Die fünf Märtyrer von Genf in Chambery (Vernon, Laborie, Trigalet, Bataille, Taurant).

Die fünf Märtyrer von Genf in Chambery (Vernon, Laborie, Trigalet, Bataille, Taurant).

Heinrich II., ein Sohn Franz I., folgte diesem auf Frankreichs Thron 1547. Seine Frau war die Italienerin Katharina von Medici. Nach seinem Edict von Chateau-briant hatte der König 1551 das Ketzer-Gericht, welches bis dahin immer getheilt gewesen, einem Gerichtshof, der am Leben strafen dürfe, übertragen. Später bestätigte der König den Matthias Ori als Haupt-Inquisitor.

Im Jahr 1553 starben zu Lyon fünf Studenten, deren Ende der folgende Band erzählen wird. In England starben 1555 den Märtyrertod die Bischöfe Hooper, Nicolaus Ridley, Hugo Latimer und Cranmer. In Frankreich starben in demselben Jahre die fünf Märtyrer zu Chambery: Johan Vernon, ein Schüler Calvin’s, gebürtig von Poitiers, Anton Laborie von Cajar in Quercy, vormals königlicher Richter ebendaselbst und nachmals ein Diener des Worts, Johan Trigalet, Rechts-Licentiat von Nimes in Languedoc, ebenfalls Theolog, und ihre zwei weltlichen Begleiter und Glaubensgenossen Bertrand Bataille, ein Gaskogner, noch ein Studiosys der Theologie und Guirald Taurant aus Cahors in Quercy, ein Kaufmann, der auf der übrigen Wunsch die Reise mit ihnen fortsetzte, da er sie nur bis auf die Grenze hatte begleiten wollen. Diese fünf waren von der evangelischen Gemeinde zu Genf nach Frankreich ausgesandt, das Evangelium zu predigen. Ungeachtet sie gewarnt wurden, wie ihnen Verfolgungen, ja der Scheiterhaufen drohen würde, betraten sie gleichwohl getrost in ihrem Gott ihre Laufbahn, und zogen ihres Weges Psalmen singend.

Ein französischer Unterbeamter aber, der ihre Aussendung in Genf ausgekundschaftet, verlegte ihnen die Straße und fing sie auf dem Col de Tamis in Fossigny in Savoyen und brachte sie gefesselt nach Chambery. Sie wurden, wie dann Vernon der Genfer Gemeinde berichtete, vor ein geistliches Gericht geführt, der Ketzermeister in demselben war der in der Genfer Reformationsgeschichte bekannte Weihbischof Fürbitti. Um sich gehörig zu vertheidigen verlangten sie die Bibel und Calvin’s Institutionen, welche ihnen abgenommen worden waren, und die auf dem Tische lagen; sie wurden ihnen aber verweigert. Dies geschah am 10. Juli 1555. Die Regierung von Bern forderte der Gefangenen Loslassung. Umsonst. Den 14. Juli wurden sie wieder verhört; es saßen im Ketzergericht neben Advokaten auch Dominikaner und Franziskaner. Es handelte sich um die Messe, die andern Sakramente, die Gewalt des Pabstes u. dgl. Den 17. Juli wurden die fünf als Ketzer verdammt. Die Ketzerrichter hatten vergeblich gesucht, den Bataille und Taurant vom evangelischen Glauben abzubringen und hatten sie in besondre Haft gebracht. Da aber auch diese zwei standhaft blieben, wurden sie wieder zu den übrigen Gefangenen gelassen, die sich nun gegenseitig belehrten und ermunterten und auch mit Psalmensingen über ihr Elend erhoben.

