schrift vor zeiten solte verstanden haben? Ich zwar (sagt er von sich selber) hab das Evangelium zuvorn nie für wahr gehalten / dieweil ich sahe / daß wol vil darinnen stund vom creutz / verfolgung und schendlichem tod frommer Christen: Hierentgegen aber gab es die erfarung / daß den Priestern allerseit ihr fürhaben glücklich fortgieng / ja daß keiner / auch in einer gerechten sach / ohn grossen mercklichen schaden wider die Priester etwas fürnemen / oder auch ihre öffentliche landrüchtige laster hette strafen dörffen. Ja dieweil die Bischöff selbst ( welche ampts halben Gottes wort und des H. Geistes strafampt hetten erhalten und fortsetzen sollen ) vil grawsamer wider die verfechter der götlichen warheit sich verhielten / als weltliche tyrannen jemals hetten thun können. Nu aber kan ich / sagt er / an der warheit des Evangelii nicht mehr zweiffeln / dieweil ich augenscheinlich sehe / daß Christus die warheit im Evangelio zuvorn verkündiget hat. Dann nun werden täglich vil frommer Christen gegeisselt / ins elend vertrieben / gemartert / verbrennet / ersäuffet und erhencket. Welches alles gewisse anzeigungen der wahren lehr und eines wahren Christenthumbs seind / welche ohne creuz und verfolgung nicht wol in seinem flor seyn und bleiben können.

Da ihm auch die aufrürischen Bawren sein haus spoliert hetten / und nun davon wolten / hat er sie zuvorn mit weinenden augen / auch mit disen und dergleichen worten angesprochen: Ich verkündige euch zuvorn / liebe leut / daß ewer straf und endliches verderben und undergang nunmehr nicht weit seye. Dann wie kan ein solch unordentlich wüten und toben in die leng ein bestand haben? Ihr habt ganz und gar keine billichkeit noch gerechtigkeit in acht / und reisset / wie dieb und mörder / alles / helf recht / helf unrecht / zu euch. Gedencket ihr nicht / daß ihr alles / was ihr jetzund also mutwillig hinreisset und verwüstet / dermal eins mit ewerer grossen beschwerlichkeit werdet widerumb erstatten und aufrichten müssen? Hat auch jemals ein aufruhr ein glücklichs end gewonnen? Ir rümet euch zwar des Evangelii / welches ihr im munde führet / aber an eweren herzen / an ewern worten und wercken kan man nicht spüren / das mit dem Evangelio ubereinstimmen möchte: Nit Christi / sondern des leidigen Teuffels Evangelium ist / das euch lehret alles umbkehren / rauben / plündern und verheeren. Dann Christi Evangelion lehret / daß man allen menschen guts thun / aufruhr und meyneid vermeiden solle. Ich sage euch / so wahr als Gott lebet / daß ihr hiemit Gott den gerechten Richter zum grewlichsten erzörnet / der euch auch nit ungestraft wird davon kommen lassen. Es ist im Evangelio / von welchem ihr so vil geplaudert / geschrieben / Was du nit wilt / daß es dir geschehe / dasselbige thu du einem andern auch nicht / ec. Dise und dergleichen sachen führet er den aufrührischen bawren zu gemüt. Sie aber giengen mit dem raub davon / und sagten / Der alte Narr were nicht bey sinnen. Einer aber von den bawren / welcher für andern frecher und trotziger war / antwortet ihm und sagt /Ihr Pfaffen habt uns nu lang gnug mit der krämerey ewerer Messz und ewers Fegfewers geschunden: Nun kommen wir und holen dasselb unser gelt einmal wider. Schweig derhalben still Pfaff / du hast noch genug uberig. Christus selbst ist arm geweßt / und nicht gehabt da er sein haupt hinlegte. Du hast noch vil mehr dann Christus. Was wiltu denn mehr? Schweig / oder wir wöllen dir das haus uberm kopf noch darzu anzünden.

Diser trewe diener Christi ist hernachmals gefenglich eyngezogen / und ganz grewlich und jämerlich gemartert und geplaget / und endlich hinauß geführet worden / daß man ihn in der Breusch / welches auch geschehen / ersäuffen solte.

Auf welchem gang / da ihn die Messzpriester mit ihrer Beicht und anderm narrenwerck / wie bey ihnen gebräuchlich / widerumb irre machen wolten / hat er sie etlich mal gebeten / daß sie stillschwiegen wolten. Ich / sagt er / hab Jesu Christo dem Herren himmels und der erden meine sünd täglich bekennet / und darauff von ihm selbst die absolution empfangen / an welcher ich auch ganz und gar nit zweiffele. Heut wil ich meinem Heiland und Seligmacher zu einem angenemen opffer werden. Und hab auch in disem meinem leiden ein gutes Gewissen. Ihr andern aber / die ihr nach unschuldigem blut dürsteg seyt / und dasselbe so gern und vilmal vergiesset / möget wol zusehen / was ihr fürnemet / und wen ihr erzörnet. Dann warhaftig ist der HERR / der da herzen und nieren prüfet / und selbst saget: Mein ist die raach / ich wils vergelten. Ich hette dise meine dürre magere haut doch bald ablegen müssen: Warumb wolte ich sie dann nit jetzt vil lieber umb meines Erlösers und Seligmachers Jesu Christi willen verlassen? Darauff ist er in die Breusch geworffen worden / darinn er sich lang gerürt / und bald auch das wasser umbher blutrot worden ist / ohn zweiffel zur anzeigung / daß daselbst unschuldig blut auf den tag were vergossen worden.

Die Kommentare sind geschloßen.