Wir besitzen aus ihrer Haft, die noch etliche Monate dauern sollte, köstliche Briefe. Aus denselben wollen wir einige Hauptstellen mittheilen. Laborie schrieb den 4. Septbr. 1555 an die Genfer Prediger: „Ich habe meinen Richtern Alles gesagt, was mir der Herr gegeben, und Alles mit Schriftworten bekräftigt, also daß ich Gott höchlich für seine Hülfe zu danken habe. Wir schauten einander stracks an und ich bemerkte Thränen in den Augen einiger der jüngeren Räthe. Dem Ketzermeister sagte ich u. a.: Es wundert uns, daß Ihr die Ehe für ein Sakrament haltet, so Ihr doch dieselbe für Euch für unrein achtet und Euch selber sie verbietet, dagegen in Unzucht lebet. Taurant, welcher erst vor drei Monaten zur Erkenntniß der Wahrheit gekommen und den sie zu überreden und zum Abfall zu bringen suchten, hielt ihnen ihr unevangelisches Wesen noch schärfer vor als wir übrigen.

Mittwoch den 21. August verurtheilte uns das Parlament, Bernon, Laborie und Trigalet zur Galere auf lebenslang, den Bataille und Taurant auf zehn Jahre. Der königliche Procurator appellirte.

Wieder vor den Rath geführt, sollte ich die Hand auf ein mit grüner Farbe auf ein Brett gemaltes Kreuz legen und auf dasselbe schwören; ich weigerte mich deß, und sagte: ich wolle zum Himmel aufschauen und bei dem lebendigen Gott schwören. Dies nahmen sie an. Darauf wurden mir neuerdings Ketzereien vorgehalten. Ich vertheidigte mich wieder. Sie droheten mir mit des Königs Edict wider die Ketzer. Ich sagte: der Richter im Himmel wird einst richten, der wird die Register und Bücher aufschlagen; unsre Sache wird als die rechte erfunden, ihr aber werdet verdammt werden. –

Wir hören, wir seien alle fünf zum Feuer verurtheilt, und erwarten täglich, daß uns das Urtheil vorgelesen werde. Die vornehmsten Herren (Bern und Genf) haben sich unser angenommen; die ganze Kirche hat für uns geseufzt; wir haben die Frucht ihres Gebetes empfunden. Ich kann in Wahrheit bezeugen, daß ich in meinem Leben an Leib und Seele nie wohler gewesen, als in diesem meinem Gefängniß, weil denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen müssen.“

Seiner jungen Gattin Anna schrieb Laborie mehrere Briefe. Wir wollen aus denselben einige Hauptstellen mittheilen: „Ich danke dem gütigen Gott, daß er mich durch deinen Brief inniglich getröstet hat und besonders auch durch die, welche dich gesprochen und mir deine Standhaftigkeit gerühmt, die dir Gott verleiht. Ich bitte dich, du wollest dies erkennen als eine besondre Gnade Gottes, die von ihm allein kommt, und du wollest dich desto mehr demüthigen, ihm gehorsam zu sein, damit er seine Gnaden und Gaben gegen dich vermehre. Denn fürwahr, wenn mein Tod keinen anderen Nutzen bringen würde (ich hoffe zu Gott, er wird nicht fruchtlos sein), denn daß du durch denselben, wie ich höre, noch mehr erweckt wirst zur Erkenntniß Gottes, so soll mir doch dies schon genug sein, den Tod mit Freuden zu erdulden. Ich bitte Gott, er wolle das angefangene heilige Werk an dir vollführen und dich je länger je mehr durch die Kraft seines h. Geistes zu sich ziehen. Wir sind nun der Stunde gewärtig, da wir zum Tod sollen geführt werden. Wir können keinen andern Ausgang sehen; wie sehr sich auch die Menschen für uns noch bemühen mögen. Daher bitte ich dich, rufe doch Gott ohne Unterlaß an, er wolle uns eine unüberwindliche Standhaftigkeit verleihen, daß wir das Werk, welches er in uns angefangen, vollenden. Fürwahr, ich habe in meinem Leben nie etwas mit größerer Begierde verlangt, als um Christi und seiner Wahrheit wegen zu sterben. Das nämliche werden auch meine Mitbrüder sagen, ich bin dessen gewiß. Bedenke dein Leben lang, daß du einen Mann zur Ehe gehabt, der wahrhaftig in die Zahl der Kinder Gottes auf- und angenommen ist. Hüte dich, daß nicht Christi Wort sich an dir erfülle: Zwei werden auf Einem Bette liegen, das Eine wird angenommen, das Andre wird verlassen werden. Das sei deine höchste Angelegenheit, Gott vom Herzen zu erkennen und zu lieben und seinem heiligen Willen gehorsam zu sein die ganze Zeit deines Lebens. Darin übe dich ihn zu fürchten und zu ehren, die Wohlthaten seiner Gnade mit Dank zu erkennen, auf daß du seine Tochter bleibest, wie ich denn jederzeit gewisse Kennzeichen der Kindschaft Gottes an dir wahrgenommen habe, damit wir dermaleinst einander wieder sehen und miteinander ewiglich Gott loben und preisen mögen in der himmlischen Herrlichkeit, zu welcher uns der Sohn Gottes, Jesus Christus berufen. Du bist noch jung; tröste dich mit Gott. Laß den Herrn Christum deinen Vater und Bräutigam sein, bis daß er dir einen andern Gatten bescheert. Ich bin gewiß, er wird dich nimmer verlassen, sondern deine Sachen über dein Wünschen ausführen. Rufe daher den Herren Christum an unablässig; fürchte und liebe ihn mit Worten und Werken. Gehe fleißig zur Predigt des göttlichen Wortes. Hüte dich vor böser Gesellschaft. Gehe gern um mit frommen und gottesfürchtigen Leuten. Thue nichts einzig nach deinem Gefallen und Gutdünken, sondern ziehe allezeit gute Leute, die uns beiden Freundschaft erzeigt, zu Rath und besonders den Herrn Johann Calvin, der dir nicht übel beistehen wird, wenn du ihm folgest, wie du billig thust, und wozu ich dich auch ermahne. Denn du weißt, daß dieser Mann fürwahr vom Geiste Gottes regiert wird. Er kann dir daher auch nichts Böses rathen. Willst du dich wieder verehlichen, wozu ich dir selber rathe, so begehre dann besonders Calvin’s Rath und beginne nichts ohne sein Vorwissen und seinen Willen. Erwähle dir einen gottesfürchtigen Gatten, sonst stehe lieber ab dich wieder zu verehelichen. Aber ich hoffe, der Herr wird dich versorgen, wie es dir nach seiner Weisheit selig ist. Rufe ihn daher an vor allem anderen und verlaß dich auf seine Güte. Ich habe ihn unablässig für dich gebeten und bete immer für dich. Du weißt, wie wir uns, so lange uns der gute Gott bei einander gelassen, so innig lieb gehabt. Gottes Friede hat immer unter uns gewohnt und du bist mir in allen Dingen gehorsam gewesen. Ich bitte dich, du wollest dich auch künftig gegen den, welchen dir Gott geben wird, gleicher Weise oder noch besser verhalten. So wird Gott allezeit mit seiner Gnade bei dir und deinen Kindern wohnen. Bedenke immerdar den Anfangsunterricht, den du von mir empfangen, (zwar war ich leider nicht fleißig genug in meinem Amte) baue fort auf demselben Grunde, damit du je länger je mehr dich Gott nahest. Vielleicht wird auch dein Vater, wenn er meinen Tod vernommen, nicht lange fern von dir bleiben und sich bemühen, dich wieder in’s Pabstthum zurückzubringen. Ich bitte dich aber um Gottes und deiner Seligkeit willen, deinem Vater hierin nicht zu gehorchen, sondern ihn abzuweisen, daß du lieber in Gottes Hause bleibest denn wieder in Satans Wohnung zurückkehrest. Ich wollte lieber, daß du vom tiefsten Abgrund verschlungen würdest, ja daß du schon lange todt wärest, denn daß du wiederum eine Päbstlerin1) werden solltest. Ich zweifle aber auch nicht, du wirst lieber sterben, als hierin deinem Vater gehorchen wollen. Dieser Tod würde dir auch viel besser und heilsamer sein. Bitte aber dennoch Gott, er wolle dich mit seinem h. Geist stärken. Es werden vielleicht auch meine Eltern daran denken, unser Töchterlein zu ihnen zu nehmen. Aber ich bitte dich und an Gottes Statt befehle ich dir, daß diese große Sünde und dieser Frevel nicht ausgeführt werde; es gehe dir denn darüber wie Gott will. Denn ich rufe Gott zum Zeugen an, daß ich dieses unseres Töchterleins Blut von deinen Händen fordern will; wenn es durch deine Schuld und Verwahrlosung Schaden an seiner Seele leiden wird, soll all‘ sein Blut über dein Haupt kommen und ausgegossen werden. Ich bitte dich deswegen bei deinem Dienst, den du Gott schuldig bist, bei deiner mütterlichen Pflicht, bei der Liebe, mit welcher du mir, deinem Gatten, und dem Vater deines Töchterleins verbunden bist, du wollest dir diese meine letzte Bitte lassen zu Herzen gehen und unser Töchterlein, so bald es für Lehre tüchtig, in Gottesfurcht wohl erziehen lassen. Ich hätte deinem Vater wie auch meinen Eltern gerne geschrieben. Aber ich habe dießmal nicht mehr Papier und Tinte und auch nicht mehr bekommen können. Schreibe ihnen was mir durch Gottes Gnade widerfahren, tröste sie und führe ihnen zu Gemüth die großen Gnaden und Wohlthaten, die mir Gott während meiner Gefangenschaft erzeigt hat. Gebe Gott, daß sie durch meinen Tod mehr erweicht und bewegt werden, ihn recht zu erkennen und zu ehren, denn sie bei meinem Leben durch meine Vermahnungen sich haben wollen erbauen lassen. Gott wolle sich ihrer erbarmen!“

Aus einem andern Brief Antons Laborie an seine Gattin Anna: „ Da wir noch bei einander waren, hattest du nicht so viel gute Freunde wie dir Gott jetzt, seit ich gefangen bin, erweckt hat. Diese werden nun noch besser für dich sorgen, als ich selber gekonnt hätte, das wird mir aus vielen Briefen kund. Das kommt allein vom lieben Gott; er giebt dir statt deines Mannes viel treue Väter und Brüder in Christo. Du sollst danken und hieraus lernen, wie viel besser es sei, Anfechtung, Widerwärtigkeit und Armuth nach dem Fleisch leiden, denn allezeit Ruhe und gute Tage vollauf haben. Der Glaube wird erprobt nur im Feuerofen der Trübsal. Ich zweifle nicht, du empfindest die Verfolgung mehr als ich. Deßwegen sollst du dich auch seliger achten und im Herrn trösten und all‘ dein Vertrauen und Hoffen auf ihn allein setzen. Du weißt, da wir noch in unserm Vaterland waren und ich mit großen Herren umging, die mir Gunst und Freundschaft erzeigten, daß ich damals fern von Gott war. Ja auch in Genf, da wir noch ein übriges hatten, du weißt wie kalt und nachläßig wir bald geworden, wie wenig und schläfrig wir an Gott und seine Wohlthaten gedacht. Aber da es dann uns später weniger nach Wunsch und Willen ging, da fingen wir an, unsre Zuflucht zu Gott zu nehmen, mit größerm Ernst und Eifer zu beten und in der h. Schrift zu lesen und uns gegenseitig zu trösten. Lerne also, größre Lust zu haben an Armuth denn an Reichthum, Müßiggang und Wohllust und laß dir genügen an den Gütern, die uns von Christo angeboten wurden, der da will, daß wir sie in seinem Kreuz suchen und unser Kreuz geduldig auf uns nehmen und ihm nachfolgen.“

Aus einem andern Brief Laborie’s: „Liebe Schwester Anna, ich habe deinen Brief vom 15. Sept. so wie auch die Kleidungsstücke erhalten, die du mir geschickt; es ist mir lieb, daß du bei diesem Froste an mich gedacht. An den Wohlthaten, die dir Gott erzeigt, ersehe ich die Frucht meines Gebetes. Zwar mein Tod kommt dir schwer an, und du bekümmerst dich darüber heftig; ich konnte das voraus denken, denn ich kenne deine Schwachheit. Aber ich ermahne dich, daß du derselben widerstehest. Ich machte dich mit dem Gedanken vertraut, dich meiner nicht anders zu erinnern denn eines Todten, der bereits zu Asche verbrannt ist, dem du nicht weiter verpflichtet bist als zu brüderlicher Liebe, daß du für mich betest, so lange ich in diesem elenden Leibe auf Erden wohne. Tröste dich mit der Ruth, der Moabitin! Meinst du, Gott werde zugeben, daß es dir an leiblicher Nothdurft mangle? mit nichten. Er wird für dich und nicht weniger auch für deine Tochter sorgen. Du und mein Töchterlein werdet nach meinem Tode viel reicher sein, als ihr jetzo seid. Ich will dich hiermit sammt deiner Tochter dem treuen Gott befohlen haben, welcher euer gewiß sorgfältiger und herzlicher hüten wird, denn ich selbst hätte thun können.“

Auch Johan Vernons Briefe aus dem Gefängniß sind es werth, daß einige Stellen derselben mitgetheilt werden. „Wer mit einem Rechtschaffenen zu schaffen hat, darf ohne Kummer sein, besonders wenn er von ihm geliebt wird. Nun haben wir es mit Gott zu thun, der seines Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns Alle dahin gegeben, wie sollte er mit ihm uns nicht alles schenken? Verlassen wir uns auf den lebendigen Gott, der bereitwilliger ist zu geben, denn wir zu empfangen! Viele wahre Gläubige werden am jüngsten Tag wider solche Scheinchristen auftreten, welche sich einen besondern seidenen oder sammtnen Christum ihres Gefallens einbilden und ein vom Kreuz und Ungemach abgesondertes Christenthum haben wollen.“ Vernon schrieb seiner Schwester: „Durch das Kreuz werden wir unserm Herrn Jesu gleichförmig gemacht nicht allein in dem, daß wir leiden und sterben wie er, sondern auch in dem, daß wir seiner Heiligung theilhaft werden und so mit ihm durch das Kreuz und die Heiligung zur ewigen Freude und Herrlichkeit eingehen.“

Trigalet schrieb seinem Schwager: „Der gütige Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, dessen Gefangene wir sind, wird uns seine Gnade erzeigen, daß wir seinen heiligen Namen preisen und seine Kirche erbauen können, sei es, daß wir scheiden durch Wasser oder Feuer aus dieser elenden Welt.“

Taurant sagt in einem Abschiedsbriefe seinem Freund: „Pein und Folterung nehme ich an als Mittel, durch welche mich Gott ihm selber näher bringen will. Fordert er mich durchs Feuer, so tröste ich mich der drei Jünglinge, die im Feuerofen zu Babel lebendig erhalten worden sind. Und ich weiß, daß Gottes Macht heute nicht geringer ist. Fordert er mich durchs Wasser, so tröst ich mich der Kinder Israel, die durchs rothe Meer unverletzt hindurchgegangen. Er mache es mit mir, wie er will, so bin ich gar wohl damit zufrieden.“

Die Brüder schrieben auch an Calvin und von ihm, dessen Trostbriefe damals durch treue Boten in alle Kerker und in die Hände der Verfolgten kamen, haben wir noch drei Briefe an die Gefangenen zu Chambery vom 5. Sept. und 8. Oct. 1555. Im Briefe vom 5. Sept. sagt er ihnen: „Laborie und Trigalet können auch betreffend ihre nächsten Verwandten getrost sein, denn sie ergeben sich gelassen in Gottes Willen.“ „Vor Allem,“ sagt er ferner, „verlasset euch auf Gottes väterliche Güte und zweifelt nicht, er halte eure Leiber und Seelen in seiner Obhut; und da das Blut seiner Gläubigen ihm theuer ist, so wird er das in Wirklichkeit auch an euch erweisen, nachdem er euch zu seinen Zeugen erwählt hat.“ In einer Berufung der fünf an den König, die sie ihm zur Prüfung zugesandt, hätte er zwar einige Ausdrücke anders gewünscht; „doch,“ sagt er, „will ich lieber, es bleibe, wie es Euch Gott eingegeben. Wenn die Welt eine solche gerechte und heilige Berufung auf das Recht nicht annimmt, so wird sie doch den Beifall Gottes haben, seiner Engel und Propheten und der ganzen Kirche. Alle Gläubigen, die sie lesen, werden Gott preisen um das, was er euch durch seinen heiligen Geist eingegeben.“ Am 5. Oct. schrieb ihnen Calvin u. A.: „Es ist eine der größten Listen Satans, durch in die Länge ziehen die zu ermüden, die er im ersten Ueberfall nicht schlagen konnte. Aber Gott wird eure Standhaftigkeit befestigen, daß ihr ausharrt bis ans Ende.“

An dem Tage, da sie zur Richtstätte geführt wurden, fand ein Mann, der sich um sie viel bemüht hatte, Gelegenheit in ihren Kerker zu kommen und ihnen eilends die Nachricht des Urtheilsspruches des Parlaments von ihnen beizubringen, und sie zu trösten und zur Standhaftigkeit zu ermuntern. Da erhoben sie ihre Stimme und dankten Gott für die ihnen gewordene Gnade. Vernon aber erschrak bei der ersten Ankündigung des Todes so, daß er an allen Gliedern zitterte, und sagte: ich fühle in mir einen heftigeren Kampf, als dem Menschen gegeben ist, auszufechten, jedoch wird der Geist dies vermaledeite Fleisch bezwingen und ich bin überzeugt, daß der gute Gott mich nicht verlassen wird. Ich bitte Euch, meine Brüder, ärgert euch nicht an mir; ich werde nicht sinken; denn Gott hat verheißen, daß er uns nicht lassen will in unsrer Trübsal; und diese Todesfurcht muß uns wohl von unsrer Schwachheit überzeugen, damit alle Ehre ihm bleibe.„

Als sie auf dem Richtplatz standen, gewann Vernon, was er sich von der Güte Gottes versprochen hatte, ein seliges Ausharren und jene Kraft, die eines Christen würdig ist. Er zuerst wurde von den Henkern ergriffen und ehe er festgebunden ward, sprach er sein Gebet: „Herr, ich bekenne vor dir, daß ich ein armer Sünder bin u. s. w.,“ auch sein Glaubensbekenntniß, und empfahl seinen Geist dem Herrn, also daß er alle Schmerzen des Todes und seine Feinde besiegte.

Anton Laborie fühlte gar keine Todesschrecken; als ob er zu einem Freudenmahle ginge, stellte er sich freudig und muthig dar. Ehe er starb, wurde er vom Henker um Verzeihung gebeten. Laborie antwortete: „Mein Freund, du beleidigst mich nicht und durch dein Thun werde ich aus einem gar schlimmen Gefängniß befreit.“ Nach diesen Worten küßte er ihn. Mehrere unter dem Volk wurden von Mitleid bewegt und weinten bei diesem Anblick. Darauf sprach er das von Vernon begonnene Gebet ganz aus, dann mit lauter Stimme sein Bekenntniß und gab seinen Geist mit bewundernswürdiger Standhaftigkeit auf.

Johan Trigalet stellte sich dem Tode ebenfalls mit freudigem Herzen und mit Heiterkeit und sagte, für seine Feinde bittend: „es sind mehrere unter ihnen, die nicht wissen, was sie thun, einige aber, die es wohl wissen und durch Satans Zauber gehalten und trunken vom Erdenglück, ihren Glauben nicht bekennen wollen. Aber mein Gott, ich bitte dich, löse ihre Fesseln.“ Darauf: „Ich sehe dich schon hoch auf deinem Thron und die Himmel geöffnet, wie du sie deinem Diener Stephan gezeigt hast“ und so gab er seinen Geist auf.

Bataille bekannte laut, sie seien nicht auf dem Richtplatz als Diebe und Mörder, sondern weil sie für die Sache Gottes gestritten. Und nachdem er gebetet, wurde er bald hingerichtet.

Der letzte, Taurant, sprach einige Psalmstellen, die deutlich gehört wurden; obgleich jung, zeigte er nicht weniger Standhaftigkeit als die andern und mit großem Eifer und starker Stimme betend, starb er.

A. E. Fröhlich in Aarau

Evangelisches Jahrbuch für 1856
Herausgegeben von Ferdinand Piper
Siebenter Jahrgang
Berlin,
Verlag von Wiegandt und Grieben
1862

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